Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 10. Februar 2016
10.02.2016 17:28

AUSLAGERUNG INS AUSLAND: Bucher produziert Kehrfahrzeuge künftig in Lettland und nicht mehr in der Schweiz. Deshalb streicht der Industriekonzern im zürcherischen Niederweningen 60 Stellen. Die betroffenen Arbeitnehmer seien bereits am Dienstag informiert worden. Nun werden die Konsultationen über die Massnahmen und den Sozialplan aufgenommen. Bucher gibt an, dass die Rationalisierung die nächsten zwei Jahre in Anspruch nehmen und 4 Millionen Franken kosten werde. Dem stünden Einsparungen von rund 6 Millionen Franken pro Jahr gegenüber.

FRANKENSCHOCK GETROTZT: Der Maschinenbauer Bühler mit Sitz in Uzwil SG hat letztes Jahr trotz Frankenschock den Gewinn um einen Fünftel gesteigert. Unter dem Strich blieben 143 Millionen Franken - 18 Prozent mehr als im Vorjahr, wie Bühler mitteilte. Das ist nicht etwa Sondereffekten geschuldet. Auch operativ konnte das Unternehmen stark zulegen: Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg um rund 22 Prozent auf 177 Millionen Franken. Das Umsatzwachstum fiel mit einem Plus von rund 3 Prozent auf 2,4 Milliarden Franken geringer aus. Dass der Gewinn so stark stieg, ist folglich auf die höhere Profitabilität zurückzuführen. Diese stieg auch deshalb, weil die Mitarbeiter länger arbeiteten. Bühler hatte wie zahlreiche andere Firmen wegen des Frankenschocks die Arbeitszeit erhöht.

NEUE ARBEITSPLÄTZE: Die Stadt Biel kommt zu 250 neuen Arbeitsplätzen: Der Dienstleister Competence Call Center (CCC) eröffnet im Mai einen zweiten Schweizer Standort nach Zürich. Das gaben CCC und die Stadt Biel bekannt. Die Zweisprachigkeit von Biel und die zentrale Lage innerhalb der Schweiz böten für CCC ideale Voraussetzungen, heisst es in einem Communiqué. In den ersten zwölf Monaten sollen 150 Arbeitsplätze entstehen, mittelfristig sind es 250. Stadtpräsident Erich Fehr wertet den Standort-Entscheid als "starkes Zeichen" für Biel. Die städtische Wirtschaftsförderung habe CCC verschiedene Standorte vorgeschlagen. Entschieden habe sich das Unternehmen schliesslich für Räumlichkeiten im Stadtzentrum - der Bahnhof ist zu Fuss in knapp zehn Minuten zu erreichen.

KLEINERER BIERDURST: Der schweizerische Brauer Feldschlösschen hat im letzten Jahr 0,3 Prozent weniger Bier produziert und damit 1,7 Prozent weniger Umsatz gemacht. Auch der dänische Mutterkonzern Carlsberg hat mit 2015 ein schwieriges Geschäftsjahr hinter sich. Mit Marken wie Tuborg, Kronenbourg oder Holstener Bier verkaufte Carlsberg im schwierigen abgelaufenen Geschäftsjahr 120 Millionen Hektoliter Bier, 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Weil Carlsberg höhere Preise verlangen konnte, nahm der Umsatz um gut ein Prozent auf 65,4 Milliarden Dänische Kronen (9,7 Milliarden Franken) zu. Wegen Abschreibungen in Milliardenhöhe resultierte dennoch ein Verlust von 2,9 Milliarden Kronen, dies gegenüber einem Gewinn im Vorjahr von 4,4 Milliarden Kronen.

BELIMO MIT BREMSSPUREN: Die in der Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik tätige Belimo-Gruppe hat im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem starken Franken gelitten. Den Umsatz konnte die Gruppe zwar auf Vorjahresniveau halten, aber Betriebsgewinn und Reingewinn gingen markant zurück. Die Belimo-Gruppe erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 493,3 Millionen Franken und erreichte damit das Niveau des Vorjahres. In Lokalwährungen ergab sich ein Plus von 3,6 Prozent. Der Reingewinn lag 2015 bei 56 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es noch 67,2 Millionen Franken - knapp 17 Prozent mehr. Auch der Betriebsgewinn (EBIT) ging im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent zurück; Ende 2015 lag er bei 74 Millionen Franken.

