Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - - Montag, 20. Juni 2016
20.06.2016 17:40

ES-BLOCHER KRITISIERT: Dottikon ES-Chef Markus Blocher zweifelt daran, dass die von seiner Schwester Magdalena Martullo-Blocher geführte Ems-Chemie auch weiterhin so erfolgreich sein wird. Sein Chemieunternehmen investiere jedenfalls deutlich stärker in neue Produkte. Soweit er das beurteilen könne, profitiere die Ems Chemie heute vom langanhaltenden Megatrend Metallersatz in Kombination mit starker Anwendungstechnik, bei stringenter Kostenkontrolle, aber auch verhältnismässig tiefe Forschungs- und Entwicklungsausgaben und Investitionen.

WENIGER LEISTUNG: Der Stiftungsrat der Swisscom-Pensionskasse Complan plant, die Überbrückungsrenten abzuschaffen für die Mitarbeitenden, die in Frühpension gehen. Zudem solle der Umwandlungssatz und der technische Referenzzinssatz der Pensionskasse gesenkt werden, vermeldete die Gewerkschaft Syndicom am Wochenende. Das komme angesichts steigender Manager-Löhne einer Verteilung von unten nach oben gleich, kritisierte die Gewerkschaft. Im Gegenzug hiess es bei der Swisscom, dass es zu den Aufgaben des Stiftungsrats gehöre "angesichts der schwierigen Ausgangslage der Pensionskassen" allfällige Anpassungen zu prüfen.

DICKE GESCHÄFTSBERICHTE: Wer sich als Aktionär, Analyst oder Journalist regelmässig mit den Geschäftsberichten von Unternehmen befasst, hat in den vergangenen Jahren einen eindeutigen Trend festgestellt: Die Berichte werden immer länger und komplizierter. "Die durchschnittliche Seitenzahl der Geschäftsberichte von SMI-Unternehmen ist von 158 im Jahr 2003 auf 288 im Jahr 2016 gestiegen", sagte Petra Nix, Inhaberin einer Agentur für Unternehmens- und Finanzkommunikation. Noch in den 1970er Jahren habe es kotierte Unternehmen gegeben, die nicht einmal den Umsatz meldeten.

NEU AN DIE BÖRSE: Investis wagt Ende Monat den Gang an die Börse. Die Walliser Immobiliengesellschaft erwartet einen Erlös von bis zu 183 Millionen Franken. Die Aktien sollen "voraussichtlich am oder um den" 30. Juni zum ersten Mal an der SIX Swiss Exchange gehandelt werden, teilte Investis mit. Der Konzernchef und derzeitige Alleinaktionär Stéphane Bonvin werde jedoch weiterhin die Aktienmehrheit behalten. Die 1994 gegründete Immobilienfirma erzielte im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von 157 Millionen und einen Reingewinn von 45 Millionen Franken. Das Portfolio besteht fast ausschliesslich aus Wohnliegenschaften in der Region Genfersee.

NEUE BETEILIGUNG: Die Postfinance kauft Know-how im digitalen Bankgeschäft ein. Sie beteiligt sich am deutschen Finanzportal Moneymeets. Moneymeets ist eine Onlineplattform, über die Kunden zentral ihr Bank- und Versicherungsgeschäft abwickeln können. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als digitale Alternative zur klassischen Finanz- und Versicherungsberatung. Ziel der Beteiligung von Postfinance sei der Wissenstransfer, heisst es in einer Mitteilung. Daneben erhofft sich die Bank aber auch eine Diversifizierung ihrer Ertragsstruktur. Wegen der anhaltend tiefen Zinsen will Postfinance Geschäftsfelder erschliessen, die nicht direkt vom Zinsdifferenzgeschäft abhängen.

WENIGER AKTIEN: Die Sorgen vor einem Brexit und einer Zinserhöhung in den USA schlagen sich auch im Schweizer Fondsmarkt nieder. Im Mai haben Anleger im grossen Stil Gelder aus Aktienfonds abgezogen. Das Gesamtvolumen der Vermögen, die in Aktienfonds angelegt sind, sank gegenüber April um 833 Millionen Franken. Die Anleger schichteten vor allem in Obligationen- und Geldmarktfonds um. Alles in allem wuchsen die in Fonds angelegten Vermögen im Mai um knapp 20 Milliarden auf 894 Milliarden Franken, wie die neuste Fondsmarktstatistik der Swiss Fund & Asset Management Association (SFAMA) und Morningstar zeigt. Dies entspricht einer Zunahme von 2,2 Prozent gegenüber April. Neben der positiven Börsenentwicklung sei für das Wachstum das Erstarken des Dollars verantwortlich, heisst es in einer Mitteilung.

