Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 5. Juli 2016
05.07.2016 17:31

ABBAU: Der verlustgeplagte Industriekonzern Von Roll baut bis zu 160 Stellen ab, etwa 50 davon in der Schweiz. Ein Konsultationsverfahren ist eingeleitet worden. Damit will Von Roll bereits in diesem Jahr etwa 4 Millionen Franken einsparen. Zusammen mit weiteren Massnahmen ergeben sich dann jährliche Einsparungen von mehr als 18 Millionen Franken. Bei Von Roll arbeiten an 30 Standorten etwa 2000 Personen.

WENIGER ÜBERNACHTUNGEN: In Schweizer Hotels haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres weniger Gäste übernachtet als vor einem Jahr. Von Januar bis Mai wurden 13,7 Millionen Logiernächte registriert - 94'000 weniger in der Vorjahresperiode, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Der Rückgang liegt am Ausbleiben der ausländischen Gäste, vor allem der deutschen, chinesischen und russischen Touristen. Teilweise wettgemacht haben dies Briten und Schweizer. Nach dem Brexit-Ja und dem Kursrutsch des Pfundes dürften die Briten jedoch vermehrt fernbleiben. Die Schweizer hingegen dürften auch künftig oft in hiesigen Hotels übernachten. Laut dem Schweizer Reise-Verband (SRV) ziehen sie in diesem Sommer seltener eine Auslandsreise in Betracht. Ein Grund sind die jüngsten Terroranschläge an Tourismusdestinationen.

IMMOBILIENPREISE: Wohneigentum bleibt in der Schweiz teuer. Die Preise für Einfamilienhäuser sind im Juni schweizweit auf einen neuen Höchststand in diesem Jahr angestiegen. Auch für Eigentumswohnungen musste etwas mehr bezahlt werden. Schweizweit stiegen die Preise für Einfamilienhäuser im Juni um 2,3 Prozent, wie das Onlineportal ImmoScout24 mitteilte. Der Preis pro Quadratmeter Nettowohnfläche stieg damit auf 6132 Franken. Lediglich 0,2 Prozent betrug der moderate Preisanstieg bei den Eigentumswohnungen. Der Preis pro Quadratmeter Nettowohnfläche belief sich dabei auf 7158 Franken. Über etwas günstigere Preise freuen dürfen sich Mieterinnen und Mieter. Die auf ImmoScout24 Online inserierten Mietwohnungen wurden im Juni um 0,4 Prozent günstiger angeboten.

TELEFONIE-UMSTELLUNG: Die Digitalisierung der Telefonie in der Schweiz macht Fortschritte. Mittlerweile telefonieren 1,3 Millionen Festnetzkunden der Swisscom übers Internet. Ende 2017 wird der analogen Sprachtelefonie der Stecker gezogen. Ab dann hat das gute alte Wählscheibentelefon ausgedient. Es bereits 60 Prozent des Kundenbestandes auf die Telefonie übers übers Internetprotokoll (IP) umgestellt. Die Swisscom sieht sich damit auf Kurs. Sie bezeichnet es als realistisch, dass bis Ende 2017 alle analogen Anschlüsse umgestellt sind. Der grösste Telekomkonzern der Schweiz hatte bereits im März 2014 angekündigt, Ende 2017 die analoge Sprachtelefonie knapp 160 Jahre nach der Erfindung durch Johann Philipp Reis zu beerdigen. Die analoge Telefonie steht vor dem Aus: Es gibt immer weniger Ersatzteile und Spezialisten. Kaum ein Hersteller entwickelt diese Technologie noch weiter.

WENIGER AUTOVERKÄUFE: Den vierten Monat in Folge sind in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein weniger Neuwagen verkauft worden. Im Juni gingen die Verkäufe um 5,6 Prozent zurück. Der Rückgang im ersten Halbjahr 2016 liegt bei 2,3 Prozent, wie der Verband Auto-Schweiz mitteilte. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 158'037 neue Fahrzeuge in Betrieb genommen. Der Direktor von Auto-Schweiz, Andreas Burgener, zieht ein positives Fazit der ersten sechs Monate. Der Markt laufe gut. Nach dem starken Vorjahr sei von vornherein klar gewesen, dass 2016 mit leichten Einbussen zu rechnen sei.

