Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 5. August 2016
05.08.2016 17:23

POSITIVE ENTWICKLUNG: Der schweizerisch-französische Zementkonzern LafargeHolcim kann erste Früchte des Zusammenschlusses ernten. Der um Fusions- und Restrukturierungskosten bereinigte Betriebsgewinn (EBITDA) betrug im ersten Halbjahr 2,529 Milliarden Franken gegenüber 2,711 Milliarden in den ersten sechs Monaten 2015. Im zweiten Quartal zeigte der Konzern jedoch aufsteigende Tendenz. Von April bis Juni stieg der bereinigte Betriebsgewinn (EBITDA) auf vergleichbarer Basis um 6,0 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Mit den jüngsten Veräusserungen in Indien, Sri Lanka, China und Vietnam hat LafargeHolcim das Devestitionsziel von 3,5 Milliarden Franken in diesem Jahr bereits übertroffen. Bis Ende 2017 sollen weitere Unternehmensteile verkauft werden und weitere 1,5 Milliarden Franken in die Kasse spülen.

BETEILIGUNG VERKAUFT: Die Swisscom wird sich von ihrer Beteiligung an der italienischen Metroweb trennen und an die Hauptaktionärin Metroweb Italia verkaufen. Der Telekomanbieter hielt zuletzt über seine italienische Tochter Swisscom Italia einen Anteil von 10,6 Prozent. Der Kaufpreis liege bei rund 80 Millionen Euro und entspreche anteilsmässig dem Kaufpreis, den die italienische Elektrizitätsgesellschaft ENEL für den Kauf von 100 Prozent der Metroweb geboten habe, teilt die Swisscom mit. Der Verkauf des Anteils an Metroweb sei für diesen Herbst vorgesehen und abhängig von der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden.

UMSATZ GESTEIGERT: Die Kabelnetzbetreiberin UPC hat im zweiten Quartal 2016 den Umsatz in der Schweiz um 1,1 Prozent auf 340 Millionen Franken gesteigert. Deutlich zugelegt hat dabei erneut der Bereich Mobilfunk. Die Entwicklung der Kundenzahlen im Breitbanddienst, in der Festnetztelefonie und im Digitalfernsehen war dagegen rückläufig. Per Ende Juni verzeichnete UPC 56'000 Mobilfunk-Abonnemente. Dabei hat sich der Umsatz in diesem Geschäft im Vergleich zum Vorjahr auf 12,7 Millionen Franken mehr als vervierfacht. Im Vergleich zum ersten Quartal 2016 nahm die Zahl der Abonnemente um über 36 Prozent zu. Gegenüber der gleichen Vergleichsperiode reduzierten sich dagegen die Abonnemente im Breitbanddienst um 0,4 Prozent auf 744'000, in der Festnetztelefonie um 0,6 Prozent auf 498'000 und im Digitalfernsehen um 1,1 Prozent auf 1,26 Millionen.

REKORDE GEBROCHEN: Der Logistiktechnikanbieter Interroll hat wie vor rund drei Wochen bereits angekündigt im ersten Halbjahr 2016 den Gewinn sowie den Umsatz deutlich gesteigert. Der Umsatz stieg mit rund 9 Prozent auf 187,1 Millionen Franken auf einen Rekordwert. Dank des Wachstums sowie mit der Unterstützung von Produktivitätssteigerungen erhöhte sich der Betriebsgewinn (EBIT) um einen Viertel auf 22,0 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte eine Gewinnzunahme um 23 Prozent auf 12,8 Millionen Franken. Zudem hat das Tessiner Unternehmen, das Rollen, Komponenten, Antriebe und Module für die Fördertechnik, Lagertechnik und Automatisierung anbietet, so volle Auftragsbücher wie noch nie. Der Wert von 216,3 Millionen Franken entspricht einem organischen Wachstum von 4,8 Prozent.

KONKURRENZ ZUGELASSEN: Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat einem Nachahmerprodukt für Roches Tamiflu die Zulassung erteilt. Es handelt sich dabei um das erste Generikum von Roches Grippemittel. Für Roche bedeutet das, dass die Umsätze mit dem Mittel in absehbarer Zukunft einem erhöhten Wettbewerbsdruck ausgesetzt sein werden. Im Halbjahresbericht von Roche wurden die Tamiflu-Umsätze auf mehr als 400 Millionen Franken beziffert. Das Generikum wird vom indischen Unternehmen Natco Pharma zusammen mit dessen US-Marketingpartner Alvogen hergestellt.

