Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 14. Juni 2016
14.06.2016 17:26

DÄTWYLER KAUFT ZU: Der Urner Industriezulieferer Dätwyler wagt eine Grossübernahme: Für umgerechnet 848 Millionen Franken kauft das Unternehmen den britischen Elektronikgrosshändler Premier Farnell. Durch den Zukauf wird Dätwyler zu einem der grössten Lieferanten elektronischer Komponenten. Der Elektronikvertrieb ist eines von zwei Standbeinen des Unternehmens. Das zweite ist das Geschäft mit Dichtungen, etwa für die Autoindustrie. Durch die Übernahme wird sich Dätwylers Umsatz verdoppeln: Im vergangenen Jahr waren es 1,2 Milliarden Franken. Nach der Übernahme rechnet Dätwyler mit rund 2,5 Milliarden Franken. Analysten halten die Übernahme für sinnvoll, aber eher teuer.

KONJUNKTUR: Die Ökonomen der Credit Suisse rechnen für das laufende Jahr weiterhin mit einem Wachstum von einem Prozent. Während der Exportsektor die Talsohle durchschritten habe, belaste der Schwungverlust der Binnenwirtschaft das Wachstum, schreibt die Credit Suisse in ihrer Publikation "Monitor Schweiz". Für 2017 hat die Credit Suisse die Wachstumsprognose von 1,5 Prozent bestätigt. Für einen zusätzlichen Schub könnte allenfalls der Aussenhandel sorgen. Die Binnenwirtschaft hingegen dürfte noch immer mit der "Verdauung" der Frankenaufwertung beschäftigt sein. Durch die Aufhebung des Euro-Franken-Kurses seieninsgesamt 13 Milliarden Franken verloren gegangen. Die Arbeitslosenquote wird gemäss den Prognosen nicht mehr weiter steigen. Ende Jahr wird eine Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent erwartet. 2017 dürfte die unverändert bleiben.

GEWINNWARNUNG: Der Vermögensverwalter GAM warnt vor einem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr. Der operative Gewinn vor und nach Steuern sowie der Konzerngewinn würden um 50 Prozent tiefer ausfallen als in der Vorjahresperiode, teilte GAM mit. In der Schweiz werden knapp 25 Stellen abgebaut. Im ersten Halbjahr 2015 hatte GAM einen operativen Gewinn vor Steuern von 101, 5 Millionen Franken ausgewiesen. Der Konzerngewinn betrug damals 80,9 Millionen Franken. Der Vermögensverwalter begründet den Rückgang mit tieferen Erträgen, wie es in der Mitteilung heisst. Diese Erträge würden im im ersten Halbjahr 2016 voraussichtlich 1 Million Franken betragen im Vergleich zu 44, 1 Millionen in der Vorjahresperiode.

ONLINE-SHOPS UNTER DRUCK: Im Schweizer Online-Handel hat die Wettbewerbsintensität weiter zugenommen. So drängen verstärkt Markenhersteller und ausländische Anbieter in den Markt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz unter 36 Online-Anbieter in der Schweiz. Diese stellten fest, dass 2015 verstärkt europäische Anbieter auf den Schweizer Markt drängen. Insgesamt ist der Marktanteil der ausländischen Online-Händler im vergangenen Jahr von 18 Prozent im Vorjahr auf 20 Prozent angestiegen. Dazu kommt, dass auch Markenhersteller vermehrt eigene Web-Shops aufbauen. So haben weltweit alle bedeutenden Marken in den letzten Jahren solche eröffnet.

KONKURRENZ FÜR TWINT: Die Schweiz ist nach Grossbritannien das zweiten europäische Land, in dem in Kürze der Bezahldienst Apple Pay startet. Den Dienst nutzen können zunächst Visa- und Mastercard-Kunden mit Karten von Bonuscard, Cornèrcard und Swiss Bankers. Das teilte Apple am Dienstag auf seiner Internetseite mit. Wann genau der Startschuss für Apple Pay fällt ist noch nicht bekannt. Visa und Mastercard teilten mit, dass der Dienst "im Sommer" lanciert werden soll. Apple Pay kann an Kassengeräten genutzt werden, die für kontaktloses Bezahlen per NFC-Funk ausgestattet sind. Die Industrie rüstet schrittweise alle Terminals damit aus.

