Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 8. Juni 2016
08.06.2016 17:32

STABILE MIETEN: Die Mieten in der Schweiz sind im Monat Mai im Vergleich zum April stabil geblieben. Innert Jahresfrist sind sie um 0,62 Prozent gestiegen, wie dem am Mittwoch veröffentlichen homegate.ch-Angebotsmietindex zu entnehmen ist. In den Kantonen Zürich, Basel-Landschaft, Basel-Stadt sowie St. Gallen und Thurgau resultierte ein minimer Rückgang der Angebotsmieten um 0,09 Prozent. In den Kantonen Genf und Waadt sanken die Mieten im Berichtsmonat um 0,16 Prozent. Unverändert blieben die Mieten im Kanton Luzern. In den Kantonen Bern und Solothurn stiegen die Mieten um 0,09 Prozent, im Aargau um 0,46 und im Tessin um 0,37 Prozent.

BEDROHTE STELLEN: Bei der Firma Swiss Online Shopping, welche die Portale FashionFriends und Stromberg betreibt, droht ein grosser Stellenabbau. Definitiv entschieden ist noch nichts. Im schlimmsten Fall könnten aber 68 der rund 99 Mitarbeitenden in Langenthal BE den Job verlieren. Swiss Online Shopping hatte Anfang April den Besitzer gewechselt: Zuvor gehörte die Firma dem Medienkonzern Tamedia, nun dem Münchner Modeunternehmen Schustermann & Borenstein. Der neue Besitzer geht nun über die Bücher: Es gebe eine "Prüfung der aktuellen wirtschaftlichen Situation", schreibt Firmensprecher Alfredo Schilirò. Diese habe gezeigt, "dass eine Neuausrichtung nicht mehr ausgeschlossen werden kann". Kommt es zu dieser Neuausrichtung könnten "bis zu maximal 68 Stellen" betroffen sein.

TEUERUNG: Die Konsumentenpreise sind in der Schweiz im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gingen die Preise um 0,4 Prozent zurück, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Mittwoch mitteilte. Nach dem Monat März mit einem Anstieg um 0,3 Prozent haben die Preise im Mai erst zum zweiten Mal in diesem Jahr angezogen. Bei den Inlandgütern belief sich die Teuerung im Berichtsmonat im Vergleich zum April 2016 auf 0,1 Prozent. Die Importgüter verteuerten sich in der gleichen Periode sogar um 0,4 Prozent. Teurer wurden im Vergleich zum Vormonat insbesondere Erdölprodukte, Pauschalreisen, Lebensmittel und Mieten. Rückläufig waren dagegen die Preise für Luftverkehr sowie wegen Aktionen die Preise für Möbel und Einrichtungszubehör.

SCHWEIZ - AFRIKA: Die Schweiz bemüht sich um eine Verstärkung der Handelsbeziehungen mit Afrika. Tiefe Rohstoffpreise und mangelnde Diversifizierung haben aber vorerst zu einem Einbruch der Importe geführt. Es sei angesichts der grossen Unterschiede zwischen den Regionen und der Eigenarten der verschiedenen Länder sehr schwierig, eine generelle Prognose für den ganzen Kontinent abzugeben, sagte Leu, die Delegierte für Handelsverträge des Bundesrates. Aber es scheine ein gegenseitiges Interesse an einer Vertiefung der Handelsbeziehungen zu geben. Die Schweizer Exporte auf den afrikanischen Kontinent beliefen sich im letzten Jahr auf 3,3 Milliarden Franken. Dies entsprach einem Rückgang um 17,5 Prozent, wie den Zahlen der Aussenhandelsstatistik zu entnehmen ist.

BUSSE FÜR PANALPINA: Das österreichische Kartellgericht hat Millionenstrafen gegen vier Logistikunternehmen verhängt, darunter die Schweizer Panalpina. Sie muss 2 Millionen Euro bezahlen - rund 2,2 Millionen Franken. Der Grund für die Bussen sind Preis- und Mengenabsprachen bei wiederkehrenden Aufträgen eines österreichischen Kunden. Gebüsst werden auch die inzwischen insolvente österreichische Speditionsfirma Etransa, die Deutsche-Bahn-Tochter Schenker sowie die ÖBB-Tochter Rail Cargo. Ans Licht kam das Kartell, weil die Schweizer Logistikfirma Kühne+Nagel als Kronzeugin fungierte. Sie entgeht dadurch einer Busse. Kühne+Nagel habe in dem Kartell nur eine untergeordnete Rolle gespielt, teilte die österreichische Wettbewerbsbehörde mit.

