Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 14. Juli 2016
14.07.2016 17:35

ATTRAKTIVES LABEL: So Trotz Bankskandalen und Masseneinwanderungsinitiative ist das Image der Schweiz im Ausland weiterhin intakt. Konsumenten sind noch immer bereit, für Schweizer Produkte tiefer in die Tasche zu greifen. So akzeptieren sie gemäss einer Studie der Universität St. Gallen bei Luxusuhren einen Schweiz-Aufschlag von über 100 Prozent, bei Käse und Kosmetikartikel zahlen sie die Hälfte mehr und selbst bei Skiferien lassen sich 7 Prozent höhere Preise begründen. Die grössten ausländischen Fans der Marke Schweiz kommen gemäss der Studie aus China, Brasilien, Indien und Russland. Aber auch in der Schweiz ist Swissness nach wie vor sehr gefragt. So achten 43 Prozent der Bevölkerung auf die Schweizer Herkunft bei Produkten.

UBS BLEIBT NUMMER EINS: Die UBS hat ihre Position als weltweite Nummer eins in der Vermögensverwaltung für Reiche und Superreiche verteidigt. Sie verwaltete laut einer Studie Ende 2015 rund 1738 Milliarden Dollar von reichen Privatkunden, wie eine Studie der Londoner Beratungsfirma Scorpio Partnership zeigt. Die Bank of America verdrängte die ebenfalls amerikanische Morgan Stanley vom zweiten Rang. Die Credit Suisse (CS) konnte sich mit 687 Milliarden Dollar auf dem vierten Platz halten, obwohl ihr verwaltetes Vermögen gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent schrumpfte. Mit den Genfer Privatbanken Pictet und Lombard Odier sowie Julius Bär und der Basler J. Safra Sarasin stehen insgesamt sechs Schweizer Banken auf der Liste der 25 grössten Vermögensverwalter der Welt. Die 25 Geldhäuser verwalten mehr als die Hälfte der schätzungsweise gut 20'000 Milliarden Dollar, die Reiche und Superreiche bei Banken gebunkert haben.

GESENKT: Für das laufende Jahr rechnen die UBS-Ökonomen mit einem Wirtschaftswachstum für die Schweiz von 0,9 Prozent; für 2017 mit einem leicht höheren Wachstum von 1,3 Prozent. Im März waren sie noch von einem Prozent für 2016 und 1,5 Prozent Wachstum im kommenden Jahr ausgegangen. Als Grund nennt die Grossbank konjunkturelle Unsicherheiten aufgrund des Brexit und den immer noch starken Franken. Die Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Schweizer Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte schrittweise erholen wird. Als stützend erachten sie den Privatkonsum, der dank der tiefen Inflation, also einem tiefen Konsumenten-Preisniveau, solide sein wird.

EINKAUFSTOUR VON CHINESEN: Chinesische Investoren sind auf Shoppingtour in Europa: Im ersten Halbjahr haben sie so viele Firmen auf dem "Alten Kontinent" gekauft wie noch nie. Der grösste Deal findet in der Schweiz statt. Für die noch nicht abgeschlossene Übernahme des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta will der chinesische Staatskonzern China National Chemical Corporation, kurz ChemChina, umgerechnet 44,2 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Das ist mit weitem Abstand die grösste Übernahme eines europäischen Konzerns durch chinesische Investoren. Allerdings hängt der Übernahmeprozess derzeit noch bei den US-Behörden fest, die ein Veto einlegen könnten. In ganz Europa kamen von Januar bis Ende Juni 164 Unternehmen in die Hände chinesischer Eigentümer, davon 9 aus der Schweiz. Damit dürfte der bisherige Ganzjahresrekord von 183 Firmen aus dem Jahr 2015 in diesem Jahr deutlich übertroffen werden.

SCHWEIZER FIRMEN TOP: Die Zahlungsmoral von Schweizer Firmen ist Weltklasse: Im Durchschnitt bezahlen hiesige börsennotierte Unternehmen in diesem Jahr ihre Rechnungen nach 48 Tagen. Damit liegt die Schweiz in Weltrangliste auf Platz 4 von 36 untersuchten Ländern. Weltweite Spitzenreiter sind unsere österreichischen Nachbarn mit 44 Tagen. Auf dem zweiten Rang liegen Neuseeland und die Niederlande mit je 46 Tagen. In der Schweiz variiert das Zahlungsverhalten allerdings zwischen den verschiedenen Branchen. Im Detailhandel wird schon nach durchschnittlich 15 Tagen gezahlt und auch die Transportbranche mit 20 und die Nahrungsmittelindustrie mit 41 Tagen begleichen Rechnungen überdurchschnittlich schnell. Schlusslicht in Europa ist das krisengeschüttelte Griechenland. Noch mieser ist die Zahlungsmoral nur in China: Im Reich der Mitte werden Rechnungen im Schnitt erst nach 92 Tagen beglichen.

