Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 4. Juli 2016
04.07.2016 17:49

GEGEN DEN STARKEN FRANKEN: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich rund um das überraschende Brexit-Votum mit milliardenschweren Devisengeschäften gegen eine starke Aufwertung des Frankens gestemmt. Das spiegelt sich in der Statistik der Sichteinlagen von Banken und Bund bei der Notenbank wider: Diese stiegen in der vergangenen Woche um 6,3 Milliarden auf 507,5 Milliarden Franken. Der Franken hatte unmittelbar nach dem Ja der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union markant an Wert gewonnen. Die Schweizer Währungshüter sahen dem jedoch nicht lange zu und intervenierten.

EXPANSION: Der Winterthurer Industriekonzern Sulzer will in Deutschland expandieren und übernimmt für 260 Millionen Euro die Geka GmbH. Die Übernahme braucht allerdings noch den Segen der Kartellbehörden. Mit dem Erwerb soll ein führender Anbieter von Mischsystemen und Applikatoren entstehen. Die Sulzer-Geschäftseinheit Sulzer Mixpac Systems (SMS) soll mit der Übernahme doppelt so gross werden wie bisher. SMS ist im Dentalmarkt und im Segment industrielle Klebstoffe tätig. Die in Bechhofen ansässige Geka gilt als führende Herstellerin von Applikatoren für die Kosmetikindustrie. Sie beschäftigt rund 900 Angestellte und verfügt über Produktionsstandorte in Deutschland, den USA und in Brasilien.

UMSATZPLUS: Die Migros-Tochter LeShop ist auch im laufenden Jahr weiter gewachsen. Der Umsatz des gemäss eigenen Angaben grössten Online-Lebensmittelanbieters legte im ersten Halbjahr um 4,6 Prozent auf 93,6 Millionen Franken zu. Präzisere Lieferzeiten, Gebietserweiterungen für die Tageslieferungen und der Ausbau des Abholstellennetzes haben gemäss Unternehmen das Wachstum angekurbelt. Für die Zukunft zeigte sich LeShop optimistisch. Firmenchef Dominique Locher erwartet eine Beschleunigung der Entwicklung.

ARBEITSPROTEST: Rund 30 Beschäftigte des Apothekendienstleisters GaleniCare haben im waadtländischen Saint-Sulpice vor dem Firmensitz demonstriert. Sie forderten die sofortige Aufnahme von Verhandlungen, transparente Informationen zur Umstrukturierung sowie Begleitmassnahmen für Betroffene. Anfang Mai informierte die GaleniCare Management ihre Beschäftigten in Saint-Sulpice darüber, dass der einzige Standort in der französischsprachigen Schweiz aufgegeben werde und die entsprechenden Funktionen bis Ende Juni 2017 in Bern zentralisiert würden. Die Beschäftigten verlangten an ihrer Warn-Aktion unter anderem einen Sozialplan, Informationen über die geplante Unternehmensstruktur und über die neuen Pflichtenhefte im Fall der Annahme einer Arbeitsstelle in Bern.

ZUSTIMMUNG: Die Aktionäre der London Stock Exchange haben mit grosser Mehrheit für den geplanten Zusammenschluss mit der Deutschen Börse votiert. 99,9 Prozent hätten auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung in London grünes Licht für die rund 25 Milliarden Euro schwere Fusion gegeben, teilte die LSE mit. Die Eigner der Deutschen Börse haben bis zum 12. Juli Zeit, um ihre Papiere im Rahmen eines öffentlichen Umtauschangebots anzudienen. Anschliessend müssen die Aufsichtsbehörden noch zustimmen. Nach der Brexit-Entscheidung hatten Aufsichtsbehörden und Politiker in Deutschland deutlich gemacht, dass sie die geplante Ansiedlung der fusionierten Mega-Börse in London für nicht akzeptabel halten.

BILLIGER: Fliegen wird nach Einschätzung des Lufthansa-Chefs Carsten Spohr in diesem Jahr für die Passagiere noch billiger. Die Erlöse pro Sitzplatz seien weiterhin rückläufig, sagte der Chef des grössten Luftverkehrskonzerns Europas in Frankfurt. Als Gründe nannte er die dauerhaft niedrigen Treibstoffpreise und die zunehmende Konkurrenz. Spätestens bei der nächsten Wirtschaftskrise erwartet Spohr Bereinigungen auf dem eng besetzten europäischen Airline-Markt. "Es gibt in Europa viele Gesellschaften, die zu klein sind zum Überleben und zu gross, um zu verschwinden." Vor diesem Hintergrund deutete Spohr an, dass die Lufthansa ihre Billigflug-Tochter Eurowings mit einer anderen Fluglinie fusionieren könnte.

