Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 9. Februar 2016
09.02.2016 17:30

MEHR ARBEITSLOSE: Im Januar ist die Arbeitslosigkeit erneut gestiegen. Die Quote beträgt nun 3,8 Prozent und ist damit so hoch wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Noch im Vormonat lag die Quote bei 3,7 Prozent. 163'644 Personen waren im Januar bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV eingeschrieben. Das sind rund 5000 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren sogar rund 12'600 Personen mehr ohne Arbeit. Das sind 8,4 Prozent mehr. Saisonbereinigt hat sich die Arbeitslosigkeit aber nicht verändert.

FRANKEN WIEDER GEFRAGT: Der Franken ist am Dienstag zum Euro auf den höchsten Stand seit zwei Wochen geklettert. Experten machten dafür die jüngste Euro-Schwäche verantwortlich, die wegen Sorgen um die Robustheit europäischer Banken und schwacher deutscher Konjunkturdaten unter Druck geriet. Mit 1,0987 Franken markierte der Euro den niedrigsten Stand zur Schweizer Währung seit Ende Januar. Vor wenigen Tagen kostete ein Euro noch 1,12 Franken. In den vergangenen Wochen war die Schweizer Währung ungewöhnlich schwach. Viele Experten stellte das vor ein Rätsel, weil der Franken gemeinhin als sicherer Hafen in schwierigen Zeiten gilt. Von den jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten hatte er sich jedoch unbeeindruckt gezeigt.

BENZIN-VERBRAUCHS-WERTE: Die offiziellen Angaben des Benzinverbrauchs eines Autos weichen immer stärker vom effektiven Verbrauch im Strassenverkehr ab. Dies hat eine Auswertung des TCS ergeben. Laut dem Verband haben Autos vor zehn Jahren auf 100 Kilometer 0,9 Liter Benzin mehr verbraucht als in den offiziellen Angaben der Hersteller vermerkt. Die heutigen Fahrzeuge würden 1,5 Liter mehr verbrauchen. Geschummelt werde dabei nicht: Schuld sei die etwas veraltete EU-Messmethode. Diese lasse zu viele Spielräume bei den Prüfstandeinstellungen zu. So erlaube der Test beispielsweise, dass der offizielle Werksverbrauch mit einem leichten Basismodell ermittelt werde. In der Praxis könnten dann reichhaltig ausgestattete Fahrzeuge im Leerzustand 80 bis 160 Kilogramm mehr wiegen.

REKORDUMSATZ: Der Biopharmakonzern Actelion hat 2015 die Umsatzgrenze von zwei Milliarden Franken geknackt. Der Reingewinn ist wegen des starken Frankens zwar um 7 Prozent auf 552 Millionen Franken zurückgefallen, dennoch spricht das Management von einem hervorragenden Jahr. So hat beispielsweise das Medikament Opsumit, das den bisherigen Hauptumsatzträger Tracleer ablösen soll, erneut zum starken Umsatzwachstum von vier Prozent (7 Prozent in Lokalwährungen) auf 2,045 Milliarden Franken beigetragen. Auf operativer Ebene legte Actelion beim Gewinn um 15 Prozent auf 656 Millionen Franken zu. Die Aktionäre sollen mit einer höheren Dividende von 1,50 Franken pro Aktie am guten Ergebnis teilhaben.

WENIGER PASSAGIERE: Die Swiss ist zu Jahresbeginn auf ihrem Höhenflug gestoppt worden. Die Schweizer Fluggesellschaft beförderte im Januar 1'128'887 Passagiere. Das entspricht einem Rückgang von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Lufthansa-Tochter hatte im Januar das Angebot, gemessen in angebotenen Sitzkilometern (ASK), um 1,2 Prozent erhöht. Die verkauften Sitzkilometer hingegen sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,9 Prozent. Die Auslastung der Flüge, der sogenannte Sitzladefaktor, lag im Durchschnitt bei 76,4 Prozent. Das ist eine Verringerung um 1,7 Prozentpunkte gegenüber Januar 2015. Die gesamte Lufthansa-Gruppe mit den Töchtern Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines (AUA) und Eurowings beförderte im Januar 7 Millionen Passagiere. Das ist ein Plus von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

WICHTIGE EINIGUNG: Novartis hat sich mit den beiden US-Krankenkassen Aetna und Cigna auf neue Preismodelle für das Herzmittel Entresto geeinigt. Die Vergütung für den Pharmakonzern wird dabei an den Behandlungserfolg gekoppelt. Novartis bestätigte eine entsprechende Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. So werde Novartis den Preis für Entresto senken, sollte der Spitalaufenthalt von Patienten einen vordefinierten Schwellenwert überschreiten, heisst es in einer Stellungnahme des Basler Konzerns. Eines der Merkmale von Entresto sei, dass es sowohl den Aufenthalt in der Klinik reduzieren als auch die Todesrate senken soll. Bei Entresto handelt es sich wohl um eine der wichtigsten Markteinführungen von Novartis im vergangenen Jahr. Analysten schätzen das Umsatzpotenzial des Herzmedikaments auf bis zu 5 Milliarden Dollar pro Jahr.

WECHSELN UND SPAREN: Schweizer sind treue Bankkunden. Würden sie etwas häufiger die Bank wechseln, könnten sie viel Geld sparen. Denn obwohl die Zinsen überall rekordtief sind und die Gebühren steigend, gibt es nach wie vor grosse Unterschiede zwischen den Banken. Ein erwachsener Bankkunde könnte pro Jahr durchschnittlich 865 Franken sparen, wenn er zur Bank mit den besten Konditionen wechseln würde. Dies zeigt eine Studie des Online-Vergleichsdienstes moneyland.ch. Die gesamte Schweizer Bevölkerung verliert gemäss der Studie hochgerechnet mehr als 5,5 Milliarden Franken pro Jahr, weil sie die Bank zu wenig konsequent wechselt.

