Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 2. August 2016
02.08.2016 17:42

DETAILHANDEL IM KREBSGANG: Der Abwärtstrend hält an: Die Schweizer Detailhändler haben im Juni erneut weniger verkauft als ein Jahr zuvor. Die Umsätze sind weiterhin rückläufig. Im Juni 2016 nahmen sie im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat real, also bereinigt um Verkaufs- und Feiertagseffekte, um 3,9 Prozent ab. Nominal fielen sie gar um 4,6 Prozent. Damit reiht sich der Juni in einen Abwärtstrend, der sich bereits seit 2010 zeigt und der 2015 einen Tiefstpunkt erreicht hatte. Laut den Konjunkturforschern von Bakbasel nahmen die Detailhandelsumsätze zwischen 2010 und 2015 um insgesamt 0,4 Prozent ab. 2015 lag das Minus bei 2,3 Prozent. Für 2016 prognostiziert Bakbasel einen nominalen Umsatzrückgang von 0,8 Prozent.

BANKAKTIEN IM SINKFLUG: Die Aktien der beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS stehen weiterhin stark unter Druck. Bis Börsenschluss verlor die UBS-Aktie 6,1 Prozent, die CS-Papiere gingen 5,1 Prozent tiefer aus dem Handel. Händler sagten, die beiden Aktien holten die Einbussen der europäischen Konkurrenten nach. Am Vortag war der Bankenindex um 1,9 Prozent gefallen, nachdem am Freitag die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse eines Stresstests bei 52 Geldhäusern veröffentlicht hatte. Die Aktien der Credit Suisse werden zudem zusammen mit denen der Deutschen Bank im Stoxx Europe50-Index ersetzt.

SWISS MIT GEWINNEINBRUCH: Die Fluggesellschaft Swiss hat im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten. Der Betriebsgewinn auf Stufe Ebit sank von April bis Juni um 20 Prozent auf 131 Millionen Franken. Die Einnahmen stagnierten dagegen bei rund 1,2 Milliarden Franken. Für das erste Halbjahr reduzierte sich das operative Ergebnis um 28 Prozent auf 153 Millionen Franken. Die Einnahmen gingen im ersten Semester um 3 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Franken zurück. Einen Reingewinn weist die zum deutschen Lufthansa-Konzern gehörende Firma nicht aus. Als Hauptgründe für den Gewinneinbruch gibt die Swiss positive Einmaleffekte im Vorjahr an. Für das Gesamtjahr zeigt sich grösste Schweizer Fluggesellschaft infolge des anhaltend starken Frankens vorsichtig. Sie rechnet mit einem Ebit unter dem Vorjahresniveau von 453 Millionen Franken.

GEWINN HALBIERT: Beim Industriekonzern OC Oerlikon dominieren die negativen Vorzeichen. Der Konzerngewinn der ersten sechs Monate hat sich im Vergleich zur Vorjahresperiode gar halbiert. Dennoch behält der Konzern seinen Ausblick für das Gesamtjahr bei. Lichtblicke zeigen sich in der grössten Division der Oberflächenlösungen. Der Gewinn auf Stufe Ebitda steigerte sich im zweiten Quartal um 2,9 Prozent auf 71 Millionen Franken, im Halbjahr um 2,3 Prozent auf 133 Millionen Franken. Laut Strategie soll dieses Segment der Surface Solutions künftig das Haupttätigkeitsgebiet des Konzerns darstellen. Deshalb übernimmt Konzernchef Roland Fischer, der seit letztem März im Amt ist, mit sofortiger Wirkung zusätzlich die Rolle des CEO für dieses Segment.

EINIGUNG IN RECHTSSTREIT: Der Patentstreit zwischen dem Technologieunternehmen Kudelski und dem US-Giganten Apple ist vom Tisch. Kudelski hat mit Apple ein entsprechendes Lizenzabkommen abgeschlossen. Finanzielle Details nennt Kudelski in der Mitteilung vom Dienstag nicht. Mit dem Abkommen seien alle Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg geräumt. Kudelski ist auf Verschlüsselungssoftware spezialisiert und hat seit 2012 eine ganze Reihe von Patentprozessen gegen mehrere Technologiekonzerne am Laufen. Gegen Apple ist Kudelski unter anderem vorgegangen, weil der US-Konzern gegen Urheberrechte verstossen haben soll beim Betriebssystem iOS und dem iPhone.