SCHULDIG: Ein Londoner Gericht hat drei ehemalige Händler der britischen Grossbank Barclays der Manipulation des Referenzzinsatzes Libor schuldig gesprochen. Das Trio habe sich in betrügerischer Absicht abgesprochen, um an dem Zinssatz zu drehen, von dem weltweit Finanztransaktionen im Volumen von 450 Billionen Dollar abhängen, befanden die Geschworenen. Das Strafmass will der Southwark Crown Court am Donnerstag verkünden. Die Ermittlungen waren vom britischen Serious Fraud Office (SFO) angestrengt worden, das als Reaktion auf die Finanzkrise eingerichtet wurde. Die Behörde ist für die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität zuständig und nur dem Generalstaatsanwalt unterstellt.

REKORDHOCH: Dieselskandal hin, Feinstaubbelastung her: Noch nie sind in Deutschland in den ersten sechs Monaten eines Jahres mehr Diesel-Pkw verkauft worden als von Januar bis Juni 2016. Insgesamt 812'000 Diesel-Autos wurden neu zugelassen, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte. VDA-Präsident Matthias Wissmann erklärte, die Branche verfolge die Strategie "weg vom Öl" mit grossem Engagement. Ein Ende des Verbrennungsmotors 2030 aber sei "weder klimapolitisch, industriepolitisch noch sozialpolitisch sinnvoll". Insgesamt stieg die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland von Januar bis Juni um sieben Prozent auf gut 1,73 Millionen Autos.

STEIGENDE NACHFRAGE: Experten rechnen wieder mit härteren Kämpfen um die Versorgung mit wichtigen Metallen für die Herstellung von Computern und Smartphones. Das gilt etwa für den Batterie-Rohstoff Lithium sowie für die Seltenen Erden Dysprosium und Terbium, die in Elektromotoren und Handys vorkommen. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ergab: Bis 2035 dürfte über das Doppelte der heute verfügbaren Produktion nötig sein, um den Bedarf zu decken.

KLARE LEITLINIEN: Der Luxusuhren-Hersteller Cartier will sich laut Aussagen seines Chefs auf das Kerngeschäft zurückbesinnen. Einen Einstieg ins Geschäft mit Uhren mit Internet-Verbindung plant das Unternehmen laut Generaldirektor Cyrille Vigneron nicht. In den vergangenen Jahren habe Cartier überall stark sein wollen, nicht nur mit Damen- und Herrenuhren, sondern auch was Technologien betreffe, sagte Vigneron in einem Interview mit der Zeitung "Le Temps". Wolle man überall stark sein, riskiere man Verwirrung. Cartier müsse die Leitlinien neu setzen.

WENIGER ARBEITSLOSE: Die Zahl der Arbeitslosen ist in Spanien auf den tiefsten Stand seit September 2009 gesunken. Im Juni habe die Zahl der bei den Arbeitsämtern registrierten Erwerbslosen bei knapp 3,77 Millionen gelegen, teilte das Madrider Arbeitsministerium mit. Gegenüber Mai sei ein Rückgang um gut 124'000 oder 3,2 Prozent verzeichnet worden. Im Zwölfmonatsvergleich sei die Arbeitslosenzahl um knapp 353'000 oder 8,57 Prozent zurückgegangen, hiess es. Das sei der prozentual stärkste Rückgang seit 1999.

MEHR LANGZEITARBEITSLOSE: Der Anteil der Langzeitarbeitslosen in Griechenland ist seit Beginn der Finanzkrise des Landes auf 74 Prozent angestiegen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des griechischen Wirtschaftsforschungsinstituts Kepe (Centre of Planning and Economic Research). Im Jahr 2008 habe die Quote noch bei 40 Prozent gelegen, heisst es in dem Bericht des Instituts. Am stärksten betroffen sei die produktivste Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren. Dem Bericht zufolge waren im vierten Quartal des Jahres 2008 rund 178'000 Griechen länger als zwölf Monate ohne Arbeit; nach sieben Jahren lag die Zahl Ende 2015 mit 872'000 Menschen mehr als vier Mal so hoch. In diesem Zeitraum seien auf Grund der Krise mehr als eine Million Arbeitsplätze verloren gegangen - doppelt so viele, wie in den vorhergehenden "Boom-Jahren" zwischen 2001 und 2008 geschaffen worden waren.

WENIGER STEUERN: Der britische Schatzkanzler George Osborne plant nach dem Brexit-Votum einem Medienbericht zufolge eine deutliche Senkung der Unternehmenssteuer. Die Körperschaftssteuer soll auf unter 15 Prozent fallen. Heute liegt sie bei 20 Prozent. Damit wolle Osborne die negativen Folgen für Grossbritannien im Zuge des EU-Austritts begrenzen. Im März hatte Osborne eine Absenkung auf 17 Prozent bis 2020 in Aussicht gestellt. Mit dem Schritt wolle Osborne eine "super wettbewerbsfähige Volkswirtschaft" mit niedrigen Unternehmenssteuern und einer globalen Ausrichtung schaffen.

(AWP)