ARBEITSMARKT ERHOLT SICH: Die Stimmung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt hellt sich auf. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der ausgeschriebenen Stellen im zweiten Quartal um rund 6 Prozent gestiegen. Laut dem Adecco Swiss Job Market Index gibt es aber grosse Unterschiede zwischen den Berufsgruppen und Regionen. Mit über zehn Prozent stieg die Personalnachfrage in der Ostschweiz und in der Genferseeregion am stärksten. Ein Minus resultierte dagegen im Grossraum Zürich und in der Region Espace Mittelland. Unterschiedlich entwickelten sich auch die einzelnen Berufsfeldern. Während Management- und Gesundheitsberufe stark nachgefragt waren, zählten Informatik- und Bauberufe zu den grossen Verlierern. Angesichts dieser ungleichen Entwicklung könne nicht von einer Trendwende gesprochen werden, wie Adecco in einer Mitteilung schreibt. Es gebe aber Anzeichen einer verhaltenden Erholung am Schweizer Arbeitsmarkt.

HÖHERE GROSSHANDELSPREISE: Die Grosshandelspreise sind in der Schweiz im Juni erneut leicht gestiegen. Der Index der Produzenten- und Importpreise legte gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent auf 99,9 Punkte zu. Das ist der dritte Anstieg in Folge. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Preise indes um 1,0 Prozent zurück. Der leichte Anstieg im Juni ist vor allem auf die höheren Preise für Mineralölprodukte zurückzuführen. Einerseits sanken die Produzentenpreise, welche die Preisentwicklung der im Inland hergestellten Produkte zeigen, gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent. Grund dafür sind insbesondere die tieferen Preise für Schrott. Andererseits stiegen die Importpreise gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent. Teurer wurden vor allem Treibstoff, Erdöl und Erdgas sowie Heizöl. Mineralölprodukte schlugen gegenüber dem Vormonat um knapp 11 Prozent auf, sind aber immer noch um ein Fünftel günstiger als vor einem Jahr.

WACHSTUM: Der deutsche Fernbus-Anbieter Flixbus wird 2016 über eine Million Passagiere in die Schweiz und aus der Schweiz befördern, sagte Flixbus-Chef André Schwämmlein gegenüber der "Handelszeitung". Damit wachse der Markt Schweiz um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt werde die Firma dieses Jahr um 30 Millionen Fahrgäste befördern. Schwämmlein sieht die Schweiz im grenzüberschreitenden Verkehr "recht gut" mit Deutschland, Frankreich und Italien vernetzt. Neue Angebote gingen eher in Richtung Österreich und Osteuropa. In der Schweiz selbst will er die Fahrpläne für die bestehenden Destinationen verdichten. Und: "Es werden definitiv auch noch kleinere Städte hinzukommen", verspricht er.

ÜBERNAHME: Der Zahnimplantate-Hersteller Straumann will die Kontrolle über den südkoreanischen Implantathersteller MegaGen erlangen. Dazu üben die Basler ihr Wandlungsrecht und die Kaufoption aus, teilte Straumann mit. Im März 2014 hatte sich Straumann die Option gesichert, im Zusammenhang mit dem Kauf von MegaGen-Wandelanleihen über insgesamt 30 Millionen Dollar. Die Aktionäre von MegaGen hatten dem und einer entsprechenden Kapitalerhöhung zugestimmt. Gemäss den Bedingungen kann Straumann die Anleihe in MegaGen-Aktien wandeln. Um nun die Kontrolle über MegaGen zu erlangen, kann Straumann darüber hinaus auf eine Zusatzvereinbarung mit den Hauptaktionären zurückgreifen, durch die die Basler weitere Aktien erwerben können.

