Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 11. Juli 2016
11.07.2016 17:31

MILLIARDEN-VERKAUF: Der weltgrösste Zementkonzern LafargeHolcim verkauft das Indien-Geschäft von Lafarge als Gesamtpaket an den indischen Mischkonzern Nirma. Dieser übernimmt die drei Zement- und zwei Mahlwerke für rund 1,4 Milliarden Dollar. LafargeHolcim musste in Indien Unternehmensteile veräussern. Dies war eine Bedingung, damit die indische Wettbewerbsbehörde der Fusion der französischen Lafarge mit der Schweizer Holcim zustimmte. Mit dem Erlös will LafargeHolcim die Schulden reduzieren. Der Konzern hat vor, bis Ende Jahr Unternehmensteile im Wert von 3,5 Milliarden Franken zu verkaufen. Mit der nun abgeschlossenen Verkaufsvereinbarungen seien zwei Drittel dieses Programms gesichert, wird LafargeHolcim-Chef Eric Olsen in einer Mitteilung zitiert.

WENIGER FLUGGÄSTE: Die Fluggesellschaft Swiss hat im ersten Halbjahr zwar mehr Flüge durchgeführt als im Vorjahr. Die Zahl der Passagiere war jedoch leicht rückläufig. So stiegen die angebotenen Sitzkilometer um 4 Prozent. Die Passagierzahl sank dagegen um 0,9 Prozent auf 7,71 Millionen Passagiere. Damit hat sich die Swiss schlechter entwickelt als die gesamte Lufthansa-Gruppe. Diese konnte mit der Anzahl Flüge auch die Passagierzahl erhöhen, um 0,7 Prozent auf 51,29 Millionen Passagiere. Im Juni dagegen verzeichneten sowohl die Swiss als auch die ganze Lufthansa Gruppe ein Plus bei den Passagieren. So nahm bei der Swiss die Zahl der Passagiere um 0,7 Prozent auf 1,42 Millionen zu, bei der Lufthansa Gruppe um 0,2 auf 10,21 Millionen.

NEUES GESCHÄFTSFELD: Postfinance steigt ins Firmenkredit-Geschäft ein. Der Finanzdienstleister beteiligt sich am neu gegründeten Schweizer Ableger des deutschen Onlinekreditmarktes Lendico. Die am 8. Juli gegründete Lendico Schweiz soll ab Oktober kleinen und mittelgrossen Unternehmen in der Schweiz Crowdfinanzierungen ermöglichen. Crowdfinanzierung ist eine Alternative zum klassischen Bankkredit. Anleger und Kreditsuchende finden direkt über einen Online-Marktplatz zusammen. Postfinance erwirtschaftet heute rund zwei Drittel ihrer Erträge im Zinsdifferenzgeschäft. Weil dieses Geschäft unter schwindenden Margen leidet, versucht die Bank neue Ertragsquellen zu erschliessen.

ANGEBOT EINGESCHRÄNKT: Die Credit Suisse fährt ihr Vermögensverwaltungsgeschäft in Russland zurück. Die Schweizer Grossbank schliesse ihre lokale Buchungsplattform, erklärte Credit Suisse und bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Forbes". Damit können die Kunden ihre Vermögen nicht mehr in Russland selbst, sondern nur noch im Ausland halten. Beratungsdienstleistungen biete die Bank in Moskau weiterhin an. Der Schritt dürfte damit zu tun haben, dass die meisten russischen Kunden ihr Geld ohnehin lieber im Ausland anlegen. Zudem ist eine lokale Buchungsplattform mit erheblichen Kosten verbunden. Das russische Firmenkundengeschäft sei von der Massnahme nicht betroffen, erklärte die Bank. Credit Suisse behalte auch die Banklizenz in dem Land.

