Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 7. Februar 2017
07.02.2017 17:55

GEWINNEINBRUCH: (Altdorf) Der Industriekonzern Dätwyler hat im Geschäftsjahr 2016 den Umsatz um 4,3 Prozent auf 1,216 Milliarden Franken gesteigert. Beim Gewinn dagegen drückte die gescheiterte Übernahme des britischen Elektronikgrosshändlers Premier Farnell auf das Ergebnis. Weil der Konzern einmalige Kosten zur Währungsabsicherung und Währungsverluste hatte, reduzierte sich der Gewinn um 30 Prozent auf noch 57,6 Millionen Franken. Dennoch sind weitere Akquisitionen geplant. Für 2017 rechnet Dätwyler mit einem Umsatz zwischen 1,25 Milliarden und 1,35 Milliarden Franken. Bis 2020 strebt der Konzern unverändert einen Umsatz von 2 Milliarden Franken an.

POSITIVE STIMMUNG I: (Bern) Die Konsumenten gehen davon aus, dass sich die Schweizer Wirtschaft erholt. Der Index der Konsumentenstimmung liegt im Januar bei minus 3 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit Juli 2014, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mitteilte. Nachdem der Index sechs Mal in Folge bei unterdurchschnittlichen Werten gelegen hatte, zeigt sich nun erstmals wieder ein überdurchschnittliches Konsumklima. Die Schweizer Haushalte sehen die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr pessimistisch und sie betrachten die finanzielle Lage optimistischer. Zudem sind derzeit überdurchschnittlich viele Haushalte der Auffassung, nun sei ein guter Zeitpunkt für grössere Anschaffungen.

POSITIVE STIMMUNG II: (Zürich) Das Geschäftsklima in der Schweiz hat sich zwar zum ersten Mal seit drei Jahren wieder verbessert. Allerdings zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr nur eine leichte Verbesserung. Damit sind die Unternehmen vorsichtiger als die Konsumenten. Die überwiegende Mehrheit mittelständischer Unternehmen in der Schweiz bewertet ihre aktuelle Geschäftslage positiv. Zudem bleiben die Firmen zuversichtlich, was ihre weitere Entwicklung anbetrifft. Das zeigt das Unternehmensbarometer 2017, das die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY vorlegte. Zudem rechnet ein grösserer Anteil der Firmen als noch vor einem Jahr mit einer Verbesserung der Konjunktur. Aber die Mittelständler fürchten weiterhin den starken Franken. Und sie sehen es zunehmend als Problem, geeignete Fachkräfte zu finden.

WENIGER UMSATZ: (Hergiswil) Die Talfahrt im Schweizer Detailhandel hat sich auch 2016 fortgesetzt. Doch mit einem Rückgang von 0,8 Prozent sanken die Umsätze nicht mehr so stark wie noch vor einem Jahr (minus 1,9 Prozent). Lediglich in den vier Monaten Februar, April, August und November wiesen die Detailhändler ein Umsatzplus aus, wie dem GfK Markt Monitor zu entnehmen ist. Die restlichen Monate lagen entweder im Minus oder schlossen pari ab. Die Schwere zwischen dem Lebensmittel- und dem Non Food-Handel habe sich weiter geöffnet, hiess es. So konnte der Lebensmittelbereich leicht um 0,1 Prozent zulegen, der Non Food-Bereich hingegen ging um 2,3 Prozent zurück. Doch auch das bedeutet gegenüber 2015 eine Verbesserung, als die Umsätze im Non Food-Handel um 3 Prozent und im Food-Handel um 1,1 Prozent zurückgingen.

TOURISMUS: (Bern) Der Januar hat sich deutlich winterlicher als noch der Dezember gezeigt: Schneefälle und Sonne in den Bergen haben den Pistenbetrieb angekurbelt. So konnten Schweizer Seilbahnen den schwachen Saisonstart grösstenteils aufholen. Per Ende Januar liegt die aktuelle Wintersaison mit 3,1 Prozent mehr Gästen und 3,2 Prozent mehr Transportumsatz über der Vorjahresperiode, wie Seilbahnen Schweiz (SBS) mitteilte. Dank der Schneefälle der letzten Tage herrschten nun auf die Sportferienzeit hin winterliche Bedingungen in den Bergen, schreibt der Verband. Einzig im Berner Oberland und in den Waadtländer und Freiburger Alpen liegen die Gästezahlen mit -6,5 und -0,3 Prozent noch unter den Vorjahreszahlen. Weil die Zahlen aber vor Jahresfrist ausgesprochen tief ausfielen, ist das gesamtschweizerische Plus gemäss SBS-Präsident Dominique de Buma zu relativieren. Die aktuelle Wintersaison ist sowohl bei den Gästezahlen (-12 Prozent) als auch beim Transportumsatz (-8,9 Prozent) unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

