Tagesüberblick Wirtschaft

Donnerstag, 9. Februar 2017
09.02.2017 17:48

GESTIEGEN: (Bern) Im Januar ist die Arbeitslosenquote in der Schweiz von 3,5 Prozent im Vormonat auf 3,7 Prozent gestiegen. Der Anstieg ist allerdings saisonal bedingt. Besonders auf dem Bau wurden im Januar mehr Arbeitslose registriert. Ende Januar waren 164'466 Menschen arbeitslos gemeldet - rund 5000 mehr als im Dezember. Gegenüber der Vorjahresperiode legte die Arbeitslosigkeit um 0,5 Prozent zu. Saisonbereinigt verharrte die Arbeitslosenquote bei 3,3 Prozent. Die Zahl der Stellensuchenden belief sich dabei auf 226'861 Personen. Das sind 3448 Menschen mehr als im Dezember. Die Jugendarbeitslosigkeit (15- bis 24-Jährige) erhöhte sich im Dezember von 3,5 auf 3,6 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren jedoch rund 1400 Jugendliche weniger arbeitslos. Bei den über 50-jährigen nahm die Zahl der Arbeitslosen um 1274 Personen zu. Die Quote stieg von 3,0 auf 3,1 Prozent.

AUFATMEN: (Zürich) Der Versicherungskonzern Zurich Insurance hat für das abgelaufene Geschäftsjahr sehr gute Resultate vorgelegt. Der Reingewinn 2016 stieg laut Angaben des Zurich-Konzerns um 74 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Allein im vierten Quartal legte der Konzerngewinn auf 685 Millionen Dollar zu - nach einem Verlust von 424 Millionen Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Gesamtjahresumsatz stagnierte allerdings bei rund 68 Milliarden Dollar. Zu den Stellenreduktionen bis 2019 sagte der seit März 2016 agierende Konzernchef Mario Greco, dass er keine genaue Zahl vor Augen habe. Die vor rund einem Jahr genannte Zahl von 8000 obsoleten Stellen wollte Greco nicht kommentieren.

BLICK NACH VORN: (Zürich) Laut Kuoni-Schweiz-Chef Dieter Zümpel hat der Reiseanbieter die Talsohle durchschritten - sowohl bei den Umsätzen als auch beim Stellenabbau. "Wir haben bei den betriebsbedingten Kündigungen das Gröbste hinter uns." 2016 baute Kuoni Schweiz rund 8 Prozent Stellen ab. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 1323 auf 1216. Die Geschwindigkeit beim Sparen werde verlangsamt, sagte Zümpel im Interview mit dem Branchenmagazin "Travel Inside" nach seinen ersten 100 Tagen als Kuoni-Schweiz-Chef. 2016 werde Kuoni noch mit einem deutlich zweistelligen Minusergebnis abschliessen. Seit 2015 gehört Kuoni DER Touristik, einer Tochter der deutschen Rewe-Gruppe.

STREICHEN UND AUFBAUEN: (Bern) Von den 500 Stellen, die die Swisscom im laufenden Jahr streichen will, fällt etwa die Hälfte dem Spardruck zum Opfer. Die andere Hälfte ist dem Wandel geschuldet, den der Telekomanbieter im Zug der Digitalisierung durchläuft. Es werden also rund 250 dieser Stellen an anderer Stelle im Konzern neu entstehen. Das erklärten Giorgio Pardini, bei der Gewerkschaft Syndicom Leiter des Sektors ICT, und Pascal Bassu, Personalvertreter bei der Swisscom, an einer Medienveranstaltung in Bern. Die Gewerkschafter betonten, dass es bei der Ankündigung, die Swisscom wolle 500 Stellen streichen, nicht um Entlassungen gehe. Vielmehr stehe Syndicom in engem Kontakt mit dem staatsnahen Betrieb, dass so viele Mitarbeitende wie möglich an anderer Stelle im Unternehmen eine neue Beschäftigung finden.

