Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 27. Juli 2016
27.07.2016 17:17

ÜBERNAHME BELASTET GEWINN: Bei der Privatbankengruppe EFG International hat sich gegenüber der Vorjahresperiode im ersten Semester der Reingewinn mehr als halbiert. Er ist von 48 Millionen Franken auf 22,3 Millionen Franken gefallen. Der Gewinnrückgang ist vor allem auf Sonderkosten zurückzuführen. So verbuchte die Bank insgesamt 15 Millionen Franken für die Übernahme von BSI, für Rechtsstreitigkeiten, das Kostensenkungsprogramm und ein Rekrutierungsprogramm. Aber auch ohne diese Sondereffekte stand der Vermögensverwalter im Gegenwind. So drückten die Risikoscheu der Anleger und die ungünstigen Wechselkurse auf die Erträge. Dazu kam ein weiterer Verlust im Lebensversicherungsportfolio.

SOLIDER EINSTAND: Erfreulicher Start für den neuen Calida-Chef Reiner Pichler: Der Kleider- und Wäschehersteller konnte sich im ersten Halbjahr deutlich steigern. Calida steigerte von Januar bis Juni dem Umsatz um 6,4 Prozent auf 178,9 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn stieg um 42,2 Prozent auf 3,4 Millionen Franken. Unter dem Strich blieben 3,5 Millionen. Gut liefen im ersten Halbjahr vor allem die Verkäufe der Kernmarke Calida sowie der Gartenmöbel der Marke Lafuma. Calida leidet generell unter dem Einkaufstourismus und dem schwachen Konsum. Der Ausblick ist denn auch verhalten. Der Konzern geht davon aus den Gruppenumsatz über das ganze Jahr gegenüber dem Vorjahr lediglich zu halten. Damals setzte Calida 359 Millionen Franken um.

PROGNOSE ERHÖHT: Der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer baut mitten im Übernahmepoker um den US-Saatgutriesen Monsanto seinen Gewinn deutlich aus. Gleichzeitig wird die Prognose erhöht. Der bereinigte Betriebsgewinn (EBITDA) stieg im zweiten Quartal um 5,7 Prozent auf 3,05 Milliarden Euro. Unter dem Strich machte Bayer einen Gewinn von 1,38 Milliarden Euro, ein Plus von 18,6 Prozent. Der Umsatz sank währungsbedingt um 1,4 Prozent auf 11,83 Milliarden Euro, bereinigt ergab sich ein Plus von 2,3 Prozent. Dabei profitierte Bayer vor allem von einem starken Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Konzernchef Werner Baumann erwartet nun, dass der bereinigte operative Gewinn 2016 im oberen einstelligen Prozentbereich zulegen wird. Bislang war ein Zuwachs im mittleren einstelligen Prozentbereich geplant.

UNTER DACH UND FACH: Dem chinesischen Mischkonzern HNA wurden bis zum Ablauf der Nachfrist am 21. Juli 95,32 Prozent aller kotierten Aktien des Airline-Caterers Gategroup angedient. Der Vollzug der Übernahme soll bis Anfang Oktober abgeschlossen sein. Die Gategroup-Aktien werden wie angekündigt von der Schweizer Börse SIX dekotiert. Das teilte HNA am Mittwoch mit. In den Besitz der restlichen noch ausstehenden Aktien will Gategroup durch einen sogenannten Squeeze-out kommen, also durch den zwangsweisen Ausschluss von Minderheitsaktionären. Nach der Übernahme der ehemaligen Swissair-Tochter durch HNA sollen die Chinesen auch das Zepter im Verwaltungsrat von Gategroup übernehmen. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom kommenden Freitag (29. Juli) wird praktisch der ganze Verwaltungsrat ausgewechselt.

EINBRUCH: Die jüngsten Anschläge in Frankreich und die andauernden Streiks machen Air France-KLM zu schaffen. Der Umsatz sei im zweiten Quartal um 5,2 Prozent auf 6,22 Milliarden Euro gefallen. Zugleich warnte der Airline-Verbund vor weiteren Einbussen durch ausbleibende Touristen. Zuvor hatten sich bereits Easyjet und Lufthansa ähnlich geäussert. Trotz der schwierigen Aussichten kommen von Air France auch Erfolgsmeldungen. Dank Einsparungen sprang der Betriebsgewinn (Ebitda) um 30 Prozent auf 728 Millionen Euro in die Höhe.

ERHÖHUNG: Bayer steigert mitten im Übernahmepoker um den US-Saatgutriesen Monsanto seinen Gewinn überraschend deutlich und erhöht seine Ergebnisprognose. Im zweiten Quartal kletterte der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) vor allem dank des starken Geschäfts mit verschreibungspflichtigen Medikamenten um fast sechs Prozent auf 3,05 Milliarden Euro. Analysten hatten mit einer Stagnation des Betriebsgewinns gerechnet. Unter dem Strich machte Bayer einen Gewinn von 1,38 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als 18 Prozent. Der Umsatz sank um 1,4 Prozent auf 11,83 Milliarden Euro, währungsbereinigt ergab sich ein Plus von 2,3 Prozent. Der Konzernumsatz soll währungsbereinigt inklusive der Kunststofftochter Covestro im unteren einstelligen Prozentbereich auf 46 bis 47 Milliarden steigen. Zuvor war der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern noch von einem Plus auf über 47 Milliarden ausgegangen.

BESSERER UMSATZ: Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr ihr Geschäftsergebnis verbessert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern ohne Sonderfaktoren (Ebit bereinigt) lag nach Unternehmensangaben bei 1,007 Milliarden Euro, das sind 117 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg geringfügig um 0,2 Prozent auf 20,03 Milliarden Euro, teilte der bundeseigene Konzern am Mittwoch mit. Im Fernverkehr mit ICE und Intercity stieg die Zahl der Fahrten um 10,6 Prozent auf 66,7 Millionen. Bahnchef Rüdiger Grube sprach von "ersten wirtschaftlichen Erfolgen" des vor einem Jahr begonnenen Konzernumbaus.

MASSNAHMEN: Mit einem weiteren Konjunkturpaket über umgerechnet mehr als 240 Milliarden Euro will Japans Ministerpräsident Shinzo Abe der Wirtschaft auf die Sprünge helfen. Das vom Regierungschef in Aussicht gestellte Programm ist 70 Milliarden Euro grösser als ursprünglich erwartet. Es macht fast sechs Prozent der nach den USA und China drittgrössten Volkswirtschaft der Welt aus. Nächste Woche soll es geschnürt werden. Abes überraschend frühe Ankündigung setzt die Notenbank des asiatischen Landes unter Druck, bereits am Freitag ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

WELTHANDEL: Die Blockade in den Verhandlungen über die Zukunft der Doha-Runde bringen Roberto Azevedo nicht aus dem Konzept. Der WTO-Generalsekretär hat am Mittwoch in Genf angekündigt, dass er für eine zweite Amtszeit kandidieren will. Offiziell einreichen wird er seine Kandidatur mit Beginn des Bewerbungsverfahrens. Dieses dürfte an der nächsten Generalversammlung im Oktober anlaufen und bis Ende Jahr dauern.

(AWP)