Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 15. Juni 2016
15.06.2016 17:32

BILLIGE KONSUMKREDITE: Durch die Senkung des Maximalzinssatzes für Konsumkredite in der Schweiz wird der Konkurrenzkampf um tiefe Zinsen für "schnelles Geld" härter geführt. Bereits gibt es ein erstes Angebot für Konsumkredite unter fünf Prozent. Branchenkenner erwarten weitere Zinssenkungen weiterer Anbieter. Der Bundesrat hat auf den 1. Juli neu einen tieferen Maximalzinssatz für Konsumkredite festgelegt. Neu gilt ein effektiver Maximalzinssatz von zehn Prozent für Barkredite. Derzeit liegt dieser noch bei 15 Prozent. Privatkreditkunden können im Durchschnitt rund 1600 Franken pro Kredit einsparen, wenn sie ihren aktuellen Kredit durch einen neuen mit tieferen Zinsen ablösen, wie der Internetvergleichsdienst comparis.ch berechnet hat.

NEUE CHEFIN: Die Schweizer Börsenaufsicht erhält eine Chefin. Die 42-jährige Juristin Corinne Riguzzi wird die Stelle Anfang 2017 antreten. Sie tritt die Nachfolge von Rodolfo Straub an, der im Hinblick auf seine Pensionierung die Verantwortung frühzeitig in neue Hände legen will. Riguzzi ist seit zehn Jahren im Bereich Handelsüberwachung der Schweizer Börse tätig. Seit vier Jahren ist sie Leiterin des Bereichs. Seither ist sie auch Mitglied der Geschäftsleitung der Börsenaufsicht SIX Exchange Regulation. Vor drei Jahren wurde Riguzzi zudem zur Stellvertreterin des abtretenden Straub ernannt.

NEUER SWISS-PRÄSIDENT: Reto Francioni wird definitiv neuer Verwaltungsratspräsident der Swiss. Dass der frühere Chef der Deutschen Börse für das Amt vorgeschlagen werden soll, hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bereits vor einem Jahr angekündigt. Nun hat die Swiss den personellen Wechsel bestätigt. Francioni, Schweizer mit Jahrgang 1955, ersetzt Bruno Gehrig. Dieser tritt in den Ruhestand. Auch Christoph Franz tritt aus dem Swiss-Verwaltungsrat zurück. Der frühere Chef der Fluggesellschaft verlasse das Gremium freiwillig, teilte die Swiss mit. Seine Nachfolgerin wird die Luzerner Rechtsanwältin Doris Russi Schurter.

ERSTER IRAN-VERTRAG: Ein Genfer Unternehmen hat den ersten Vertrag seit der Aufhebung der Sanktionen in Iran abgeschlossen. Welding Engineers wurde beauftragt, einer neuen Unternehmung in Assaluyeh bei der Herstellung von Kautschuk zur Seite zu stehen. Der entsprechende Vertrag mit der iranischen Firma Sadaf Petrochemical Assaluyeh wurde am vergangenen Sonntag unterzeichnet, wie der Generalsekretär der iranisch-schweizerischen Handelskammer bestätigte. Die Genfer Firma werde der iranischen Gruppe auch beim Aufbau der Produktionsstätte behilflich sein. Welding Engineers ist auf die Herstellung von Maschinen zur Produktion von synthetischem Kautschuk spezialisiert.

SCHINDLER KAUFT DEUTSCHE FB: Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler mit Sitz im luzernischen Ebikon kauft die deutsche FB Gruppe. Es handelt sich dabei um ein mittelständisches Unternehmen im Familienbesitz, das Lifte herstellt, installiert, modernisiert und wartet. Schindler übernimmt sämtliche Anteile der sächsischen FB Gruppe, wie es in einer Mitteilung heisst. Wie viel Schindler dafür bezahlt, wird nicht bekannt gegeben. Die FB Gruppe beschäftigt 225 Mitarbeitende und hat Niederlassungen in Berlin, Dresden und Leipzig.

PHOENIX MECHANO KAUFT ISMET: Der Komponenten- und Gehäusehersteller Phoenix Mecano kauft in Deutschland ein. Er übernimmt zur Stärkung seiner Sparte ELCOM/EMS die im Markt für Transformatoren tätige Ismet GmbH mit Sitz in Villingen-Schwenningen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Akquisition erfolgt vorbehältlich behördlicher Genehmigungen auf den 1. Juli. Die ismet Gruppe soll als Unternehmen im Verbund der Phoenix Mecano-Gruppe und als Markenname weitergeführt werden, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Die Ismet Gruppe ist im europäischen Markt für Transformatoren und Drosseln gut positioniert. Das Unternehmen erzielte 2015 einen konsolidierten Umsatz von rund 14 Millionen Euro und beschäftigt 140 Mitarbeitende.

PERROT DUVAL KAUFT TECOS BRUHIN: Die in der industriellen Automatisierung tätige Perrot Duval übernimmt über ihre Beteiligung Füll Process die Tecos Bruhin AG mit Sitz im thurgauischen Altnau. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Die Übernahme wurde durch einen Aktientausch zwischen der Füll Process und Cornel Bruhin, dem Eigentümer und Geschäftsführer von Tecos Bruhin, abgewickelt, wie Perrot Duval mitteilte. Cornel Bruhin, bisheriger Eigentümer der Tecos Bruhin, übernimmt die operative Leitung der Füll Gruppe. Durch die Übernahme sollte die Füll Gruppe ihren Umsatz bereits im ersten Geschäftsjahr um mindestens 30 Prozent steigern können. Nach Abschluss der internen Reorganisation dürfte die operative Marge ab dem zweiten Geschäftsjahr fünf Prozent erreichen.