ABGÄNGE BEI CSS: Bei der Krankenversicherung CSS zieht die Wahl der neuen Direktorin einen Wechsel in der Konzernleitung nach sich. Leistungschef Alain Flückiger und Finanzchef Roman Stein stellen ihre Posten zur Verfügung. Dies geht aus einem internen Schreiben der designierten neuen CEO Philomena Colatrella hervor. Nicht alle ihrer Konzernleitungskollegen würden die gleichen Vorstellungen über die zukünftige Zusammenarbeit haben.

KONZENTRIERTER REICHTUM: Nur ein Prozent der Weltbevölkerung kann in die Kategorie der Dollar-Millionäre eingestuft werden. Dies zeigt eine Studie der Boston Consulting Group. Die Beratungsfirma errechnete, dass 18,5 Millionen Haushalte Rücklagen im Wert von mindestens einer Million Dollar hätten. Dieses eine Prozent der Weltbevölkerung besitzt aber fast die Hälfte des globalen Vermögens. Genau genommen sind es 47 Prozent. Die meisten Dollar-Millionäre gibt es in den USA. Mit deutlichem Abstand folgen China und Japan. Im Verhältnis zur Landesbevölkerung haben die Schweiz und Liechtenstein die höchste Millionärsquote.

WERTVOLLSTE MARKE: Google hat sich den Platz als wertvollste Marke der Welt in der jährlichen "BrandZ"-Studie zurückgeholt. Das Marktforschungsunternehmen Millward Brown bewertete die Marke mit 229,2 Milliarden Dollar. Vorjahressieger Apple wurde auf den zweiten Rang verdrängt. Die weiteren Spitzenplätze belegen Microsoft, der US-Telekomriese AT&T und Facebook. Schweizer Marken finden sich keine in den Top 100. Vier Schweizer Marken schafften es allerdings in die Top 10 der jeweiligen Branchenkategorien: Rolex bei den Luxusgütern, Nescafé und Nespresso bei den Soft Drinks und die UBS bei den international tätigen Banken.

EURO-ANTEIL AN DEVISENRESERVEN GERINGER: Der Anteil des Euro an den weltweiten Devisenreserven ist erneut gesunken und hat im vergangenen Jahr den tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende erreicht. Ende 2015 habe der Anteil der europäischen Gemeinschaftswährung an den globalen Währungsreserven bei 19,9 Prozent gelegen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt mit. Im Jahresvergleich sei der Anteil an den Reserven damit um 0,6 Prozentpunkte gesunken. Er fiel damit auf den niedrigsten Stand seit 2000. Devisenreserven werden von Notenbanken gebildet. Mit ihnen kann die Zentralbank - falls notwendig - den Kurs der eigenen Währung stützen. Nach wie vor bleibt der Euro jedoch die zweitwichtigste Währung für die Bildung von Devisenreserven. Der US-Dollar steht mit weitem Abstand auf Platz eins unter den Reservewährungen.

ÖLPREISE STEIGEN WEITER: Die Ölpreise haben weiter zugelegt und sind auf neue Höchststände seit dem vergangenen Oktober gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August 50,51 US-Dollar. Das waren sieben Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im Juli stieg um 13 Cent auf 50,49 Dollar. Die höchsten Stände wurden am Mittwochmorgen bei 51,57 Dollar (Brent) und 50,58 Dollar (WTI) markiert. So viel hatten die beiden wichtigsten Rohölsorten letztmalig im Oktober 2015 gekostet. Händler nannten vor allem das derzeit verringerte Angebot in zahlreichen Förderländern als Grund für die Preisanstiege.

