Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 18. Februar 2016
18.02.2016 17:30

WACHSTUMSZIEL VERPASST: Die Frankenstärke und ein Lebensmittelskandal um Fertignudeln in Indien haben Nestlé im vergangenen Jahr gebremst. Mit einem organischen Wachstum von 4,2 Prozent verpasste der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern sein Wachstumsziel erneut. Trotz der Verlangsamung bekräftigte Konzernchef Paul Bulcke an der Analystenkonferenz das langfristige Wachstumsmodell des Unternehmens. Dieses sieht ein organisches Wachstum von 5 bis 6 Prozent vor. Wechselkurseffekte und Preisanpassungen wirkten sich negativ auf die Umsatzzahl aus. Diese lag bei 88,8 Milliarden Franken, im Vergleich zu 91,6 Milliarden Franken im Vorjahr. Unter dem Strich resultierte ein deutlich geringerer Gewinn von 9,1 Milliarden Franken nach 14,5 Milliarden Franken im Vorjahr. Der Rückgang kam vor allem durch Sondereffekte zustande. 2014 war der Gewinn mit Einnahmen aus dem Verkauf eines Teils der Anteile an L'Oréal sowie der Neubewertung der Anteile an Galderma höher ausgefallen.

WENIGER LOHN: Nestlé-Chef Paul Bulcke hat für das abgeschlossene Jahr 2015 eine Gesamtentschädigung von 9,07 Millionen Franken erhalten. Das ist etwas weniger als im Vorjahr, als ihm 9,32 Millionen Franken bezahlt worden waren. Das Grundsalär des Nestlé-Chefs blieb dabei konstant auf 2,50 Millionen Franken. Neben der Entschädigung leiste Nestlé für den Konzernchef wie schon im Vorjahr unter anderem noch Zahlungen an zukünftige Pensionskassenleistungen von wiederum knapp 2,1 Millionen Franken. Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck erhielt im abgelaufenen Jahr insgesamt 5,73 Millionen Franken nach 6,33 Millionen Franken im Vorjahr.

HÖHERE ERWERBSLOSENQUOTE: Die Erwerbslosenquote in der Schweiz ist im vierten Quartal 2015 auf 4,7 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr betrug sie noch 4,1 Prozent. In der EU sank die Quote im gleichem Zeitraum von 10,0 auf 9,1 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik mitteilte. Die Erwerbslosenquote ist nicht zu verwechseln mit der Arbeitslosenquote des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO). Die Arbeitslosenquote erfasst nur Personen, die bei den regionalen Arbeitsvermittlungsämtern (RAV) registriert sind. Die Erwerbslosenquote erfasst die Arbeitslosen nach dem Standard der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Gemäss ILO gilt als arbeitslos, wer ohne Arbeit ist, in den letzten vier Wochen aktiv nach einer Stelle gesucht hat und zur Aufnahme einer Tätigkeit innerhalb von zwei Wochen verfügbar wäre.

MEHR ERWERBSTÄTIGE: In der Schweiz arbeiten so viele Leute wie nie zuvor. Die Zahl der Erwerbstätigen lag im vierten Quartal 2015 bei 5,004 Millionen. Das ist ein halbes Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Bundesamt für Statistik mitteilte. Stark zum Anstieg beigetragen haben die Grenzgänger. Danach folgen die Ausländer mit einer befristeten Aufenthaltsbewilligung vor jenen mit einer unbefristeten Niederlassungsbewilligung. Rückläufig war hingegen die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung. Diese sind seit weniger als einem Jahr in der Schweiz. Häufiger erwerbstätig sind zudem die Frauen: Die Zahl der weiblichen Erwerbstätigen stieg um 0,7 Prozent, während der Zuwachs bei den Männern nur 0,4 Prozent betrug.

WENIGER EXPORTIERT: Schweizer Firmen haben im Januar erneut weniger Waren ins Ausland verkauft. Der Wert der exportierten Güter sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1 Prozent auf 16,3 Milliarden Franken, wie die Eidgenössische Zollverwaltung mitteilte. Dies nachdem die Exporte bereits über das gesamte letzte Jahr gesehen deutlich gesunken waren. Der Rückgang scheint sich allerdings etwas zu verlangsamen. Nach den teils starken Exporteinbrüchen im vergangenen Jahr ist das Minus von einem Prozent vergleichsweise moderat. Stärker als die Exporte sanken die Importe: Sie gingen um 2,8 Prozent auf 12,8 Milliarden Franken zurück. Unter dem Strich exportierte die Schweiz damit nach wie vor deutlich mehr als sie importierte: Der Exportüberschuss in der Handelsbilanz betrug 3,5 Milliarden Franken.

