Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 15. Juli 2016
15.07.2016 17:58

GEWINNEINBRUCH BEI SWATCH: Der Rückgang der Touristenzahlen in Europa verhagelt das Ergebnis der Swatch Gruppe: Der Gewinn sei im ersten Halbjahr um gut die Hälfte eingebrochen, warnte der grösste Uhrenkonzern der Welt. Man rechnet mit einem Rückgang des Betriebs- und Konzerngewinns von 50 bis 60 Prozent im ersten Halbjahr. So litten die Verkäufe in wichtigen Märkten wie Hongkong und in Teilen Europas, insbesondere in Frankreich und in der Schweiz. Dadurch dürfte der Umsatz im ersten Semester um rund 12 Prozent sinken. In China hat sich dagegen das Geschäft positiv entwickelt. Allerdings ist der Verkaufsrückgang nicht die einzige Ursache für den Gewinneinbruch. Ein Grund ist auch, dass der Konzern kein Personal abbauen will, obwohl viele Bestellungen annulliert wurden. Anleger reagierten geschockt, weil die Swatch-Ergebnisse weit schlechter ausfielen als befürchtet. Die Aktie stürzte um 8 Prozent ab.

MARTULLO ERHÖHT ZIELE: Die von Magdalena Martullo geführte Ems-Gruppe ist im ersten Halbjahr 2016 sehr profitabel gewachsen. Dazu trugen ein deutlicher Fortschritt im Spezialitätengeschäft und unterproportional steigende Kosten bei. Der Konzern knackte beim Halbjahresumsatz erstmals die Milliarden-Grenze. Nach 966 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2015 waren es nun 1,002 Milliarden Franken. Das Betriebsergebnis (EBIT) stieg von 226 Millionen Franken auf den Rekordwert von 264 Millionen Franken. Das entspricht einer Steigerung um fast 17 Prozent. Für das Gesamtjahr hat der Konzern die Prognose etwas nach oben korrigiert: Das Unternehmen geht neu von einem Betriebsgewinn über dem Vorjahreswert aus, gemäss der Konzernchefin "im tiefen zweistelligen Prozentbereich".

NEUER BESITZER: Die Schweizer Flugzeugwartungsfirma SR Technics geht in chinesische Hand. Käufer ist der Mischkonzern HNA. Nach Swissport und Gategroup übernehmen die Chinesen damit bereits die dritte ehemalige Swissair-Tochter. Gemäss einer Mitteilung von SR Technics wird HNA Aviation künftig 80 Prozent des Aktienkapitals besitzen. Ein Kaufpreis wird nicht genannt. Der bisherige Alleinbesitzer von SR Technics, der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dabhi, behält einen Anteil von noch 20 Prozent und hat weiterhin Einsitz im Verwaltungsrat. Vor kurzem erst übernahm HNA für 1,4 Milliarden Franken die Mehrheit an der Schweizer Bordverpflegungsfirma Gategroup. Im vergangenen Jahr kaufte das Konglomerat zudem für 2,7 Milliarden Franken den Flugzeug- und Flughafendienstleiter Swissport.

69 STELLEN FALLEN WEG: Nach der Übernahme durch den deutschen Rewe-Konzern muss Kuoni Schweiz Federn lassen. In der Schweiz sollen 69 Stellen abgebaut werden. Grund dafür ist eine geplante Verlagerung des Marketing und Touroperating nach Deutschland. Beide Bereiche sollen teilweise nach Frankfurt verlagert werden, wo DER Touristik bereits heute für Fernreisen die Kataloge erstellt, Hotels und Flüge einkauft und die Portfolios der Touren festlegt. Dadurch könnten laut einem Sprecher Synergien genutzt werden. Zu wie vielen Entlassungen es kommen wird, ist noch unklar. Bis Ende Juli läuft die Konsultationsphase, in der die Mitarbeiter angehört werden. Kuoni Schweiz ist überzeugt, damit die Weichen richtig zu stellen. Mit dem neuen Kurs ist auch ein Wechsel an der Konzernspitze verbunden. Der bisherige Chef Marcel Bürgin wird von Dieter Zümpel abgelöst.