PASSAGIERPLUS: (Zürich) Im Januar sind 1,2 Millionen Fluggäste mit der Swiss geflogen. Das sind 5,1 Prozent mehr als noch im Vorjahresmonat. Im Lufthansakonzern, zu dem die Swiss gehört, stieg die Zahl der beförderten Fluggäste zu Jahresbeginn um 12,6 Prozent auf 7,9 Millionen, wie Swiss und Lufthansa mitteilten. Trotz mehr Passagieren führte die Swiss im Januar 2 Prozent weniger Flüge durch. Die laufende Ausrüstung der Flotte mit neuen und grösseren Flugzeugen wirkte sich damit bereits aus. Die Auslastung der Flüge verbesserte sich unter dem Strich leicht. Durchschnittlich waren 77,3 von 100 Sitzen belegt, gegenüber 76,4 im Januar 2016.

KAFFEEKONSUM: (Kirchberg) Kaffee in seinen verschiedenen Varianten ist in der Schweiz äusserst beliebt. Pro Tag werden über 4,5 Millionen Kaffees unterwegs und am Arbeitsplatz getrunken. Jährlich werden hierzulande rund 150 Millionen Liter Kaffee konsumiert, wie Selecta, der Schweizer Marktführer bei den Kaffeeautomaten, errechnet hat. Betrachtet man den Pro-Kopf-Verbrauch, zeigt sich, dass die St. Galler mit Abstand die grössten Kaffeegeniesser sind. Sie trinken knapp 40 Prozent mehr als die zweitplatzierten Zürcher . Auf Platz drei bringen es die Schaffhauser nur noch knapp auf die Hälfte des St. Galler Konsums. Am Schluss der Tabelle stehen die Bündner.

GEWINNEINBRUCH: (Zürich) Die Fintech-Firma Leonteq muss nach einem massiven Gewinneinbruch 2016 den Gürtel noch enger schnallen. Das laufende Sparprogramm wird ausgeweitet. Geschäftsleitung und Verwaltungsrat verzichten zudem auf Boni, respektive einen Teil der Vergütungen. Schwierige Marktbedingungen und zu hohe Investitionen führten beim Fintech-Unternehmen 2016 zu einem Gewinneinbruch um drei Viertel auf 17,2 Millionen Franken. Der Derivate-Anbieter litt im vergangenen Jahr vor allem unter einem stark gestiegenen Geschäftsaufwand, gleichzeitig gingen aber auch die Erträge zurück.

MEHR PERSONAL: (Stans) Der Flugzeughersteller Pilatus stockt sein Personal deutlich auf. Laut Verwaltungsratspräsident Oscar Schwenk kamen zu den rund 2000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr rund 150 dazu, dieses Jahr sollen es weitere 180 sein. Derzeit arbeitet das Stanser Unternehmen mit Hochdruck am neuen Businessjet PC-24. "Es ist eine Herkulesaufgabe", sagte Schwenk im Interview mit der "Handelszeitung". Der Druck nehme zu, die Zeit fehle. Dennoch zeigte sich Schwenk überzeugt, dass der Zeitplan eingehalten wird. Im November sollen die ersten Flieger ausgeliefert werden.

HÖHERE KOSTEN: (Zürich) Die grösste Schweizer Krankenkasse Helsana hat im vergangenen Jahr unter dem Strich 98 Millionen Franken verdient. Im Vorjahr noch hatte die Rückgabe überschüssiger Reserven an die Kunden in der Grundversicherung den Gewinn auf 16 Millionen Franken gedrückt. Zum Vergleich: 2014 betrug der Reingewinn 138 Millionen Franken. Einen massgeblichen Teil Ergebnis 2016 habe das "ausgezeichnete" Kapitalanlageergebnis beigetragen, teilte Helsana mit. Die Prämieneinnahmen stiegen mit einem Plus von 6,5 Prozent stärker an als die Versicherungsleistungen, die um rund 4 Prozent zulegten. Die Kosten hätten in sämtlichen Kategorien zugenommen, schreibt die Gruppe. Die höheren Kosten federte die Krankenkasse über höhere Prämien und tiefere Rabatte im Spitalzusatzversicherungsbereich ab.