UMSATZ UND GEWINN GESTEIGERT: Der Dentalbedarfhersteller Coltene hat im ersten Halbjahr 2016 Umsatz und Gewinn gesteigert. Der Umsatz liegt mit 75,6 Millionen Franken in der Berichtswährung um 3,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Dabei stiegen die Umsätze in den Regionen Europa, im Mittleren Osten sowie in Afrika (EMEA) und auch in Asien im hohen einstelligen Prozentbereich. In Nordamerika und noch stärker in Lateinamerika waren die Umsätze dagegen rückläufig. Beim Betriebsgewinn (EBIT) schlugen 9,0 Millionen Franken zu Buche und damit knapp 40 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2015. Den Reingewinn weist Coltene mit 7,2 Millionen Franken aus, was nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreswert bedeutet.

GEWINN GEHALTEN: Die Berner Kantonalbank (BEKB) hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von 55,4 Millionen Franken erzielt, etwa gleich viel wie im ersten Semester 2015. Die Bank spricht von einem soliden Ergebnis in historisch tiefem Zinsumfeld. Das Privat- und Firmenkundengeschäft sei weiter gewachsen, teilte die BEKB mit. Die Kundenausleihungen erhöhten sich demnach um 781 Mio Franken auf 21,5 Milliarden Franken. Bei den Kundendepots wurde ein Zufluss an Neugeldern von 110,1 Mio Franken erzielt. Die betreuten Vermögenswerte stiegen auf 20,9 Milliarden Franken. Der ausserordentliche Ertrag im ersten Halbjahr stamme grösstenteils aus Verkaufsgewinnen von Sachanlagen, schreibt die BEKB. Im Vorjahr hatte die Bank vom Verkauf der Anteile an der Fondsgesellschaft Swisscanto profitiert.

DEVISENBERG GESTIEGEN: Der Devisenberg der Schweizer Nationalbank (SNB) ist im Juli nochmals grösser geworden. Die Notenbank häufte im letzten Monat Devisen im Wert von etwa 6,3 Milliarden Franken an. Die Devisenreserven stiegen gemäss neuesten Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von rund 609 Milliarden Franken im Juni auf 615,35 Milliarden Franken im Juli. Devisenmarktinterventionen sind Teil der Strategie der SNB, den Franken zu schwächen. Ob und wie stark die SNB tatsächlich am Devisenmarkt interveniert hat, ist aus den Devisenreserven aber nicht herauszulesen, denn in den Zahlen sind Wertveränderungen berücksichtigt.

GESCHÄFTSLAGE GEBESSERT: Der Indikator für die Geschäftslage der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich hat im Juli leicht zugelegt. Das Barometer stieg gegenüber dem Vorquartal um 1,6 Punkte auf 8,9. Gegenüber dem Monat Juni verbesserte sich die Lagebeurteilung um 0,9 Punkte. Allerdings entwickelte sich die Geschäftslage in den einzelnen Wirtschaftsbereichen unterschiedlich. So hat sich die Situation bei den Firmen im Grosshandel deutlich gebessert. Auch im Dienstleistungsbereich schätzen die Anbieter ihre Geschäftslage wieder zuversichtlicher ein. Im Schweizer Baugewerbe veränderten sich die Einschätzungen gemäss der KOF nicht. Im Detailhandel und im Gastgewerbe kühlte sich das Barometer dagegen markant ab. Regional betrachtet entwickelte sich der Geschäftslageindikator im Juli für die Ostschweiz deutlich positiv.

KONTODATEN WEITERGEGEBEN: Die Steuerfahndung von Nordrhein-Westfalen hat 19 europäischen Ländern Pakete mit insgesamt mehr als 100'000 verdächtigen Kontodaten zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um Konten dieser Bürger bei Banken in Luxemburg und der Schweiz. Darunter seien viele Bürger aus Frankreich und Belgien, sagte der Finanzminister des deutschen Bundeslandes, Norbert Walter-Borjans, in Düsseldorf. Wie hoch die Gesamtsumme sei und bei wie vielen es sich tatsächlich um Steuerhinterziehung handle, könne noch nicht gesagt werden. Er habe aber eine Botschaft für Steuerhinterzieher: "Immer mehr Verstecke für ihr Schwarzgeld fliegen auf." Bereits im April hatte die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalens bekannt gegeben, verdächtige Kontodaten mit Guthaben von rund 100 Milliarden Schweizer Franken an 27 Staaten weitergeleitet zu haben.

