Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 27. Juni 2016
27.06.2016 17:37

EFTA-FREIHANDELSABKOMMEN: Der Brexit dominierte die Gespräche an der EFTA-Ministerkonferenz in Bern. Regierungsvertreter der Schweiz, Norwegens, Islands und Liechtensteins unterzeichneten ein Freihandelsabkommen der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) mit Georgien. Der Kaukasus-Staat war durch Premierminister Giorgi Kwirikaschwili vertreten. Für die Schweiz nahm Bundespräsident Johann Schneider-Ammann an der Zeremonie im Berner Kursaal teil. In einem weiteren Schritt nahmen die EFTA-Vertreter offiziell Freihandelsverhandlungen mit Ecuador auf.

WOHNUNGSMARKT ENTSPANNTER: Die Lage auf dem Schweizer Wohnungsmarkt hat sich 2015 weiter entspannt. In den Brennpunkten am Genfersee, in Zürich und in der Zentralschweiz blieben die Wohnungen aber rar. Weil der Wanderungssaldo aus den EU- und Efta-Staaten 2015 sank, war auch eine Entspannung auf dem Schweizer Wohnungsmarkt zu erwarten gewesen, wie das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) schreibt. Sowohl bei Miet- als auch bei Eigentumswohnungen hielt das Angebot mit der Haushaltszunahme Schritt. Die Wohnungsknappheit nahm gegenüber dem Vorjahr ab.

WENIGER MEDIENKONSUM: Im vergangenen Jahr hat jeder Schweizer Haushalt durchschnittlich 2773 Franken für Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und weitere Medien ausgegeben. Laut der jährlichen Studie des Verbandes Schweizer Medien sind dies zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Die Schweizer Bevölkerung gab 2015 insgesamt 10,27 Milliarden Franken für Medien aus. Das Medienbudget sank damit erneut: Seit 2011, als es der Verband Schweizer Medien auf insgesamt 11,29 Milliarden Franken bezifferte, wird es kleiner. Der Schweizer Medienmarkt sei geprägt von einer intensiven Mediennutzung, heisst es in der am Montag veröffentlichten jährlichen Studie. "Der Parallelkonsum der Medien bestimmt den Tagesablauf, die Zahl der Medienangebote nimmt zu."

KOOPERATION: Alpiq verstärkt sein Standbein als Energiedienstleister. Der Stromkonzern setzt auf das Geschäft mit dem Rückbau von Atomkraftwerken und geht dazu eine Kooperation mit der deutschen STEAG ein. Die beiden Unternehmen haben schon bis anhin auf Projektbasis zusammengearbeitet. Nun soll die Zusammenarbeit langfristig angelegt werden. STEAG verfügt den Angaben zufolge über Know-how im Bereich von Lager -und Entsorgungsanlagen, während die Kraftanlagen Heidelberg auf Kraftwerkstechnik und Verfahrenstechnik spezialisiert sind. Alpiq verspricht sich von der Kooperation neue Wachstumschancen. Anfang März kündigte der Konzern an, sich von knapp der Hälfte seiner Wasserkraft-Beteiligungen trennen zu wollen.

HOHE HANDYGEBÜHREN: Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) und dschungelkompass.ch haben die Roamingkosten für Schweizer Handynutzer in beliebten Feriendestinationen berechnet. Basis für den Preisvergleich sind 4 Anrufe in die Schweiz à 2 Minuten, 10 ankommende Anrufe à 2 Minuten, 14 SMS und 190 MB Daten. Am teuersten fällt die Rechnung für Salt-Kunden aus, die ein Prepaidabo ohne Zusatzoption haben. Sie müssen in Frankreich für die genannten Leistungen Zusatzkosten von 3652 Franken bezahlen. Für Sunrise-Kunden kostet die gleiche Leistung zusätzlich 223.40 Franken. Am günstigsten fahren Prepaidkunden bei der Swisscom mit 98.28 Franken. Bei einem mittleren Abo um 60 Franken ohne Zusatzoption ist der Frankreichaufenthalt für Sunrise-Kunden mit 223.40 Franken am teuersten. Salt-Kunden müssen 31.90 Franken berappen. Bei der Swisscom fallen im Standardtarif keine Mehrkosten an. Sowohl bei Prepaidlösungen als auch bei Abos gilt: Mit Zusatzoption fahren Kunden im Ausland deutlich günstiger.

GROSSEINSATZ BEI BROKER: Der Online-Broker Swissquote hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag rund 50 Personen aufgeboten, um der Finanzmarkt-Turbulenzen rund um den Brexit Herr zu werden. Aufgestockt wurde vor allem bei den Technikern. Das Unternehmen habe alles getan, um eine Katastrophe zu verhindern. Die Volatilität sei enorm gewesen und das Handelsvolumen auf den Plattformen des Unternehmens gross, sagte Direktor Mark Bürki in einem Interview mit der Westschweizer Wirtschaftszeitung "L'Agefi". Swissquote sei auf beide Szenarien vorbereitet gewesen.

NEUE ZÜGE: Der Voralpen-Express zwischen St. Gallen und Luzern fährt ab Ende 2019 mit neuen Zügen von Stadler Rail. Die Schweizerische Südostbahn (SOB) hat bei Stadler elf Triebzüge des Typs Flirt für 170 Millionen Franken bestellt. Der Vertrag wurde in Herisau AR unterschrieben, wie die Südostbahn und Stadler mitteilten. Der Schienenfahrzeughersteller mit Sitz in Bussnang TG habe sich in einer internationalen Ausschreibung durchgesetzt. Die neuen vier- und achtteiligen Triebzüge ersetzen die alten Kompositionen des Voralpen-Express, die zum Teil seit 40 Jahren im Einsatz stehen. Die SOB stellten rund 1500 Anforderungen an die neuen Züge, die auf die Bedürfnisse von Pendlern, Touristen, Wochenendausflüglern und Familien ausgerichtet sind.