KEIN KUKA-GESETZ: Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) strebt angesichts der geplanten Übernahme des deutschen Roboter-Herstellers Kuka durch chinesische Investoren keine schärferen Gesetze zum Schutz von Schlüsselunternehmen an. Es gehe nicht um eine konkrete Verschärfung des Aussenwirtschaftsgesetzes, sagte Gabriel. Der Minister sprach sich aber für faire Wettbewerbsregeln auf globalen Märkten aus und mahnte Schutz vor staatlich gelenkten Konkurrenten an.

E.ON WIRD AUFGESPALTET: Deutschlands grösster Energiekonzern E.ON teilt sich auf in alte und neue Energie. Eon-Chef Teyssen umwarb die Aktionäre. Die ziehen trotz Zweifel an der Zukunft von Uniper mit. Die Aktionäre des kriselnden Energiekonzerns E.ON haben sich zähneknirschend hinter die Pläne von Vorstandschef Johannes Teyssen zur Aufspaltung des grössten deutschen Versorgers gestellt. In seiner jetzigen Form sei der Konzern wegen des Ökostrombooms und des politisch verordneten Atomausstiegs wohl nicht überlebensfähig.

LUFTHANSA SCHRUMPFT KÜCHE: Die Lufthansa will bei ihrer Catering-Tochter LSG Sky Chefs massiv Stellen streichen. Nach einem Konzeptvorschlag an die Konzernleitung könnte die Zahl der Produktionsstandorte in Europa von jetzt 23 auf 7 reduziert werden. In Deutschland könnten bei einer Umsetzung 1700 von 5500 Vollzeitstellen wegfallen, europaweit stehen 2400 Jobs auf der Kippe, wie die Lufthansa-Tochter einen Zeitungsbericht bestätigte. Gründe seien veränderte Airline-Konzepte, hoher Kostendruck und ein verändertes Einkaufsverhalten.

WEITERER VW-RÜCKRUF: Nach monatelangen Verzögerungen nimmt der Rückruf von millionenfach manipulierten VW-Dieseln in Europa weiter Fahrt auf. Der Konzern meldete die behördliche Freigabe für die Nachbesserungslösungen bei weiteren 1,1 Millionen betroffenen Fahrzeugen der Marken VW und Audi. Damit erhalten erste Halter von VW-Tiguan- und VW-Caddy-Modellen - falls sie mit dem Skandal-Motor EA 189 als 2,0-Liter-Hubraum-Variante ausgestattet sind - demnächst Post und können in die Werkstatt.

NEUER RUSSISCHER PASSAGIERJET: Russland will mit einem neuen Mittelstreckenflieger seine zivile Luftfahrtbranche wiederbeleben. Mit dem Modell MC-21 will der Flugzeughersteller Irkut Airbus und Boeing Konkurrenz machen. Der Prototyp wurde in der sibirischen Stadt Irkutsk bei einer Zeremonie mit vielen Showeffekten vorgestellt. Das Flugzeug mit Platz für 150 bis 211 Passagiere soll Nachfolger für die zu Sowjetzeiten gebaute Tupolew Tu-204 werden und ab Ende 2018 ausgeliefert werden. Die ersten Testflüge sind für Ende 2016 oder Anfang 2017 geplant. Regierungschef Dmitri Medwedew bezeichnete den Jet als neuen "Stolz der russischen Zivilluftfahrt".

CHINAS EXPORTE SCHWÄCHELN: Die chinesischen Ausfuhren sind wegen der schwachen weltweiten Nachfrage überraschend stark gefallen. Die Exporte gingen im Mai verglichen mit dem Vorjahr um 4,1 Prozent zurück. Analysten hatten lediglich ein Minus von 3,6 Prozent erwartet. Die Zentralbank rechnet nun damit, dass die Ausfuhren auch im Gesamtjahr 2016 schrumpfen werden - und zwar um ein Prozent. Bislang war sie von einem Wachstum von drei Prozent ausgegangen. Die Importe schrumpften dagegen deutlich weniger stark als vorhergesagt. Sie gaben im Mai nur noch um 0,4 Prozent nach. Das ist der kleinste Rückgang seit November 2014. Experten hatten ein Minus von sechs Prozent prognostiziert. Zum Teil dürften höhere Rohstoffpreise eine Rolle spielen, aber auch eine bessere Binnennachfrage dank staatlicher Konjunkturpakete.

(AWP)