WENIGER AUFTRÄGE: Eine schwache Nachfrage aus der Euro-Zone bremst überraschend das Neugeschäft der deutschen Industrie. Die Betriebe sammelten im Juni 0,4 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat. Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 0,6 Prozent gerechnet, nach plus 0,1 Prozent im Mai. "Trotz der robusten Stimmungslage zeigt sich, dass es der Industrie schwer fällt, Boden zu gewinnen", sagte der Chefökonom vom Bankhaus Lampe, Alexander Krüger. Mit Spannung erwarten Experten, ob sich in den Juli-Daten das Votum der Briten für einen EU-Austritt niederschlägt.

GEWINN GESCHRUMPFT: Unwetter, ein enttäuschendes Fondsgeschäft und Aufräumarbeiten in der Bilanz haben die Allianz im Frühjahr belastet. Unter dem Strich brach der Gewinn des grössten Versicherers Europas um 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro ein. Der Betriebsgewinn sank im Halbjahr um 10 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung sank im zweiten Quartal um 37 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. In der Lebens- und Krankenversicherung zog das Ergebnis dagegen um 18 Prozent an auf eine Milliarde Euro. Sorgenkind bleibt die Vermögensverwaltung. Hier schrumpfte das operative Ergebnis im zweiten Quartal um 1,4 Prozent auf 498 Millionen Euro.

GESCHWÄCHELT: Ladenschliessungen und schwächelnde Geschäfte in China und den USA haben den deutschen Modekonzern Hugo Boss im zweiten Quartal belastet. Der Reingewinn schmolz durch die hohen Belastungen auf 11 Millionen Euro zusammen. Das sind 84 Prozent weniger als im Vorjahr. Das operative Ergebnis verringerte sich um 13 Prozent auf 108 Millionen Euro. Der Umsatz sank zwischen April und Ende Juni um 4 Prozent auf 622 Millionen Euro.

KOSTENPFLICHTIG: Die verlustträchtige Fluglinie Air Berlin lässt sich Bier und Snacks an Bord künftig bezahlen. Noch in diesem Jahr müssen Passagiere auf Inland- und Europastrecken für Kaffee, Wasser, Bier und Snacks in den Maschinen Geld zahlen, wie eine Air-Berlin-Sprecherin sagte. Bislang waren die Leistungen im Flugpreis inbegriffen. "Wir folgen damit dem Trend in der Branche." Wann genau die Umstellung erfolgt und wie viel Geld die zweitgrösste deutsche Fluglinie damit spart, sei derzeit nicht klar.

GEWINN ZURÜCKGEGANGEN: Preisrückgänge für wichtige Produkte wie Zusatzstoffe für Tierfutter lassen beim deutschen Chemiekonzern Evonik Gewinn und Umsatz schrumpfen. Die Talfahrt verlangsamte sich aber gegenüber dem ersten Quartal. Der Umsatz sank im zweiten Quartal um sieben Prozent auf 3,258 Milliarden Euro, der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) brach um elf Prozent auf 585 Millionen Euro ein. Der Konzerngewinn nach Minderheiten sank von 418 auf 165 Millionen Euro. Dieser war im Vorjahr aber von einem Veräusserungsgewinn getrieben.

MILLIARDENVERLUSTE GESCHRIEBEN: Die krisengeplagte Royal Bank of Scotland (RBS) kommt nicht aus den roten Zahlen. Der Reinverlust belief sich in den ersten sechs Monaten auf 2,05 Milliarden Pfund (2,64 Milliarden Franken), nachdem es im Jahr zuvor minus 179 Millionen Pfund waren. Das Geldhaus, das immer wieder in Skandale verwickelt ist, verwies auf neue Rückstellungen zur Entschädigung von Kunden sowie hohe Restrukturierungskosten. An der Londoner Börse fielen RBS-Aktien daraufhin um rund vier Prozent. Das in der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut aus Edinburgh hat seit 2007 in keinem Gesamtjahr mehr einen Gewinn geschafft.

