Tagesüberblick Wirtschaft

Mittwoch, 1. März 2017
01.03.2017 17:29

MEHR INTERNET-EINKÄUFE: (Zürich) Der Online-Handel hat auch im vergangenen Jahr weiter zugelegt: Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten kauften 2016 für 7,8 Milliarden Franken im Internet ein, das ist ein Plus von 8,3 Prozent. Besonders häufig online bestellt wurden Heimelektronik und Kleider. Die Verlagerung des stationären Handels, also des Einkaufens im Laden, hin zum Online-Handel gehe somit weiter, teilte der Verband des Schweizerischen Versandhandels mit. Immer mehr dieser Bestellungen gehen ins Ausland: Die Online-Auslandseinkäufe nahmen im Jahr 2016 um stolze 18 Prozent zu. Seit 2012 haben sich die Einkäufe im Ausland verdoppelt, nicht zuletzt wegen des chinesischen Anbieters Aliexpress.

REKORDGEWINN: (Zürich) Der Logistikkonzern Kühne+Nagel hat im vergangenen Jahr mit 720 Mio. Fr. erneut einen Rekordgewinn erzielt. Das sind 6 Prozent mehr als der Rekord des Vorjahres. Der Betriebsgewinn (EBIT) verbesserte sich um 8 Prozent auf 918 Mio. Franken. Und dies obwohl der Nettoumsatz um 1,2 Prozent auf 16,525 Mrd. Fr. sank. Der für Logistiker aussagekräftigere Bruttogewinn (Rohertrag), der im Gegensatz zum Umsatz um die schwankenden Frachtraten bereinigt ist, kletterte dagegen um 4,8 Prozent auf 6,55 Mrd. Franken. Kühne+Nagel hat die eigenen ehrgeizigen Ziele für 2016 erreicht. Besonders in der Luftfracht klingelten die Kassen. Auch der Strassentransport konnte sich vom Rückschlag des Vorjahres erholen, als eine Busse den Gewinn in die Tiefe gerissen hatte. In der Kontraktlogistik erhöhte sich der Betriebsgewinn ebenfalls deutlich. Im grössten Geschäft, der Seefracht, schrumpfte der EBIT indes.

SULZER MIT GEWINNRÜCKGANG: (Winterthur) Die anhaltende Krise im Öl- und Gasmarkt haben den Industriekonzern Sulzer auch 2016 gebremst. So reduzierten sich der Bestellungseingang um 3,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Franken, der Umsatz um 3,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Franken. Der Konzerngewinn fiel mit 59 Millionen Franken um 20 Prozent tiefer aus. Die erneuten Rückgänge sind vor allem auf das Geschäft mit der Öl- und Gasindustrie zurückzuführen, das weiter rückläufig war. Aus diesem für das Unternehmen wichtigen Markt erwartet Sulzer auch im laufende Jahr keine Wachstumsimpulse. Dank bereits getätigten Übernahmen soll das Unternehmen 2017 erstmals nach acht Jahren wieder wachsen.

ERFOLG IM PATENTSTREIT: (Washington) Der Schweizer Dentalimplantathersteller Straumann hat in den USA in einem Patentrechtsstreit einen Etappensieg erzielt. Ein Gericht in Washington entschied in einem Fall zu Lasten der Konkurrentin Nobel Biocare. 2014 hatte Nobel Biocare in den USA sein wichtigstes Dentalimplantatprodukt patentrechtlich schützen lassen. Ein Jahr später zweifelten Straumanns amerikanische Tochterunternehmen Instradent (USA) und Neodent (Lateinamerika) das US-Patent auf juristischem Wege an. Das Patentgericht in Washington hat nun geurteilt, dass die Ansprüche von Nobel Biocare nicht patentierbar sind. Für den weltweiten Marktleader Straumann ist das eine gute Nachricht: Der Basler Konzern will in naher Zukunft vor allem in Übersee einen Zahn zulegen. Im Schlüsselmarkt USA will Straumann dem Rivalen Nobel Biocare laut Chef Marco Gadola in zwei bis drei Jahren die Marktführerschaft abjagen.

GUTE KARTEN: (Luzern) Die Schweiz bietet ausgezeichnete Rahmenbedingungen für die Fintech-Branche. Von weltweit 27 untersuchten Städten liegen Zürich und Genf auf Platz 2 und 3 hinter dem erstplatzierten Singapur. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern in einer Studie. Die beiden Schweizer Städte hätten gegenüber Singapur vor allem in der ökonomischen und technologischen Dimension noch Aufholbedarf. Die Finanztechnologiebranche ist in der Schweiz weiter auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr waren den Angaben zufolge landesweit 190 Firmen tätig. Im Vergleich zu 2015 entspricht das einem Zuwachs von 17 Prozent. 2010 waren es gerade einmal 24 Fintech-Unternehmen gewesen.

