Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 25. Juli 2016
25.07.2016 17:27

GEWINNSTEIGERUNG: Die Bankengruppe Julius Bär hat ein gutes Halbjahr hinter sich. Der Konzerngewinn fiel mit 362,1 Millionen Franken mehr als neunmal höher aus als im Vorjahr. Die verwalteten Vermögen nahmen um 3,9 Prozent auf 311,4 Milliarden Franken zu. Diese markante Verbesserung ist jedoch nicht primär das Resultat einer sprunghaften Verbesserung des Geschäftsverlaufs, sondern von Sondereffekten. So fiel im Vorhalbjahr eine Rückstellung von 326 Millionen Franken für die Beilegung des US-Steuerstreits an. Ohne diesen Effekt fällt das Ergebnis solide aus. Der bereinigte Gewinn stieg um 4,7 Prozent auf 402 Millionen Franken. Der Nettoneugeldzufluss betrug 5,5 Milliarden Franken nach 6,5 Milliarden Franken im Vorjahr.

ZUKAUF: Der Luzerner Nahrungsmittelkonzern Hochdorf will künftig Babynahrung direkt den Endkonsumenten verkaufen. Darum will das Unternehmen mit einem seiner grössten Kunden zusammengehen, der Pharmalys Laboratories. Dazu wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet. Zu finanziellen Details machte Hochdorf in einer Mitteilung keine Angaben. In einem nächsten Schritt werde ein Kaufvertrag verhandelt, heisst es. Geplant ist, dass Hochdorf die Mehrheit an Pharmalys erwirbt. Unter den Marken Primalac und Swisslac vermarktet Pharmalys Babynahrung respektive Babynahrung und Cerealien.

VERKAUF: Der Zementkonzern LafargeHolcim will seinen Anteil an Holcim Lanka an den thailändischen Konzern Siam City Cement verkaufen. Der Verkauf des Geschäfts in Sri Lanka ist ein weiterer Teil des Planes, Unternehmensteile im Wert von 3,5 Milliarden Franken zu veräussern. Für die Transaktion wird ein Unternehmenswert für Holcim Lanka von 400 Millionen Dollar zugrunde gelegt, wie aus einem Communiqué hervorgeht. Holcim Lanka gilt demnach als führender Zementhersteller des Landes. Den Erlös wird LafargeHolcim zur Tilgung von Schulden einsetzen.

ERNEUERUNG: Der Duty-Free-Detailhändler Dufry wird am Flughafen Zürich seine Läden rundum erneuern und noch bis mindestens 2028 am Flughafen präsent sein. Er hat seinen Lizenzvertrag mit dem Flughafen erneuert. Die Verlängerung um zehn Jahre beinhaltet die Erneuerung der Dufry-Geschäfte in den Zollfrei-Bereichen der Abflug- und der Ankunftshallen. Mit der Renovation der Läden in den nächsten zwei Jahren werde ein neues Shopkonzept eingeführt, das die Passagierströme verbessern solle, schrieb Dufry.

OPTIMISMUS: Über die Hälfte der Schweizer Finanzchefs geben sich in Sachen Konjunkturaussichten optimistisch. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte befragte im zweiten Quartal 115 Finanzchefs in der Schweiz. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren beurteilte mehr als die Hälfte von ihnen die Aussichten positiv. 49 Prozent gehen davon aus, dass sich die Geschäfte ihres Unternehmens in den kommenden zwölf Monaten positiv entwickeln. Rund jeder fünfte CFO gab sich in dieser Frage pessimistisch. Bei den Risiken wollen sich die meisten Befragten aber dennoch zurückhalten.

WENIGER PRIVATINVESTITIONEN: Die Ausgaben von Bauherren für Bauprojekte in der Schweiz sind 2015 gestiegen, um nominal 1,4 Prozent. Das ist weniger als 2014 und 2013, als die Zunahme je rund 3 Prozent betragen hatte. Private investierten erstmals seit Jahren weniger in Neubauten. Insgesamt stiegen die Investitionen im Hochbau gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent und diejenigen in Tiefbauprojekte um 2,1 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik mitteilte. Bund, Kantone und Gemeinden legten sowohl für Umbauten als auch für Neubauten mehr aus. Die Auslagen für öffentlichen Unterhalt hingegen sanken.

