Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 14. März 2016
14.03.2016 17:32

VERSICHERUNGEN: Das Geschäftsjahr 2015 des Versicherers Helvetia hat ganz im Zeichen der 2014 akquirierten Gesellschaften Nationale Suisse und Basler Österreich gestanden. Der Gewinn brach zwar um 21 Prozent auf 309 Millionen Franken ein. An einer Medienorientierung zeigte sich das Management dennoch mit den Entwicklungen zufrieden. Allein die Synergieeffekte bei den Zukäufen betrugen 45 Millionen Franken. Helvetia ist mittlerweile zuversichtlich, mit den Transaktionen ab 2017 insgesamt mehr als 130 Millionen Franken einsparen zu können. Zudem stieg das Geschäftsvolumen im Vorjahresvergleich um 6 Prozent auf 8,2 Milliarden Franken. Der kombinierte Schaden-Kosten-Satz, ein Gradmesser der operativen Profitabilität, verbesserte sich um 1,4 Prozentpunkte auf beachtliche 92,1 Prozent.

ARYZTA WÄCHST WIEDER: Der Tiefkühlbackwarenhersteller Aryzta ist nach einer längeren Durststrecke auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Vor allem in Europa legte das Geschäft zu, während aus Nordamerika noch klar negative Raten vermeldet wurden. Während die Regionen Europa und Rest der Welt mit 4,7 Prozent und 3,9 Prozent wuchsen, war das Geschäft in Nordamerika um 4,0 Prozent rückläufig. Insgesamt stieg der Umsatz im ersten Halbjahr um 5,5 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT stieg um 2,7 Prozent auf 230,8 Millionen Euro. Davon waren allerdings 5 Prozent dem starken US-Dollar im Vergleich zum Euro zu verdanken. Der Reingewinn verringerte sich indes um 2,4 Prozent auf 141,1 Millionen Franken.

BEDINGUNGEN FÜR GV: An der kommenden Generalversammlung des Baustoffkonzerns Sika stellen sich alle Verwaltungsräte zur Wiederwahl. Sie stehen allerdings nur bei einer geschlossenen Wiederwahl und der Bestätigung von Paul Hälg als Präsident zur Verfügung. Das teilte das Zuger Unternehmen in einem Communiqué mit. Des Weiteren lehne der Verwaltungsrat den Antrag der Schenker-Winkler Holding (SWH) auf die Wahl von Jacques Bischoff in den Verwaltungsrat ab. Die ordentliche Generalversammlung findet am 12. April statt. Wie Sika weiter mitteilt, unterstützt das Unternehmen den Antrag der Aktionärsgruppe um Bill Gates auf eine Verlängerung der Amtszeit der Sachverständigen. Demnach soll der Sachverständigen-Ausschuss bis zum Jahr 2020 im Amt bleiben.

MEHR US-KUNDEN: Die Bank Vontobel will ihr Geschäft mit US-Kunden weiter ausbauen. Das Institut möchte neue Filialen in New York, Florida und Kalifornien eröffnen. Das erklärte Patrice Humbel, Leiter der Genfer Filiale von Vontobel Swiss Wealth Advisors (VSWA), in einem Interview in der Zeitung "L'Agefi". Diese Einheit, die das Geschäft mit US-Kunden der Gruppe umfasst, verwalte Vermögen im Umfang von 2 Milliarden Franken von rund 600 Kunden, sagte Humbel. Die Perspektiven für das laufende Jahr sehen gemäss dem Filialleiter weiter vielversprechend aus. Die VSWA richtet sich an US-Amerikaner mit Wohnsitz in- und ausserhalb der USA sowie an Bürger anderer Staaten mit Wohnsitz in den USA.

EXPANSION: Die liechtensteinische Bank LGT übernimmt eine "signifikante Mehrheitsbeteiligung" am britischen Vermögensverwalter Vestra Wealth LLP. Mit der Übernahme will die Bank der Fürstenfamilie im britischen Private Banking-Markt Fuss fassen. Vestra Wealth ist ein in London ansässiges Wealth-Management-Unternehmen mit einem betreuten Vermögen von 5,6 Milliarden britischer Pfund, wie die LGT mitteilte. Über den Kaufpreis machte die Fürstenbank keine Angaben. Nach Abschluss der Transaktion, die noch der Zustimmung der britischen Finanzaufsichtsbehörde FCA bedarf, wird Vestra Wealth in LGT Vestra umbenannt und als Partnerschaft zwischen der LGT und den ursprünglichen Partnern weitergeführt.

AUSGENUTZTE HAUSANGESTELLTE: Sie arbeiten für geringen Lohn von früh bis spät und wenn sie zu krank oder zu alt sind, werden sie oft auf die Strasse gesetzt: Die meisten der weltweit 67 Millionen Hausangestellten haben laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) keinerlei soziale Sicherheit. Insgesamt seien rund 60 Millionen Menschen unter derart prekären Verhältnissen beschäftigt, beklagt die ILO in einer Studie. Betroffen sind vor allem Frauen. 80 Prozent aller Hausangestellte sind weiblich. "Ihre Arbeit ist meistens unterbewertet und ungeschützt", erklärte die ILO-Direktorin für Sozialschutz, Isabel Ortiz. "Wenn diese Hausangestellten alt werden oder sich verletzen, werden sie gefeuert - ohne Rente oder angemessene Unterstützung."