CHEFWECHSEL: (Bülach ZH) Der Glasverpackungshersteller Vetropack hat die Nachfolge an der Spitze intern geregelt. Ab 2018 soll Johann Reiter, derzeit Leiter des Geschäftsbereichs Schweiz/Österreich, Claude Cornaz als Gruppenchef ablösen. Cornaz führte das Familienunternehmen 18 Jahre lang. Er soll Vetropack auch nach seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft erhalten bleiben. Cornaz wird der Generalversammlung 2018 als neuer Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen, wie Vetropack auf der Unternehmenswebsite mitteilte. Der amtierende Verwaltungsratspräsident Hans Rüegg verlässt den Verwaltungsrat 2018 altershalber.

NEUER FINANZCHEF: (Basel) Der Verwaltungsrat des Versicherungskonzerns Bâloise hat Carsten Stolz zum neuen Finanzchef (CFO) ernannt. Matthias Henny wird zudem Investmentchef (CIO). Beide werden ihre Funktionen am 1. Mai antreten. Stolz ist bereits seit 15 Jahren bei Bâloise tätig. Seit 2011 ist er als Leiter Finanzen und Risiko Geschäftsleitungsmitglied der Basler Versicherungen Schweiz. Henny ist seit 2012 Chef der Baloise Asset Management AG. Die Neubesetzung der beiden Positionen wurde nötig, weil German Egloff (CFO) und Martin Wenk (CIO) nach langjähriger Tätigkeit bei der Bâloise im vergangenen Herbst ihren Rücktritt angekündigt hatten.

UMSATZPLUS: (Hinwil ZH) Die in der Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik tätige Belimo-Gruppe ist 2016 kräftig gewachsen. Der Umsatz kletterte um 8,2 Prozent auf 533,7 Millionen Franken. Währungseffekte herausgerechnet entspricht das einem organischen Wachstum von 6,8 Prozent. Damit hat sich das Wachstum, wie von Belimo erwartet, in der zweiten Jahreshälfte gegenüber der ersten verlangsamt. Im ersten Halbjahr schoss der Umsatz um 10,2 Prozent hoch. Aufgrund von vorläufigen Zahlen erwartet die Gruppe ein Betriebsergebnis (EBIT) von rund 86 Millionen Franken, nach 74,6 Millionen Franken im Vorjahr. Unter dem Strich soll ein Gewinn von 69 Millionen Franken stehen, nach 56,2 Millionen Franken im Vorjahr.

MEHR FORSCHUNGSAUSGABEN: (Schlieren ZH) Das Biotechnologieunternehmen Molecular Partners hat 2016 erneut mehr Geld in die Forschung und Entwicklung gesteckt. Die Ausgaben des Unternehmens stiegen damit von 31,3 Millionen auf 42,5 Millionen Franken. Der Reinverlust weitete sich von 0,1 Millionen auf 18,6 Millionen Franken aus. Operativ stieg der Verlust von 2,2 auf 19,5 Millionen Franken, wie die vor allem in der Forschung von Medikamenten gegen Augenkrankheiten und Krebs tätige Firma mitteilte. Die Verluste kann sich Molecular Partners derzeit noch gut leisten. Die liquiden Mittel verringerten sich zwar von 215,4 Millionen Ende 2015 auf 180,2 Millionen Franken Ende 2016. Laut Mitteilung reicht das Geld damit aber mindestens noch für weitere drei Jahre.

