Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 7. Juli 2016
07.07.2016 17:55

OBERSTER BANKER: Der Verwaltungsrat der Bankiervereinigung (SBVg) hat Herbert Scheidt zum neuen Präsidenten gewählt. Der 65-Jährige tritt die Nachfolge von Patrick Odier an, der nach sieben Jahren an der Spitze des Verbands sein Amt auf den 15. September abgibt. Odier hatte sich im April entschlossen, auf eine erneute Wiederwahl im kommenden September zu verzichten. Damit endet beim Branchenverband auch eine Ära. In der 104-jährigen Geschichte waren die Präsidenten bisher immer Privatbankiers aus Genf oder Basel. Mit dem elften Präsidenten bricht jetzt die SBVg mit dieser Tradition. Scheidt, der Verwaltungsratspräsident der Zürcher Bank Vontobel ist, muss nun die divergierenden Interessen der Banken im Verband unter einen Hut bringen und der SBVg wieder mehr politische Schlagkraft geben.

GELDBEZUG MIT SMARTPHONE: Für das Abheben von Geld bei einem Bancomaten brauchen Kunden der Credit Suisse bald keine Karte mehr. Als erste Bank der Schweiz macht die Grossbank kartenlose Aus- und Einzahlungen mit dem Handy möglich. Die Funktion startet laut Mitteilung der CS ab dem 12. Juli. Rund 330 Geldautomaten der Credit Suisse und der Neuen Aargauer Bank, einer CS-Tochter, wurden demnach für kartenlose Transaktionen ausgerüstet. Sie funktionieren mit der bankeigenen Smartphone-App. Auf dem Handy definiert der Kunde, wie viel Geld er beziehen möchte. Anschliessend erhält er einen optischen QR-Code, den er am Bancomaten einlesen muss, um die Transaktion auszulösen.

EUROPÄISCHE VERMÖGENSVERWALTUNG: Die Grossbank UBS will mit einer zentralen, europäischen Vermögensverwaltungsbank namens UBS Europe SE starten. Eine UBS-Sprecherin bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AWP einen entsprechenden Bericht der "Handelszeitung". Der Sitz von UBS Europa stehe aber noch nicht fest und bis Ende Jahr solle der Entscheid über den Standort getroffen werden, sagte die Sprecherin. Das Blatt hatte dagegen von einem Sitz in Frankfurt und einem Start im Herbst geschrieben. Zahlreiche Vermögensverwaltungseinheiten in der EU sollen gebündelt werden und mit einer Banklizenz für das gesamte UBS Wealth Management auf dem alten Kontinent Kosten gespart werden.

BARRY CALLEBAUT WÄCHST WEITER: Der weltgrösste Kakao- und Schokoladen-Hersteller Barry Callebaut hat in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2015/16 von einer starken Nachfrage in Asien und Amerika profitiert. Das Unternehmen steigerte sowohl die Verkaufsmenge als auch den Umsatz deutlich. Die Verkaufsmenge stieg um 4,2 Prozent auf 1,38 Millionen Tonnen. Der globale Schokoladenmarkt nahm in dieser Periode um 2,0 Prozent ab. Der Umsatz wuchs gemäss den Angaben dank eines vorteilhaften Produkt- und Kundenmix sowie höherer Zutatenpreise, die grösstenteils an die Kunden weitergeben werden, deutlich stärker. Er nahm um 7,8 Prozent auf 5,01 Milliarden Franken zu.

GATEGROUP-ÜBERNAHME: Der chinesische Mischkonzern HNA übernimmt Gategroup definitiv. Dies obwohl zu wenig Aktionäre des Zürcher Airline-Caterers ihre Aktien dem chinesischen Konzern verkauften. Anfang Juli kontrollierte der chinesische Konzern erst 64 Prozent der Gategroup-Aktien. Ein Teil davon ist im Besitz von Gategroup selbst. Tatsächlich angedient wurden HNA nur 62 Prozent der Aktien. Eigentlich hatte HNA festgelegt, dass die Übernahme nur dann zustande kommt, wenn ihr die Gategroup-Aktionäre mindestens 67 Prozent der Aktien verkauften. Nun verzichtet HNA aber auf diese Bedingung, was gemäss Angebotsprospekt möglich ist, und erklärt das Angebot als zustande gekommen.

