Tagesüberblick Wirtschaft

Freitag, 17. Februar 2017
17.02.2017 17:24

8,5 MILLIONEN DOLLAR LOHN: (Basel) Syngenta-Chef Erik Fyrwald erhält für das letzte Geschäftsjahr einen Lohn von 8,5 Millionen Dollar. Ein Grossteil davon - 5,6 Millionen Dollar - soll die ihm entgangene Vergütung beim vorherigen Arbeitgeber Univar im Zuge des Wechsels zu Syngenta kompensieren. Mit diesem Gesamtlohn gehört Fyrwald zu den Spitzenverdienern unter den Chefs von Schweizer Konzernen. Er war im Juni vom US-Chemiegrosshändler zum Schweizer Agrochemieunternehmen gewechselt. Ex-Syngenta-Chef Michael Mack hatte 2015 noch 6,3 Millionen Dollar erhalten. Ohne An- und Abtrittszahlungen erhielt Mack für seine zehn letzten Monate beim Unternehmen 3,1 Millionen Dollar, Fyrwald für sein erstes halbes Jahr bei Syngenta 2,9 Millionen Dollar.

NEUE VR FÜR AXPO: (Baden AG) Im Zuge des Umbaus seines Verwaltungsrates schlägt der Energiekonzern Axpo vier neue Mitglieder für das Gremium vor. Im Dezember hatte die Axpo bekannt gegeben, den Verwaltungsrat zu verkleinern und zu entpolitisieren. Die Umgestaltung des Verwaltungsrats soll bis 2018 abgeschlossen sein. In einem ersten Schritt schlägt die Axpo vor, an der Generalversammlung vom 10. März Dorothée Deuring, Hanspeter Fässler, Peter Kreuzberg und Roger Wüthrich-Hasenböhler für die Amtsdauer 2017 bis 2019 in den Verwaltungsrat zu wählen. Sie treten die Nachfolge der Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh, des Zürcher Regierungsrats Markus Kägi, des Aargauer Regierungsrats Stephan Attiger sowie Ueli Betschart, Reto Dubach, Andreas Frank, Peter Reinhard und Ernst Werthmüller an.

GIGANTENHOCHZEIT: (London) Der US-Ketchup-Hersteller Kraft Heinz strebt einen Zusammenschluss mit dem Lebensmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever an. Der niederländisch-britische Konkurrent wies die gigantische Übernahmeofferte von 143 Milliarden Dollar aber als zu niedrig zurück. Mit dem Angebot werde der Wert von Unilever deutlich zu gering eingeschätzt, teilte der Konzern seinerseits in einer Reaktion mit. Dabei liegt die Offerte mit 49,61 Dollar je Aktie immerhin um 18 Prozent höher als der letzte Schlusskurs am Vortag. Der US-Konzern will sich dennoch darum bemühen, dass es noch zu einem Geschäft kommt. Ein Zusammenschluss der Branchenschwergewichte hätte riesige Ausmasse. Unilever hatte zuletzt einen Börsenwert von etwa 140 Milliarden Franken, Kraft Heinz brachte es auf rund 106 Milliarden Franken. Die Aktien beider Konzerne stiegen.

JOBGARANTIEN GEFORDERT: (Rüsselsheim) Die Arbeitnehmervertreter bei Opel verlangen für den Fall einer Übernahme durch den französischen Konzern PSA umfassende Garantien für die Mitarbeiter. Gemäss Jörg Köhlinger von der IG Metall sollen alle Tarifverträge im Falle eines Kaufs ihre Gültigkeit behalten sowie alle Standorte und Arbeitsplätze gesichert bleiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte den Beschäftigten Unterstützung zu. Der US-Mutterkonzern von Opel und Vauxhall, General Motors (GM), und PSA mit den Marken Peugeot und Citroën hatten am Dienstag bekanntgegeben, dass sie über einen Verkauf der verlustreichen Marke Opel von GM an Peugeot verhandeln würden. Die Nachricht löste in Deutschland umgehend Sorgen um die Arbeitsplätze bei Opel aus. Opel hat rund 38'200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland.

FORD TROTZT TRUMP: (Mexiko-Stadt) Der US-Autokonzern Ford hält trotz der Absage an ein neues Werk in Mexiko an bereits länger geplanten Milliardeninvestitionen in dem Land fest. Die im Jahr 2015 angekündigten neuen Fabriken in den Bundesstaaten Guanajuato und Chihuahua würden wie vorgesehen gebaut, sagte der Chef von Ford Mexiko, Gabriel López, vor Journalisten. Der Konzern gebe dafür etwa 2,5 Milliarden Dollar aus. In den neuen Fabriken sollen laut López rund 3800 Menschen arbeiten. Anfang des Jahres hatte Ford angekündigt, auf den Bau einer grossen Fertigungsanlage mexikanischen San Luis Potosí zu verzichten und stattdessen hunderte neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen. Der damals bereits gewählte, aber noch nicht vereidigte US-Präsident Donald Trump hatte Ford und andere Unternehmen wiederholt scharf attackiert. Er kündigte unter anderem hohe Einfuhrzölle auf Autos an, die in Mexiko gefertigt und in den USA verkauft werden

