Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 23. Juni 2016
23.06.2016 17:38

STÖRUNG: In Zürich versagen erneut die bargeldlosen Zahlterminals bei vielen Billettautomaten. Die Ursache ist noch unklar. Die Finanzdienstleisterin SIX schliesst aus, dass das Problem bei ihr liegt. Die Techniker suchten fieberhaft nach einer Lösung, hiess es auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Zum Ausmass der Störung hielt sich der ZVV bedeckt. Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ), die Teil des ZVV sind, hiess es aber, dass die Zahlungsprobleme an den Billettautomaten grossflächig aufträten. Teilweise könnten Zahlungen mit Karte zwar abgeschlossen werden, aber erst mit einer Verzögerung von bis zu 10 Minuten. Zudem seien nicht nur Kartenterminals in Zürich, sondern Terminals an Bahnhöfen und Haltestellen in der ganzen Schweiz betroffen.

SCHEITERN: Die Lohnverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Syna sowie der Kiosk- und Brezelstandbetreiberin Valora sind gescheitert. Wie Syna bekanntgab, sei Valora weder zu einer Lohnanpassung noch dazu bereit gewesen, den Gesamtarbeitsvertrag GAV verbindlich bei ihren Kioskagenturen anzuwenden. Syna gab gleichzeitig bekannt, noch in diesem Jahr eine Revision des aktuellen GAV einleiten zu wollen. Das Unternehmen Valora zeigte sich über das Vorgehen der Gewerkschaften überrascht und sei von der einseitigen Kündigung des GAV durch Syna enttäuscht. Das Scheitern der Verhandlungen habe allerdings keine unmittelbaren Konsequenzen für die Mitarbeitenden.

BESCHWERDE: Die Tessiner Bank BSI wehrt sich gegen den Entscheid der Finma, die Privatbank habe im Zusammenhang mit Geschäften rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB Geldwäschebestimmungen verletzt. Sie hat beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde eingelegt. Die Verfügung der Finanzmarktaufsicht Finma sei unter den geltenden Grundsätzen des Verwaltungsrechts rechtswidrig und unverhältnismässig, schreibt die BSI in einer Medienmitteilung. Darüber hinaus habe die Behörde den Ruf der Bank stark beschädigt. Die Finanzmarktaufsicht war am 23. Mai 2016 zum Schluss gekommen, die Tessiner Bank habe durch Transaktionen mit dem von einem Korruptionsskandal erschütterten malaysischen Staatsfonds gegen Geldwäschebestimmungen verstossen. Die Finma verfügte die Auflösung der BSI und beschloss zusätzlich einen "ungerechtfertigt erzielten Gewinn" in der Höhe von 95 Millionen Franken einzuziehen.

GEWINNEINBRUCH: Währungseffekte haben bei der Zuger Elektronikgruppe Carlo Gavazzi im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende März) deutlich aufs Ergebnis gedrückt. Der Reingewinn brach um 22 Prozent auf 9,6 Millionen Franken ein. Der Hauptgrund für diesen Rückgang sind Kursverluste durch eine wechselhafte Entwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Diese kosteten 0,7 Millionen Franken. Im Vorjahr hatten die Wechselkurse Carlo Gavazzi noch in die Karten gespielt. Damals hatte das Unternehmen von einem Wechselkursgewinn von 1 Million Franken profitiert. Nun sank der Betriebsgewinn (EBIT) um 2,7 Prozent auf 14,4 Millionen Franken. Der Umsatz ging um 5,1 Prozent auf 130,2 Millionen Franken zurück. Besonders haperte es mit dem Geschäft in Asien. Dagegen hielt sich die mit Abstand grösste Absatzregion Europa praktisch stabil. In Nordamerika stiegen die Verkaufszahlen.

STELLENABBAU: Die französische Bank Crédit Agricole Indosuez in Genf baut Arbeitsplätze ab. Grund für den Abbau ist der Entscheid der Bank, sich aus Ländern ohne automatischen Informationsaustausch zurückzuziehen. Die Bank bestätigte auf Anfrage einen entsprechenden Bericht von "Le Temps". Wie viele Angestellte vom Abbau betroffen sind, gibt die Bank nicht bekannt. Gemäss der Tageszeitung sind es 17 Mitarbeitende.

NEUE AUFTRÄGE: Die Auftragslage beim gebeutelten Solarzulieferer Meyer Burger scheint sich aufzuhellen. Bereits zum dritten Mal in diesem Monat vermelden die Thuner einen zweistelligen Millionenauftrag in der Höhe von gut 6 Prozent des Jahresumsatzes. Ein grosser chinesischer Hersteller hat Bestellungen über 21 Millionen Franken in Auftrag gegeben. Der Name der Firma wird in der Mitteilung nicht genannt. Es handle sich um einen "führenden chinesischen Tier-One-Anbieter in der Solarindustrie", heisst es lediglich.