NEUE BESITZER: Die jurassische Acrotec Gruppe, die mit 600 Mitarbeitenden die Uhren- und die Mikromechanik-Industrie beliefert, ändert ihre Besitzstruktur. Die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft Castik Capital übernimmt die Actrotec Gruppe mit deren Management zu einem Unternehmenswert von rund 280 Millionen Franken. Vier Jahre lang war die Beteiligungsgesellschaft Quilvest aus Paris tragende Gesellschafterin gewesen. Jetzt verkauft sie ihren Anteil an die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft, wie Castik Capital und Quilvest am Montag mitteilten. Die unabhängige Actrotec-Gruppe beliefert Uhrenhersteller, aber auch Branchen wie Automobil, Luftfahrt, Medtech oder Telekommunikation.

EX-VW-CHEF IM VISIER: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt im Abgasskandal gegen den zurückgetretenen VW-Konzernchef Martin Winterkorn wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Konkret geht es um eine möglicherweise verzögerte Pflichtmitteilung nach Auffliegen des Skandals. Aus der Staatsanwaltschaft hiess es, neben Winterkorn richte sich der Anfangsverdacht auch gegen einen zweiten Beschuldigten, ohne nähere Details zu nennen. Es gehe dabei nicht um den Verwaltungsratspräsidenten und ehemaligen Finanzchef Hans Dieter Pötsch.

REFORMEN IN INDIEN: Indien öffnet sich stärker für ausländische Investoren. Die indische Regierung gab ein umfangreiches Reformprogramm bekannt, das es beispielsweise Apple ermöglicht, eigene Läden in Indien eröffnen. Eine Zulieferer-Regelung, die den iPhone-Konzern bisher ausgebremst hatte, gilt in Zukunft erst nach drei Jahren Präsenz im Land. Das Reformprogramm soll auch Direktinvestitionen im Verteidigungssektor erleichtern. Bislang waren Rüstungsfirmen eher zurückhaltend, da sie an Produktionsstätten in Indien nicht den Mehrheitsanteil halten durften. Sie befürchteten ohne ausreichende Kontrollrechte den Abfluss von technologischem Wissen. Nach der Reform dürfen sie nun mehr als 49 Prozent der Anteile halten.

100 MILLIONEN NUTZER: Der Streaming-Musikdienst Spotify hat die Marke von 100 Millionen Nutzern geknackt. Doch über zwei Drittel von ihnen begnügen sich mit der Gratis-Variante. Nur rund 30 Millionen sind zahlende Abo-Kunden. Jetzt soll mehr Geld mit Werbung verdient werden. Der Marketing-Chef von Spotify, Jeff Levick, sagte dem "Wall Street Journal", die Firma baue das Angebot an Anzeigen-Produkten aus, stelle Mitarbeiter für den Bereich ein und strebe Vereinbarungen mit grösseren Werbekunden an. In grossen Teilen der Musikindustrie werden Gratis-Streamingdienste kritisch gesehen. Spotify argumentiert, die Nutzer würden dadurch von Online-Piraterie ferngehalten, die Branche bekomme wertvolle Daten und schliesslich wechselten viele zur Abo-Version.

REICHSTES BISTUM: Das Erzbistum München-Freising ist das wohl reichste Bistum Deutschlands und womöglich auch das reichste der Welt. Generalvikar Peter Beer bezifferte bei der Offenlegung der Vermögensverhältnisse die Besitztümer auf etwa sechs Milliarden Euro. Die Bestandsaufnahme der Finanzen ist aber noch nicht vollständig, es fehlen noch die Vermögen aus über tausend Kirchenstiftungen und auch noch viele Gebäudebewertungen. Bisher galt das Bistum Paderborn mit mehr als vier Milliarden Euro als das reichste deutsche Bistum, gefolgt von Köln mit 3,4 Milliarden Euro. Die Veröffentlichung der kirchlichen Vermögen ist eine Folge des Finanzskandals um den ehemaligen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

WENIGER WACHSTUM: Die deutsche Wirtschaft wird nach dem starken Jahresauftakt ihr Wachstumstempo im zweiten Quartal deutlich drosseln, so die Einschätzung der deutschen Bundesbank. "Die günstigen Witterungseinflüsse aus dem Winterhalbjahr sind ausgelaufen, so dass vor allem im Baugewerbe Impulse entfallen", heisst es im aktuellen Monatsbericht. Zudem dürfte die Industrieproduktion nach dem starken Anstieg im ersten Vierteljahr eine Verschnaufpause einlegen. Zuletzt seien die Aufträge in der Industrie gesunken. Von Januar bis März war die deutsche Wirtschaft gegenüber dem Vorquartal kräftig um 0,7 Prozent gewachsen.

(AWP)