SCHWACHE TEUERUNG: Die Konsumentenpreise sind in der Schweiz im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gingen die Preise um 0,4 Prozent zurück, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte. Nach den Monat März (+0,3 Prozent) und Mai (+0,1 Prozent) zu haben die Preise im Juni erst zum dritten Mal in diesem Jahr angezogen. Bei den Inlandgütern belief sich die Teuerung im Berichtsmonat im Vergleich zum Mai 2016 auf 0,1 Prozent. Die Importgüter verteuerten sich in der gleichen Periode um 0,3 Prozent. Teurer wurden im Vergleich zum Vormonat insbesondere Früchte und Gemüse, Erdölprodukte sowie Pauschalreisen. Rückläufig waren hingegen die Preise für die ersten Sommerausverkaufsartikel im Bekleidungssektor sowie für den Luftverkehr.

NAMHAFTER ZUZUG: Der Kanton Schwyz erhält einen neuen Steuerzahler: Eine Investitionsholding der Ikea, die Interogo Holding AG, hat ihre Geschäftstätigkeiten von Luxemburg nach Pfäffikon verschoben. Die Geschäftstätigkeiten von Interogo Holding AG, vormals Inter Ikea Holding S.A., beinhalteten unter anderem Immobilien- und Finanzinvestitionen, wie das Schwyzer Volkswirtschaftsdepartement am Donnerstag mitteilte. Inter Ikea Group und Ikea Group sind eigenständige Unternehmen mit unterschiedlichen Eigentümern. Da es sich um eine völlig neue Unternehmensstruktur handle, seien noch keine Zahlen zum Umsatz verfügbar, teilte die Holding auf Anfrage mit. Zurzeit arbeiten in Pfäffikon vier Personen.

SILBERSTREIFEN AM HORIZONT: Nach mehreren verlustreichen Jahren rechnet der Solarzulieferer Meyer Burger im ersten Halbjahr 2016 beim Betriebsgewinn (EBITDA) wieder mit schwarzen Zahlen. Vor Jahresfrist hatte auf dieser Stufe noch ein Betriebsverlust von 32,7 Millionen Franken resultiert. Aufgrund höherer Umsätze und einer optimierten operativen Kostenbasis seien deutliche Ergebnisverbesserungen erreicht worden, teilte Meyer Burger mit. Zudem sei der Geldabfluss gestoppt worden und dank eines positiven operativen Cashflows habe ein Anstieg bei den flüssigen Mitteln resultiert. Der Umsatz werde im ersten Halbjahr 2016 voraussichtlich leicht über 215 Millionen Franken betragen. Im Vorjahreszeitraum waren es 124,4 Millionen Franken gewesen. Per Ende Juni verfügte Meyer Burger über flüssige Mittel in der Höhe von rund 113 Millionen Franken, nach 101,5 Millionen Franken zum Jahresende 2015.

ERNEUTER RÜCKRUF: VW ruft weltweit rund 5900 Touran-Erdgasmodelle der Jahrgänge 2006 bis 2009 in die Werkstätten. In der Schweiz seien 672 Fahrzeuge des Typs VW Touran EcoFul betroffen, teilte der VW-Generalimporteur Amag auf Anfrage mit. Grund des Rückrufs sei der vorsorgliche Tausch der vorderen Gasflaschen, gab VW bekannt. Bei einigen Fahrzeugen könnte die Aussenhaut bei Beschädigungen nicht mehr den nötigen Korrosionsschutz bieten. Sinke die Wandstärke der Gasflaschen durch Korrosion, könne dies zum Bersten eines Gastanks und zu erheblicher Verletzungsgefahr führen. Bis zur Umrüstung sollten betroffene Modelle nur im Benzinbetrieb genutzt werden. Die Besitzer würden direkt von Volkswagen kontaktiert.