ERNEUTER REKORD: (Emmen LU) Das IT-Logistikunternehmen Also hat den Gewinn im Geschäftsjahr 2016 deutlich steigern können. Nach Angaben des Konzerns ist es das sechste Rekordergebnis in Folge. Vor Steuern (EBT) erzielte der IT-Dienstleister einen Gewinn von 113,9 Millionen Euro (+25,4 Prozent). Unter dem Strich steigerte sich der Konzerngewinn gar um 32,3 Prozent auf 83,2 Millionen Euro. Der Umsatz stieg indes nur leicht an - um 2,5 Prozent auf 8 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatten noch hohe Abschreibungen und Sonderkosten das Ergebnis belastet. Diese fielen nun weg. Der Verwaltungsrat stellt eine Dividendenerhöhung auf 2.25 Franken von 1.90 Franken im Vorjahr in Aussicht.

WENIGER DURST: (Atlanta) Beim US-Getränkeriesen Coca-Cola sind die Erlöse zum Jahresende weiter gesunken. Im vierten Quartal ging der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreswert um sechs Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar zurück, wie der Pepsi-Rivale mitteilte. Das Unternehmen machte den starken Dollar, der Auslandseinnahmen nach Umrechnung in die US-Währung reduziert, sowie Kosten für den Konzernumbau für das Minus verantwortlich. Auf vergleichbarer Basis habe es einen Anstieg um sechs Prozent gegeben. Der Gewinn brach sogar um 56 Prozent auf 550 Millionen Dollar ein. Grund waren allerdings vor allem Sonderfaktoren wie etwa eine Steuergutschrift im Vorjahreszeitraum.

VERLUST AUSGEWEITET: (San Francisco) Twitter hat im vergangenen Quartal nicht von der Aufmerksamkeit für den US-Wahlkampf und die Tweets von Donald Trump profitieren können. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer legte nur um 2 Millionen auf 319 Millionen zu. Der Quartalsverlust wuchs unterdessen von 90 Millionen Dollar auf 167 Millionen Dollar zuvor. Mit einem Umsatzplus von 0,9 Prozent auf 717,2 Millionen Dollar verfehlte der Kurznachrichtendienst die Erwartungen der Analysten. Im dritten Quartal hatte Twitter noch vier Millionen Nutzer dazugewonnen. Der Kurznachrichtendienst kämpft schon seit längerem mit verlangsamtem Wachstum und roten Zahlen. Trump hatte im Wahlkampf und auch in seinen ersten Wochen als Präsident für viel Aufsehen mit seinen umstrittenen Twitter-Nachrichten gesorgt.

IM AUFWIND: (Singapur) Boeing hat einen Grossauftrag von Singapore Airlines an Land gezogen. Der Airbus-Rivale liefert 39 Grossraumflieger im Wert von 13,8 Milliarden Dollar. Damit solle die Flotte modernisiert, Wachstum gesichert und der Kerosinverbrauch gedrückt werden, sagte Singapore-Airlines-Chef Goh Choon Phong. Boeing baut 20 Flieger der Baureihe 777-9 für Singapore Airlines. Dazu kommen 19 Jets des Modells 787-10. Das Geschäft ist ein Rückschlag für den europäischen Konkurrenten Airbus. Das Unternehmen hat den Bau einer grösseren Version seines A350 signalisiert. Allerdings wurden die Pläne erst einmal auf Eis gelegt angesichts der ungewissen Nachfrage nach Grossraumflugzeugen.

WERBUNG BEI TRUMP: (Washington) Der Chiphersteller Intel will 7,0 Milliarden Dollar in die Fertigstellung eines US-Werks stecken. Das kündigte Konzernchef Brian Krzanich bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington an. Das "Fab 42" genannte Werk war allerdings zuvor schon von Barack Obama und dem damaligen Intel-Chef Paul Otellini gefeiert worden. Trumps Vorgänger hatte die Fabrik 2012 als Beispiel gelobt für ein "Amerika, das die nächste Generation von Jobs im verarbeitenden Gewerbe anzieht". Durch die Investition werde der Produktionsstandort Chandler im US-Bundesstaat Arizona erweitert, sagte Krzanich. Die Komplettierung der seit Jahren im Ausbau befindlichen Fertigungsstätte in den nächsten drei bis vier Jahren werde rund 3000 Arbeitsplätze entstehen lassen.