SCHWERER RÜCKSCHLAG: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ein Zulassungsantrag des Pharmaunternehmens Santhera für das Medikament Raxone zur Behandlung von Patienten mit rasch fortschreitendem Muskelschwund abgelehnt. Die Idee sei gewesen, eine vorläufige Zulassung für Patienten ohne Begleittherapie zu erhalten und diese dann auf Basis der Daten aus einer geplanten Studie zu erweitern, erklärte Konzernchef Thomas Meier gegenüber der Nachrichtenagentur AWP. Die FDA will dagegen zuerst die Studienresultate abwarten. Als Folge verloren die Aktien des Baselbieter Unternehmens am Donnerstag in einem freundlichen Gesamtmark 29 Prozent ihres Werts.

ANZIEHENDES GESCHÄFT: Das Verbindungstechnik- und Logistikunternehmen Bossard hat in der ersten Jahreshälfte Umsatz und Gewinn steigern können. Während im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr nur ein minimes Umsatzwachstum von 0,9 Prozent resultierte, waren es von April bis Juni 3,3 Prozent. Über das ganze Halbjahr verkaufte Bossard Waren und Dienstleistungen im Wert von 344 Millionen Franken, nach 336 Millionen im Vorjahr (+2,1 Prozent). Der Gewinn wuchs um 5,6 Prozent auf 31 Millionen Franken. Im mit Abstand wichtigsten Markt Europa legte der Umsatz um 4,4 Prozent zu, nicht zuletzt wegen der positiven Nachfrageentwicklung in der Schweiz. Weniger rosig lief es auf dem amerikanischen Kontinent, wo die Verkäufe um 0,9 Prozent schrumpften. Verantwortlich für den Rückgang ist der Landmaschinenhersteller John Deere, der weniger Waren bei Bossard bezog als im Vorjahr.

RÜGE DER AUFSICHT: Die Schweizer Börsenaufsicht spricht einen Verweis gegen Addex Therapeuticals aus. In Abschlüssen des Genfer Biopharmaunternehmens sind mehrere Fehler aufgetaucht. Am 29. April 2015 veröffentlichte Addex den Jahresabschluss 2014. Dabei unterliess es das Unternehmen ein abschlägiges Gerichtsurteil aus Frankreich offenzulegen. Dazu wäre Addex verpflichtet gewesen, denn das Urteil vom 9. März taxierten die Börsenaufseher als "wesentliches Ereignis nach dem Bilanzstichtag". Zudem sei die Offenlegung zu Vorsorgeverpflichtungen im Abschluss mangelhaft gewesen, schreibt die SIX Exchange Regulation in einer Mitteilung. Auch im Halbjahresabschluss 2015 gab es Unstimmigkeiten. So wurde unter anderem in der Erfolgsrechnung der Betriebsverlust wegen eines Rechenfehlers zu hoch ausgewiesen.

KEINE ÄNDERUNG: Die britische Notenbank hält trotz des Brexit-Votums überraschend am Leitzins fest. Die Währungshüter beliessen den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bei 0,5 Prozent. Die Finanzmärkte hatten sich fest auf eine Senkung eingestellt, mit der eine drohende wirtschaftliche Talfahrt abgefedert werden könnte. Einen solchen Schritt stellen die Notenbanker nun für August in Aussicht, wie aus den Protokollen der Sitzung hervorgeht. Dann nämlich liegen die neuen Konjunkturprognosen vor, die erste Hinweise auf die Auswirkung des Brexit-Entscheids auf die britische Wirtschaft liefern könnten.

VERFAHREN AUSGEWEITET: Die EU-Kommission nimmt in ihrem jahrelangen Wettbewerbsverfahren gegen Google erstmals auch das Kerngeschäft mit Onlinewerbung ins Visier. Der Vorwurf lautet auf unfairen Wettbewerb. Unter anderem schränke Google die Möglichkeiten von Unternehmen ein, auf ihren Websites Suchmaschinenwerbung von Google-Konkurrenten anzuzeigen, erklärte die Kommission. Es ist der dritte Bereich, in dem die Kommission Google unfairen Wettbewerb vorwirft und Änderungen fordert. In den ersten beiden Verfahren, die auf diese Eskalationsstufe kamen, geht es um Shopping-Angebote und das weltweit dominierende Betriebssystem Android. Auch das Werbegeschäft prüfen die Brüsseler Kartellwächter schon seit Jahren. Google wies die Vorwürfe wettbewerbswidrigen Verhaltens stets zurück. Rund 90 Prozent der Google-Umsätze von 74,5 Milliarden Dollar kamen im vergangenen Jahr aus dem Geschäft mit Onlinewerbung.