GEWINNZUWACHS: Die Waadtländer Kantonalbank (BCV) hat ihren Gewinn 2015 um 14 Prozent auf 336 Millionen Franken gesteigert. Grund dafür ist unter anderem der Verkauf der Beteiligung an der Fondsgesellschaft Swisscanto. Belastet wurde die zweitgrösste Kantonalbank durch die Negativzinsen. Ohne diese wäre der Gewinn um schätzungsweise 20 Millionen Franken höher ausgefallen, sagte Finanzchef Thomas Paulsen. Die Negativzinsen belasteten das Kerngeschäft der Bank, das Zinsengeschäft. Trotz zusätzlicher Kundengelder und mehr vergebenen Hypotheken sank der Erfolg der Sparte. Auch das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft schnitt schlechter ab. Dieses Minus konnte die Bank aber mit der kleinsten Sparte, dem Handelsgeschäft, mehr als wettmachen. Das trug dazu bei, dass der gesamte Geschäftsertrag um 2 Prozent auf 1,025 Milliarden Franken stieg.

MEHR GEWINN: Die Thurgauer Kantonalbank (TKB) ist im vergangenen Jahr gewachsen und hat mehr Gewinn erzielt. Unter dem Strich resultierten 122 Millionen Franken - rund 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein besonders gutes Ergebnis lieferte die kleinste Sparte, das Handelsgeschäft für Kunden, ab. Aber auch im Kerngeschäft, dem Zinsengeschäft, hat sich die Bank trotz Tiefzinsumfeld gesteigert. Dazu beigetragen hat ein "beachtlicher Zuwachs im Hypothekargeschäft", wie die TKB mitteilte. Einen deutlichen Rückgang verzeichnete die Bank demgegenüber im dritten Segment, dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft. Dank der beiden anderen Sparten stieg der Geschäftsertrag dennoch um 3 Prozent auf 323 Millionen Franken. Der Geschäftserfolg - die Kennzahl für die operative Leistung der Bank - nahm um rund 6 Prozent auf 149 Millionen Franken zu.

EINKAUFSTOURISMUS BOOMT: Der billige Euro lockt die Schweizer Konsumenten weiterhin in Scharen zum Einkaufen ins benachbarte Ausland. Im vergangenen Jahr gaben sie dort laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK zum selben Wechselkurs wie 2013 umgerechnet rund 10,7 Mrd. Fr. aus. Das sind 6 Prozent mehr als 2013. Angesichts der langen Autoschlangen, die sich jeden Samstag über die Grenze quälen, erscheint es überraschend, dass die Steigerung nicht grösser ist. Allerdings konnten die Schweizer durch die starke Verbilligung des Euro mit dem gleichen Budget mehr Waren im Ausland einkaufen. Wertmässig fiel die Steigerung deshalb nicht so hoch aus. Am meisten kauften die hiesigen Konsumenten jenseits der Grenze Lebensmittel für 2,41 Mrd. Franken. Dahinter folgten neue Kleider für 1,82 Mrd. Franken sowie Körperpflege und Hygieneprodukte für 740 Mio. Franken.

STELLENABBAU: Die Bertrams Heatec AG in Pratteln BL, die Prozesswärmeanlagen für Chemie und Petrochemie plant, macht per Ende Mai dicht. Alle 35 Angestellten werden entlassen. Nach Abschluss des Konsultationsverfahrens ist ein Sozialplan ausgehandelt worden. Die inzwischen 110 Jahre alte Firma hat am einzigen Standort in Pratteln nur Büros. Nachdem in den Vorjahren ein Umsatz zwischen 20 und 30 Millionen Franken erzielt worden war, ist dieser gemäss Unternehmen 2015 "stark eingebrochen". Als Gründe nannte der Sprecher neben dem starken Franken vor allem eine zögerliche Kundschaft, die wegen der unsicheren Weltwirtschaft mit Anlageinvestitionen zuwarte.