GLKB MIT GEWINNEINBRUCH: Die Glarner Kantonalbank (GLKB) hat im ersten Halbjahr trotz höherem Betriebsertrag einen Einbruch des Reingewinns um 24,5 Prozent auf 8,6 Mio. Fr. hinnehmen müssen. Erstmals seit der Umwandlung in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft im 2010 musste die Bank Gewinnsteuern zahlen. Die Belastung durch die vollen Kapital- und Gewinnsteuern an Bund, Kanton und Gemeinden erhöhten den Steueraufwand um 1,4 Mio. Fr. auf 1,8 Mio. Franken. Das entspricht einer Steuerzunahme um 355 Prozent. Zum Wachstum beigetragen haben das Handelsgeschäft und neue Erträge aus Softwarelizenzierungen. Hingegen verbuchte die Bank in ihrem Hauptstandbein, dem Zinsengeschäft, sowie im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft Rückgänge.

LEICHTER RÜCKGANG: Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich im Juli eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) sank gegenüber dem Vormonat um 1,4 Zähler auf 50,1 Punkte, wie die Credit Suisse mitteilte. Damit notiere der PMI zwar den achten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, aber nur noch äusserst knapp.Die Credit Suisse erhebt den Index zusammen mit dem Einkäuferverband procure.ch. Ökonomen hatten einen leichten Rückgang des PMI auf 51,7 Zähler prognostiziert. Das vorausweisende KOF-Konjunkturbarometer hatte im Juli stabile Konjunkturaussichten signalisiert.

ABE LÄSST GELD REGNEN: Japan will mit einem riesigen Konjunkturpaket den Rückfall in eine Rezession verhindern. "Wir haben heute einen Entwurf für ein starkes Konjunkturpaket zusammengestellt, mit dem wir in die Zukunft investieren", sagte Ministerpräsident Shinzo Abe nach einer Kabinettsitzung in Tokio. Beschlossen wurden zusätzliche Ausgaben von umgerechnet 118 Milliarden Euro für Projekte auf allen staatlichen Ebenen. Sie sind Teil eines noch grösseren Programms über 240 Milliarden Euro (28,1 Billionen Yen), das sich auch aus privaten Geldern speist. Japans Notenbank hatte zudem kürzlich den Geldhahn ein Stück weiter geöffnet, um die seit Jahren schwächelnde Wirtschaft anzuschieben.

BAYERN VERKLAGT VW: Bayern wird Volkswagen wegen der Folgen des Diesel-Skandals auf Schadenersatz verklagen. Es gehe dabei um die Aktienkurs-Verluste, die dem bayerischen Pensionsfonds entstanden seien, sagte der bayerische Finanzminister Markus Söder in Nürnberg. Bayern ist das erste Bundesland, das im Zuge des Abgas-Affäre eine Klage ankündigt. Hintergrund der Klageentscheidung seien die massiven Wertverluste der VW-Aktien, nachdem der Diesel-Skandal im vergangenen September öffentlich bekannt wurde. Zwischenzeitlich hatte die VW-Vorzugsaktie mehr als 40 Prozent ihres Wertes verloren. Bayern hielt in Form eines milliardenschweren Pensionsfonds für die Landesbediensteten im September 2015 rund 58'000 Vorzugsaktien.

WENIGER ARBEITSLOSE: Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gefallen. Die Zahl der Menschen ohne Stelle fiel im Juli um knapp 84'000 auf 3,68 Millionen. Das ist der niedrigste Wert seit August 2009. Laut der spanischen Statistikbehörde lag die Arbeitslosenquote im zweiten Quartal bei 20 Prozent. Das war der niedrigste Wert seit fast sechs Jahren. Dennoch hat Spanien damit weiterhin die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Für die positive Entwicklung im Juli sorgte laut Arbeitsministerium vor allem der wichtige Tourismussektor. Hier seien gut 51'000 neue Stellen entstanden.

US-KONSUM ZIEHT AN: Die US-Amerikaner haben ihren Konsum im Juni gesteigert. Die Ausgaben dafür kletterten um 0,4 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet, nachdem die Konsumenten ihre Ausgaben im Mai um 0,4 Prozent ausgeweitet hatten. Der private Konsum in den USA steht für gut zwei Drittel der Wirtschaftskraft und entscheidet damit auch über das Wohl der Konjunktur. Die Arbeitslosenquote in den USA lag zuletzt bei 4,9 Prozent, womit die von der Notenbank angestrebte Vollbeschäftigung praktisch erreicht ist.

GESTUTZTE FLÜGEL: Der einwöchige Flugbegleiterstreik bei Air France hat die französische Fluggesellschaft nach eigener Einschätzung um die 90 Millionen Euro gekostet. 180'000 Kunden seien von Flugausfällen betroffen gewesen, sagte Air-France-Chef Frédéric Gagey am Dienstag, dem letzten Streiktag, im Sender France Info. Die Flugbegleiter hatten mitten in der Ferienzeit für sieben Tage ihre Arbeit niedergelegt, es geht um die Verlängerung eines Tarifvertrags.