KEINE RÜCKZAHLUNGSPFLICHT: Deutschland hat die Pensionen von Postbeamten nicht unerlaubterweise mitfinanziert. So lautet das Urteil des EU-Gerichts. Die klagende EU-Kommission habe nicht nachgewiesen, dass der Deutschen Post dadurch ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten entstanden sei, urteilten die Luxemburger Richter. Die Einstufung der Gelder als unerlaubte Beihilfen durch die Brüsseler Behörde sei damit nicht rechtens. Die Luxemburger Richter erklärten deshalb den Beschluss der EU-Kommission für nichtig, in dem die Post aufgefordert wurde, einen Betrag zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro an den deutschen Staat zurückzuzahlen.

SPANIEN APPELLIERT AN EU: Spaniens Regierung hat an die Europäische Union appelliert, keine Strafen gegen das Land wegen eines überhöhten Haushaltsdefizits im Jahr 2015 zu verhängen. "Von Spanien geht keine Gefahr für die finanzielle Stabilität der Eurozone aus", heisst es in einem Schreiben des Wirtschaftsministeriums an die EU-Kommission. Spanien sei fest entschlossen, die Neuverschuldung im Jahr 2017 unter den zulässigen Höchstwert von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Eine Bestrafung des Landes wäre daher "kontraproduktiv". Die Regierung stellte der EU in Aussicht, die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer in diesem Jahr um sechs Milliarden Euro zu erhöhen. Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU hatten am Dienstag den Weg für Strafen gegen Spanien und Portugal wegen überhöhter Defizite geebnet.

NEIN ZU RÜCKRUFPLAN: Die kalifornische Umweltbehörde (Carb) hat den Rückrufplan von Volkswagen für rund 16'000 Drei-Liter-Diesel-Fahrzeuge als unzureichend abgelehnt. In einem Brief an den Autohersteller heisst es, der Plan sei unvollständig und weit davon entfernt, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. US-Kunden mit einem Diesel mit Zwei-Liter-Motor will VW mit bis zu 10'000 Dollar entschädigen. Dieselautos mit Drei-Liter-Motor sollen lediglich in die Werkstätten gerufen werden. Ein VW-Sprecher sagte, der Konzern müsse die Dokumente zunächst genau prüfen. VW hatte im September 2015 zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken des Konzerns eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm reduziert den Ausstoss von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests.

GM DROHT KLAGEWELLE: Der US-Autokonzern General Motors (GM) muss sich auf eine weitere Klagewelle wegen der Folgen defekter Zündschlösser einstellen. Ein Berufungsgericht in New York entschied, dass auch Klagen möglich sind, die sich auf die Zeit vor der Insolvenz des Konzerns im Jahr 2009 beziehen. Analysten zufolge könnten nun Entschädigungsforderungen bis zu zehn Milliarden Dollar auf GM zu kommen. Der New Yorker Gerichtsbeschluss kippt eine Entscheidung vom April 2015. Damals hatte Insolvenzrichter Robert Gerber erklärt, GM könne nicht für Defekte an Autos in Haftung genommen werden, die vom "alten" Konzern vor der Pleite und Neustrukturierung produziert worden waren. Das Berufungsgericht in New York befand nun, es gebe Hinweise, dass GM schon vor 2009 Informationen zum Zündschlossdefekt hatte.

JPMORGAN MIT MILLIARDENGEWINN: Die US-Grossbank JPMorgan fährt trotz der grossen Unsicherheiten auf den Finanzmärkten weiter Milliardengewinne ein. Im zweiten Quartal sank der Überschuss verglichen mit dem Vorjahreswert um gut ein Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar,. Analysten hatten mit einem schlechteren Ergebnis gerechnet - die Aktie kletterte vorbörslich zunächst um knapp zwei Prozent. Die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Bank - legten um 2,8 Prozent auf 25,2 Milliarden Dollar zu. Belastet wurde das Ergebnis von einer deutlich gestiegenen Risikovorsorge. Dabei machte sich erneut auch die schwierige Lage der amerikanischen Öl- und Gasindustrie bemerkbar. Wegen erhöhter Ausfallgefahr legte die Bank zudem mehr Geld für Kreditrisiken zurück.

