Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 12. Juli 2016
12.07.2016 17:36

UNTER VERDACHT: Der 1MDB-Korruptionsskandal zieht laut Medienberichten weitere Kreise. Gemäss Dokumenten, die ein malaysisches Online-News-Portal veröffentlicht hat, soll die Grossbank UBS Milliardenzahlungen vom 1MDB-Staatsfonds für einen dubiosen Empfänger entgegengenommen haben. Konkret sollen im Jahr 2014 insgesamt fast 2 Milliarden Dollar vom malaysischen Staatsfonds 1MDB auf ein UBS-Konto in Singapur geflossen sein, ohne das die Grossbank die Empfänger genügend geprüft habe. Im Zusammenhang mit dem 1MDB-Korruptionsskandal hat die Finma gegenüber der Tessiner Privatbank BSI Massnahmen verfügt und die Auflösung der Bank gefordert.

STEIGERUNG: Die Genfer Industriebeteiligungsgesellschaft Perrot Duval hat im Geschäftsjahr 2015/16 ihren Gewinn auf 1 Million Franken verzehnfacht. In dem per Ende April abgeschlossenen Rechnungsjahr steigerte das Unternehmen zudem den in Lokalwährungen gerechneten Umsatz um 5 Prozent. Das Auftragsvolumen seitens der europäischen und nordamerikanischen Kunden nahm zu. Demgegenüber gingen die Aufträge aus Asien, und hier insbesondere aus China, kurzfristig zurück.

SCHULDENABBAU: Adval Tech verkauft seine Kunststoffsparte Molds für 133 Millionen Franken an das US-Luft- und Raumfahrtunternehmen Barnes Group. Den Erlös will die Berner Industriegruppe primär für den Abbau von Schulden einsetzen. Mit der neuen Gruppenstruktur und der klareren Fokussierung will Adval Tech noch stärker die Wachstumsmöglichkeiten im globalen Automobilmarkt und anderen Märkten nutzen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt. Die Transaktion soll noch im Laufe des 3. Quartals abgeschlossen werden, sofern die entsprechenden Behörden zustimmen.

AKTIVITÄTEN KONZENTRIERT: Der Klima- und Fertigungstechnikkonzern Walter Meier gibt seinen Standort in Romont FR auf und verlegt seine Aktivitäten nach Saint-Légier (VD), Nebikon (LU) und Bern. Es soll zu keinen Entlassungen kommen. Die Verlagerung ist für Ende Jahr geplant, wie ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte. Er bestätigte eine Meldung der Zeitung "La Liberté" vom Dienstag. Von der Umstrukturierung sind insgesamt 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.

ÜBERNAHME: Die Neuenburger Goldraffinerie Metalor wird vollständig vom japanischen Konkurrenten Tanaka Kikinzoku Kogyo übernommen. Die Metalor-Aktionäre haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Stellen sollen in der Schweiz nicht abgebaut werden. Tanaka sei vor allem in Asien aktiv, während Metalor eine starke Präsenz in Europa und Nord- und Lateinamerika habe, begründet Metalor die Transaktion die noch von den Wettbewerbsbehörden in mehreren asiatischen Ländern genehmigt werden muss.

SOZIALPLAN: Im April hat Benninger in Uzwil einen Abbau von 40 Stellen angekündigt. Produktion und Montage von Textilmaschinen sollen ins ostdeutsche Zittau verlagert werden. Inzwischen ist die Konsultationsfrist abgelaufen und es liegt ein Sozialplan vor. Man habe sich nach längeren Verhandlungen auf einen Sozialplan geeinigt, bestätigt der Unia-Industrieverantwortliche Erich Kramer einen Bericht des "St. Galler Tagblatts". Unter anderem sieht der Plan vor, dass sich Arbeitnehmer, die älter als 61 sind, frühpensionieren lassen können. Zudem gibt es einen Fonds für individuelle Härtefälle in der Höhe von 420'000 Franken.

LOHNZAHLUNGEN: Die Angestellten der liquidierten Buntmetallverarbeiterin Swissmetal in Dornach erhalten nach fünf Jahren ihren Lohn und die Pensionskassenbeiträge ausbezahlt. Es handelt sich gemäss Angaben des Sachverwalters um eine Summe von mehr als 10 Millionen Franken. Das Geld für die Gläubiger sei unter anderem mit dem Verkauf von Maschinen eingenommen worden, sagte Sachverwalter Fritz Rothenbühler im Regionaljournal Aargau/Solothurn von Radio SRF. Kaum Geld erhalten jedoch die Lieferanten, also die Gläubiger dritter Klasse. Das Traditionsunternehmen Swissmetal ging 2011 nach mehr als 100 Jahren in Konkurs.