BELL KAUFT SALAT-GRUPPE : Der Schweizer Fleisch- und Fertiggerichtekonzern Bell übernimmt die Eisberg-Gruppe. Die Coop-Tochter will mit der auf Blattsalate und Blattsalatgerichte spezialisierten Eisberg-Gruppe Kapazitätsengpässe in der Schweiz überwinden und im Ausland wachsen. Eisberg soll mit dem bestehenden Unternehmen Gastro Star zusammengeführt werden, wie Bell mitteilte. Zusammen sollen Eisberg und Gastro Star eine eigenständige Tochter unter dem Dach der Fertiggerichteherstellerin Hilcona bilden, an der Bell die Mehrheit hält. Die Übernahme der Eisberg-Gruppe per Anfang April erfolgt vorbehältlich der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Die Eisberg-Gruppe mit Sitz in Dänikon ZH erzielt den Angaben zufolge mit rund 400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von über 55 Millionen Franken.

WEITERE ZUSAMMENARBEIT: Die Banken Raiffeisen und Vontobel werden auch nach dem Auslaufen ihres bestehenden Kooperationsvertrages im Juni 2017 weiter zusammen arbeiten. In Teilbereichen der Anlagenverwaltung sowie im Wertschriftengeschäft bleibt Vontobel Partner von Raiffeisen und deren Tochterunternehmen. Nach der Kündigung des Kooperationsvertrages per Mitte 2017 und den schiedsgerichtlichen Auseinandersetzungen habe sich in gemeinsamen Gesprächen gezeigt, dass eine Zusammenarbeit in verschiedenen Feldern für beide Partner weiterhin vorteilhaft sei, teilten Vontobel und Raiffeisen gemeinsam mit. Der noch bis Juni 2017 geltende Kooperationsvertrag bleibe bis zum Vertragsende in Kraft. Die neuen Abmachungen hätten eine Laufzeit bis mindestens 2020.

ÜBERNAHME GESCHEITERT: Deutschlands grösster Immobilienkonzern Vonovia ist mit seinen Plänen zur feindlichen Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen gescheitert. Vonovia-Chef Rolf Buch räumte am Mittwoch ein, die Annahmequote für die Milliardenofferte habe nach vorläufigen Zahlen nur bei rund 30,4 Prozent gelegen. Damit wurde die von dem Dax-Konzern geforderte Mindestannahmequote von 50 Prozent deutlich verfehlt. Deutsche Wohnen hatte sich vehement gegen die Übernahme gewehrt und zeigte sich nun erleichtert über den Ausgang des viermonatigen Kampfes: "Unsere Argumente gegen die Transaktion haben den Markt überzeugt", sagte Unternehmenschef Michael Zahl. Bei einem Erfolg des 14 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebots hätte Vonovia seine Marktführerschaft auf dem deutschen Immobilienmarkt auf Jahre zementieren können. Es wäre ein neuer Wohnungsriese mit mehr als 500'000 Einheiten entstanden.

GERINGERE INDUSTRIEPRODUKTION: Die französische Industrie hat Ende 2015 ihre Produktion überraschend zurückgefahren. Die Betriebe stellten im Dezember 1,6 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das nationale Statistikamt Insee mitteilte. Die geringe Produktion zum Jahresende hängt wohl auch mit den milden Temperaturen zusammen, da die Energieversorger 6,4 Prozent weniger herstellten. Frankreichs Wirtschaft hinkt dem Durchschnitt der Euro-Zone derzeit hinterher. Der französische Präsident François Hollande will vor allem die hohe Arbeitslosigkeit senken und hat dafür staatliche Zuschüsse in Aussicht gestellt, um die Beschäftigung anzukurbeln. Die französische Notenbank geht davon aus, dass sich die Erholung der Konjunktur zu Jahresanfang beschleunigen dürfte.