UMSATZRÜCKGANG: Die 14 industriellen Hersteller von Schweizer Zuckerwaren haben zwar die Verkaufsmenge um 2,9 Prozent auf 33'764 Tonnen gesteigert. Der Pro-Kopf-Konsum nahm in der Schweiz um 137 Gramm auf 3,17 Kilogramm ab. Dabei ging der Anteil der zuckerfreien Artikel von 20,3 Prozent auf 19,0 Prozent zurück. Der Branchenumsatz sank um 1,6 Prozent auf 348 Millionen Franken .Die mengenmässige Steigerung resultierte demnach aus dem Zuwachs bei den Gelée- und Gummibonbons (plus 16,7 Prozent) sowie bei den Hartbonbons mit einer Zunahme um 3,3 Prozent. Auch wurden mehr Swissmedic-registrierte Artikel und zuckerfreie Produkte verkauft. Bei den anderen geformten Zuckerwaren, vor allem aber den Weichbonbons und Dragées entwickelten sich die Verkaufsmengen rückläufig.

RÜCKGANG DER NACHFRAGE: Der Schweizer Grosshandel kämpft weiter mit sinkenden Absätzen. Obwohl sich der Rückgang insgesamt verlangsamte, verzeichneten noch rund 35 Prozent der Grosshändler im letzten Quartal 2015 eine Abnahme der Nachfrage. Lediglich 14 Prozent erfreuten sich einer Zunahme. Bei rund der Hälfte der Grosshändler stagnierte die Nachfrage. Das ergab eine Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) im Auftrag von Handel Schweiz. Die Lagerbestände wurden weiter reduziert, vor allem bei den Konsum- und Industriegütern. Auch die Belegschaft wurde im vergangenen Quartal wieder etwas stärker abgebaut, wie Handel Schweiz mitteilte. Der Abbau betraf vor allem Betriebe in den Bereichen Konsum- und Industriegüter. Die Erwartungen für die Zukunft bleiben getrübt. Die meisten befragten Unternehmen gehen weiter von einer sinkenden Nachfrage aus

MEHR GEWINN: Die Freiburger Kantonalbank (FKB) konnte den Gewinn im Geschäftsjahr 2015 erneut steigern. Damit trotzt die Bank nach eigener Auffassung dem schwierigen Marktumfeld, auch wenn die Negativzinsen den Geschäftserfolg belasten. Seit 2005 habe sich der Nettogewinn beinahe verdoppelt, schreibt die FKB in einer Mitteilung. Ganz spurlos gingen die Negativzinsen aber nicht an der FKB vorbei. Der Geschäftserfolg sank in der Berichtsperiode um 2,2 Prozent auf 152,6 Millionen Franken, was vor allem den erhöhten Kosten zur Abdeckung von Zinsrisiken geschuldet sei. Die Steigerung von Kreditaktivitäten und der Zufluss von Kundengeldern konnte diesen Negativeffekt nicht ausmerzen. Der übrige ordentliche Erfolg stieg indes deutlich auf 4,7 Millionen Franken (+47 Prozent).

ENDGÜLTIG AM ENDE: Die Auffanggesellschaft Polyveris, die nach dem Konkurs des Verpackungsspezialisten Folag Arbeitsplätze retten wollte, muss aufgeben. Sie stellt den Betrieb an den Standorten Sempach Station LU und Burgdorf BE ein. Je rund 15 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle. Der starke Franken, der Preiszerfall durch ausländische Anbieter und steigende Rohstoffpreise hätten die Branche am Standort Schweiz unrentabel gemacht, heisst es in einer Mitteilung. Durch die volatile Auftragslage und immer kleinere Bestellmengen sei nichts mehr unter dem Strich zum Überleben übrig geblieben. Den Mitarbeitenden würden während der Kündigungsfrist bei der Stellensuche unterstützt. Zuvor hatte bereits der Polyveris-Geschäftspartner PetroplastVinora die Schliessung des Standorts Andwil SG bekannt gegeben.

GEWINNEINBRUCH: Happige Restrukturierungskosten haben das Ergebnis von Phoenix Mecano verhagelt. Beim Komponenten- und Gehäusehersteller hat sich der Betriebsgewinn (EBIT) im vergangenen Jahr auf rund 15 Mio. Euro halbiert. Ohne die Restrukturierungskosten hätte ein Betriebsgewinn von 30 Mio. Euro herausgeschaut nach 29,5 Mio. Euro im Vorjahr. Der Reingewinn sackte von 20 Mio. auf rund 7 Mio. Euro ab. Phoenix Mecano will sparen und Produktionskapazitäten zurückfahren. Ein Standort in Deutschland wird geschlossen, weitere Standorte stehen zum Verkauf. Der Umsatz von Phoenix Mecano konnte indes um 10,7 Prozent auf 559,8 Mio. Euro zulegen. Knapp die Hälfte des Anstiegs ist den günstigen Wechselkursentwicklungen zu verdanken. Im laufenden Jahr erwartet die Gruppe ein Betriebsergebnis in der Grössenordnung von 34 Mio. bis 40 Mio. Euro.