VERSCHÄRFTE SCHIEFLAGE: Seit Anfang 2015 hat sich die Situation des Schweizer Vorsorgesystems deutlich verschlechtert. Dies zeigt der neue UBS-Vorsorgeindex, der als Pulsmesser gilt, wie es um das Schweizer Vorsorgesystem steht. Der deutliche Rückgang des Vorsorgeindexes ist hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen. Erstens hat sich die Altersstruktur der Schweizer Bevölkerung weiter hin zu den Rentnern verschoben. 2015 wurden in der Schweiz zum ersten Mal mehr Personen 65 als 20 Jahre alt. Zweitens gab es im letzten Jahr wegen der Aufhebung der Euro-Mindestkurses einen konjunkturellen Einbruch.

KLASSISCHE UHR BLEIBT TRUMPF: Die Smart-Watch macht bei den Jungen zwischen 16 und 25 keine Furore. Sie ziehen die klassische Uhr am Handgelenk weiterhin vor, wie einezum Beginn der Genfer Fachmesse der Uhren- Mikro- und Medizinaltechnik veröffentlichte Studie zeigt. 60 Prozent der Jugendlichen benutzen oft die klassische Uhr, hiess es am 15. Genfer Salon EPHJ-EPMT-SMT. Die Smart-Watch oder das smarte Armband haben für nur neun Prozent der Befragten einen Reiz. Allen voran wurde das Mobiltelefon von 95 Prozent der Befragten als wichtiges Utensil genannt, gefolgt von der Uhr, welche von 70 Prozent genannt wurde. Eine Smart-Watch zieht dagegen nur 20 Prozent an und nur 10 Prozent gehen davon aus, dass sie bis in zwei Jahren eine besitzen werden.

GROSSHANDELSPREISE LEGEN ZU: Die Produzenten- und Importpreise sind im Mai weiter gestiegen. Sie erhöhten sich gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank das Preisniveau jedoch um 1,2 Prozent zurück. Für den Anstieg des Produzentenpreisindexes gegenüber dem Vormonat waren insbesondere die höheren Preise für Schrott verantwortlich. Sinkende Preise wurden bei pharmazeutischen Spezialitäten beobachtet. Beim Importpreisindex wurden im Vergleich zum Vormonat vor allem höhere Preise für Treibstoff, Heizöl, Roheisen und Stahl verzeichnet. Preisrückgänge registrierte das BFS bei organischen Produkten der chemischen Industrie, Kunststoffen in Primärformen, Computer, Gemüse, Kartoffeln sowie Papier und Papierprodukten.

BKW KAUFT EIN Der Berner Energiekonzern BKW übernimmt das traditionsreiche Zürcher Installationsunternehmen Inag-Nievergelt (Inag). Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Inag zählt im Grossraum Zürich zu den führenden Installationsanbietern in den Bereichen Sanitär, Heizung und Bauspenglerei, wie die BKW am Dienstag mitteilte. Die Firma mit Standorten in Zürich und Wetzikon erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr mit rund 130 Mitarbeitenden einen Umsatz von über 40 Millionen Franken. Die Inag stösst zum bestehenden Netzwerk der Gebäudetechnikfirmen der BKW, das mittlerweile zwölf Unternehmen mit über 500 Mitarbeitenden umfasst.