ANGRIFF: Dem US-Biotechnologiekonzern Amgen droht Konkurrenz für sein Milliarden-Medikament Enbrel durch eine günstigere Nachahmerversion von Novartis. Ein vom Schweizer Pharmakonzern entwickeltes sogenanntes Biosimilar sei dem Originalpräparat in hohem Masse ähnlich, hiess es in einem Bericht der US-Arzneimittelbehörde FDA. Diese veröffentlichte das Gutachten auf ihrer Internetseite zwei Tage vor dem Treffen eines Expertenausschusses, der eine Empfehlung zur Zulassung des Nachahmerpräparats abgeben soll. Enbrel ist Amgens umsatzstärkste Arznei. Der Biotch-Weltmarktführer erlöste mit dem Medikament, das gegen Arthritis, Rheuma und Schuppenflechte eingesetzt wird, im vergangenen Jahr in Nordamerika 5,4 Milliarden Dollar.

SPARTEN-VERKAUF: Der bundeseigene Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag verkauft sein sogenanntes Optoelektronik-Geschäft. Dessen 75 Mitarbeiter entwickeln in Zürich Satelliteninstrumente für die Wissenschaft und Geräte für die optische Kommunikation im Weltraum. Im vergangenen Jahr erzielte die Sparte einen Umsatz von 18 Millionen Franken. Käufer ist das Unternehmen Thales Alenia Space, ein im französischen Cannes ansässiges Joint Venture des französischen Rüstungskonzerns Thales und des italienischen Rüstungskonzerns Finmeccanica. Über den Kaufpreis haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart, wie Ruag mitteilte.

ROTE ZAHLEN: Der Handysoftware-Entwickler Myriad kommt nicht aus den roten Zahlen. Nach einem Verlust von 68 Millionen Dollar im letzten Jahr erwartet das Unternehmen auch für die ersten sechs Monate 2016 ein Minus. Detaillierte Zahlen will die Gesellschaft aber erst im August veröffentlichen. Einen Rückgang verzeichnete Myriad beim Umsatz. Dieser sank im ersten Halbjahr auf 7,7 Millionen Dollar, verglichen mit 17,6 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Dennoch sieht sich das Unternehmen auf Kurs, im Gesamtjahr ein Wachstum zu erzielen.

NEUER CHEF: Der künftige Chef der Krankenkasse Sanitas heisst Max Schönholzer. Der bald 50-Jährige ist derzeit Leiter des Schadenversicherungsgeschäfts bei Zurich Schweiz und tritt die Nachfolge von Otto Bitterli an, der bei Sanitas als Verwaltungsratspräsident nachrutscht. Zum Rotieren gebracht hat das Job-Karussell der heutige Verwaltungsratspräsident Jens Alder. Er tritt im Februar nächsten Jahres zurück. Die Wechsel, die der Abgang nach sich zieht, auch der Amtsantritt des neuen Chefs, werden gleichzeitig erfolgen. Schönholzer war mehr als 14 Jahre für Zurich tätig. Davor hatte er mehrere Jahre als Berater bei McKinsey gearbeitet. Studiert hat er Physik an der ETH Zürich.

STARK GEWACHSEN: Die Interroll-Gruppe rechnet im ersten Halbjahr 2016 mit einem starken Umsatz- und überproportionalem Reingewinnwachstum. Das Umsatzplus werde rund 9 Prozent betragen und der Reingewinn soll um 10 bis 15 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert liegen. In der Vorjahresperiode hatte Interroll einen Umsatz von 171,3 Millionen Franken und einen Reingewinn von 12,8 Millionen Franken ausgewiesen. Den vollständigen Halbjahresbericht veröffentlicht das im Tessin ansässige Unternehmen am 5. August 2016.

ANGEBOT VERLÄNGERT: Der staatliche chinesische Chemiekonzern ChemChina verlängert das 43 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot für die Basler Syngenta erneut. Neu gelte die Kaufofferte bis zum 13. September, könne aber weiter verlängert werden, teilte ChemChina mit. Noch lägen nicht alle behördlichen Bewilligungen vor, begründete das Unternehmen den Aufschub. ChemChina rechnet aber weiterhin damit, dass die Übernahme bis Ende Jahr abgeschlossen ist. Bisher hätte die Angebotsfrist am 18. Juli enden sollen, nachdem der Ablauf der Frist Anfang Mai bereits vom 24. Mai auf dieses Datum verschoben wurde.