KEIN KARRIEREKNICK: Dass ihre Arbeitgeberin wegen mangelhafter Kontrollen aufgelöst wird, bedeutet für fünf Geschäftsleitungsmitglieder der Tessiner Privatbank BSI keinen Karriereknick. Sie werden beim Vermögensverwalter EFG, der die BSI kauft, wieder ins Topmanagement berufen. Es handelt sich dabei um Asien-Chef Renato Cohn, Risiko-Chef Reto Kunz, Schweiz- und Europa-Chef Renato Santi sowie Maurizio Moranzoni und Gérald Robert. Der Wechsel der fünf impliziert, dass diese offenbar nichts mit der Affäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB zu tun hatten. Denn die Finanzmarktaufsicht Finma hatte im Mai verfügt, dass keiner der für die Verfehlungen verantwortlichen BSI-Topmanager bei EFG in ähnlicher Position tätig sein dürfe. Die Finma teilte mit, die Wechsel trügen dieser Bedingung Rechnung.

NEUER CHEF: Der Verpflegungsautomatenkonzern Selecta bekommt in Kürze einen neuen Chef. Konzernchef Remo Brunschwiler verlässt das Unternehmen im Juli. Sein Nachfolger wird ab 18. Juli David Flochel, wie Selecta mitteilte. Der 58-jährige Brunschwiler werde neue Herausforderungen ausserhalb des Unternehmens annehmen. Brunschwiler hatte die Unternehmensführung vor 3,5 Jahren übernommen, nachdem er zuvor zehn Jahre lang Chef von Swisslog gewesen war. Der neue CEO, David Flochel, ist französischer Staatsbürger. Flochel, der in den nächsten Tagen 43 Jahre alt wird, verfügt laut Mitteilung über 18 Jahre Industrieerfahrung, zuletzt als General Manager für Mars Drinks Nordamerika.

STAATSBESUCH: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann wird in der kommenden Woche nach Asien reisen. Bei der sechstägigen Reise stehen ein Staatsbesuch in Singapur, ein offizieller Besuch in Südkorea und die Teilnahme am 11. Asia-Europe Meeting (ASEM) in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator auf dem Programm. Von Montag bis Mittwoch wird Singapur erstmals einen Schweizer Bundespräsidenten zu einem Staatsbesuch empfangen, wie das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) mitteilte. Während des offiziellen Besuch in Seoul am Mittwoch und Donnerstag wird Schneider-Ammann unter anderem mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geunhye zusammenkommen und das 3. "Swiss-Korean Life Science Symposium" eröffnen. Letzte Station der Asienreise ist Ulan Bator. In der mongolischen Hauptstadt wird am Freitag und Samstag das 11. Gipfeltreffen der ASEM stattfinden.

TEURES BIER: Bier ist in Schweizer Bars und Restaurants fast doppelt so teuer wie im Nachbarland Deutschland und am zweitteuersten in einem Vergleich von 17 europäischen Ländern. Ein halber Liter Lagerbier kostete 2014 an einem Schweizer Tresen im Mittel 6,64 Euro. In deutschen Kneipen kostete dasselbe Glas Bier mit 3,76 Euro nur gut halb so viel. Das zeigen Zahlen von Eurostat, die das deutsche Statistische Bundesamt publizierte. Dabei liegt der Bierpreis in Deutschland im Mittelfeld der 17 verglichenen Länder.

WENIGER AUFTRÄGE: Die US-Industrie hat im Mai eine Auftragsflaute durchlitten. Die Bestellungen verringerten sich um 1,0 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte. Insbesondere die flaue Nachfrage nach langlebigen Gebrauchsgütern im Verkehrs- und Rüstungsbereich sorgte für lange Gesichter in der Branche. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 0,9 Prozent gerechnet. Im April hatte es noch ein Plus von 1,8 Prozent gegeben. Der Vizechef der US-Notenbank Fed, Stanley Fischer, hatte zuletzt darauf verwiesen, dass die Entwicklung der heimischen Wirtschaft für die Geldpolitik wichtiger sei als das EU-Austrittsvotum der Briten an sich.

BREXIT-SORGEN: Die britische Notenbank ist nach dem Brexit-Votum in Sorge um die Stabilität des Finanzsystems im Land. Es gebe Hinweise, dass sich einige Gefahren bereits herauskristallisierten, teilte die Bank of England (BoE) mit. Der geldpolitische Ausschuss der BoE sei bereit, für ausreichende Liquidität zu sorgen sowie die Kreditvergabe und das Funktionieren der Märkte zu unterstützen. Investoren rechnen bereits damit, dass die BoE den Leitzins im Sommer senkt - möglicherweise sogar bis auf 0,0 Prozent. Aktuell liegt er mit 0,5 Prozent bereits auf einem historisch niedrigen Niveau.

