Tagesüberblick Wirtschaft

Dienstag, 14. Februar 2017
14.02.2017 17:59

CS MIT MILLIARDENVERLUST: (Zürich) Die Credit Suisse weist für das Jahr 2016 einen Verlust von 2,44 Milliarden Franken aus. Hauptgrund für die erneut tiefroten Jahreszahlen sind Sonderkosten. So hat die Einigung im US-Hypothekenstreit das Ergebnis der Grossbank mit 2,7 Milliarden Franken belastet. Aber auch der Umbau der Bank hat zusätzliche Kosten von 540 Millionen Franken verursacht. 2015 hatte die Credit Suisse mit einem Minus von 2,94 Milliarden Franken einen noch höheren Verlust geschrieben. Damals war es eine Wertberichtigung, die der Grossbank das Ergebnis verhagelt hatte. Für das laufende Jahr kündigt die CS an, nach 7250 im letzten Jahr weitere 5500 Stellen abbauen zu wollen. Der Standort Schweiz ist davon nicht zusätzlich betroffen. Es bleibt beim bereits angekündigten Abbau von 1600 Stellen bis 2018.

COOP MIT GEWINNPLUS: (Muttenz BL) Die Coop-Gruppe hat im vergangenen Geschäftsjahr 14,1 Prozent mehr Gewinn erzielt. Unter dem Strich verdiente der Detailhandelsriese 475 Millionen Franken, 59 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. 2015 hatte allerdings eine Rückstellung von 60 Millionen Franken für die Pensionskasse den Gewinn gedrückt. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte um 6,6 Prozent auf 763 Millionen Franken, wie Coop an der Bilanzmedienkonferenz bekannt gab. Zum Ergebniszuwachs habe insbesondere der Geschäftsbereich Grosshandel und Produktion beigetragen. Der Gruppenumsatz stieg um 5,2 Prozent auf 28,3 Milliarden Franken.

BELL WÄCHST DANK ZUKÄUFEN: (Basel) Dank Übernahmen ist der Fleischverarbeiter Bell 2016 kräftig gewachsen: Der Umsatz schoss um einen Fünftel auf 3,4 Milliarden Franken hoch. Damit setzte Bell erstmals mehr als 3 Milliarden Franken um. Der Absatz stieg noch stärker: Insgesamt verkaufte die Coop-Tochter mit 414'260 Tonnen um die Hälfte mehr als im Vorjahr. Das starke Wachstum sei vor allem auf Akquisitionen zurückzuführen, teilte Bell mit. Bell kaufte im vergangenen Jahr unter anderem den österreichische Geflügelspezialisten Huber, die Zürcher Salat-Gruppe Eisberg sowie den Walliser Charcuteriespezialisten Cher-Mignon.

MEHR UMSATZ UND GEWINN: (Allschwil BL) Der Baselbieter Biotechkonzern Actelion hat 2016 mit seinen neuen Lungenmedikamenten kräftig Kasse gemacht. Der Produktumsatz stieg um 18 Prozent auf 2,412 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn kletterte um einen Fünftel auf 789 Millionen Franken, der Reingewinn um über einen Viertel auf 696 Millionen Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Damit erfüllte Actelion die eigenen Prognosen, die noch im Oktober angehoben worden waren. Umsatztreiber waren vor allem die neuen Medikamente, das Lungenmedikament Opsumit sowie das Lungenbluthochdruck-Medikament Uptravi. Die umsatzträchtigen Medikamente aus der Pharmaküche von Actelion haben den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson auf den Plan gerufen: J&J will Actelion für 30 Milliarden Dollar kaufen.

GROSSES KÖPFEROLLEN: (Zürich) Vor drei Wochen eine Gewinnwarnung und jetzt nimmt die Konzernspitze ihren Hut - der Backwarenkonzern Aryzta kommt vorerst nicht zur Ruhe. Aryzta-Verwaltungsratspräsident Gary McGann, erst seit Dezember im Amt, zieht offensichtlich die Reissleine. Konzernchef Owen Killian, Finanzchef Patrick McEniff und der Chef des Amerika-Geschäfts, John Yamin, werden auf Ende des Geschäftsjahres (Juli) ihre Ämter niederlegen, wie Aryzta mitteilte. Über einen Headhunter würden nun ihre Nachfolger gesucht. Bis dahin hat der Verwaltungsrat ein drei Mitglieder umfassendes Executive-Management-Team berufen, um für Stabilität bei Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten zu sorgen. Die Führungscrew besteht aus dem operativen Chef (COO) Europa, Dermot Murphy, dem COO des Amerika-Geschäfts, Ronan Minahan, und dem COO der Region Asien Pazifik/Naher Osten/Afrika (APMEA), Robert O'Boyle.