DETAILHANDEL: (Root LU) Der Markt für Produkte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Hygieneartikel oder Getränke ist in der Schweiz erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen. Der Umsatz erhöhte sich im vierten Quartal 2016 gegenüber der Vorjahresperiode um 1,7 Prozent. In Westeuropa entwickelte sich der Markt deutlich schwächer. In Europa lag der gewichtete Durchschnitt der Wachstumsraten von insgesamt 21 Ländern bei 1,8 Prozent, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen Schweiz mitteilte. Das ist der stärkste Wert seit 12 Monaten. Das Wachstum in der Schweiz lag damit im europäischen Mittelfeld.

IMMOBILIEN: (Zürich) Die Immobiliengesellschaft Intershop hat im abgelaufenen Jahr unter dem Strich mehr Gewinn erwirtschaftet. Aus dem Verkauf von Immobilien verdiente das Zürcher Unternehmen allerdings weniger. Das operative Ergebnis lag unter dem Vorjahresniveau. Das operative Ergebnis (EBIT) schrumpfte im vergangenen Jahr von 81,3 Millionen auf 74,4 Millionen Franken (-8,4 Prozent), wie das Unternehmen mitteilte. Nicht zuletzt dank dem Verkauf der Beteiligung an der Corestate Capital Holding mit einem Wert von 7,6 Millionen Franken erzielte Intershop dennoch einen Reingewinn von rund 60 Millionen Franken (+5,9 Prozent). Demgegenüber fiel der Gewinn aus dem Verkauf von Immobilien in der Höhe von 4 Millionen Franken deutlich tiefer aus als noch im Vorjahr. Der Liegenschaftsertrag erreichte mit 84 Millionen Franken in etwa das Vorjahresniveau. Der Leerstand verschlechterte sich derweil um 0,7 Prozentpunkte auf 11,3 Prozent.

RUAG-WERK IN UNGARN: (Bern/Eger) Der Technologie- und Rüstungskonzern Ruag hat ein neues Produktionswerk im ungarischen Eger eröffnet. Im vergangenen und laufenden Jahr investiert der bundeseigene Konzern 6,15 Millionen Euro in den Produktionsstandort für Flugzeugstrukturteile. In den kommenden Jahren sollen dort über 180 Angestellte arbeiten. Sie werden Baugruppen und Komponenten wie Seitenschalen, Sitzschienen und Rahmen für Notausgänge für das Airbus-A320-Programm und das Bombardier-CRJ-Programm herstellen, wie die Ruag mitteilte. Eger wird neben dem luzernischen Emmen und dem deutschen Oberpfaffenhofen zum dritten Standort der Ruag-Division Aerostructures.

INDUSTRIE IN AUFBRUCHSTIMMUNG: (Zürich) Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich deutlich aufgehellt. Im Februar stieg der Einkaufsmanagerindex um 3,2 Punkte auf einen Stand von 57,8 Zählern. Das ist der höchste Stand seit April 2011 und deutlich oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Dies seien positive Aussichten für die Industrie, teilte die Credit Suisse (CS) mit. Die Produktion erreichte Werte wie zuletzt in Boomzeiten. Die abermals höheren Auftragsbestände lassen weitere Produktionssteigerungen erwarten. Auch die Arbeitsmarktlage verbesserte sich markant. Die Unternehmen stellten im Februar neues Personal ein. Die Subkomponente Beschäftigung schloss erstmals seit drei Jahren deutlich in der Wachstumszone auf 56,9 Zählern.

EXPANSION IN DER ROMANDIE: (Renens VD/Mägenwil AG) Der Onlinehändler Brack.ch will sein Geschäft in der französischsprachigen Schweiz ausbauen. Im April eröffnet das Unternehmen eine Niederlassung in Renens bei Lausanne. Zudem kommuniziert Brack.ch im Onlineshop künftig auch auf Französisch. Ab April könnten Kunden ihre Ware in der Westschweizer Filiale abholen oder sich beraten lassen, teilt Brack.ch mit. Brack.ch bezieht hierzu Räumlichkeiten von PCtop. Die Competec-Gruppe, zu der Brack.ch gehört, hat den Waadtländer Onlinehändler von Elektronik- und Büroartikeln per Anfang März übernommen. Zur Übernahme gehören die fünf Mitarbeitenden, der Kundenstamm sowie die Räumlichkeiten von PCtop. Über den Kaufpreis haben die beiden Unternehmen Stillschweigen vereinbart.