NEUE BANKNOTE: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die neue 50-Euro-Note vorgestellt. Der neue Fünfziger wird ab April 2017 in Umlauf gebracht. Dank neuen und besseren Sicherheitsmerkmalen soll er von Fälschern weniger gut nachgemacht werden können. Die 50er-Note ist die am häufigsten genutzte Stückelung der Euro-Banknoten. Die 50-Euro-Note ist nach dem Fünf-, dem Zehn- und dem 20-Euro-Schein die vierte Banknote, die in der Euro-Zone seit 2013 ausgetauscht wird. In den kommenden Jahren werden noch der Hunderter und die 200-Euro-Note folgen.

LAHMER LUFTVERKEHR: Das herkömmliche Geschäft mit der Luftfracht lahmt. Die Lufthansa sucht darum neue Kundengruppen - und denkt dabei vor allem an vermögende Privatleute. In Kürze sollen Lufthansa-Kunden per Smartphone-App auch ein Fracht-Ticket buchen können - um etwa ihr Motorrad für einen Highway-Trip in die USA befördern zu lassen. Bisher muss dafür ein Spediteur zwischengeschaltet werden. Auch vom wachsenden Online-Handel über die Kontinente hinweg will Lufthansa Cargo profitieren und hat dazu Kooperationen mit grossen Versandhändlern wie Amazon im Auge.

KONJUNKTUR: Spanien und Italien marschieren dieses Jahr wirtschaftlich voraussichtlich in unterschiedliche Richtungen. Während die Regierung in Madrid eine Erhöhung der Wachstumsprognose für 2016 ankündigte, stehen die Zeichen in Rom auf Konjunkturabkühlung. Spaniens geschäftsführender Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte, das bislang veranschlagte Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,7 Prozent sei zu niedrig angesetzt. Bis zum Monatsende werde die Zahl nach oben korrigiert. Zugleich brachte er Spanien als Standort für Finanzdienstleister oder europäische Agenturen ins Spiel, die ihren Sitz nach dem Brexit-Votum von London in andere EU-Städte ausserhalb Grossbritanniens verlegen möchten.

MARKENSCHUTZ: Das Gericht der EU hat die Marken der US-Fastfoodkette von McDonald's vor Rufausbeutern geschützt. Das Unternehmen sei inzwischen so bekannt, dass Namen für Nahrungsmittel mit der Vorsilbe "Mc" oder "Mac" von anderen Unternehmen die "Wertschätzung" der Marke McDonald's unlauter ausnutzen würden. Das heisst es in einem in Luxemburg veröffentlichten Urteil. Das Gericht hat damit die Eintragung der Marke MacCoffee für Nahrungsmittel und Getränke eines Unternehmens aus Singapur endgültig nicht zugelassen.

MODERATER AUFSCHWUNG: Das Wachstum in der Euro-Zone hat vor dem Brexit-Votum der Briten einen Dämpfer erhalten. Der gemeinsame Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister verharrte im Juni bei 53,1 Punkten. Das Barometer bleibt damit zwar deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Der Index signalisiert den Ökonomen zufolge aber für das zweite Quartal das geringste Wachstum seit Ende 2014. Zwischen April und Juni dürfte das Bruttoinlandsprodukt in den 19 Euro-Ländern um 0,3 Prozent zugelegt haben und damit nur halb so stark wie noch zu Jahresanfang.

ZURÜCKGERUDERT: Die EU-Kommission will nun doch, dass die nationalen Parlamente der EU-Staaten über das EU-Kanada-Handelsabkommen (CETA) abstimmen. Sie habe entschieden, CETA als "gemischtes Abkommen" zu behandeln, teilte die EU-Kommission in Strassburg mit. Ursprünglich hatte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker beim EU-Gipfel vergangene Woche angekündigt, die Ratifizierung des Abkommens liege nur in der Zuständigkeit der EU. Dies ist jedoch vor allem in Österreich und Deutschland auf viel Kritik gestossen. CETA gilt als Blaupause für das ebenfalls geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA (TTIP). Beide Verträge sollen für mehr Wachstum im Handel mit Nordamerika sorgen. Umwelt- und Konsumentenschützer fürchten eine Senkung von Standards.

FRAUENFÖRDERUNG: Die Zahl der Frauen in den Chefetagen börsenkotierter Unternehmen in Deutschland ist einer Studie zufolge leicht gestiegen - die Topetagen bleiben aber eine Männerdomäne. Ende des ersten Halbjahres sassen in den 160 erfassten Firmen 43 Frauen in den Topgremien. Das waren vier Managerinnen mehr als zu Jahresanfang und acht mehr als Mitte 2015, wie aus der Untersuchung des Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) hervorgeht. Aktuell liegt der Frauenanteil bei 6,4 Prozent - vor einem halben Jahr waren es 5,9 Prozent. Drei von vier Vorstandsgremien sind allerdings nach wie vor ausschliesslich mit Männern besetzt.

(AWP)