"HELVETISTAN"-TREFFEN: Finanzminister Ueli Maurer und SNB-Präsident Thomas Jordan reisen nach Almaty, der grössten Stadt Kasachstans. Sie nehmen dort am Dienstag und Mittwoch (12. und 13. Juli) an einem Treffen der als "Helvetistan" bekannten Schweizer Stimmrechtsgruppe im Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank teil. Diese Treffen der Stimmrechtsgruppe finden rund alle zwei Jahre statt - neben den üblichen Tagungen der Ministerausschüsse von IWF und Weltbank. Dieses Jahr findet das Treffen erstmals in Kasachstan statt, das der Gruppe seit 2010 angehört. Die Finanzminister und Notenbankgouverneure aller Mitgliedsländer werden dort die wichtigsten laufenden Geschäfte in IWF und Weltbank besprechen.

NEUER BERATER: Die UBS hat den früheren Chef der Londoner Börse, Chris Gibson-Smith, zum Berater im Bereich Geschäftskunden ernannt. Der 70-jährige Manager wird als Vice-Chairman im Geschäftsfeld Corporate Client Solutions (CCS) der UBS anfangen. Gibson-Smith führte von 2003 bis 2015 die London Stock Exchange Group (LSE). In dieser Zeit wehrte er Übernahmeversuche der Nasdaq, der Euronext und der Deutschen Börse ab. Laut UBS bringt er mehr als 40 Jahre Führungserfahrung im Öl-, Luftfahrt und Bankensektor mit.

ANGST VOR KATASTROPHE: Der frühere SNB-Präsident Philipp Hildebrand fürchtet, dass es nach dem Brexit-Votum in Europas Finanzsektor zu einer "Katastrophe" kommt. "Jetzt kommt so etwas wie die zweite Welle - neun Jahre nach der Finanzkrise", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Europa habe es in dieser Zeit verpasst, das Bankensystem zu sanieren. Immer, wenn etwas schiefgehe - so wie jetzt das Votum der Briten für ein Ausscheiden aus der Europäischen Union -, komme an den Finanzmärkten die Frage auf, ob Europas Banken wirklich stabil seien. Es sei eines der grossen Versäumnisse Europas, "dass wir das Bankenproblem immer unter den Teppich gekehrt haben", kritisierte Hildebrand, mittlerweile Vize-Chef der US-Vermögensverwaltung Blackrock.

KEINE AKUTE KRISE: Die Finanzprobleme der italienischen Banken stellen nach Einschätzung von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem keine unmittelbare Gefahr dar. "Es ist keine akute Krise", sagte Dijsselbloem vor dem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Italiens Banken sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite. Die Summe der Darlehen, die womöglich nie zurückgezahlt werden, beläuft sich auf 360 Mrd. Euro (390 Mrd. Franken). Nach den jüngst eingeführten EU-Regeln darf die italienische Regierung die Institute aber nicht mit Staatshilfen unterstützen, ohne dass zunächst Anteilseigner und Bankanleger zur Kasse gebeten werden. Die Verhandlungen mit Brüssel verliefen "positiv", machten "Fortschritte" und würden fortgesetzt, sagte Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan in Brüssel.

PRODUKTION GEDROSSELT: Die italienischen Unternehmen haben ihre Produktion im Mai überraschend deutlich gedrosselt. Sie stellten 0,6 Prozent weniger her als im Vormonat. Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 0,1 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg von 0,4 Prozent im April. Die nach Deutschland und Frankreich drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone ist erst Anfang 2015 der dreijährigen Rezession entronnen, kommt seither aber nicht so richtig in Schwung. Der Industrieverband Confindustria rechnet in diesem Jahr nur mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, das 2017 sogar auf 0,6 Prozent fallen soll.

WACHSTUM ABGEBREMST: Der Autobauer Porsche hat sein Wachstumstempo beim Verkauf von Sport- und Geländewagen deutlich verlangsamt. Im ersten Halbjahr 2016 seien rund 118'000 Fahrzeuge ausgeliefert worden und damit drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor einem Jahr hatte Porsche noch ein dickes Plus von 30 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 vermeldet. Vor allem der kleine Geländewagen Macan zog die Auslieferungszahlen hoch. In China gab es damals sogar ein Wachstum von knapp 50 Prozent. Nun beläuft sich dort das Plus auf vier Prozent mit gut 30'000 verkauften Autos.