INVESTITIONEN: Chinesische Investitionen in Europa haben einer Studie zufolge im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht. Private oder staatliche chinesische Unternehmen hätten 2015 in Europa 23 Mrd. Dollar investiert, heisst es in einem Bericht der Kanzlei Baker & McKenzie. Die höchsten Investitionen gab es in Italien, gefolgt von Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Am wichtigsten waren dabei der Automobilsektor und die Immobilienbranche. Chinesische Investoren setzten 2015 mehr auf Europa als auf den nordamerikanischen Kontinent: Dort betrugen die chinesischen Investitionen im vergangenen Jahr laut Baker & McKenzie 17 Mrd. Dollar.

STREITPUNKT ERDÖL: Irans Forderung nach einer Sonderbehandlung bei der geplanten Öl-Förderbremse entzweit die grossen Produzenten. Der russische Energieminister Alexander Nowak erklärte nach Gesprächen in Teheran, die islamische Republik fordere zurecht, von einer Begrenzung auf das Niveau vom Januar befreit zu werden. "Wir teilen die Sichtweise, dass sich der Iran in einer Sondersituation befindet", sagte Nowak nach einem Treffen mit seinem iranischen Kollegen Bidschan Sanganeh. Dagegen sagte der amtierende kuwaitische Ölminister Anas al-Saleh, es sei nur schwer vorstellbar, dass einige Staaten ihre Produktion deckeln und andere nicht. Am wichtigsten sei es, einen Konsens zu erzielen. Saudi-Arabien, Venezuela und Katar hatten sich mit dem Nicht-Opec-Mitglied Russland darauf geeinigt, ihre Produktion auf dem Niveau vom Januar einzufrieren.

EU-INDUSTRIE : Die Industrie in der Euro-Zone ist mit dem stärksten Produktionsplus seit September 2009 ins Jahr gestartet. Die Betriebe in den 19 Staaten stellten im Januar 2,1 Prozent mehr her als Ende 2015 und übertrafen damit leicht die Erwartungen der Finanzmärkte, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Im November (minus 0,2 Prozent) und Dezember (minus 0,5 Prozent) hatte es noch Rückgänge gegeben. Für das grösste Plus sorgten im Januar mit 3,9 Prozent die Hersteller von Maschinen, Anlagen und anderen Investitionsgütern. Die Energieproduktion stieg um 2,4 Prozent. In den drei grössten Volkswirtschaften im Währungsraum - Deutschland, Frankreich und Italien - ging es jeweils deutlich bergauf. In Spanien hingegen sank die Produktion um 0,2 Prozent. Umfragen hatten zuletzt ergeben, dass der Aufschwung in der Industrie der Euro-Zone an Tempo verliert.

CEBIT ERÖFFNET: Die Computermesse CeBIT in Hannover öffnet ihre Tore. An der weltgrössten Messe für die digitale Wirtschaft präsentieren sich bis Freitag 3300 Unternehmen aus etwa 70 Ländern. Die Schweiz ist zum ersten Mal Partnerland. Die Messe wird vom Schweizer Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann und dem deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel offiziell eröffnet. Auch Swatch-Chef Nick Hayek wird erwartet. Im Fokus der CeBIT steht die Digitalisierung der Wirtschaft. Zu den Schwerpunkten in diesem Jahr gehören neue IT-Anwendungen für Unternehmen, Cloud-Dienste, Smartphone-Apps und Sicherheitssoftware. Aber auch die Drohnentechnik, der 3D-Druck und das maschinelles Lernen gehören zu den Themen.

DEUTSCHE MANAGERLÖHNE: Deutsche Topmanager haben 2015 laut einer Studie im Schnitt 4,9 Millionen Euro verdient. Die Vergütung der Chefs von 21 der grössten Unternehmen, deren Daten vorliegen, stieg um ein Prozent. Das Ergebnis (Ebit) dieser Konzerne verringerte sich aber um 7 Prozent. Das Rekordergebnis von Daimler schlug sich auch auf dem Lohnzettel des Firmenchefs Dieter Zetsche nieder. Einer Studie der Management-Beratung Willis Towers Watson zufolge verdiente er im vergangenen Jahr 9,68 Millionen Euro - 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Unternehmensberatung wertete die 21 im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Unternehmen aus, die bis 11. März ihre Zahlen für 2015 vorgelegt hatten. Demnach bestehen zwischen den Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden erhebliche Unterschiede: Der Chef des Düngemittel-und Salzherstellers K+S, Norbert Steiner, bekam demnach 2,3 Millionen Euro - K+S musste kürzlich seinen Platz im Dax für das Medienunternehmen ProSiebenSat1.1 räumen. Telekom-Chef Tim Höttges liege mit 4,9 Millionen Euro "genau im Durchschnitt".

(AWP)