INTERNETANGEBOT: Passagiere der Lufthansa können bald auch auf einigen Kurz- und Mittelstreckenflügen im Internet surfen. Bei der Swiss müssen sich die Kunden indes noch gedulden. Ab Oktober seien die ersten Maschinen mit Breitband-Internet ausgerüstet. Die gesamte A320-Flotte werde bis Mitte 2018 mit der entsprechenden Technologie ausgestattet, teilte die Lufthansa mit. Das Angebot werde wie auf der Langstrecke kostenpflichtig sein, der genaue Preis stehe aber noch nicht fest, sagte eine Sprecherin. Ob und wann dieser Service an Bord der Swiss-Europaflotte angeboten wird steht indes noch nicht fest, wie eine Sprecherin der Lufthansa-Tochter auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte. Man stehe aber in engem Austausch mit Lufthansa und prüfe allfällige Einführungsmöglichkeiten.

FLUCHT AUS DEM PFUND: Der Kursverfall des Pfund Sterling hat sich fortgesetzt. Die Währung sackte um vier Prozent auf 1,3152 Dollar ab und notierte damit so niedrig wie zuletzt im September 1985. "Nichts als Fragen und Unsicherheiten, soweit man schaut", erklärte Kit Juckes, analyst bei der Societe Generale mit Blick auf die Lage in London. Unsicherheit sei schlecht für die Wirtschaft des Vereinigten Königreiches, für das Vertrauen der Investoren und natürlich auch für das Pfund. Er hält sogar ein Absacken bis auf 1,20 bis 1,25 Dollar für möglich. Auch andere Analysten gehen von einer weiteren Talfahrt für das Pfund aus. Die Bank of America sieht für das Jahresende nur noch einen Kurs von 1,30 Dollar nach bislang 1,59 Dollar. Goldman Sachs geht davon aus, dass das Pfund in drei Monaten 1,32 (bislang: 1,47) Dollar und zum Jahresende 1,34 Dollar kosten wird.

LUFTVERSCHMUTZUNG: Die Luftverschmutzung gefährdet nach Angaben von Experten immer mehr Menschenleben. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte, wenn nichts gegen die schlechte Luft getan werde, dürfte die Zahl der dadurch bedingten Todesfälle bis 2040 auf 7,4 Millionen pro Jahr ansteigen. Derzeit sterben jährlich etwa 6,5 Millionen an den Folgen von verunreinigter Luft sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen. Der Schadstoffausstoss werde bis 2040 zwar zurückgehen, erklärte die Agentur. Doch die derzeitigen Pläne reichten nicht aus, um die Qualität der Luft zu verbessern. Luftverschmutzung sei inzwischen die viertgrösste Gefahr für die Gesundheit nach Bluthochdruck, ernährungsbedingte Risiken und Rauchen.

KEINE HARTE LANDUNG: Die Sorgen um Chinas Wirtschaft wachsen. Auf dem "Sommer-Davos" in China versucht Premier Li Keqiang, die ausländischen Investoren zu beruhigen. Der Brexit verstärkt aber die globalen Unsicherheiten. "Die chinesische Wirtschaft wird sich nicht auf eine harte Landung zubewegen", versicherte der Premier vor den mehr als 2000 Teilnehmern des "Sommer-Davos" genannten Weltwirtschaftsforums in der chinesischen Metropole Tianjin unweit von Peking. China werde sein Wachstumsziel von 6,5 bis 7 Prozent und alle anderen Vorgaben in diesem Jahr erreichen, bekräftigte der Premier. Die Erholung der Weltwirtschaft falle allerdings weiter hinter die Erwartungen zurück - und der Ausstieg Grossbritanniens verstärke noch die Unsicherheiten.

GROSSAUFTRAG: Implenia und drei Konsortialpartner haben einen grossen Auftrag beim Ausbau des Pariser Metro-Netzes an Land gezogen. Sie bauen einen Abschnitt mit einem Tunnel von drei Kilometern Länge und weitere Elemente. Der Auftrag hat ein Volumen von knapp 300 Millionen Euro. Der Auftrag umfasst ein Baulos im Osten von Paris. Es geht um die Verlängerung der Linie 11 der Pariser Transportbetriebe RATP, wie Implenia mitteilte. Implenia baut den Abschnitt zusammen mit NGE und Demathieu & Bard aus Frankreich sowie Pizzarotti aus Italien.

HOTEL-GROSSFUSION: Die US-Hotel-Branchenriesen Marriott und Starwood können nach Ansicht der EU-Wettbewerbshüter ihre Fusion zum weltgrössten Hotelkonzern vorantreiben. Die geplante Milliarden-Übernahme wirke sich in Europa nicht wettbewerbsschädlich aus, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. Im Fokus standen demnach vor allem die möglichen Auswirkungen in Barcelona, Mailand, Venedig, Wien und Warschau. Trotz künftig starker Marktpräsenz werde sich das neue Unternehmen auch weiterhin einem wirksamen Wettbewerb von anderen Hotelketten und unabhängigen Hotels gegenüber sehen, hiess es. Die etwa 12,4 Milliarden Dollar schwere Starwood-Übernahme soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Es entsteht ein Gross-Konzern mit knapp 6000 Hotels und über einer Million Betten. 30 Marken werden vereint, darunter etwa Ritz-Carlton, Le Meridien, Westin und Sheraton.

(AWP)