WENIGER GEWINN: Die liechtensteinische VP Bank erwartet im ersten Halbjahr 2016 einen geringeren Konzerngewinn als in der Vergleichsperiode des Vorjahres. Unter Ausschluss des Einmaleffekts durch die Integration der Centrum Bank dürfte der operative Konzerngewinn deutlich über dem Wert der Vorjahresperiode liegen. Das ersten Semester 2016 habe sich bis anhin sehr positiv entwickelt, teilte die VP Bank am Dienstag in Vaduz mit. 2016 hatte die VP Bank Gruppe einen Gewinn von 64,1 Millionen Franken erwirtschaftet, drei Mal so viel wie im Vorjahr. Das Gewinnwachstum wurde primär auf die Fusion mit der Centrum Bank zurückgeführt.

DEUTSCHE STAATSANLEIHEN: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen unter null Prozent gefallen. Damit müssen Anleger Geld mitbringen, wenn sie dem Bund Geld leihen wollen. Die international richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen rentierten bei minus 0,003 Prozent. Bei Titeln mit kürzeren Laufzeiten ist der Negativzins bereits Alltag: Die Investition in zweijährige Papiere ist seit Mitte 2014 durchgängig ein Verlustgeschäft. Die Bundesrepublik ist das zweite Land aus der Riege der sieben führenden Industrienationen (G7), dessen zehnjährige Titel unter null Prozent rentieren. Die vergleichbaren japanischen Papiere notieren seit Anfang März in negativem Terrain.

US-DETAILHANDEL LEGT ZU: Die US-Detailhändler haben ihren Umsatz im Mai deutlicher gesteigert als erwartet. Die Einnahmen kletterten um 0,5 Prozent zum Vormonat und damit das zweite Mal in Folge. Der Umsatz fiel besser aus gedacht, denn Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg um 1,3 Prozent im April. Der Detailhandel gilt als wichtiges Stimmungsbarometer und macht etwa 30 Prozent des privaten Konsums in den USA aus. Dieser wiederum steht für rund 70 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

MODEKONZERN MUSS GÜRTEL ENGER SCHNALLEN: Der über Jahre erfolgsverwöhnte deutsche Modekonzern Gerry Weber kämpft mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen. Der operative Gewinn (Ebit) brach im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 auf 4,5 Millionen Euro ein, vor Jahresfrist standen noch 18,8 Millionen Euro in den Büchern, Der Überschuss fiel auf 1,7 (Vorjahr: 11,4) Millionen Euro. Der Umsatz ging auf 230 (240) Millionen Euro zurück. Konzernchef Ralf Weber setzt auf ein Umbau- und Sparprogramm, um den Konzern nach der rasanten Expansion der vergangenen Jahre wieder profitabler zu machen. 21 Filialen wurden bis Ende April dichtgemacht. Webers Pläne sehen vor, dass insgesamt 103 Geschäfte die Pforten schliessen. Rund 700 der etwa 7000 Stellen will Weber streichen.

AUFRUF ZU INVESTITIONEN: Die EU appelliert an Unternehmen und Banken, nach dem Ende der Sanktionen mehr Geschäfte mit dem Iran zu machen. Die EU ermuntere die Wirtschaft und Finanzbranche aus Europa und anderswo, sich stärker in der Islamischen Republik zu engagieren, sagte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini auf einer Pressekonferenz in Oslo. Der iranische Aussenminister Mohammad Dschawad Sarif forderte die USA auf, sich stärker dafür einzusetzen, dass US-Banken mit dem Iran mehr Geschäfte machen. "Ich glaube, auf dem Papier haben die USA alle Sanktionen aufgehoben", sagte Sarif in der norwegischen Hauptstadt. Für die Umsetzung sei nun wichtig, dass alle Seiten Vorteile spürten. Im Januar wurden die meisten westlichen Sanktionen gegen Iran aufgehoben, nachdem das Land einer Beschränkung seines Atomprogramms zugestimmt hatte. Einige US-Sanktionen bestehen aber weiter. So ist es US-Banken untersagt, direkt oder indirekt Geschäfte mit dem Iran zu machen.