HÖHERE ERDBEBENSCHÄDEN: Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Hitzewellen haben im ersten Halbjahr weltweit deutlich höhere Schäden angerichtet als im Vorjahr. Insgesamt wurden laut dem Rückversicherer Munich Re bis Ende Juni Schäden von 70 Milliarden Dollar verzeichnet. Im Vorjahreszeitraum hatte es insgesamt Schäden von 59 Milliarden Dollar gegeben. Die versicherten Schäden betrugen in diesem Jahr bislang 27 Milliarden Dollar, der langjährige Durchschnitt liegt bei 15 Milliarden Dollar. Dagegen ist die Zahl der Todesopfer bei Naturkatastrophen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gesunken. Insgesamt starben bei Unwettern und Erdbeben 3800 Menschen und damit weitaus weniger als im Vorjahreszeitraum mit 21'000 Opfern.

NEUER CHEF: Bei der privaten luganeser Cornèr Bank übernimmt die dritte Generation der Bankiersfamilie Cornaro das Zepter: Per 1. Oktober 2016 soll Vittorio Cornaro neuer Chef und sein Vater Paolo neuer Verwaltungsratspräsident werden. Der derzeitige Präsident Giancarlo Viscardi verlässt das Aufsichtsgremium nach rund 40 Jahren, wie die Bank mitteilte. Paolo Cornaro ist derzeit CEO. Der Führungswechsel soll am 30. September an einer ausserordentlichen Generalversammlung besiegelt werden. Die Cornèr Bank war 1952 von Vittorio Cornaro, dem Grossvater des neuen CEO, gegründet worden. Spezialisiert hat sie sich unter anderem auf das Geschäft mit Kreditkarten.

GESENKT: Nach dem Brexit-Votum senken die Konjunkturforscher von Bakbasel ihre Wachstumsprognosen für die Schweizer Wirtschaft. Neu rechnen sie für 2017 und 2018 noch mit einem realen Wachstum von 1,5 und 2,0 Prozent. Zuvor hatten sie ein Wachstum von 1,7 respektive 2,2 Prozent prognostiziert. Insbesondere dürfte sich die Nachfrage nach Schweizer Exportprodukten verringern. Keine spürbaren Folgen sind dagegen im laufenden Jahr zu erwarten. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz dürfte weiterhin um 1,0 Prozent zulegen. Kurzfristig wenig profitieren dürfte die Schweiz von möglichen Unternehmensverlagerungen aus Grossbritannien, da diese vorrangig Ziele innerhalb der EU suchen werden.

AUF REISEN: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann ist auf der ersten Etappe seiner Asien-Reise in Singapur angekommen. Der Staatsbesuch war eine Premiere. Es ist die erste Reise eines Schweizer Bundespräsidenten in das asiatische Land, mit dem die Schweiz bereits seit 49 Jahren bilaterale Beziehungen unterhält. Der Chef des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hat im Stadtstaat zuerst einem UNESCO-Weltkulturerbe einen Besuch abgestattet - dem botanischen Garten, in welchem eine Orchidee nach Schneider-Ammann benannt wurde. Nächster Programmpunkt war das Treffen mit Premierminister Lee Hsien Loong und Staatspräsident Tony Tan Keng Yam.

WEG GEEBNET: Die EU-Finanzminister haben den Weg für Strafen gegen die beiden Defizitsünder Spanien und Portugal frei gemacht. Beide Länder seien nicht konsequent genug gegen ihre Haushaltsdefizite vorgegangen, hiess es in Brüssel. Konkrete Sanktionen wurden jedoch noch keine verhängt- dafür ist es noch zu früh. Vielmehr hat nun die EU-Kommission 20 Tage Zeit, um mögliche Strafen vorzuschlagen. Laut europäischem Regelwerk können die Geldstrafen maximal 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Die Brüsseler Behörde hatte aber schon durchblicken lassen, dass sie eine milde Gangart vorzieht, um das Wirtschaftswachstum in den früheren Krisenländern nicht zu gefährden.