CHEF NIMMT DEN HUT: Beim Elektronikkomponenten-Hersteller Schaffner nimmt der langjährige Chef Alexander Hagemann per sofort den Hut. Beobachter bezeichnen den Abgang als "nicht gänzlich überraschend". Das Unternehmen hatte zuletzt mit Problemen zu kämpfen. Umsatz und Gewinn brachen ein. Schaffner zog die Sparschraube an. Doch offenbar fehlte manchem Investor der Glaube an eine rasche Besserung. Dazu habe beigetragen, dass Schaffner die eigenen Ziele mehrfach gesenkt habe, heisst es in einem Kommentar der Neuen Helvetischen Bank. Nun verlässt Hagemann die Firma. Er werde sich neuen Aufgaben ausserhalb des Unternehmens zuwenden, heisst es in einer Mitteilung. Den Chefposten übernimmt interimistisch Finanzchef Kurt Ledermann.

MIGROS BANK-GEWINN SINKT: Die Migros Bank hat im ersten Halbjahr 2016 mit 290,2 Mio. Franken einen um 2,4 Prozent geringeren Ertrag erwirtschaftet. Gesunken ist auch der Gewinn - um 5,8 Prozent auf 108,5 Mio. Franken. In einem schwierigen Marktumfeld habe sich die Migros Bank behauptet, schreibt das Geldinstitut in einer Mitteilung vom Freitag. Der Geschäftserfolg sank in den ersten sechs Monaten gegenüber der Vorjahresperiode um 4,9 Prozent auf 137,8 Mio. Franken. Bei der wichtigsten Ertragsquelle - dem Zinserfolg - resultierte in den ersten sechs Monaten ebenfalls ein Rückgang um 2,1 Prozent auf 223,0 Mio. Franken. Einen starken Einbruch verzeichnete die Bank beim Handelsgeschäft (-20 Prozent). Insgesamt ging der Geschäftsertrag gegenüber der Vorjahresperiode aber um 2,4 Prozent auf 290,2 Mio. Franken zurück.

JOBS GERETTET: Für die zahlungsunfähige Hightech-Knetmaschinenherstellerin LIST in Arisdorf BL, die im Mai ihre Bilanz deponiert hatte, ist ein Käufer gefunden worden. Dadurch kann rund die Hälfte der 70 Arbeitsplätze gerettet werden. Übernommen wird die LIST AG von der JMBT Beteiligungen AG. Diese Tochtergesellschaft der Jakob Müller-Gruppe im aargauischen Frick habe alle materiellen und immateriellen Werte der ehemaligen LIST AG erworben, heisst es in einer Mitteilung. Neben rund 30 Angestellten am ehemaligen Hauptsitz werden auch vier Mitarbeitende in ausländischen Märkten übernommen.

PILATUS EXPANDIERT IN USA: Der Flugzeugbauer Pilatus erweitert seine Niederlassung in Colorado um ein neues Fertigungs- und Servicewerk. Die Anlage dient ab 2018 der Produktion von PC-12-Flugzeugen und des neuen Jets PC-24. Die Zahl der Beschäftigten am Standort soll bis 2020 von 80 auf 140 steigen. Der Spatenstich für das neue 11'000 Quadratmeter grosse Hauptquartier für die Aktivitäten von Pilatus in Nord- und Südamerika erfolgte diese Woche. Wie viel Geld sich Pilatus das neue Werk kosten lässt, gab das Unternehmen nicht bekannt. Es würden keine Arbeitsplätze abgebaut, versicherte ein Sprecher auf Nachfrage. Pilatus ist seit 1996 in Broomfield mit der Tochtergesellschaft "Pilatus Business Aircraft" vertreten.

PK MIT POSITIVER RENDITE: Die Schweizer Pensionskassen haben im ersten Halbjahr eine positive Rendite von 1,17 Prozent erzielt. Nach dem Brexit-Votum fuhren sie im Juni jedoch eine Negativrendite von 0,26 Prozent ein. Dies zeigt der aktuelle Pensionskassenbarometer der UBS. Damit schlossen die Pensionskassen im Juni deutlich schlechter ab als in den drei Monaten davor. Positive Renditen verzeichneten sie im März (+1,05 Prozent), April (+0,84 Prozent) und Mai (+1,20 Prozent). Insgesamt ist jedoch ein Aufwärtstrend erkennbar, fielen die Renditen doch im Januar (-1,06 Prozent) und Februar (-0,63 Prozent) negativ aus.