UMSATZEINBUSSEN: Das Basler Logistikunternehmen Rhenus Alpina hat 2015 einen Umsatz von 264 Millionen Franken erzielt. Im Jahr davor waren es noch 270 Millionen gewesen. Rhenus Alpina bezeichnet das Ergebnis in einer Mitteilung als robust. Das Geschäft sei trotz prägnanter Marktbewegungen im Zuge der Aufhebung des Euromindestkurses auf vergleichbarem Niveau wie im Vorjahr verlaufen. Obwohl die Wechselkurssituation nach wie vor als ungünstig bezeichnet wird, ist der Logistiker für das laufende Jahr vorsichtig optimistisch. Er erwartet ein moderates Wachstum.

STELLENREDUKTION: Der Ostschweizer Maschinenhersteller Starrag baut in seiner Tochtergesellschaft Bumotec in Sâles (FR) rund 20 seiner 170 Stellen ab. Wie das Unternehmen bestätigt, erfordere das wirtschaftliche Umfeld diesen Schritt. Die Entwicklung in den Zielmärkten von Bumotec hätten sich in den vergangenen Monaten negativ auf die Auftragseingänge ausgewirkt, schreibt die Firma zur Begründung der Massnahme in einer Mitteilung. Bis zum 5. Juli hat die Belegschaft nunmehr Gelegenheit, Alternativen vorzuschlagen, heisst es im Communiqué.

NEUE EIGENTÜMER: Die britische Beteiligungsgesellschaft Equistone Partners Europe übernimmt von der italienische Diatec Holding die Sihl Gruppe mit Sitz in Bern. Über den Kaufpreis haben die Parteien gemäss dem Communiqué Stillschweigen vereinbart. Die Sihl Gruppe ist aus der früheren Papierfabrik Sihl-Papier hervorgegangen. Heute ist die Gruppe auf die Beschichtung von Papier und Fasermaterialien spezialisiert. 2015 beschäftigte das Unternehmen 500 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 140 Millionen Euro.

GÜNSTIGER: In der Schweiz ist das Bauen in den letzten sechs Monaten generell günstiger geworden. Überdurchschnittlich stark fielen die Preise für Büroneubauten sowie für die Renovation von Mehrfamilienhäusern. Der halbjährlich berechnete Baupreisindex des Bundesamts für Statistik (BFS) sank zwischen Oktober 2015 und April 2016 um 0,5 Prozent. Zum Vorjahr blieben die Preise im April gemäss einer Mitteilung praktisch unverändert (-0,1 Prozent). Vor allem Hochbauten wurden im letzten Halbjahr günstiger. Insbesondere Gipser, Schreiner und Metallbauer verlangten weniger für ihre Arbeiten. Auch Sanitäre und Elektroinstallateure arbeiteten für weniger. Dagegen stiegen die Preise für Malerarbeiten sowie Boden- und Wandbeläge.

FÜHRERLOSES FAHREN: Zum ersten Mal in der Schweiz kommen selbstfahrende Busse im öffentlichen Verkehr zum Einsatz. In Sitten verkehren ab Donnerstag zwei solche Postautos. Noch überwachen sogenannte Sicherheitsfahrer den Betrieb. Die elektrisch angetriebenen Busse waren in den vergangenen Monaten auf Privatgelände getestet worden und kommen nun zum ersten Mal im öffentlichen Raum zum Einsatz. Sie verkehren zwischen dem Stadtzentrum und dem Bahnhof. Bei den Testfahrten bis im Oktober 2017 ist stets ein Sicherheitsfahrer an Bord. Er kann über einen der zwei Notfallknöpfe in den Shuttles eine Vollbremsung einleiten. Zudem hilft er Fahrgästen mit Rollstühlen oder Kinderwagen beim Ein- und Aussteigen.

REICHE SO REICH WIE NIE: Die Reichen auf der Welt sind so reich wie noch nie. Rund um den Globus häuften sie im vergangenen Jahr 58'700 Mrd. Dollar an. Das sind 4 Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekord. Damit hat sich das Wachstum der Vermögen von Reichen abgeschwächt, wie aus dem Weltvermögensreport der Beratungsgesellschaft Capgemini hervorgeht. Im Jahre 2014 hatten eine starke Wirtschaftslage und steigende Börsenkurse die Vermögen der Reichen um 7,2 Prozent klettern lassen. Zum ersten Mal hat die Region Asien-Pazifik Nordamerika als reichste Region überholt. In der Schweiz hat der exklusive Club der Reichen im letzten Jahr 15'400 neue Mitglieder erhalten. Insgesamt ist die Zahl der Millionäre hierzulande um 4,5 Prozent auf 358'500 gestiegen.