BMW ÜBERRASCHT MIT GEWINNPLUS: Die hohe Nachfrage nach teuren Autos wie dem 7er oder den Geländewagen der X-Reihe haben BMW einen überraschend grossen Gewinnzuwachs beschert. In der Kernsparte Automobile kletterte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im zweiten Quartal um fast zwanzig Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Auch für 2016 bekräftigte der Konzern das Ziel, im Kerngeschäft eine Rendite zwischen acht und zehn Prozent zu erwirtschaften. Im zweiten Quartal verkaufte BMW gut 605'000 Fahrzeuge und fast 47'000 Motorräder. Das Konzernergebnis vor Steuern stieg um 8,4 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, der Umsatz um 4,5 Prozent auf gut 25 Milliarden.

PFIZER PROFITIERT VON ZUKAUF: Die Übernahme des Medizinprodukteherstellers Hospira und ein florierendes Geschäft mit neuen Arzneimitteln geben dem US-Pharmariesen Pfizer einen Schub. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um 11 Prozent auf knapp 13,2 Milliarden Dollar. Dabei verhinderten negative Wechselkurseffekte durch den starken Dollar ein noch grösseres Plus. Ohne den 16 Milliarden Dollar schweren Zukauf von Hospira, den Pfizer im vergangenen Herbst abgeschlossen hatte, wäre der Umsatz nur um vier Prozent gewachsen. Das bereinigte Ergebnis kletterte um elf Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Unter dem Strich sank der Gewinn jedoch wegen Restrukturierungskosten und Aufwendungen für Übernahmen um mehr als ein Fünftel auf rund zwei Milliarden Dollar.

STARKER DOLLAR SCHWÄCHT UMSATZ: Dem Pampers-Hersteller Procter & Gamble (P&G) machen das achte Quartal in Folge sinkende Umsätze zu schaffen. Die Erlöse gaben wegen des starken Dollar von April bis Juni um drei Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar nach. Zudem hätten sich die Verkäufe von kleineren Geschäftsbereichen negativ ausgewirkt, wie der US-Konsumgüterriese mitteilte. Den Reingewinn konnte das Unternehmen allerdings auf 1,95 Milliarden Dollar fast vervierfachen. Im Vorjahreszeitraum hatte der US-Konzern noch einen Milliardenbetrag wegen Problemen im Venezuela-Geschäft abgeschrieben.

UNTER DEN ERWARTUNGEN: Schwächelnde Einnahmen mit Halbleitern für Smartphones und Bezahlkarten bremsen das Wachstum von Infineon. Der deutsche Chiphersteller blieb im dritten Quartal in kleineren Teilbereichen und mit seiner Prognose für das Schlussquartal leicht hinter den Markterwartungen zurück. An der Börse gerieten die Papiere von Infineon unter Druck. Im dritten Quartal konnte Infineon den Umsatz binnen Jahresfrist um zwei Prozent auf 1,63 Milliarden Euro steigern. Der Reingewinn stieg von 180 auf 186 Millionen Euro.

UMSATZRÜCKGANG FÜR METRO: Für Metro entwickelt sich das Russland-Geschäft wegen des schwachen Rubel-Kurses immer mehr zum Bremsklotz. Der deutsche Handelskonzern mit Töchtern wie Media-Saturn verzeichnete im dritten Quartal seines Geschäftsjahres 2015/16 einen Umsatzrückgang von 2,7 Prozent auf 13,589 Milliarden Euro. Nach Sonderfaktoren stand sogar ein operativer Verlust (Ebit) von 36 Millionen Euro zu Buche. Negative Wechselkurseffekte belasteten den stark in Russland engagierten Konzern beim Ergebnis mit rund 25 Millionen Euro.

WENIGER TABLETS VERKAUFT: Die weltweite Nachfrage nach Tablet-Computern geht weiter zurück. Im zweiten Quartal seien rund 38,7 Millionen Exemplare verkauft worden, 12,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, erklärte das US-Marktforschungsunternehmen IDC. Einig sind sich die Experten, dass vor allem Modelle gefragt sind, die mit einer Tastatur verbunden werden können und dann einem Laptop ähneln. Weltweit hat im Wettstreit der Hersteller weiterhin der US-Technologiekonzern Apple die Nase vorn. Im vergangenen Quartal behauptete er laut IDC seine Spitzenposition mit 25,8 Prozent Marktanteil. Auf Platz zwei folgte demnach der Rivale Samsung aus Südkorea. Das am weitesten verbreitete Betriebssystem auf Tablets ist den Marktforschern zufolge Android von Google.

(AWP)