GELDPOLITIK: (Bern) Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind im Januar erneut leicht gesunken. Per Ende des Berichtsmonat lag der Wert bei 643,7 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Abnahme gegenüber Dezember von rund 1,6 Milliarden Franken. Die beiden leichten Rückgänge im Dezember und Januar folgten allerdings einem besonders starken Anstieg von über 17 Milliarden Franken im November. Ob und allenfalls wie stark die SNB jeweils am Devisenmarkt interveniert hat, ist aus den Zahlen nicht genau herauszulesen. Oft ist die Entwicklung auf Wechselkursschwankungen zurückzuführen. So sank der Euro-Franken-Kurs von 1,0737 per Ende Dezember auf 1,0654 per Ende Januar. Der US-Dollar-Franken-Kurs notierte per Ende Januar ebenfalls tiefer bei 0,9954 Franken nach zuvor 1,0160 Franken.

EINE MILLION PASSAGIERE: (Bern) Der deutsche Reisebusbetreiber Flixbus hat nach eigenen Angaben vergangenes Jahr in der Schweiz über eine Million Fahrgäste befördert, 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Europaweit waren es 30 Millionen Passagiere. Allein von Bern aus benutzten im vergangenen Jahr dreimal mehr Fahrgäste die Flixbus-Fahrzeuge als bei der Anbindung der Bundesstadt ans Flixbus-Netz im September 2015. Das teilte das Unternehmen mit. Auch in weiteren Schweizer Städten legen die grünen Busse dieses Unternehmens Halte ein.

OERLIKON INVESTIERT: (Pfäffikon SZ) Der Industriekonzern Oerlikon erweitert seinen Bereich additive Fertigung erneut. Nachdem Ende November die deutsche Citim GmbH übernommen worden war, will Oerlikon nun in den USA in den Jahren 2017 und 2018 ein Forschungs-und Produktionszentrum für additiv gefertigte Komponenten errichten. Oerlikon investiert dabei 55 Millionen Franken und wird gegen 100 neue Arbeitsplätze schaffen, wie das Unternehmen mitteilte. Der Konzern geht davon aus, dass die Nachfrage nach additiv gefertigten Metallbauteilen in den nächsten Jahren stark zunehmen wird.

RÜCKVERSICHERUNG 1: (München) Steigende Schäden aus Naturkatastrophen zum Jahresende haben den weltgrössten Rückversicherer Münchener Rück 2016 ein besseres Ergebnis gekostet. Der Nettogewinn ging um eine halbe Milliarde auf rund 2,6 Milliarden Euro zurück, wie die Münchener Rück mitteilte. Angepeilt hatte der Münchener Konzern zuletzt "deutlich über 2,3 Milliarden Euro". Grund für den Gewinnrückgang ist unter anderem der Umbau der Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo, der dort 2016 zu einem kleinen Verlust führte. Die Münchener Rück habe den niedrigen Zinsen und dem scharfen Wettbewerb in der Rückversicherung damit getrotzt, sagte Finanzchef Jörg Schneider. Der Hurrikan "Matthew" und ein Erdbeben in Neuseeland, die die Münchener Rück zusammen fast eine halbe Milliarde Euro kosteten, verhagelten ihr das vierte Quartal.

RÜCKVERSICHERUNG 2: (Frankfurt) Die Hannover Rück hat dank geringer als erwartet ausgefallener Grossschäden ihre eigenen Gewinnerwartungen 2016 übertroffen. Das Nettoergebnis des Rückversicherers stieg nochmals leicht auf 1,17 (Vorjahr: 1,15) Milliarden Euro, wie Hannover Rück mitteilte. Der Konzern hatte 950 Millionen Euro angepeilt, zuletzt aber schon einen Milliardengewinn ins Auge gefasst. Das Ergebnis in der Schadenrückversicherung habe sich nochmals verbessert, hiess es zur Begründung. Die Bruttoprämie sei erwartungsgemäss auf 16,4 (17,1) Milliarden Euro geschrumpft. Das trieb auch das Ergebnis der Muttergesellschaft Talanx überraschend stark nach oben. Nach vorläufigen Zahlen habe der Nettogewinn im vergangenen Jahr leicht über 900 Millionen Euro gelegen. 2015 hatte der Nettogewinn bei 734 Millionen Euro gelegen.

SCHWARZE ZAHLEN: (London) Der Ölkonzern BP hat im Schlussquartal 2016 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Dabei profitierte der Konzern vor allem von einer deutlichen Erholung im Geschäft mit der Förderung von Öl und Gas. Im Zeitraum von Oktober bis Dezember gelang ein Gewinn von 497 Millionen US-Dollar nach einem Verlust von 3,3 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Bei einer wichtigen Kennziffer für Finanzanalysten enttäuschte BP aber die Erwartungen: Der um Sonderposten bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten - also ohne Veränderungen der Lagerbestände und Bewertungseffekte - lag bei 400 Millionen Dollar. Experten hatten mit deutlich mehr gerechnet.