UMSATZ GESTEIGERT: Die anhaltend hohe Nachfrage in Südeuropa hat dem deutschen Schrauben- und Werkzeughändler Würth ein weiteres Umsatzplus beschert. Im ersten Halbjahr legten die Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zu. Allein in Spanien stiegen die Erlöse um 12,5 Prozent. In Deutschland konnte Würth um 8,1 Prozent wachsen. Das Unternehmen handelt vor allem mit Montage- und Befestigungsmaterial für Handwerk und Industrie, etwa Schrauben, Bohrer, Zangen oder Messgeräte. Für das gesamte Jahr rechnet Würth mit einem ähnlichen Plus und einem Umsatz von 11,9 Milliarden Euro, zudem mit einer "angemessenen Entwicklung des Betriebsergebnisses". Im ersten Halbjahr stieg das Betriebsergebnis um 17 Prozent auf 275 Millionen Euro.

TIEFERE HÜRDE: Die Deutsche Börse will beim geplanten Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) auf Nummer sicher gehen. Um von ihren Aktionären grünes Licht für die Fusion zu erhalten, senken die Frankfurter die Mindestannahmequote von 75 auf 60 Prozent. Die Frist zur Annahme des Fusionsangebots, die eigentlich am Dienstag auslaufen würde, läuft nun noch bis zum 26. Juli. Deutschlands grösster Börsenbetreiber will mit dem Schachzug sicherstellen, dass auch Indexfonds von grossen Anbietern wie Blackrock ihre Papiere andienen. Diese können Aktien bei öffentlichen Übernahmeangeboten nur verkaufen, wenn bestimmte Annahmeschwellen überschritten sind.

MEHR VERKAUFT: Der chinesische Automarkt wächst trotz der zuletzt schwächelnden Konjunktur kräftig. Der Absatz stieg im ersten Halbjahr um 8,1 Prozent. Allein im Juni gab es ein Plus von fast 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 2015 hatte der weltgrösste Automarkt stagniert, bevor die Regierung im Oktober mit Steuersenkungen für Fahrzeuge mit kleineren Motoren mit weniger als 1,6 Litern Hubraum für neuen Schwung sorgte. Sollten die Steuersenkungen, wie bislang geplant, am Jahresende auslaufen, dürften viele Chinesen den Kauf vorziehen, um noch in den Genuss tieferer Steuern zu kommen.

HÖHENFLUG: Die Aktie des japanischen Videospielkonzerns Nintendo ist am Montag an der Börse in Tokio um mehr als 20 Prozent in die Höhe geschossen, weil das neue Smartphone-Spiel Pokémon Go des Konzerns so gut ankommt. In den USA und in Australien steht das kostenlose Spiel jeweils auf oberen Plätzen in den Charts der am meisten heruntergeladenen Apps. Bereits am Freitag war der Kurs gestiegen. Nintendo hatte lange gezögert, Spiele fürs Smartphone zu entwickeln, weil der Konzern eine Schwächung seines Geschäfts mit Spielekonsolen fürchtet. Nintendo verkauft die Wii; im Frühjahr 2017 soll die neue NX auf den Markt kommen.

ERKLÄRUNGSNOT: Tesla-Chef Elon Musk hat das Fahrassistenzsystem "Autopilot" seiner Elektroautos nach dem ersten tödlichen Crash verteidigt. Es sei keine unfertige Technik, obwohl sie mit der Bezeichnung "Beta" eingeführt worden sei. Tesla meine damit vielmehr, dass damit noch nicht eine Milliarde Meilen (1,6 Milliarden Kilometer) unter echten Strassenbedingungen gefahren worden sei, erklärte Musk auf Twitter. Man habe auch zu dem Wort gegriffen, damit Fahrer es sich nicht zu bequem am Steuer machten, sagte der Chef des kalifornischen Elektroautoherstellers weiter. "Es ist nicht Beta-Software im üblichen Sinn." Das "Autopilot"-System sei mit der Bezeichnung "Beta" versehen worden, "um für die, die sich entscheiden, es zu nutzen, zu betonen, dass es nicht perfekt ist", schrieb Musk.

(AWP)