KOOPERATION ABGESEGNET: Die EU-Kommission hat ihre Zustimmung zum neuen Gemeinschaftsunternehmen von Nestlé und dem britischen Glacéhersteller R&R gegeben. Der Wettbewerb auf dem europäischen Glacémarkt bleibe gewährleistet, teilte die Behörde mit. Das neue Joint Venture heisst Froneri und besteht unter anderem aus dem Glacégeschäft von Nestlé und jenem von R&R in Europa, dem Nahen Osten, Argentinien, Australien, Brasilien, den Philippinen und Südafrika. Gemäss früheren Angaben wird Froneri auf einen Jahresumsatz von rund 2,7 Milliarden Franken kommen. Nestlé und die Besitzerin von R&R, die französische Beteiligungsgesellschaft PAI, werden an Froneri je zur Hälfte beteiligt sein.

ZUSAMMENARBEIT GEFORDERT: EU-Ratspräsident Donald Tusk und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel werben für mehr Zusammenarbeit zwischen der EU und Asien. So sei eine viel engere Vernetzung der Transport- und Kommunikationswege zwischen den Kontinenten nötig, sagten sie auf dem ASEM-Gipfel. Tusk sagte zudem, Probleme wie der Antiterror-Kampf und der Klimawandel könnten nur gemeinsam bewältigt werden. Das Gipfeltreffen Asiens und Europas (ASEM) findet von Freitag bis Samstag in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator statt. Dort treffen sich Vertreter von 53 Ländern, die 60 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Auch Bundespräsident Johann Schneider-Ammann ist vor Ort.

WEITERHIN VIEL ARBEIT: Die 14. Verhandlungsrunde zum geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) ist mit einem klaren Bekenntnis zu einem umfassenden und ambitionierten Abkommen zu Ende gegangen. "Ein TTIP light ist nicht genug", sagte EU-Chefunterhändler Ignacio Garcia Bercero in Brüssel. Sein US-Kollege Dan Mullaney pflichtet dem bei. Allerdings sahen beide weiterhin viel Arbeit auf sich zukommen. "Wir befinden uns in einem fortgeschrittenen Stadium der Verhandlungen, aber natürlich bleibt noch viel zu tun", sagte Garcia Bercero. Konsolidierte Texte zu allen 30 Verhandlungskapitel lägen noch nicht auf dem Tisch. Das hatten die Partner eigentlich erreichen wollen, um die Verhandlungen wie geplant noch in diesem Jahr zu beenden. Letzteres sei jedoch immer noch möglich.

NEUER GROSSAKTIONÄR: Bei der Deutschen Bank redet Katar als Grossinvestor künftig mehr mit. Die Herrscherfamilie Al-Thani aus dem Golfstaat, die vor gut zwei Jahren eingestiegen war, hält über zwei Investmentgesellschaften inzwischen fast zehn Prozent an dem Institut und ist damit zum grössten Aktionär noch vor Blackrock aufgestiegen. Die Deutsche Bank machte die Aufstockung am Freitag publik - zusammen mit der Ankündigung, dass der Wirtschaftsanwalt Stefan Simon auf Wunsch Katars in den Verwaltungsrat einziehen soll. Der 46-Jährige gilt als Experte für Steuerthemen und Fragen der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) und ist Partner in der Bonner Kanzlei Flick Gocke Schaumburg.

US-SENAT SCHALTET SICH EIN: Die Folgen des tödlichen Unfalls mit dem umstrittenen Fahrassistenten "Autopilot" werden für Tesla-Chef Elon Musk immer unangenehmer. In einem in der Nacht auf Freitag veröffentlichten Brief verlangt Senator John Thune, der Vorsitzende der Kommission für Handel, Wissenschaft und Transport, von Tesla bis zum 29. Juli Informationen über Hintergründe des Unfalls. Thune unterstütze generell als Kommissionspräsident autonomes Fahren mit Blick auf Sicherheit und Mobilität, hiess es in dem Schreiben. Der technologische Fortschritt bringe die Chance, Unfallzahlen deutlich zu senken. Um dies zu erreichen, müssten Unternehmen die Kunden jedoch nicht nur über die Vorteile, sondern auch über die Grenzen solcher Systeme zu informieren.

EIN UNFALL WENIGER: Tesla scheint einen Unfall weniger mit seinem umstrittenen Fahrassistenten "Autopilot" gehabt zu haben als zuletzt gedacht. Bei einem Unfall im Bundesstaat Pennsylvania sei das System den Log-Dateien aus dem Fahrzeug zufolge ausgeschaltet gewesen, schrieb Tesla-Chef Elon Musk bei Twitter. "Mehr noch, der Crash hätte sich nicht ereignet, wenn es eingeschaltet gewesen wäre", schrieb er. Der Fahrer des Elektroautos hatte der Polizei nach bisherigen Informationen gesagt, er sei am 1. Juli mit "Autopilot" unterwegs gewesen, als der Wagen von der Strasse abkam und sich überschlug.