HUNDE AM ARBEITSPLATZ: In der Deutschschweiz nimmt gemäss einer Umfrage jeder 11. Berufstätige gelegentlich seinen Hund mit zur Arbeit. Knapp ein Drittel der Arbeitskolleginnen und Kollegen stört sich daran. Ein Viertel hat damit keine Probleme. Dabei gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen stören sich weniger an Büro-Hunden als Männer. Insgesamt stören sich 29 Prozent der Befragten am Geruch der Hunde. 26 Prozent finden, dass Hunde von der Arbeit abhalten. Die Hälfte der Befragten teilt dennoch die Meinung, dass Hunde am Arbeitsplatz die Gemeinschaft stärken können. Für mehr als ein Drittel erhöhen Arbeitgeber ihre Attraktivität, wenn sie Haustiere am Arbeitsplatz erlauben.

ERFOLGE: Grossbritanniens grösste Supermarktkette Tesco meldet Erfolge im Konkurrenzkampf mit den Discountern Aldi und Lidl. Das Unternehmen erzielte das zweite Quartal hintereinander ein Umsatzplus. Dies war Tesco zuletzt vor mehr als fünf Jahren gelungen. "Wir sind ermutigt von den Fortschritten, die wir geschafft haben", sagte Tesco-Chef Dave Lewis. Doch das Marktumfeld bleibe herausfordernd. Lewis hatte bereits deutlich gemacht, dass es wegen des Preiskampfs mit Sainsbury's, Aldi und Lidl im laufenden Jahr noch schwieriger werden könnte, den operativen Gewinn zu steigern.

GEHEIMNIS PREISGEGEBEN: Apple erlaubt Experten erstmals einen Blick in das Innere des Betriebssystems seiner iPhones und iPad-Tablets. In der für Software-Entwickler freigegebenen Beta-Variante der nächsten Version iOS 10 ist der System-Kern - der sogenannte Kernel - nicht verschlüsselt. Apple bestätigte, dass der Code absichtlich offengelegt wurde. Im Kernel lagerten keine Nutzer-Daten und ohne Verschlüsselung könne man die Leistung der Software besser optimieren. Der Kernel regelt als zentrales Element des Betriebssystems unter anderem das Zusammenspiel zwischen Geräte-Hardware und Software. Wenn Software-Entwickler jetzt unter die Haube blicken können, sind die Chancen grösser, dass sie eventuelle Schwachstellen finden, die Apple dann schliessen kann.

ROTE ZAHLEN: Der Smartphone-Pionier Blackberry ist wegen erheblicher Abschreibungen tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Im vergangenen Quartal gab es ein Minus von 670 Millionen Dollar. Davon wurde der Löwenanteil von einer Abschreibung auf langlebige Güter in Höhe von gut 500 Millionen Dollar verursacht. Ein Jahr zuvor hatte Blackberry noch einen Gewinn von 68 Millionen Dollar geschafft. Der Umsatz fiel in dem Ende Mai abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal im Jahresvergleich um 39 Prozent auf 400 Millionen Dollar.

LICHTBLICKE: Nach zuletzt schwachen Daten sorgt der US-Arbeitsmarkt wieder für Lichtblicke. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosigkeit fiel in der Vorwoche überraschend deutlich um 18'000 auf 259'000, wie das Arbeitsministerium in Washington mitteilte. Damit erreichte die Zahl fast das 43-Jahres-Tief vom März. Zudem blieb der Wert seit 68 Wochen unter der Schwelle von 300'000. Dies ist der längste Zeitraum seit 1973. Im Mai allerdings hatte die Wirtschaft überraschend wenig neue Jobs geschaffen. Die Zahl neu geschaffener Stellen fiel so niedrig aus wie seit mehr als fünf Jahren nicht und hatte Sorgen um die Stärke des Aufschwungs in den USA geschürt.

DÄMPFER: In den USA hat das Geschäft mit Einfamilienhäusern einen leichten Dämpfer erlitten. Die Zahl der verkauften Neubauten fiel im Mai zum Vormonat um 6,0 Prozent auf eine Jahresrate von 551'000 Einheiten, wie das Handelsministerium am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten einen etwas geringeren Rückgang erwartet. Im April lag das Niveau noch auf dem höchsten Stand seit Februar 2008. Zuletzt hatte es wiederholt positive Signale vom Immobilienmarkt gegeben.

FAULE KREDITE: Chinesische Banken haben in den vergangenen drei Jahren faule Kredite in Höhe von 2000 Milliarden Yuan (291 Milliarden Franken) abschreiben müssen. Der Bankensektor sei aber dennoch stabil und habe die Risiken "unter Kontrolle", sagte ein Vertreter der chinesischen Bankenaufsicht CBRC. Die Behörde hatte bereits im Jahr 2011 Vorkehrungen getroffen und Banken aufgefordert, höhere Rücklagen für Kreditausfälle in Zeiten mit verlangsamten Wirtschaftswachstum zu bilden. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt versucht derzeit, dem Wirtschaftswachstum wieder mehr Tempo zu geben, und hat deshalb jüngst die Kreditvergabe erleichtert. Analysten warnen jedoch davor, dass ein Aufschwung auf Pump nur von kurzer Dauer sein könnte und das Risiko fauler Kredite noch erhöht.

(AWP)