NISSAN LEGT ZU: Ein starker Absatz in den USA hat beim zweitgrössten japanischen Autobauer Nissan für einen Gewinnsprung gesorgt. Der Nettogewinn stieg in den ersten neun Geschäftsmonaten um fast 34 Prozent auf 452,8 Milliarden Yen (3,85 Milliarden Franken). Das operative Ergebnis legte um mehr als 40 Prozent zu, der Umsatz um 10,6 Prozent auf 8,94 Billionen Yen (73,2 Milliarden Franken), wie das Unternehmen in Yokohama mitteilte.

FEHLERHAFTE AIRBAGS: Volkswagen ruft in den USA Fahrzeuge wegen möglicherweise defekter Airbags des japanischen Herstellers Takata zurück. Betroffen seien insgesamt 680'000 Fahrzeugmodelle der Marke VW, die zwischen 2006 und 2014 gebaut wurden, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Wolfsburg. Zu den Kosten des Rückrufs machte VW keine Angaben. Dies solle mit Takata geregelt werden. Der Stuttgarter Konkurrent Daimler hatte bereits den Rückruf von 840'000 Fahrzeugen angekündigt. Seit Jahren sorgen defekte Airbags von Takata für millionenfache Rückrufe. Bei VW betrifft es die Modell Passat, Golf, Jetta und Eos. Auch andere Hersteller sind betroffen. Honda beorderte vor wenigen Tagen weitere 2,2 Millionen Autos in Nordamerika in die Werkstätten. Seit 2008 hat Honda allein in den USA mehr als sechs Millionen Fahrzeuge wegen defekter Takata-Airbags repariert. Weltweit stehen zehn Todesfälle mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata in Verbindung, neun davon in den USA.

MILLIARDEN-DEAL: Pakistan hat in Katar einen Milliarden-Vertrag zur Lieferung flüssigen Erdgases unterzeichnet. 15 Milliarden Dollar will das Land auf 15 Jahre bezahlen, um jährlich bis zu 3,5 Millionen Tonnen zu importieren. "Das ist der grösste Energievertrag, den Pakistan jemals geschlossen hat", sagte der Minister für Öl und natürliche Ressourcen, Shahid Khaqan Abbasi, der Nachrichtenagentur dpa. Der Import per Schiff zu Flüssigerdgas-Terminals in Karachi könne innerhalb eines Monats beginnen. Die Regierung in Islamabad will damit die massiven Energieprobleme des Landes lösen.

FILMSTUDIOS VOR VERKAUF: Die legendären britischen Pinewood-Filmstudios stehen möglicherweise vor einem Verkauf. In den Studios im Westen von London wurden fast alle "James-Bond"-Filme gedreht. Die Bank Rothschild sei mit einer "strategischen Überprüfung" beauftragt worden, die "einen Verkauf des Unternehmens beinhalten könnte", teilte die Pinewood-Gruppe mit. Die Studios in Grossbritannien sollen in den nächsten 15 Jahren für umgerechnet rund 280 Millionen Franken ausgebaut werden. Das Gelände wird nach Angaben auf der Internetseite des Unternehmens um 100'000 Quadratmeter vergrössert, zwölf grosse Filmsets sollen hinzukommen. Eine erste Expansionsphase soll im Juni abgeschlossen werden. Um die weitere Entwicklung zu finanzieren, strebt Pinewood eine breitere Aktionärsstruktur an. Das Unternehmen wird bisher von wenigen Grossaktionären kontrolliert.

HEINEKEN LEGT ZU: Der weltweit drittgrösste Bierbrauer Heineken hat 2015 dank starker Nachfrage aus Amerika mit Marken wie Heineken oder Dos Equis einen kräftigen Gewinnsprung hingelegt. Während der Umsatz auch dank des starken US-Dollars um 6,5 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro anzog, legte der Reingewinn um ein Viertel auf 1,9 Milliarden Euro zu. Ohne Sondereffekte wie Abschreibungen auf Beteiligungen und den Verkauf der mexikanischen Verpackungstochter wäre der Gewinn um 16 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro gestiegen. In der Schweiz hält Heineken mit Calanda oder Eichhof rund 20 Prozent Marktanteil.