REKORDÜBERSCHUSS: (Berlin) Die deutsche Wirtschaft hat 2016 einen Exportüberschuss in Rekordhöhe erzielt. Die Ausfuhren übertrafen die Einfuhren um 252,9 Milliarden Euro. Die Aussenhandelsbilanz schloss daher mit dem bislang höchsten Überschuss ab. Der bisherige Höchstwert im Jahr 2015 in Höhe von 244,3 Milliarden Euro wurde deutlich übertroffen. Die Exporte legten im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent zu auf den Höchstwert von gut 1,2 Billionen Euro. Dabei wuchs das Geschäft mit den EU-Ländern um 2,2 Prozent, während das mit dem Rest der Welt um 0,2 Prozent schrumpfte. Am Jahresende lief das Geschäft der deutschen Exportfirmen aber unerwartet schlecht. Die Ausfuhren fielen im Dezember um 3,3 Prozent zum Vormonat und damit dreimal so stark wie von Ökonomen erwartet.

GEWINN MIT SCHUHEN: (Herzogenaurach) Der Sportartikelhersteller Puma hat den Gewinn gegenüber dem schwachen Jahr 2015 um gut zwei Drittel auf 62,4 Millionen Euro steigert können. Der Umsatz kletterte 2016 um sieben Prozent auf gut 3,6 Milliarden Euro, wie der Adidas-Konkurrent mitteilte. Die grössten Wachstumsraten verzeichnete Puma auf den europäischen und afrikanischen Märkten. Das wichtigste Geschäft für den Sponsor von Sprintstar Usain Bolt ist nach wie vor jenes mit Sportschuhen. In dem Produktsegment verzeichnete die Marke auch die grössten Zuwächse.

STREIT ESKALIERT: (Hannover) Der deutsche Autokonzern Volkswagen und der frühere Verwaltungsratschef Ferdinand Piëch tragen ihren Streit um den Dieselskandal nun in aller Öffentlichkeit aus. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil wies Vorwürfe von Piech zurück, dass er und andere Verwaltungsräte bereits sechs Monate vor dem öffentlichen Bekanntwerden des Dieselskandals über die Abgasmanipulationen informiert waren. Medienberichten zufolge soll Piëch bei der Braunschweiger Staatsanwaltschaft Vorwürfe gegen Mitglieder des Aufsichtsrats erhoben haben. Demnach will er Ende Februar 2015 von einem Informanten den Hinweis erhalten haben, dass VW ein grosses Problem in den USA habe, weil das Unternehmen mit einer Software die Abgaswerte manipuliere.

VERFAHREN GEGEN ABGAS-SÜNDER: (Brüssel) Die EU-Kommission hat mehr Verfahren gegen Mitgliedsländer wegen Versäumnissen bei der Kontrolle von Auto-Abgaswerten angekündigt. Die EU-Staaten hätten versagt, die Gesetze durchzusetzen, kritisierte EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska im EU-Parlament. Deshalb werde es in den kommenden Monaten eine Reihe neuer Vertragsverletzungsverfahren geben. Bestimmte Länder nannte sie nicht. Die Brüsseler Behörde hat Anfang Dezember bereits Verfahren gegen Deutschland, Grossbritannien und andere Staaten eingeleitet. Die Regierungen sollen demnach die nationalen Vorgaben zur Verhängung von Strafen ignoriert haben, obwohl Volkswagen illegale Abschalteinrichtungen genutzt habe.