GRIECHISCHE BAHN WIRD ITALIENISCH: Eine weitere Privatisierung ist in Griechenland unter Dach und Fach. Die griechischen Staatsbahnen TrainOSE gehen an die italienische Staatseisenbahn (Ferrovie Dello Stato Italiane). Ein Angebot von 45 Millionen Euro habe der Privatisierungsfonds angenommen, berichtete das griechische Fernsehen. Weitere Details sollten in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden. Ein seit Monaten erwartetes Angebot der russischen Eisenbahnen war bis zum Verstreichen der letzten Frist am vergangenen Mittwoch nicht in Athen eingegangen, hiess es aus Regierungskreisen. Die Privatisierungen sind wesentlicher Bestandteil des griechischen Spar- und Reformprogramms und Voraussetzung für weitere Hilfen der Gläubiger.

KRÄFTIGER KURSSPRUNG: Beim bisher grössten Tech-Börsengang des Jahres ist die Aktie des Kurzmitteilungsdienstes Line mit einem kräftigen Kurssprung gestartet. Das Papier gab seinen Einstand in New York am Donnerstag bei 42 Dollar, der Ausgabepreis von 3300 Yen war für die US-Börse auf 32,84 Dollar umgerechnet worden. Line hatte umgerechnet über eine Milliarde Euro eingenommen. Die Technologie-Branche erhofft sich von der Platzierung eine Signalwirkung: Das Klima für Internet-Börsengänge war in diesem Jahr bisher abgekühlt. Line gehört dem südkoreanischen Internet-Konzern Naver und hat nach jüngsten Zahlen von Ende März rund 218 Millionen aktive Nutzer im Monat. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt in Japan, Thailand, Taiwan und Indonesien.

ZERSTRITTENE GRÜNDER: Die Entwickler des futuristischen Verkehrsmittels Hyperloop versprechen Reisen in einer rasenden Kapsel mit einer Geschwindigkeit knapp unterhalb der Schallgrenze - doch momentan machen sie mit einem heftigen Streit Schlagzeilen. Einer der Mitgründer, Brogan Bambrogan, verklagt das Unternehmen und seinen ehemaligen Kompagnon Shervin Pishevar. Er wirft ihm Vetternwirtschaft vor. Pishevar soll den Anschuldigungen zufolge das Gehalt seiner Verlobten, einer ehemaligen Mediensprecherin, verdreifacht haben. Seinen kleinen Bruder Afshin habe er zum Chef der Rechtsabteilung gemacht. Hyperloop-Anwalt Orin Snyder nannte die Vorwürfe den "unglücklichen Versuch" eines Putsches. Er kündigte eine schnelle Klageerwiderung an.

HUNDE GEGEN GELDABFLUSS: Im Kampf gegen weitere Geldabflüsse aus dem hoch verschuldeten Griechenland setzen die Behörden jetzt auch auf tierische Hilfe: Spürhunde sollen an Grenzübergängen, Häfen und Flughäfen illegal ins Ausland transportiertes Bargeld erschnüffeln. Griechenland hatte Mitte 2015 Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um sein Finanzsystem zu stabilisieren und den angeschlagenen Banken etwas Luft zu verschaffen. Unter anderem dürfen griechische Reisende pro Auslandsaufenthalt seitdem höchstens 2000 Euro Bargeld mitnehmen. Weil viele Bürger dem Bankensystem des Landes aber nicht vertrauen, horten sie Geld oder versuchen, es ins Ausland zu schaffen.

KEIN POKÉMON IN AUSCHWITZ: Die Gedenkstätte Auschwitz hat die Macher der Smartphone-App "Pokémon Go" aufgefordert, das Gelände des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers aus dem Spiel zu entfernen. Damit hat das Museum auf Bilder der virtuellen Monster vor historischen Gedenktafeln reagiert. Diese waren in US-Medien veröffentlicht worden, wie Museumssprecher Bartosz Bartyzel der Nachrichtenagentur dpa sagte. "Wir gehen davon aus, dass die Bilder echt sind und es möglich ist, das Spiel auf dem Gelände des Museums Auschwitz-Birkenau zu spielen", sagte er. Die Spielehersteller hätten bereits reagiert, man sei in Kontakt, hiess es. Zum Stand der Gespräche wollte das Museum zunächst keine Angaben machen.

(AWP)