WENIGER VERDIENT: (Genf) Der Lohn von SGS-Chef Frankie Ng hat sich 2016 mehr als halbiert: Er erhielt 1,827 Millionen Franken, nach 3,811 Millionen Franken 2015. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor, den der Warenprüfkonzern auf der Website veröffentlichte. Die 3,811 Millionen Franken kassierte Ng in seinem ersten Jahr als SGS-Chef. Er war Mitte März 2015 Chris Kirk an der Spitze des Warenprüfkonzerns nachgefolgt. Die Lohneinbusse kam nun durch weniger Boni zustande: In dem Jahr hatte Ng Aktien im Wert von 2,169 Millionen Franken aus dem Langzeitvergütungsprogramm erhalten. Diese unterliegen einer Sperrfrist bis Ende 2017, erst dann kann Ng die Aktien beziehen. Für 2016 führte SGS kein Langzeitvergütungsprogramm durch.

STABILE PREISE: (Neuenburg) Trotz deutlich höheren Preisen an den Zapfsäulen sind die Konsumentenpreise in der Schweiz im Januar insgesamt stabil geblieben. Aktionen im Ausverkauf und billigere Flugtickets machten den Anstieg bei Benzin, Diesel und Heizöl wett. Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) verharrte im Januar im Vergleich zum Vormonat bei 100,0 Punkten. Damit ist das Preisniveau exakt gleich hoch wie im Dezember 2015. Die Kaufkraft der Konsumenten ist also erhalten geblieben. Sparen konnten die Verbraucher bei Schuhen und Bekleidung, die vor allem aufgrund des Ausverkaufs deutlich billiger wurden als noch im Dezember. Auch Flugbillete wurden günstiger. Auf der anderen Seite sind Autos, Kaffee, Mineralwasser oder neue Möbel teurer geworden. Auch für Hotelübernachtungen, Treibstoff und Heizöl schlugen deutlich auf. Diese gegenläufigen Tendenzen glichen sich insgesamt aus.

PENSIONSKASSEN STABIL: (Zürich) Die Schweizer Pensionskassen haben ihre Deckungsgrade 2016 auf dem Vorjahresniveau gehalten, wie aus dem Pensionskassenmonitor des Fondsanbieters Swisscanto hervorgeht. 97 Prozent der privatrechtlichen Vorsorgeeinrichtungen wiesen einen Deckungsgrad von 100 Prozent und mehr aus, teilte die Zürcher Kantonalbank zum Monitor ihrer Tochter Swisscanto mit. Bei den öffentlich-rechtlichen Kassen mit Vollkapitalisierung befinden sich 70,2 Prozent "über dem Strich". Die Vorsorgeeinrichtungen erwirtschafteten 2016 eine geschätzte vermögensgewichtete Rendite von 3,52 Prozent. Dieser Wert liegt leicht über der Sollrendite, die erforderlich ist, um den Deckungsgrad konstant zu halten.

MODEL MIT WACHSTUMSSPRUNG: (Weinfelden TG) Die auf Verpackungen spezialisierte Model-Gruppe mit Sitz in Weinfelden TG hat 2016 den Umsatz um 42 Prozent erhöht. Im vergangenen Geschäftsjahr sei ein konsolidierter Gruppenumsatz von 874 Mio. Franken erzielt worden, teilte die Model-Gruppe mit. Grund dafür ist vor allem die Akquisition der deutschen P-Well Gruppe. Der Kauf war im Januar 2016 bekanntgegeben worden. P-Well beschäftigte damals an verschiedenen Standorten in Deutschland rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wies 2015 einen Jahresumsatz von knapp 200 Mio. Euro aus. Mit der Akquisition konnte die Model-Gruppe ihr Absatzgebiet ausweiten. Model beschäftigt nun rund 4200 Mitarbeiter.