CEMBRA MONEY BANK KAUFT ZU: (Zürich/Lausanne) Die Cembra Money Bank übernimmt die Swissbilling SA, eine vor allem in der französischsprachigen Schweiz tätige Anbieterin von Rechnungsfinanzierungen. Das Unternehmen mit Sitz in Lausanne soll innerhalb des Cembra-Konzerns als selbstständiges Unternehmen unter eigenem Namen weitergeführt werden. Der Kaufpreis betrage unter 10 Millionen Franken, teilte die Bank mit. Mit der Übernahme wolle die Cembra Money Bank ihre Position als führende Konsumkreditanbieterin in der Schweiz ausbauen. Mit dem Kauf werden laut Mitteilung alle Mitarbeitenden von Swissbilling übernommen, die bestehenden Kundenbeziehungen bleiben von der Übernahme unberührt. Das derzeitige Swissbilling-Management werde sich weiter aktiv an der Geschäftsführung beteiligen.

INFLATION BELASTET KAUFLAUNE: (London) Wegen der anziehenden Inflation knausern die Briten beim Einkaufen. Nach einem kräftigen Umsatzminus im Dezember verbuchten die Detailhändler nun auch im Januar überraschend einen Rückgang von 0,3 Prozent, wie das Statistikamt ONS mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Plus von 0,9 Prozent gerechnet. Die monatlichen Daten schwanken zwar. Aber in den drei Monaten bis Januar ging es ebenfalls um 0,4 Prozent bergab - dies ist die grösste Schwächephase seit November 2013. Das Brexit-Votum hat die Inflation zuletzt auf 1,8 Prozent getrieben und damit auf den höchsten Stand seit Juni 2014. Treibende Kraft ist der Kursverfall des Pfund infolge des Anti-EU-Referendums vom Juni 2016.

MILLIARDENFORDERUNG: (Rom) In Italien verlangt ein Rechnungshof im Streit über Zinswetten zwischen dem Finanzministerium und der US-Bank Morgan Stanley 4,1 Milliarden Euro Schadenersatz. Für 70 Prozent solle das Finanzinstitut aufkommen, 30 Prozent sollen Vertreter der öffentlichen Hand übernehmen, erklärte der Rechnungshof der Region Latium in Rom. Es geht um Verträge aus den Jahren 1995 bis 2005, die im Dezember 2011 und Januar 2012 endeten. In Italien hatten Hunderte Kommunen mit riskanten Zinswetten verlustreiche Geschäfte gemacht. 2014 wurden unter anderem die Deutsche Bank, JPMorgan Chase & Co und die UBS vom Vorwurf freigesprochen, die Stadt Mailand mit solchen riskanten Zinswetten über den Tisch gezogen zu haben.

BARGELD ZUHAUSE: (Athen) Die griechischen Bürger haben seit Jahresbeginn mehr als 2,7 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben. Ursache: Neue Diskussionen im In- und Ausland über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Die Bankeinlagen der Griechen sind seit Ende Dezember von 131,8 Milliarden Euro auf 129,09 Milliarden Euro Mitte Februar gefallen. Viele Menschen halten ihr Erspartes in Truhen, Safes und unter ihren Matratzen versteckt. Dies ergibt sich aus Informationen aus Kreisen des Verbandes der griechischen Banken, die in der griechischen Presse veröffentlicht wurden. Griechenland kämpft seit Jahren gegen hohe Schulden. Im Sommer stehen erneut Rückzahlungen in Milliardenhöhe an. Ohne finanzielle Unterstützung droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit.

LIQUIDATION NACH BANKROTT: (Seoul) Die einstmals weltweit siebtgrösste Container-Reederei Hanjin soll als Folge ihrer Insolvenz vor fünfeinhalb Monaten endgültig abgewickelt werden. Das Bezirksgericht in Seoul hat offiziell die Auflösung des Unternehmens angekündigt. Zuvor war das Gericht bereits zu dem Schluss gekommen, der Liquidationswert sei höher, als wenn die früher grösste Reederei des Landes weitergeführt werde. Das Gericht wählte einen Insolvenzverwalter. Bis zum 1. Mai sollen jetzt die Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Die Pleite hatte im vergangenen Herbst weltweit bei Schiffseignern, Häfen und Händlern grosse Unsicherheit ausgelöst. Zahlreiche von Hanjin betriebene Schiffe mussten auf offener See warten, weil ihnen die Zufahrt zu Häfen verweigert wurde.

(AWP)