NEUER PRÄSIDENT GESUCHT: (Zürich/Basel) Barend Fruithof tritt als Präsident von Arbeitgeber Banken, dem Arbeitgeberverband der Banken, per sofort zurück. Fruithof wird neuer Chef des Fahrzeugherstellers ASH Group. In der Zwischenzeit übernimmt der Vizepräsident Jürg Gutzwiller die Leitung des Verbandes, wie Arbeitgeber Banken mitteilte. Die Suche nach einem Nachfolger sei eingeleitet worden.

INFLATION AUF KURS: (Berlin) Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in Deutschland erstmals seit viereinhalb Jahren über die Marke von zwei Prozent getrieben. Im Februar kosteten Waren und Dienstleistungen 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Eine solch hohe Inflationsrate wurde zuletzt im August 2012 gemessen", teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Teuerungsrate liegt nun erstmals seit 2012 über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Damit wächst der Druck auf die EZB, die geldpolitische Wende vorzubereiten.

ZALANDO EXPANDIERT: (Berlin) Europas grösster Online-Modehändler Zalando wagt sich mit dem Kauf der Sportkette Kickz in die Innenstädte. Mit der Übernahme der auf Basketball spezialisierten Kette solle der Sport- und Lifestyle-Bereich gestärkt werden, erklärte das Berliner Unternehmen. Kickz zählt 15 Ladengeschäfte - darunter in Berlin, Hamburg und München - und verkauft auch online. Finanzielle Einzelheiten wurden nicht genannt. Die Übernahme soll in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden. "Wir investieren, um schnell zu wachsen", sagte Zalando-Co-Chef Rubin Ritter. In diesem Jahr sollen insgesamt mehr als 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen und 200 Millionen Euro investiert werden.

REZESSION ABGEWENDET: (Sydney) Australien ist trotz Befürchtungen mancher Experten nicht in die erste Rezession seit einem Vierteljahrhundert gerutscht. Im vierten Quartal 2016 betrug das Wirtschaftswachstum im Vergleich zum Sommer 1,1 Prozent, deutlich mehr als von Ökonomen vorausgesagt. Zum Vorjahreszeitraum waren es 2,4 Prozent, wie das Statistikbüro des Landes mitteilte. Der boomende Export von Rohstoffen war dabei ein wichtiger Treiber. Australien schnitt damit besser ab als viele andere Industrienationen wie die USA oder Deutschland. Im Sommerquartal war das Bruttoinlandprodukt (BIP) noch um 0,5 Prozent gefallen. Zwei Quartale in Folge mit rückläufigen Werten gelten als Rezession.

ANGRIFF AUF KABEL-TV: (San Francisco) Als Konkurrenz zum traditionellen Kabelfernsehen und zu Bezahlsendern bringt YouTube in den USA einen eigenen Fernsehdienst an den Start. "YouTube TV" richte sich an Fernsehzuschauer, die "sehen wollen, was sie wollen, wann sie wollen, wie sie wollen - ohne Verpflichtung", sagte die Chefin des zum Google-Konzern gehörenden Videodienstes, Susan Wojcicki. Die Nutzer können demnach über internetfähige Geräte Sender wie ABC, CBS, Fox und NBC schauen, genau wie Sportkanäle oder andere Kabelprogramme. "YouTube TV" soll in den nächsten Monaten starten und pro Monat 35 Dollar kosten.

WACHSTUM IN EURO-ZONE: (Berlin) Die Geschäfte der Industrie in der Euro-Zone laufen so gut wie seit 2011 nicht mehr. Der Einkaufsmanager-Index kletterte im Februar um 0,2 auf 55,4 Punkte, wie das Institut IHS Markit zu seiner Umfrage unter 3000 Firmen mitteilte. Oberhalb von 50 Zählern signalisiert das Barometer Steigerungen. "Dank der stärksten Zuwächse bei Produktion und Auftragseingang seit fast sechs Jahren verzeichnen die Industrieunternehmen einen zunehmend robusten Aufschwung", sagte der Chefvolkswirt von IHS Markit, Chris Williamson. Der schwache Euro kurbele das Auslandsgeschäft spürbar an.

(AWP)