UNTER DEM HAMMER: (Lausanne) Nach dem Konkurs der Kleidermarke Switcher im vergangenen Mai kommen am Montag tausende T-Shirts, Jacken und Fleecejacken unter den Hammer. Der Posten von 467'123 Kleidungsstücken ist nur als Ganzes zu ersteigern. Es handelt sich um den grössten Lagerposten der in Konkurs geschickten Kleidermarke mit dem gelben Wal im Logo. Die Kleider waren in einem Lagerhaus in Penthalaz VD gelagert, wie die Waadtländer Justiz der Nachrichtenagentur sda angab. Weil die Kleider in grossen Kisten verpackt sind, ist ein Einzelverkauf unmöglich. Als Startpreis werden mindestens 50'000 Franken verlangt.

NEUES GELD: (Zürich) Der zur chinesischen HNA Aviation Group gehörende Airline-Caterer Gategroup hat auf dem Kapitalmarkt mit einer Anleihe 300 Millionen Franken aufgenommen. Mit einem Teil des Emissionserlöses soll die Brückenfinanzierung zurückbezahlt werden, die für die Übernahme von Servair, dem Bordcatering von Air France, in Anspruch genommen wurde. Ende Dezember hatte Gategroup eine Mehrheit an Servair für 237,5 Millionen Euro übernommen. Gategroup habe bei der Ausgabe der fünfjährigen Anleihe das konstruktive Marktumfeld genutzt. Die grosse Investorennachfrage habe es ermöglicht, zu äusserst attraktiven Bedingungen Kapital aufzunehmen, teilte Gategroup mit.

MÖGLICHER OPEL-VERKAUF: (Paris) Der traditionsreiche Autobauer Opel könnte bald ein Teil des französischen Autokonzerns PSA Peugeot Citroën werden. PSA sowie der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) bestätigten am Dienstag Gespräche über einen Verkauf des GM-Europageschäfts an die Franzosen. Zum Europageschäft von General Motors gehören Opel sowie die britische Schwestermarke Vauxhall. Die Konzerne loten verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus, wie es hiess. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde. Analysten reagierten skeptisch auf den geplanten Zusammenschluss von Opel und Peugeot. "Wenn sich zwei Lahme zusammentun, wird kein Gesunder daraus", sagte ein Experte. Für GM wäre der Verkauf gut, er bezweifle jedoch, dass Peugeot mit Opel glücklich werde.

BALDIGE ZINSERHÖHUNG: (Newark) US-Notenbankchefin Janet Yellen hat die Finanzmärkte auf eine baldige Zinserhöhung eingestimmt. Ein solcher Schritt nach oben sei unter gewissen Bedingungen auf einer der nächsten Sitzungen "wahrscheinlich angebracht", sagte Yellen vor dem Bankenausschuss des Senats. Dazu müssten sich der Arbeitsmarkt und die Inflation im Einklang mit den Erwartungen der Zentralbank Fed entwickeln. Die Wall Street reagierte mit Kursverlusten auf die Aussicht steigender Zinsen. Yellens Rede vor dem Ausschuss am Dienstag war ihr erster Auftritt vor dem Kongress seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump im Januar. Die Fed hatte den Leitzins Ende 2016 auf das aktuelle Niveau von 0,5 bis 0,75 Prozent angehoben. Angesichts der rund laufenden Wirtschaft hatte sie damals drei Erhöhungen für 2017 in Aussicht gestellt. An den Finanzmärkten werden jedoch eher zwei Schritte für möglich gehalten.

MINISTER BESTÄTIGT: (Washington) Der Senat in Washington hat Steven Mnuchin als neuen US-Finanzminister bestätigt. 53 Senatoren stimmten für den früheren Manager der Investmentbank Goldman Sachs, 47 gegen ihn. Das Ergebnis spiegelt im wesentlichen die Mehrheitsverhältnisse von Republikanern und Demokraten in der Kongresskammer wider. Fast alle Demokraten waren gegen Mnuchin. Lediglich ein Demokrat stimmte für ihn. Mnuchin ist nun unter anderem für die von Präsident Donald Trump angekündigten Steuererleichterungen und Deregulierungen im Banken- und Finanzsektor zuständig. In Trumps Wahlkampf war der künftige Oberaufseher der Wall-Street-Banken und Herr über einen Haushalt von über einer Billion Dollar für die Kasse und die Spendenakquise verantwortlich.