ABSCHWÄCHUNG: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ein düsteres Bild vom Zustand der Weltwirtschaft gezeichnet und erneut ihre Wachstumsprognosen gesenkt. In einem Konjunkturausblick geht die in Paris ansässige Organisation für dieses Jahr nur noch von einem weltweiten Wachstum von drei Prozent aus - im vergangenen November hatte die OECD noch ein Plus von 3,3 Prozent erwartet. In der Eurozone erwartet die OECD in diesem Jahr ein Wachstum von 1,4 Prozent und im kommenden Jahr von 1,7 Prozent. China wird eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums vorausgesagt, von 6,5 Prozent in diesem Jahr auf 6,2 Prozent 2017.

MEHR GEWINN FÜR EZB: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im vergangenen Jahr ihren Gewinn gesteigert. Unter dem Strich blieb 2015 ein Überschuss von 1,082 Milliarden Euro, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Im Jahr zuvor hatte sie noch einen Nettogewinn von 989 Millionen Euro ausgewiesen. Die EZB erzielt ihre Gewinne unter anderem aus der Ausgabe von Banknoten sowie aus Zinseinnahmen auf ihre Währungsreserven und auf die von ihr gehaltenen Staatsanleihen. Allein aus den Papieren, die sie auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise erworben hat, stammen mit 609 Millionen Euro mehr als die Hälfte des Gewinns. Die Einnahmen aus der Banknotenausgabe lagen bei 42 Millionen Euro. Die Währungshüter haben bereits 812 Millionen Euro des Gewinns an die nationalen Zentralbanken der Eurozone ausgeschüttet. Die restlichen 270 Millionen Euro sollen an diesem Freitag verteilt werden.

UMSATZPLUS: Dank der Werbepartner Usain Bolt und Rihanna hat der krisengeplagte Sportartikelhersteller Puma seinen Umsatz im vergangenen Jahr nach oben geschraubt. Hohe Kosten für Marketing sowie der starke Dollar drückten jedoch den Betriebsgewinn um fast ein Viertel. Er schrumpfte um 25 Prozent auf 96 Millionen Euro. Vielversprechende Geschäfte mit Schuhen und Sportkleidung für Frauen sorgten 2015 aber für einen Umsatzanstieg um 14 Prozent auf 3,39 Milliarden Euro.

EXPORTE EINGEBROCHEN: Die japanischen Exporte sind im Januar so stark eingebrochen wie zuletzt 2009. Die schwächere Nachfrage aus China und anderen wichtigen Absatzmärkten habe zu einem Rückgang auf Jahressicht um 12,9 Prozent geführt, teilte das Finanzministerium mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 11,3 Prozent gerechnet. Es war bereits die vierte Abnahme in Folge, bedingt vor allem durch geringere Auslieferungen an Stahl und Ölprodukten. Zudem habe das Neujahrsfest in der China früher stattgefunden als letztes Jahr, was ebenfalls die Exporte belastet habe, teilte ein Vertreter des Finanzministeriums mit. Allein nach China - dem grössten Handelspartner - wurden 17,5 Prozent weniger Waren ausgeliefert.

ACCOR MIT UMSATZPLUS: Der französische Hotelkonzern Accor, der auch in der Schweiz 54 Hotels betreibt, hat im abgelaufenen Jahr vom schwachen Euro und mehr Übernachtungen in Deutschland und Grossbritannien profitiert. Der Umsatz legte um 2,3 Prozent auf knapp 5,6 Milliarden Euro zu. Auf dem Heimatmarkt wurde das Geschäft durch die Terroranschläge in Paris im Januar und November 2015 beeinträchtigt. Die Wirtschaftsflaute in Brasilien wirkte sich ebenfalls negativ aus. Operativ stieg der Gewinn (Ebit) um 10,6 Prozent auf 665 Millionen Euro. Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 244 Millionen Euro, 9,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

(AWP)