DEUTLICH GEWACHSEN: Der in der IT-Logistik und im IT-Grosshandel tätige Also-Konzern ist im letzten Jahr weiter gewachsen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Operativ konnte das Unternehmen noch deutlicher zulegen: Der Gewinn vor Steuern legte um 10,9 Prozent auf 90,8 Millionen Euro zu. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 62,9 Millionen Euro - 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen teilte zudem mit, dass Verwaltungsrat Olaf Berlien an der nächsten Generalversammlung nicht mehr zur Wahl antreten wird. Berlien ist seit letztem Jahr Chef des deutschen Lampenherstellers Osram. Als Nachfolger schlägt der Konzern Ernest-W. Droege vor. Dieser ist gemäss einer Firmensprecherin der Sohn von Hauptaktionär Walter Droege.

WELEDA WÄCHST WEITER: Weleda hat seinen Wachstumskurs im abgelaufenen Geschäftsjahr fortgesetzt. Das auf Naturkosmetik und anthroposophische Arzneimittel spezialisierte Unternehmen steigerte den Umsatz um 7 Prozent auf 389 Millionen Euro. Wechselkursbereinigt resultierte ein Wachstum um 5 Prozent. In absoluten Zahlen leisteten die Märkte Deutschland und Frankreich den Hauptbeitrag zur Umsatzsteigerung. Relativ wuchsen Russland und die südamerikanischen Märkte am stärksten. Der Umsatz mit Arzneimitteln stieg trotz des Wegfalls des Krebsmittels Iscador in der Schweiz um 4 Prozent auf 114 Millionen Euro. Die Naturkosmetika legten um 8 Prozent auf 275 Millionen Euro zu. Gewinnzahlen gab Weleda zunächst nicht bekannt.

WELTWEITE CO2-OBERGRENZE: Für Flugzeuge soll es künftig erstmals Obergrenzen beim Emissionsausstoss geben. Neue Flugzeugtypen unterliegen den neuen Standards ab 2020, die für kleine und grosse Maschinen gleichermassen gelten, wie die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) mitteilte. Neu gebaute Maschinen bereits existierender Modelle müssen die Vorschriften ab 2023 erfüllen. Sechs Jahre lang hatten Vertreter aus 22 Ländern über die Grenzwerte für den CO2-Ausstoss verhandelt, die für nationale Luftverkehrsbehörden rund um den Globus verbindlich werden sollen. Umweltschützern gehen sie aber nicht weit genug, weil Flugzeuge, die bereits in Betrieb sind, davon ausgenommen seien. Boeing erklärte, die neuen Regeln seien ehrgeizig. Airbus betonte, bei den aktuellen und künftigen Modellen in die deutliche Verringerung von Kerosinverbrauch, CO2-Ausstoss und Lärm zu investieren.

BREITE UNTERSTÜTZUNG: Auch Russland stärkt Christine Lagarde den Rücken für eine Wiederwahl als IWF-Chefin. Finanzminister Anton Siluanow signalisierte Unterstützung für eine zweite Amtszeit der Französin an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Christine Lagarde hat sich als erfolgreiche Anführerin in einer schwierigen Zeit für die Weltwirtschaft und für den Fonds selbst erwiesen", sagte Siluanow in Moskau. Russland hoffe darauf, einen konstruktiven und offenen Dialog mit dem IWF fortzusetzen. Lagardes Amtszeit endet am 4. Juli. Sie hatte im Januar ihre Kandidatur offiziell angekündigt. Zustimmende Signale kamen bereits aus den USA, Japan, Grossbritannien, Frankreich, Deutschland sowie aus China und weiteren Schwellenländern.

GEWINNSPRUNG BEI COCA: Der Getränkekonzern Coca-Cola hat im vierten Quartal dank Kosteneinsparungen mehr verdient. Unter dem Strich stieg der Nettogewinn von 770 Millionen auf 1,24 Milliarden US-Dollar, wie der Konzern mitteilte. Das ist gut 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz ging hingegen zurück, und zwar um acht Prozent auf 10 Milliarden Dollar. Ursache dafür war unter anderem die Stärke der US-Währung. Dadurch blieb bei den Einnahmen aus dem Ausland bei der Umrechnung in Dollar weniger hängen. Darüber hinaus hatte das vierte Quartal aber auch sechs Verkaufstage weniger. Coca-Cola-Chef Muhtar Kent baut den Konzern derzeit um. Am Dienstag kündigte Coca-Cola an, bis Ende 2017 alle Abfüllbetriebe in Nordamerika als Franchise abzugeben. Auch in China hat der Konzern entsprechende Pläne.

AKTIEN-GESCHENK: Google-Chef Sundar Pichai bekommt ein üppiges Aktiengeschenk: über 270'000 zusätzliche Anteilsscheine im Wert von derzeit 199 Millionen Dollar. Der 43-Jährige erhält die Aktien in 16 Quartals-Raten bis 2019, wie aus Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Pichai übernahm im vergangenen Jahr die Führung des Internet-Geschäfts unter dem Dach der neuen Konzernholding Alphabet. Der bisherige Google-Chef Larry Page wechselte an die Alphabet-Spitze. Pichai zählte schon länger zu seinen wichtigsten Top-Managern. Zusammen mit anderen Aktienoptionen hat er die Aussicht auf Anteile im aktuellen Wert von rund 650 Millionen Dollar.

(AWP)