MEHR KLEIDER GESAMMELT: Texaid hat im letzten Jahr mehr Textilien gesammelt. 36'773 Tonnen Kleider Schuhe und Haushaltstextilien wurden abgegeben. Das sind 1579 Tonnen mehr als 2014. Trotz der höheren Sammelmenge: Für Texaid sei das vergangene Geschäftsjahr "anspruchsvoll" gewesen, heisst es in einer Mitteilung. Die Gründe: Krisen in wichtigen Absatzmärkten in Osteuropa, im nahen Osten und in Afrika - und der Frankenschock. Wegen der Krisen sank die Nachfrage nach Altkleidern, was die Preise drückte. Der Frankenschock schmälerte die Marge, weil Texaid die Alttextilien fast ausschliesslich zu Euro-Preisen verkauft. Entsprechend schüttete Texaid weniger Geld an gemeinnützige Organisationen aus: Nach 6,5 Millionen Franken im Vorjahr waren es nun noch 6,2 Millionen Franken.

REICHES IRLAND: Irland ist das zweitreichste Land der EU. Nur in Luxemburg ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf höher, wie Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigen. Erst vor einigen Jahren war Irland an die Grenze der Staatspleite geraten. Inzwischen gilt es als Musterschüler unter den ehemaligen Euro-Krisenstaaten. Die Wirtschaft wächst, was sich in den neuesten Zahlen spiegelt. Das BIP pro Kopf lag im vergangenen Jahr um 45 Prozent über dem Durchschnittswert der 28 EU-Länder. In Luxemburg lag war die Wirtschaftsleistung pro Kopf zweieinhalb mal so gross wie im Durchschnitt der EU. Den dritten Rang belegen die Niederlande, den vierten Österreich und den fünften Deutschland. Das ärmste Land der EU war einmal mehr Bulgarien.

US-INDUSTRIE GEBREMST: Die US-Unternehmen haben ihre Produktion im Mai überraschend deutlich gedrosselt. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes stellten 0,4 Prozent weniger her als im Vormonat, wie die US-Notenbank (Fed) mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet, nachdem es im April noch ein Plus von 0,6 Prozent gegeben hatte. Zudem fiel die Auslastung der Maschinen und Anlagen mit 74,9 Prozent niedriger aus als von Experten erwartet. Im April hatte der Wert noch bei 75,3 Prozent gelegen. Die Daten wurden nur wenige Stunden vor dem Zinsentscheid der Fed veröffentlicht.

YUAN AUF TIEFSTSTAND: Der Kurs des chinesischen Yuan ist auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen. Händler erklärten die Kursverluste mit dem Entscheid des US-Finanzdienstleisters MSCI, chinesische Aktien nicht in einen am Markt stark beachteten Index aufzunehmen. An der Börse in Shanghai wurde für einen US-Dollar in der Spitze 6,6047 Yuan gezahlt - so viel wie zuletzt im Januar 2011. MSCI hatte die Entscheidung unter anderem damit begründet, dass die Regierung in Peking den Zugang zum Aktienmarkt verbessern müsse. Es lasten aber noch weitere Faktoren auf dem Kurs des Yuan. Hierzu zählt die jüngste Dollar-Stärke wegen der Sorge der Anleger vor einem drohenden Austritt Grossbritanniens aus der EU.

RAVENSBURGER EXPANDIERT: Der Spielehersteller Ravensburger wird immer internationaler. Nach den Zukäufen des schwedischen Holzspielzeug-Herstellers Brio und des US-Unternehmens Wonder Forge stieg der Umsatz-Anteil der Auslandsmärkte kräftig an, wie das Unternehmen mitteilte. Ravensburger kam 2015 auf einen Gesamtumsatz von 444 Millionen Euro, davon entfallen 46,5 Millionen Euro auf Brio. Der Bereich Spiele, Puzzle und anderes Kreatives, der etwa drei Viertel der Geschäfte ausmacht, steigerte den Umsatz um 9,3 Prozent. Der Umsatz mit deutschsprachigen Büchern sank dagegen um 1,4 Prozent.

KERVIEL WEHRT SICH: Der spektakuläre Fall des Ex-Börsenhändlers Jérôme Kerviel beschäftigt erneut die französische Justiz. In Versailles begann ein neuer Prozess um die Frage, ob Kerviel seinem einstigen Arbeitgeber Société Générale tatsächlich 4,9 Milliarden Euro Schadenersatz zahlen muss. Frankreichs Oberster Gerichtshof hatte diesen Teil von Kerviels Verurteilung gekippt, weshalb nun erneut verhandelt wird. Die letzte Instanz argumentierte, offenbar hätten Kontrollmechanismen bei der Bank versagt. Sie könne daher nicht die komplette mutmassliche Schadenssumme von Kerviel ersetzt bekommen.

GRIECHISCHER RÜCKGANG: Die griechische Wirtschaft wird der Notenbank des Landes zufolge in diesem Jahr schrumpfen. Das Bruttoinlandprodukt dürfte um 0,3 Prozent zurückgehen, heisst es in einer Prognose. "Die Rückkehr zu Wachstum im dritten und vierten Quartal sollte das negative Ergebnis des ersten Halbjahres zumindest teilweise ausgleichen", erklärte die Zentralbank. Auch die EU-Kommission erwartet ein Minus von 0,3 Prozent. Griechenland macht vor allem die hohe Arbeitslosigkeit zu schaffen. Die Quote ist die höchste in der Europäischen Union. Fast jeder vierte Grieche hat derzeit keinen Job.

(AWP)