Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 17. Juni 2016
17.06.2016 17:29

DORMA+KABA STREICHT STELLEN: Gut neun Monate nach der Fusion setzt der Sicherheitstechnik-Konzern Dorma+Kaba den Rotstift an. Einer Restrukturierung in Deutschland fallen 440 Stellen zu Opfer. Die Streichung von Arbeitsplätzen in Deutschland sei eine Folge der verbesserten Kostenstruktur, der Straffung der Organisation und der Nutzung von Synergien, teilte das Unternehmen mit. Vom Abbau sei auch der Verwaltungsbereich betroffen. Gleichzeitig komme es an den Standorten in Singapur und im chinesischen Suzhou zu einem Aufbau von rund 160 Stellen, um die erhöhten Produktionsanforderungen abdecken zu können.

NEUE ANKERAKTIONÄRIN: Die Zuger Beteiligungsgesellschaft Corisol steigt als neue Ankeraktionärin bei der Online-Apotheke Zur Rose ein. Sie leistet mit einer Beteiligung von 20 Millionen Franken die erste Tranche im Rahmen einer zweistufigen Kapitalerhöhung und wird damit zunächst 13,3 Prozent des Aktienkapitals halten. Mit ihrem Engagement beabsichtigt Corisol die Übernahme einer strategischen Minderheitsbeteiligung. Mit der Kapitalerhöhung will Zur Rose ihre geplante Wachstumsstrategie und damit ihre europäische Marktführerschaft als Versandapotheke ausbauen. Corisol-Chefin Vanessa Frey soll anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung am 1. September 2016 als neues Mitglied in den Verwaltungsrat von Zur Rose gewählt werden.

VERKAUF: Der Versicherer Zurich verkauft seine marokkanische Tochter an die deutsche Allianz. Der Preis beträgt 244 Millionen Euro. Das Geschäft soll bis Ende 2016 abgeschlossen werden.Die Allianz setzt mit dem Kauf den Umbau in ihrem internationalen Versicherungs-Netz fort. Die bisherige Zurich Assurances Maroc ist nach Allianz-Angaben die Nummer sieben unter den Schaden- und Unfallversicherern in Marokko und kommt mit mehr als 600'000 Kunden auf ein Prämienvolumen von 114 Millionen Euro.

FORDERUNG: Die Gewerkschaft Unia fordert von Bundesrat und Parlament Massnahmen gegen die Deindustrialisierung. Nur mit einer aktiven Industriepolitik könne verhindert werden, dass die reiche Schweiz zu einer Dienstleistungswüste und zu einem Casino-Bankenplatz verkomme. Die laufende Zerstörung der Industrie in der Schweiz sei nicht Folge eines Strukturwandels, sondern das Ergebnis von strategischen Entscheidungen gegen die Produktion und gegen die Arbeitenden, heisst es im "Manifest für eine industrielle Schweiz" der Unia. Das Papier wurde von rund 500 Industriebeschäftigten an einem Aktionstag der Gewerkschaft am Freitag in Bern unterzeichnet

VERLUST: Der Waadtländer Krankenversicherer Assura hat im vergangenen Geschäftsjahr wegen hohen Vergütungen an die Versicherer rote Zahlen geschrieben. Der Verlust im Bereich der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Assura-Basis) beläuft sich auf 258 Millionen Franken. Das Minus ist gemäss Assura vollständig mit den hohen Reserven aufgefangen worden.

REGELUNG: Die EU-Finanzminister diskutierten in Luxemburg über den Kampf gegen die Steuervermeidung grosser Konzerne. Das geplante EU-Gesetz war laut Diplomaten bis zuletzt umstritten. Konkret sollen Regeln eingeführt werden, damit in mehreren Ländern tätige Unternehmen ihre Steuern dort zahlen, wo auch die Gewinne anfallen. Die EU-Kommission hatten im Januar einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt. Nach jüngsten Schätzungen Brüssels entgehen den öffentlichen Kassen in der EU nämlich durch Steuervermeidung jährlich zwischen 50 und 70 Milliarden Euro.

KONDOM-VERKAUFSVERBOT: Russland hat den Verkauf von Kondomen der Marke Durex verboten. Die Produkte seien nicht ordnungsgemäss registriert worden, begründete der Chef der Gesundheitsbehörden, Michail Muraschko, den Schritt. Durex-Kondome dürften nicht mehr verkauft werden, solange nicht "technische, toxikologische und andere Tests" erfolgt seien. Die britische Herstellerfirma Reckitt Benckiser müsse sich an die Gesetze halten. Trotz des Verbots von Durex-Kondomen gebe es keine Engpässe in Russland, betonte Muraschko. Durex sei nur eine von rund 60 Marken, die in Russland erhältlich seien.

GELD FÜR GRIECHENLAND: Der Euro-Rettungsfonds ESM hat die Überweisung einer Hilfstranche von 7,5 Milliarden Euro für Griechenland auf den Weg gebracht. Das Direktorium des Fonds, in dem die Finanz-Staatssekretäre der Euro-Staaten vertreten sind, beschloss am Freitag die Auszahlung. Damit ist die Gefahr gebannt, dass Athen wegen anstehender Milliardenrückzahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli erneut der Staatsbankrott droht. Griechenland und die Euro-Partner hatten sich im Juli vergangenen Jahres auf ein drittes Hilfspaket in der Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro verständigt. Seit Ende vergangenen Jahres gab es aber keine Auszahlungen mehr, weil die griechische Regierung bei zugesagten Reformen im Steuer- und Rentenbereich im Verzug war.

SELBSTFAHRENDER MINIBUS: Eine gemütliche Fahrt zur Arbeit mit guter Unterhaltung und ohne Stress am Steuer - das verspricht das US-Start-up Local Motors mit seinem selbstfahrenden Minibus "Olli". Der Wagen, der grösstenteils aus dem 3D-Drucker stammt, bietet Platz für zwölf Fahrgäste. Er soll per Smartphone-App angefordert werden können, wie das Unternehmen mitteilte. Bald soll "Olli" in Städten rund um den Globus getestet werden. Im Prinzip könnte "Olli" sofort eingesetzt werden - wenn die Verkehrsgesetze dies erlauben würden, sagte Local-Motors-Chef John Rogers.

MEHR MANIPULATIONEN: Der Manipulations-Skandal des japanischen Autobauers Mitsubishi Motors bei Kleinstwagen betrifft weit mehr Modelle als zunächst gedacht. Wie der Konzern mitteilte, wurden Manipulationen an 20 Modellen vorgenommen, die in den letzten zehn Jahren verkauft wurden. Bisher war nur von vier Modellen die Rede gewesen. Mitsubishi hatte im April gestanden, unzulässige Testmethoden angewandt und in manchen Fällen Daten zum Rollwiderstand benutzt zu haben, ohne dafür Tests durchzuführen. Mitsubishi Motors tätigt nun Sonderrückstellungen in der Höhe von rund 50 Milliarden Yen (460 Millionen Franken) für Entschädigungen.

(AWP)