CHINESISCHE KONJUNKTUR: China sollte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) Reformen verstärken, um sich gegen eine wachsende Anfälligkeit der Wirtschaft zu wappnen. Der mittelfristige Ausblick für das asiatische Land sei unsicherer geworden wegen der schnell steigenden Kreditvergabe, der strukturellen Überkapazitäten und des "undurchsichtigen" Finanzsektors, sagte IWF-Vize-Chef David Lipton in einem Bericht zu China. Der Fonds geht davon aus, dass die chinesische Wirtschaft im nächsten Jahr rund sechs Prozent zulegt. Die Staatsführung in Peking veranschlagt für die nächsten fünf Jahre mindestens 6,5 Prozent Wachstum. Im vergangenen Jahr gab es nur das niedrigste Plus seit einem Vierteljahrhundert.

ALIBABA HAT AMBITIONEN: Der grösste chinesische Online-Händler Alibaba setzt sich ehrgeizige Ziele. Bis 2020 will das Unternehmen den Gesamtwert der abgewickelten Geschäfte (Bruttowarenwert) auf umgerechnet 876 Milliarden Franken von geschätzten 450 Milliarden Franken in diesem Geschäftsjahr verdoppeln. Das teilte der Rivale von US-Weltmarktführer Amazon auf einer Investorenkonferenz mit. Bis zum Jahr 2036 kalkuliere Alibaba mit rund zwei Milliarden Kunden. Derzeit habe der Konzern etwa 423 Millionen aktive Käufer. Alibaba hatte 2014 beim grössten Börsengang aller Zeiten rund 25 Milliarden Dollar eingenommen.

BAIDU SENKT UMSATZPROGNOSE: Der grösste chinesische Internetsuchmaschinen-Betreiber Baidu hat seine Umsatzprognose für das laufende Quartal heruntergeschraubt. Grund seien neue Vorgaben der Behörden, die die Zahl der Werbeanzeigen für Arzneimittel und medizinische Therapien begrenzten. Baidu erwarte nun Erlöse von lediglich 2,81 bis 2,82 Milliarden Dollar, wie der Google-Konkurrent. Zuvor hatte der Konzern mit 3,12 bis 3,19 Milliarden Dollar Umsatz gerechnet.

VERKAUF AN CHINESEN: Der niederländische Chiphersteller NXP verkauft sein Standardhalbleiter-Geschäft für 2,75 Milliarden Dollar an chinesische Finanzinvestoren. Eine entsprechende Vereinbarung sei mit einem Konsortium aus den Firmen Jianaguang Asset Management und Wise Road Capital getroffen worden, teilte NXP mit. Die Sparte mit rund 11'000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von zuletzt 1,2 Milliarden Dollar stellt insbesondere Halbleiter für Fahrzeuge, Computer sowie Konsumelektronik her. Nach der Übernahme soll sie unter dem neuen Namen "Nexperia" als unabhängiges Unternehmen mit Sitz im niederländischen Nijmegen weitergeführt werden. Die Transaktion soll nach der erforderlichen Zustimmung der Behörden im ersten Quartal nächsten Jahres abgeschlossen werden.

NEUE XBOX ONE: Microsoft hat zum Auftakt der Spielemesse E3 in Los Angeles ein aufgerüstetes Modell seiner Spielekonsole Xbox One vorgestellt. Die in weiss gehaltene Xbox One S ist um 40 Prozent kleiner als die Vorgängerin und unterstützt auch die Wiedergabe von Spielen und Filmen in Ultra-HD-Auflösung. Sie kommt in zwei Varianten ab Anfang August in den Handel und kann ab sofort vorbestellt werden, wie Microsoft ankündigte. Marktführer Sony hielt sich mit Hardware-Ankündigungen unterdessen zurück und legte den Schwerpunkt auf ein reichhaltiges Spieleangebot. Das grosse Trendthema in der Branche bedient der japanische Konzern jedoch: Zum 13. Oktober soll die Brille Playstation VR auf den Markt kommen. Das Headset soll bereits zusammen mit der aktuellen Playstation den Spieler in virtuelle Welten entführen.

(AWP)