FAST AM ZIEL: Die OECD-Länder werden 2017 wieder das Beschäftigungsniveau von den Jahren vor der Finanzkrise erreichen. Dass die Krise aber fast zehn Jahre lang die Beschäftigung gedämpft hat, zeige die Tiefe der Rezession und den hohen Preis, den die Arbeitnehmer dafür gezahlt haben, heisst es im OECD-Beschäftigungsbericht. Derzeit haben drei von vier OECD-Ländern, den wirtschaftlich entwickelten Ländern der Welt, entweder immer noch eine Arbeitslosenrate, die um mindestens zwei Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau liegt oder Durchschnittslöhne, die um mindestens fünf Prozent niedriger liegen, als bei gleichbleibendem Wachstum der Jahre 2000 bis 2007. Auch wenn die Beschäftigungsquote (Anteil der Beschäftigten an den Arbeitsfähigen) langsam wieder auf das Vorkrisenniveau steigt, bleibt die Arbeitslosenrate höher, weil mehr Menschen als früher auf den Arbeitsmarkt drängen.

STEIGENDE PREISE: Die Nahrungsmittelpreise sind nach Erkenntnissen von UN-Experten im Juni so stark wie seit vier Jahren nicht mehr gestiegen. Wegen höherer Zuckerpreise legte der Preisindex um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mitteilte. Zuwächse gab es demnach aber auch bei den meisten anderen Rohstoffen. Zucker verteuerte sich sogar um 14,8 Prozent, weil Bauern in Brasilien mit heftigem Regen zu kämpfen hatten. Das Schwellenland ist der wichtigste Zuckerproduzent der Welt. Die Nahrungsmittelpreise insgesamt waren im Januar auf den niedrigsten Stand seit fast sieben Jahren gefallen und haben sich seitdem erholt. Die FAO rechnet damit, dass die Preise in den kommenden zehn Jahren stabil bleiben. In ihren Index gehen die Preise von Getreide, Ölsaaten, Milchprodukten, Fleisch und Zucker ein.

WENIGER ARBEITSLOSE: Trotz der angespannten Wirtschaftslage in Griechenland bessert sich die Lage am Arbeitsmarkt des Euro-Landes etwas. Die Arbeitslosenquote sank im April auf 23,3 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit März 2012, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Im März lag der um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Wert noch bei 23,7 Prozent, das Rekordhoch während der langjährigen Rezession im September 2013 bei 27,9 Prozent. Griechenland hinkt dem Euro-Raum jedoch immer noch weit hinterher, denn in der Währungsunion war die Arbeitslosigkeit im April mit 10,2 Prozent weniger als halb so hoch. Die griechische Wirtschaft schrumpfte zwischen Januar und März um 0,5 Prozent zum Vorquartal und steuert insgesamt für 2016 auf sein zweites Rezessionsjahr in Folge zu.

WEITERER FALL: Der tödliche Crash mit einem vom Computer gesteuerten Tesla ist nicht der einzige Unfall bei Fahrten mit dem "Autopilot"-System des kalifornischen Elektroauto-Herstellers gewesen. Tesla bestätigte laut dem "Wall Street Journal" weitere, weniger schwere Unfälle. Die genaue Zahl der Fälle wurde nicht bekannt. Die US-Behörden untersuchen zurzeit erneut einen Verkehrsunfall mit einem Wagen des Elektroautoherstellers Tesla. Laut einer Sprecherin trägt die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA Informationen über einen Unfall eines Tesla-Geländewagens Model X zusammen. Vergangene Woche war erstmals ein tödlicher Unfall eines Tesla-Elektroautos mit eingeschalteter "Autopilot"-Funktion bekannt geworden. Beim neuen Fall geht es um die Frage, ob der Autopilot zum Unfallzeitpunkt eingeschaltet war oder nicht, wie die Sprecherin der Verkehrssicherheitsbehörde der Nachrichtenagentur AFP sagte.

(AWP)