SCHULDENKRISE: (Washington) In der Führung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gibt es Unstimmigkeiten in der Bewertung von Griechenlands Schuldenlast. Das geht aus einer Mitteilung des Fonds nach einer Sitzung seines Direktoriums hervor. Demnach waren zwar die meisten IWF-Direktoren der Ansicht, dass die bisherigen Sparanstrengungen des Landes ausreichen, um den Überschuss im Staatshaushalt ohne Zinszahlungen (Primärüberschuss) mittelfristig auf rund 1,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu bringen. Einige andere Direktoren plädierten aber für einen Zielwert von 3,5 Prozent. Dies ist das Niveau, das in den Verhandlungen Griechenlands mit seinen Euro-Partnern für die Zeit ab 2018 vorgegeben wurde. Den Schuldenstand von 179 Prozent des BIP betrachtet der Fonds derzeit als nicht tragfähig.

GM WÄCHST: (Detroit) Der US-Autokonzern General Motors (GM) ist im Schlussquartal weiter gewachsen. Der weltweit drittgrösste Autohersteller hinter Volkswagen und Toyota steigerte den Umsatz um knapp 11 Prozent auf 43,9 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr gab es ein Plus von 9,2 Prozent auf 166,4 Milliarden Dollar. Der Reingewinn 2016 lag mit 9,4 Milliarden Dollar gleichwohl 2,7 Prozent unter dem Vorjahr. GM kündigte an, sein Programm zur Kosten-Einsparung für den Zeitraum 2015 bis 2018 um eine Milliarde auf 6,5 Milliarden Dollar auszuweiten. Die deutsche Tochter Opel kam indes auch 2016 nicht aus den roten Zahlen heraus. GM wies für ihr Europa-Geschäft einen Jahresverlust von 257 Millionen Dollar aus.

CHINA MIT WENIGER DEVISEN: (Peking) Die chinesischen Reserven an fremden Währungen sind unter die Grenze von drei Billionen US-Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Wie die staatliche Devisenbehörde berichtete, ging die Summe im Januar den siebten Monat in Folge zurück und erreichte rund 2,998 Billionen US-Dollar. Die stetige Verringerung der Reserven wurde mit den Eingriffen am Währungsmarkt und den andauernden Kapitalabflüssen aus der zweitgrössten Volkswirtschaft begründet. Die chinesische Währung steht unter Druck, so dass die Zentralbank den Yuan gegen den US-Dollar stützt. Auch war die Nachfrage nach ausländischen Währungen wegen der Reisezeit über das chinesische Neujahrsfest höher.

MODEBRANCHE WÄCHST: (Mailand) Die italienische Modebranche hat sich 2016 besser als erwartet geschlagen. Ihr Umsatz stieg um 1,9 Prozent auf 84,1 Milliarden Euro, wie ihr Verband Camera Nazionale della Moda Italiana (CNMI) mitteilte. Das ist eine halbe Milliarde mehr als noch im September erwartet. "In einem schwierigen Markt sind diese Zahlen sehr beruhigend", sagte CNMI-Präsident Carlo Capasa, dessen Verband 66'000 Unternehmen in den Bereichen Kleidung, Schmuck, Kosmetik und Accessoires vertritt. Sie beschäftigen knapp 630'000 Mitarbeiter.

NEUER CHEF: (Neckarsulm) Nach Differenzen über die Geschäftsstrategie bei Lidl verlässt der bisherige Vorstandsvorsitzende Sven Seidel (43) den Discounter. Das bisherige Vorstandsmitglied Jesper Hojer (38) übernimmt dessen Aufgaben. Dies teilte die Schwarz Gruppe, zu der Lidl gehört, mit. Grund für den Wechsel seien "unterschiedliche strategische Geschäftsauffassungen". Die Trennung sei einvernehmlich erfolgt. Seidel hatte im Frühjahr 2014 als Chef angefangen. Nachfolger Hojer ist im Lidl-Vorstand bisher für den internationalen Einkauf bei Lidl zuständig. Die Discounterkette ist auf Expansionskurs, zudem will das Unternehmen sein deutsches Filialnetz mit Milliardeninvestitionen in den kommenden Jahren auf Vordermann bringen. Seit März 2009 ist Lidl in der Schweiz mit Filialen am Markt. Lidl Schweiz betreibt in Weinfelden TG und Sévaz FR zwei Warenverteilzentren. Diese bedienen über 100 Filialen in der ganzen Schweiz. Das Unternehmen beschäftigt rund 3000 Mitarbeitende.

(AWP)