KONSTANTES WACHSTUMSTEMPO: (Brüssel/Berlin) Die Wirtschaft in der Eurozone hat Ende 2016 ihr Wachstumstempo gehalten. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember zum Vorquartal um 0,4 Prozent zu. Das teilte das Statistikamt Eurostat auf Basis vorläufiger Daten mit. In einer ersten groben Schnellschätzung war noch von 0,5 Prozent die Rede. Im Sommer hatte es ebenfalls einen Zuwachs von 0,4 Prozent gegeben. In Deutschland legte das BIP Ende 2016 ebenso wie in Frankreich um 0,4 Prozent zu. Die Wirtschaftsleistung im schuldengeplagten Griechenland schrumpfte dagegen um 0,4 Prozent. Im Gesamtjahr stieg das BIP im Euroraum ersten Schätzzahlen zufolge um 1,7 Prozent.

MILLIARDEN-VERLUST: (Tokio) Der angeschlagene japanische Industriekonzern Toshiba hat eine weitere Abschreibung von 712,5 Milliarden Yen (rund 6,3 Milliarden Franken) auf sein US-Atomgeschäft angekündigt. Das Ende März endende Geschäftsjahr werde daher voraussichtlich mit einem Nettoverlust von rund 3,4 Milliarden Franken abschliessen. Im Vorjahr hatte das Minus noch bei umgerechnet 4 Milliarden Franken gelegen. Hintergrund war damals ein Bilanzskandal. Die Konzernführung betonte nun, die aktuell vorgelegten Zahlen seien noch nicht testiert. Sie gab ferner den Rücktritt des Verwaltungsratsvorsitzenden Shigenori Shiga bekannt.

GUT IN FAHRT: (Paris) Nach einem Gewinnanstieg 2016 erwartet der französische Pneuhersteller Michelin ein weiteres Wachstumsjahr. Einen Schub verspricht man sich von der Erholung der Bergbauindustrie, die zu einer stärkeren Nachfrage nach renditestarken Radladerreifen führten dürfte. Für das abgelaufene Jahr gab das Management am Dienstag einen Anstieg des Nettogewinns um knapp 44 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro bekannt. Das Unternehmen profitierte von niedrigeren Rohstoffkosten und seinem Sparkurs, mit dem es der verschärften Konkurrenz durch Billiganbieter begegnet. Der harte Wettbewerb zwang Michelin allerdings zu Preissenkungen. Daher sank der Umsatz um 1,4 Prozent auf 20,9 Milliarden Euro, obwohl der Konzern zwei Prozent mehr Reifen verkaufte.

KREUZFAHRTEN IN: (Hannover) Europas grösster Reisekonzern TUI verkleinert den saisonüblichen Verlust im flauen Winter dank guter Geschäfte mit Kreuzfahrten und bei der Hotelgruppe RIU. Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2016/17 (bis Ende Dezember) habe der operative Verlust bei 67 Millionen Euro gelegen nach 80 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

BRITISCHE TEUERUNG STEIGT: (London) Die Inflationsrate in Grossbritannien ist auf den höchsten Wert seit zweieinhalb Jahren geschnellt. Im Januar legten die Konsumentenpreise verglichen mit dem Vorjahresmonat um 1,8 Prozent zu. Das teilte die nationale Statistikbehörde mit. Das war der stärkste Anstieg seit Juni 2014. Im Dezember waren die Preise um 1,6 Prozent geklettert. Das Anziehen der Inflation in den vergangenen Monaten hängt eng mit dem Wertverlust des britischen Pfunds zusammen. Die Schwäche der Währung macht importierte Güter spürbar teurer. Seit dem Votum der Briten für den EU-Austritt ihres Landes im vergangenen Sommer hat das Pfund gegenüber Dollar und Euro deutlich verloren.

FÜHRUNGSWECHSEL BEI LGT: (Vaduz FL) Die liechtensteinische Universalbanken-Tochter der Fürstenbank LGT bekommt einen neuen Chef: Roland Schubert folgt im Juli auf Norbert Biedermann, der in den Ruhestand geht. Damit ist die Nachfolge intern geregelt worden. Biedermann war seit über 40 Jahren bei der LGT. Die LGT Bank führte er seit 2011. Der Verwaltungsrat habe Schubert zum neuen CEO gewählt, teilte die LGT Gruppe Stiftung mit. Schubert sei seit über 25 Jahren im Private Banking tätig und habe für verschiedene Privatbanken gearbeitet. Seit 2002 arbeitete Schubert - mit einer Unterbrechung - bei der LGT.

(AWP)