KONJUNKTURDÄMPFER ERWARTET: Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem kleinen Dämpfer für das Wachstum in der Euro-Zone durch das Brexit-Votum der Briten. Das Bruttoinlandprodukt dürfte im laufenden Quartal um 0,4 Prozent und im Schlussvierteljahr um 0,3 Prozent zulegen, prognostizieren Ifo aus München, Insee aus Paris und Istat aus Rom. "Im letzten Quartal hätten wir ohne das Referendum etwa 0,4 Prozent erwartet", sagte Ifo-Experte Atanas Hristov. "Das Referendum hat die Unsicherheit deutlich erhöht. Der kurzfristige negative Einfluss dürfte aber begrenzt sein, während der mittelfristige Effekt sehr stark von neuen Vereinbarungen zwischen Grossbritannien und der EU abhängt."

OPTIMISTISCHER: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht Frankreichs Wirtschaftsperspektiven trotz Struktur- und Produktivitätsproblemen optimistischer als noch vor einigen Monaten. "Der Aufschwung verfestigt sich", kommt die IWF im jüngsten Länderbericht zum Schluss. Das Wirtschaftswachstum dürfte 2016 und 2017 jeweils 1,5 Prozent betragen. Noch im April war der IWF lediglich von 1,1 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im nächsten Jahr ausgegangen. Es gebe Anzeichen, dass wieder mehr investiert werde. Aus Sicht des IWF bleiben aber eine ganze Reihe kurz- und mittelfristiger Risiken. Das Staatsdefizit Frankreichs dürfte auch in diesem Jahr mit 3,3 Prozent über der europäischen Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung bleiben.

KEINE AUSNAHMEN: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich gegen Sonderhilfen für marode italienische Banken ausgesprochen. Es solle keine Ausnahmen von den europäischen Regeln geben, sagte Schäuble nach einem Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel. "Die Regeln beinhalten genügend Spielraum, um richtige Entscheidungen zu treffen." Zunächst müsse aber das Ergebnis des Bankenstresstests Ende Juli abgewartet werden. Forderungen aus der deutschen Bankenbranche zu staatlichen Hilfen kritisierte Schäuble zudem deutlich. Der italienische Wirtschaftsminister hält die Sorgen um Italiens Banken dagegen für übertrieben.

STEIGERUNG: BMW hat wie die Konkurrenz den Absatz im Juni kräftig gesteigert. Weltweit wurden 227'849 Fahrzeuge der drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft. Das sind 9,1 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Für das Plus sorgte vor allem die hohe Nachfrage in Europa und Asien. In den USA dagegen schrumpfte der Absatz. Die Kernmarke BMW steigerte im Rekordmonat Juni die Verkaufszahlen um 9,7 Prozent auf 189'097 Fahrzeuge - damit lagen die Münchner vor den Rivalen Audi mit 169'000 Autos und knapp vor der Marke Mercedes mit 188'444 Wagen.

NEUSTART: Der umstrittene deutsche Internetunternehmer Kim Dotcom plant eine Neuauflage seiner Onlineplattform Megaupload. "Megaupload wird am 20. Januar 2017 wiederkommen", verkündete der in Neuseeland lebende Dotcom im Kurzbotschaftendienst Twitter. Rund 100 Millionen einstige Megaupload-Nutzer sollen mit Premium-Konten für die neue Seite gewonnen werden. In seiner früheren Version ermöglichte Megaupload das kostenlose Hoch- und Herunterladen grosser Datenmengen und stand zu seinen besten Zeiten auf Platz 13 der meistbesuchten Internetseiten. Im Januar 2012 wurde Megaupload von der US-Bundespolizei FBI geschlossen.

ABGEWIESEN: Der Deutsche Werberat hat eine Beschwerde gegen die Werbekampagne von Coca-Cola zur Fussballeuropameisterschaft zurückgewiesen. Eingereicht wurde die Beschwerde von der Konsumentenschutzorganisation Foodwatch und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Werbung spreche nicht zielgerichtet Kinder an, bei den Spielern der Fussballnationalmannschaft handle es sich nicht um Idole, die vorrangig Kinder ansprächen, und die Produkte seien nicht kindertypisch, sondern für jedermann, teilte der Werberat mit.

