Tagesüberblick Wirtschaft

Bern/Zürich (awp/sda) - Freitag, 1. Juli 2016
01.07.2016 17:36

INTERNETWÄHRUNG: Die Stadt Zug hat am Freitagvormittag ihr Bitcoin-Pilotprojekt gestartet. Bis Ende Jahr können am Schalter im Stadthaus Dienstleistungen der Einwohnerkontrolle bis zu einem Gegenwert von 200 Franken mit der Internetwährung Bitcoin bezahlt werden. Nach dem halbjährigen Test wird der Stadtrat ein Fazit ziehen und über Abbruch, definitive Einführung oder eine Ausweitung des Projektes entscheiden. Es kann also sein, dass Bitcoins - oder allenfalls andere digitale Währungen - zu einem späteren Zeitpunkt auch als Zahlungsmittel für weitere städtische Dienstleistungen akzeptiert werden.

MEHR FIRMENGRÜNDUNGEN: Nach dem Rückschlag wegen des Frankenschocks im vergangenen Jahr steigt bei den Jungunternehmern wieder die Zuversicht. Die Zahl der neu ins Schweizer Handelsregister eingetragenen Unternehmen ist im ersten Semester 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2 Prozent gestiegen. Insgesamt wurden in der ersten Jahreshälfte 21'153 Firmen neu ins Handelsregister eingetragen. Nur das Rekordjahr 2014 erlebte mehr Neueintragungen (21'235). Dabei fiel in diesem Jahr das Wachstum in der Westschweiz kräftiger aus als in der Deutschschweiz. In der Westschweiz wuchs die Zahl der Neueintragungen um 6,2 Prozent, während sie in der Deutschschweiz lediglich um 2,3 Prozent stieg.

GRÖSSERE FIRMENÜBERNAHMEN: Die Zahl der Fusionen und Übernahmen von Unternehmen in der Schweiz ist im ersten Halbjahr 2016 leicht zurückgegangen. Die 164 registrierten Fusionen und Übernahmen entsprechen einem Rückgang von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie aus dem Bericht des Beratungsunternehmens KPMG hervorgeht. Der Kauf des Basler Agrarchemiekonzerns Syngenta durch den chinesischen Chemiegiganten ChemChina führte aber zu einem beinahe doppelt so hohen Volumen. Im zweiten Quartal kam es zu einem deutlichen Anstieg der Transaktionen um 38 Prozent, nachdem sich die Investoren im ersten Quartal noch stärker zurückgehalten hatten.

SCHWEIZER LÄDEN LEIDEN: Die Talfahrt im Schweizer Detailhandel nimmt kein Ende: Im Mai schrumpften die Umsätze um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit hält das Leiden seit Januar 2015 an. Dabei ist nur der kleinere Teil des Rückgangs auf billigere Preise zurückzuführen. Der Löwenanteil stammt davon, dass weniger Waren verkauft wurden. Real, also Preisveränderungen herausgerechnet, wären die Umsätze der Detailhändler um 1,6 Prozent gesunken. Die Zahlen sind kalenderbereinigt.

INDUSTRIE: Die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Baselbieter Firma Rohrbogen hält ihre Produktion aufrecht. Um die Kosten zu senken, werden jedoch Stellen abgebaut und die Löhne gekürzt. Gestrichen werden 13 von 60 Stellen in der Produktion, wie Firmenchef Joey Schaffner am Freitag auf Anfrage sagte. Er bestätigte Angaben der Gewerkschaft Unia, wonach die Mehrheit der Stellen erhalten bleibt. Das Familienunternehmen beschäftigte am Hauptsitz in Pratteln bisher insgesamt 80 Mitarbeitende. Für die 13 Mitarbeitenden, die per Ende Juni den blauen Brief erhalten haben, besteht ein Sozialplan. Laut Schaffner will das Familienunternehmen sie aber namentlich auch bei der Suche nach einem neuen Job unterstützen. Der Firmenchef ist diesbezüglich zuversichtlich.

INDUSTRIE VERLIERT AN SCHWUNG: Die Schweizer Industrie verliert leicht an Dynamik, die Aussichten bleiben aber positiv. Darauf deutet der Einkaufsmanagerindex (PMI) hin. Er sank zwar im Juni gegenüber dem Vormonat um 4,3 Punkte, lag mit einem Wert von 51,6 aber den siebten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Unternehmen steigerten im Juni erneut die Produktion, wie aus dem am Freitag publizierten Index hervorgeht. Der Anstieg war jedoch etwas weniger breit abgestützt als im Vormonat. Auch der Auftragsbestand als weitere Index-Subkomponente verlor etwas an Schwung. Die Zahlen für den Juni seien als eine Korrektur des sehr hohen Mai-Wertes zu interpretieren, schreibt die Credit Suisse, die den Index monatlich in Zusammenarbeit mit dem Fachverband für Einkauf procure.ch erstellt.

VERSICHERUNGEN: Zwei Schweizer Versicherungsbroker schliessen sich zusammen. Aus der Vereinigung der Swissbroke-Gruppe und der Fraumünster Insurance Experts entsteht ein Unternehmen mit 580 Mio. Fr. verwaltetem Prämienvolumen, 11 Standorten und rund 150 Mitarbeitern. Die wachsenden Herausforderungen des Versicherungsbrokergeschäfts liessen sich gemäss Unternehmensinformationen durch Marktgrösse und höhere lokale Präsenz künftig erfolgreicher meistern. Mit an Bord des Zusammenschlusses ist das Unternehmernetzwerk Investnet, in dem sich Unternehmer als Investoren engagieren.

BERATUNGSUNTERNEHMEN: Am Freitag hat bei EY Schweiz Marcel Stalder das Zepter übernommen. Der neue Chef verstärkt sogleich die Führung des Beratungsunternehmens. Die neue Geschäftsleitung wird von neun auf elf Partner erweitert. Das Geschäft von EY Schweiz bleibt gemäss Unternehmensangaben aber weiterhin unterteilt in die zwei Bereiche Finanzdienstleister und Industrieunternehmen.

FLUGVERKEHR: Die britische Billigairline Easyjet rüstet sich für den Brexit. Man werde ein Luftverkehrsbetreiber-Zeugnis (AOC) in der Europäischen Union beantragen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Dies sei eine Art Vorsorgemassnahme. Eine Verlagerung der Firmenzentrale aus Luton bei London sei aber nicht vorgesehen. Easyjet drängt die britische Regierung und die EU, einen völlig freien und deregulierten Luftverkehrsmarkt auch nach dem Brexit aufrecht zu erhalten.

COMPUTER: Der US-Chipkonzern Micron Technology reagiert mit einem massiven Stellenabbau auf den anhaltend schwachen Markt. Mit 2400 Jobs sollen knapp acht Prozent der Arbeitsplätze gestrichen werden, kündigte das Unternehmen an. Zudem will sich Micron auf weniger Projekte konzentrieren und damit die Kosten weiter senken. Dem Konzern, der Speicherchips für Smartphones und andere mobile Geräte sowie für PCs produziert, setzt die geringe Nachfrage nach diesen Halbleitern zu. Zudem ist die Konkurrenz unter anderem der südkoreanischen Hersteller Samsung Elecronics und SK Hynix gross.

(AWP)