BIERMARKEN ZU VERKAUF: Die führende japanische Brauerei Asahi will die SABMiller-Marken Peroni und Grolsch kaufen. Das Gebot liege bei umgerechnet rund 2,8 Milliarden Franken, teilte das Unternehmen mit. Die Brauerei verhandle exklusiv mit SABMiller über insgesamt vier Marken, darunter die die beiden europäischen Biere, hiess es. Asahi kommt in Japan auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Weil Japaner aber vermehrt zu Wein greifen und die Bevölkerung schrumpft, ist das Geschäft dort seit langem unter Druck. Asahi will sich daher mit Zukäufen im Ausland gegen Umsatzverluste rüsten. Dass die Marken Grolsch aus den Niederlanden und Peroni aus Italien zum Verkauf stehen, liegt an der Übernahme von SABMiller durch den Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev. Der Verkauf soll die Zustimmung der europäischen Wettbewerbshüter zur Fusion sichern.

WALT DISNEY BRICHT REKORD: Der jüngste Teil der "Star Wars"-Saga hat dem Walt-Disney -Konzern ein Rekordquartal beschert. Der Gewinn sei im Weihnachtsquartal um 32 Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Dollar gestiegen, teilte das US-Unternehmen am Dienstagabend nach Börsenschluss mit. Auf der Liste der erfolgreichsten Filme stehen die jüngsten Abenteuer von Han Solo und Luke Skywalker nach früheren Disney-Angaben bereits auf Platz drei hinter "Avatar" und "Titanic". Star-Wars-Erfinder George Lucas hatte Lucasfilm 2012 an Disney für etwas mehr als vier Milliarden Dollar verkauft. Dem Marktbeobachter Box Office Mojo zufolge hat "Star Wars: Das Erwachen der Macht" am 7. Februar die Marke von zwei Milliarden Dollar geknackt.

SCHWÄCHE ZUM JAHRESENDE: Mangelnde Kinohits haben den US-Medienkonzern Time Warner zum Jahresende 2015 belastet. Im vierten Quartal sank der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen in New York mitteilte. Vor allem beim Filmstudio Warner Bros lief es nicht so rund. Beim Gewinn legte der Konzern im Schlussquartal stärker als erwartet zu. Time Warner steigerte den Überschuss von 718 auf 857 Millionen Dollar. Im gesamten abgelaufenen Jahr kletterten die Erlöse um drei Prozent auf 28,1 Milliarden Dollar. Time Warner verdiente unter dem Strich 6,9 Milliarden Dollar - 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

BROWSER-VERKAUF: Der Betreiber des Internetbrowsers Opera, das norwegische Unternehmen Opera Software, hat ein Kaufangebot des chinesischen Investmentfonds Golden Brick Silk Road erhalten. Der Fonds habe 10,5 Milliarden Kronen (1,2 Milliarden Franken) geboten, teilte Opera Software mit. Der Aufsichtsrat hat das Angebot einstimmig angenommen. Grossaktionäre, die rund 33 Prozent der Unternehmensanteile halten, haben das Angebot bereits akzeptiert. Opera Software hatte kein Geheimnis aus seiner Suche nach einem Käufer gemacht. Opera ist der weltweit am fünfthäufigsten genutzte Browser nach dem Internet Explorer von Microsoft, Mozilla Firefox, Google Chrome und Safari von Apple.

NEUER ALGORITHMUS: Twitter gibt seinen Nutzern wie erwartet die Möglichkeit, die Nachrichten vom Computer gewichten zu lassen. Bei der Option werden die Tweets nicht mehr wie gewohnt in chronologischer Reihenfolge dargestellt, sondern nach einem Algorithmus, der die für einen Nutzer relevanten Nachrichten höher einsortiert. Twitter kündigte die Neuerung in einem Blogeintrag. Der Plan war bereits vergangene Woche mit einem Bericht der Website "Buzzfeed" durchgesickert. Da es zunächst unklar war, ob die Neuerung freiwillig sein wird oder für alle gelten soll, hagelte es Kritik von Nutzern. Schon am Wochenende zeichnete sich aber ab, dass es sich nur um eine Option handeln soll.

(AWP)