GEWINNEINBRUCH: (Frankfurt) Zinstief und Konzernumbau haben den Gewinn der deutschen Commerzbank 2016 deutlich geschrumpft. Der Reingewinn brach von knapp 1,1 Milliarden im Vorjahr auf 279 Millionen Euro ein. Zur Belastung wird auch die anhaltende Krise in der Schifffahrt. Der Konzernumbau, der wie geplant umgesetzt werden soll, ist unter anderem verbunden mit der Streichung von 9600 der zuletzt gut 45'000 Vollzeitstellen bis zum Jahr 2020. Weiter will sich die Bank stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren und das Investmentbanking einschränken. Die Commerzbank setzt verstärkt auf das Privatkunden-Geschäft, das deutlich weniger Kapital verschlingt als die Investmentbank und die Unternehmer-Sparte.

MILLIARDENVERLUST: (Mailand) Aufräumarbeiten bei faulen Krediten und anderen Problemfällen haben die italienische Grossbank Unicredit im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerissen. Unterm Strich fiel ein Verlust von annähernd 11,8 Milliarden Euro an, nach einem Gewinn von knapp 1,7 Milliarden Euro im Vorjahr, wie die Grossbank mitteilte. Die Grossbank ächzt angesichts der Wirtschaftsschwäche in Italien unter einem Berg fauler Kredite. Um ihr angegriffenes Kapitalpolster wieder aufzustocken, hat die Unicredit eine 13 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung auf den Weg gebracht, die noch bis Mitte März läuft. "Im Tagesgeschäft haben wir uns 2016 wacker geschlagen", versicherte Konzernchef Jean Pierre Mustier in Mailand. Dazu hätten Einsparungen beigetragen.

FUSION UNTERSAGT: (Washington) Ein US-Bundesgericht hat eine weitere Mega-Übernahme amerikanischer Krankenversicherer untersagt. Die Fusion der beiden Anbieter Anthem und Cigna würde zu einer noch stärkeren Konzentration auf dem Markt und wahrscheinlich höheren Preisen führen, urteilte das Gericht der Hauptstadtregion Washington. Der Zusammenschluss hätte ein Volumen von 54 Milliarden Dollar gehabt. Die US-Regierung hatte Bedenken angemeldet, der Deal könnte den Wettbewerb einschränken. Die Unternehmen hatten sich durch die Fusionen neben Einsparungen eine bessere Position in den Preisverhandlungen mit Krankenhäusern und Ärzten erhofft.

GETRÄNKE: Der weltgrösste Tequila-Hersteller José Cuervo hat bei seinem Börsengang 18,6 Milliarden Peso (900 Millionen Franken) eingesammelt. Der mexikanische Konzern verkaufte 548,1 Millionen Aktien inklusive einer Mehrzuteilungsoption, wie das Unternehmen mitteilte. Der Erlös soll in allgemeine Geschäftsausgaben und mögliche Zukäufe fliessen. Wegen der Talfahrt des Peso aufgrund des Erfolgs von Donald Trump bei der US-Wahl im vergangenen Jahr hatte José Cuervo den Börsengang zuletzt verschoben. José Cuervo kontrolliert rund 30 Prozent des globalen Tequila-Marktes. In den ersten neun Monaten 2016 erzielte die Firma einen Umsatz von rund 820 Millionen Franken und ein Gesamtergebnis von 190 Millionen Franken.

EXPORTREKORD: (Paris) Frankreich hat 2016 Weine und Spirituosen im Wert von 11,9 Milliarden Euro exportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Die Erlöse legten um 1,2 Prozent zu, obwohl die exportierte Menge gleich blieb, wie der Exporteur-Verband FEVS bekanntgab. Der neue Rekordwert ist dem Erfolg des Cognac und anderer hochprozentiger Getränke zu verdanken, die für ein Drittel der Exporte stehen. Französischer Wein, insbesondere der Exportschlager Champagner, erzielte dagegen etwas weniger Exporterlöse (minus 0,8 Prozent). Der Grund dafür sei vor allem der Einbruch im wichtigen britischen Markt um 8 Prozent. Der gefallene Kurs des britischen Pfunds machte französische Weine für Briten teurer. Grossbritannien ist mit 1,3 Milliarden Euro der zweitwichtigste Markt nach den USA und vor China.

(AWP)