WACHSTUMSPROGNOSE GESENKT: Italiens Notenbank blickt skeptischer auf die Konjunktur des Landes. Wegen des Brexit-Votums senkten die Währungshüter am Freitag ihre Wachstumsprognose für 2016 auf knapp 1 Prozent. Im nächsten Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt dann um rund 1 Prozent steigen. Die Notenbank begründete ihren Schritt mit der Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen. Die Folgen dieses Referendums für die Wirtschaft seien zwar noch schwer zu berechnen, aber "es hat die Risiken spürbar erhöht".

WENIGER VERDIENT: Die US-Grossbanken schlagen sich im zweiten Quartal besser als erwartet. Nach JPMorgan präsentieren auch Citigroup und Wells Fargo solide Zahlen. Der Gewinn der Citigroup sackte im zweiten Quartal zwar um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf knapp 4 Milliarden Dollar ab. Das lag aber deutlich über den Erwartungen von Analysten. Konkurrent Wells Fargo verdiente unter dem Strich mit 5,6 Milliarden Dollar 2,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

FÜR ABWARTEN: Eine Zinserhöhung in den USA hat nach Ansicht führender Währungshüter angesichts der Nachwehen des britischen Brexit-Votums keine Eile. Der Chef des US-Notenbankablegers St. Louis, James Bullard, hält nur eine Anhebung in den nächsten Jahren für nötig. "Nach dem Brexit-Votum ist abwarten gefordert", fügte er am Donnerstag vor Reportern hinzu. Zuvor hatte sein Kollege an der Spitze der Zentralbankfiliale Atlanta, Dennis Lockhart, für eine "vorsichtige und geduldige Vorgehensweise" plädiert. Auch der Chef der Notenbank von Dallas, Robert Kaplan, hält dies für geboten. Die US-Notenbank Fed trifft sich Ende Juli zu ihrer nächsten Zinssitzung.

TIEFE TEUERUNGSRATE: Die Inflation in den USA bleibt vergleichsweise niedrig. Die Konsumentenpreise lagen im Juni um 1,0 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Die Teuerungsrate verharrte damit auf dem Mai-Wert und deutlich unter dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre von 1,7 Prozent. "Der Preisdruck fällt noch immer moderat aus", sagte Helaba-Experte Ralf Umlauf. Die US-Notenbank Federal Reserve strebt bei der Inflation eine Zielmarke von zwei Prozent an. Von Mai auf Juni verteuerten sich die Lebenshaltungskosten um 0,2 Prozent.

STEIGENDE PREISE: Die Preise in der Eurozone steigen wieder leicht. Die Jahresteuerung lag im Juni bei 0,1 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Damit wurde ein vorläufiger Wert bestätigt. In den vier vorangegangenen Monaten waren die Preise jeweils gefallen oder stabil geblieben. Trotz des Anstiegs im Juni ist die Europäische Zentralbank (EZB) noch weit von ihrem Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent entfernt. Diese hält die EZB für ideal für die Wirtschaftsentwicklung.

LÖSBARE PROBLEME: Die Schwierigkeiten italienischer Geldhäuser mit faulen Krediten können nach Einschätzung der EZB-Bankenaufsicht gelöst werden. Es gebe kein spezifisches oder landesweites Problem mit Italien, betroffen seien einige Institute, sagte EZB-Bankenwächter Ignazio Angeloni der italienischen Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore". "Das Problem der notleidenden Kredite kann bewältigt werden, sollte aber nicht unterschätzt werden," sagte Angeloni. Schätzungen zufolge sitzen italienische Geldhäuser auf Problemdarlehen im Volumen von 360 Milliarden Euro. Der Bankensektor des Landes hatte 2014 beim grossen EZB-Stresstest am schlechtesten abgeschnitten.

BÖRSENWERT VERDOPPELT: Der Hype um das neue Handy-Spiel "Pokémon Go" verhilft Nintendo zu einer nie dagewesenen Kursrally. Die Aktien des Videospiele-Anbieters stiegen am Freitag um zehn Prozent auf ein Sechs-Jahres-Hoch. Seit Markteinführung des Spiels vor etwa einer Woche hat sich der Börsenwert des Unternehmens auf aktuell umgerechnet etwa 37 Milliarden Franken fast verdoppelt. Das ist der stärkste Kursanstieg in der Firmengeschichte. Damit ist der Spielekonsolen-Anbieter zwei Mal so viel wert wie die Deutsche Bank.

(AWP)