VERKAUF: Der Internet-Pionier Yahoo verliert nach langer Krise seine Eigenständigkeit. Für knapp fünf Milliarden Dollar geht das Kerngeschäft an den US-Telekomkonzern Verizon. Käufer Verizon sichert sich damit laut eigener Aussage einen relativ günstigen Deal. Analysten hatten den Wert der Internet- und E-Mail-Sparte von Yahoo zuletzt auf 6 bis 8 Milliarden Dollar geschätzt. Verizon hatte als der aussichtsreichste Bewerber gegolten. Verizon will Yahoo nun mit AOL zusammenlegen, um bei der Online-Werbung Google und Facebook besser konkurrenzieren zu können. Als Yahoo 1994 gegründet wurde, waren Google und Facebook noch nicht einmal in Planung.

DÄMPFER: Das Brexit-Votum dämpft die Auftragslage der Industrie auf der Insel. In einer Trend-Umfrage des Branchenverbandes CBI trübte sich das Barometer für die Auftragsbilanz der Unternehmen für Juli auf einen Wert von minus vier ein. Im Juni lag der Index bei minus zwei Punkten. Allerdings hatte sich der Indikator bereits in den Monaten vor dem Votum der Briten für einen EU-Austritt am 23. Juni eingetrübt. Zugleich blicken die Firmen skeptischer in die Zukunft.

BESTÄTIGUNG: Ryanair hält trotz des Brexit-Votums und Anschlägen in Europa an seiner Gewinnprognose fest. Der Überschuss werde im bis Ende März 2017 laufenden Geschäftsjahr um etwa 13 Prozent auf 1,38 bis 1,43 Milliarden Euro zulegen, stellte die irische Billigairline in Aussicht. Das wäre ein Rekordergebnis. Europas grösste Airline nach Passagierzahlen hat ihren wichtigsten Standort in Stansted im Umland von London. Auf den jüngsten Pfund-Verfall werde Ryanair ab dem Winterhalbjahr reagieren und Kapazitäten aus Grossbritannien abziehen. Verbindungen sollen aber nicht gestrichen werden.

ERHOLUNG: Gut eine Woche nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei ist die Talfahrt der Istanbuler Börse vorerst beendet. Der Leitindex stieg am Montag um 3,2 Prozent. In der Vorwoche hatte er allerdings mehr als 13 Prozent eingebüsst. Die türkische Währung erholte sich ebenfalls. Ein Dollar verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 3,0303 Lira, blieb damit aber in Reichweite seines Rekordhochs von 3,0955 Lira aus der vergangenen Woche. Nach Einschätzung eines HSBC-Anlagestrategen fusst die Entspannung an der Börse auf zwei Faktoren: Die Lage in der Türkei sei zwar labil, aber unter Kontrolle. Ausserdem sei das weltwirtschaftliche Umfeld positiv.

NIEDERLAGE: Beim weltgrössten Netzwerk-Ausrüster Ericsson sägen die Hauptaktionäre den umstrittenen Konzernchef Hans Vestberg ab. Vestberg habe sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilte der schwedische Konzern mit. Bis ein Nachfolger gefunden werde, übernehme Finanzchef Jan Frykhammar die Leitung des Unternehmens mit 115'000 Mitarbeitern. Die beiden grössten Aktionäre des Nokia-Rivalen, Investor AB und Industrivarden, bestätigten, dass der Führungswechsel auf ihren Druck hin über die Bühne ging. Die Ericsson-Papiere stiegen an der Börse Stockholm um bis zu 5,9 Prozent.

MOBILE LIEFERADRESSE: Die Deutsche Post weitet ihre Paketzustellung in einem gemeinsamen Modellversuch mit Smart aus. Besitzer des Kleinwagens können ihre Autos ab Herbst im Raum Stuttgart als mobile Lieferadresse für Paketsendungen nutzen. Werkzeug dafür ist eine speziell entwickelte App. Smart-Fahrer können bei einer Online-Bestellung ihr Auto als Empfängeradresse angeben. Steht das Fahrzeug in der Nähe der Wohnung, kommt der Paketbote zum Smart und erhält einen einmaligen, zeitlich begrenzten Zugang zum Auto. Der Bote kann das Paket im Kofferraum deponieren - oder Retoursendungen mitnehmen. Der Autobesitzer wird durch die App informiert, dass er seine Bestellung aus dem Kofferraum holen kann.

(AWP)