AUSSER KRAFT GESETZT: Die Fusion der deutschen Supermarktketten Edeka und Kaiser's Tengelmann droht zu scheitern. Das Oberlandesgericht Düsseldorf erklärte die Sondererlaubnis von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in einer Eilentscheidung für rechtswidrig und setzte sie zunächst ausser Kraft, wie das Gericht mitteilte. Das Bundeskartellamt, die deutschen Wettbewerbshüter, hatte der grössten deutschen Supermarktkette Edeka die Fusion untersagt. Gabriel hatte dann im März unter Auflagen grünes Licht für den umstrittenen Zusammenschluss gegeben und damit das Veto der Wettbewerbshüter ausgehebelt. Dagegen hatte unter anderem der Edeka-Konkurrent Rewe vor dem Düsseldorfer Gericht geklagt.

WENIGER PASSAGIERE: Am Frankfurter Flughafen sind wegen der Terroranschläge in wichtigen Ferienländern wie der Türkei im ersten Halbjahr weniger Reisende in die Ferien gestartet. Die Zahl der Passagiere am grössten deutschen Airport sanken von Januar bis Ende Juni um knapp ein Prozent auf 28,7 Millionen. Ein zweiter Faktor für den Rückgang seien die zahlreichen Flugausfälle wegen des schlechten Wetters gewesen, teilte die Betreibergesellschaft Fraport mit. Im Juni war das Passagierminus mit gut vier Prozent noch grösser.

ALLE OPTIONEN OFFEN: Der britische Notenbankchef Mark Carney lässt sich vor der ersten Zinssitzung nach dem Brexit-Votum alle Optionen offen. Bei eingetrübten wirtschaftlichen Aussichten könne es immer eine Reaktion des geldpolitischen Ausschusses geben, sagte er im Parlament. Carney hatte nach dem EU-Austrittsvotum vom 23. Juni eine expansivere Geldpolitik im Laufe des Sommers in Aussicht gestellt, ohne sich auf entsprechende Zinsschritte im Juli oder August festzulegen. Die Währungshüter entscheiden am Donnerstag über den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken, der seit März 2009 auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent liegt.

DATENZUGANG: Nachdem ein IT-Experte mit einer Warnung vor dem Datenhunger des neuen Spiels Pokémon Go für Aufsehen sorgte, geben die Entwickler Entwarnung: Die App greife nicht auf den gesamten Inhalt des Google-Profils zu. Doch die die Entwicklerfirma Niantic Labs wie auch Google versichern, dass Pokémon Go nur die Grund-Informationen zum Profil abrufe (konkret den Benutzernamen und die E-Mail-Adresse) und keine anderen Informationen aus dem Google-Konto nutze. Zugleich räumte Niantic jedoch ein, dass die Pokémon-App tatsächlich im Hintergrund den "vollen Zugang" zu Google-Profilen angefragt habe. Das sei durch einen Fehler passiert.

SELBSTFAHREND: China will bis 2020 mit einem eigenen selbstfahrenden Elektroauto den Markt aufmischen. Dabei stützt sich das Automobil-Joint-Venture Future Mobility auf die Expertise des früheren BMW -Managers Carsten Breitfeld, den die Chinesen Anfang des Jahres in München abwarben. Ziel sei es, gleich in die Massenproduktion einzusteigen, sagte Breitfeld der Nachrichtenagentur Reuters. Breitfeld sprach von 250'000 bis 400'000 Fahrzeugen jährlich. Damit hebt sich Future Mobility von Tesla ab. Der US-Konzern dominiert bislang den Markt, wenn auch nur mit wenigen Modellen in begrenzter Stückzahl.

PC-MARKT SCHRUMPFT: Die Talfahrt der weltweiten PC-Verkäufe hat sich im vergangenen Quartal nach Berechnungen von Marktforschern deutlich abgeschwächt. Die Analysefirma Gartner kam auf einen Absatz-Rückgang von 5,2 Prozent, der Konkurrent IDC auf ein Minus von 4,5 Prozent. Der chinesische Hersteller Lenovo blieb den Marktforschern zufolge trotz eines Verkaufsrückgangs die weltweite Nummer eins mit gut 20 Prozent Marktanteil. Der frühere Marktführer Hewlett-Packard liegt nur knapp dahinter. Dell als Nummer drei kommt auf rund 15 Prozent. Für Apples Mac-Computer, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder Marktanteile gewinnen konnten, lief es diesmal nicht so gut. Mit einem Marktanteil von 7,1 Prozent sehen beide Marktforscher Apple auf Platz fünf knapp hinter Asus.

(AWP)