STELLEN GESCHAFFEN: In der US-Wirtschaft sind im Juli weit mehr Jobs entstanden als erwartet. Es wurden insgesamt 255'000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie das Arbeitsministerium in Washington bekanntgab. Volkswirte hatten mit lediglich 180'000 gerechnet. Zudem wurde das Stellenplus vom Juni um 5000 Jobs auf 292'000 nach oben revidiert. Die getrennt erhobene Arbeitslosenquote verharrte im Juli bei 4,9 Prozent. Insgesamt setzte sich somit der Aufwärtstrend fort. Auch die Löhne sind im Juli stärker gestiegen als erwartet. Die durchschnittlichen Stundenlöhne erhöhten sich zum Vormonat um 0,3 Prozent. Ökonomen hatten mit plus 0,2 Prozent gerechnet.

ZEHN-MONATS-HOCH: Das Handelsdefizit der USA ist im Juni auf den höchsten Stand seit August 2015 geklettert. Die Differenz zwischen Exporten und Importen lag bei 44,5 Milliarden Dollar und damit knapp neun Prozent über dem Niveau von Mai, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Grund dafür war, dass die Importe mit 1,9 Prozent stärker zunahmen als die Exporte mit 0,3 Prozent.

HACKER BELOHNT: Apple belohnt künftig ausgewählte Sicherheitsexperten und Hacker für die Entdeckung von Sicherheitslücken mit einer Prämien von bis zu 200'000 Dollar. Das kündigte der Sicherheitschef des Unternehmens, Ivan Krstic, auf einer Konferenz in Las Vegas an. Apple folgt damit Wettbewerbern wie Google und Microsoft, die schon seit längerer Zeit ein "Bug-Bounty"-Programm betreiben. Im Gegensatz zur Konkurrenz nimmt Apple im ersten Schritt aber nicht Einreichungen von allen Interessierten an, sondern beschränkt den Kreis der Experten auf diejenigen, die in der Vergangenheit bereits auf Fehler hingewiesen haben. Apple sei aber bereit, im Laufe des Programms weitere Experten hinzuzufügen.

ROTE ZAHLEN: Der kanadische Flugzeug- und Zug-Produzent Bombardier sieht sich trotz neuer Verluste auf Kurs zu einer Stabilisierung des Geschäfts. "Wir machen weiter gute Fortschritte bei unserem Sanierungsplan", sagte Bombardier-Chef Alain Bellemare. Der Verlust im zweiten Quartal fiel allerdings mit 490 Millionen Dollar höher aus als von Analysten erwartet. Ein Jahr zuvor hatte Bombardier noch einen Gewinn von 125 Millionen Dollar gemacht. Belastet wird die Firma durch die Kosten des zu Jahresbeginn verkündeten Sanierungsprogramms, das den Abbau von 7000 Stellen vorsieht. Ausgelöst hatte die Krise bei Bombardier die aus dem Ruder gelaufene Entwicklung eines Regionaljets.

AUS ABFÄLLEN: Der US-Autobauer Ford will aus den Abfällen der Tequilaproduktion bei Jose Cuervo in Mexiko Autoteile bauen. Denkbar wären etwa Kabelabdeckungen sowie Teile von Klimaanlagen und Aufbewahrungsfächer. Derzeit untersuchen Forscher die Widerstandsfähigkeit und die Hitzeresistenz des Materials. Tequila wird aus Agaven gewonnen. Dazu wird das Pflanzeninnere gegart und vermahlen. Danach wird der Saft herausgequetscht, der schliesslich zum Tequila destilliert wird. Rund 40 Prozent der Pflanzenteile werden nach Branchenangaben am Ende weggeworfen. Ford will die Fasern zu Bioplastik verarbeiten.

GEWINNEINBRUCH ERLITTEN: Der japanische Autozulieferer Takata hat wegen seines Airbag-Skandals einen Gewinneinbruch erlitten. Der Reingewinn sackte im vergangenen Quartal um ein Drittel auf umgerechnet 20,1 Millionen Franken ab. Vor allem eine Sonderbelastung von rund 32 Millionen Franken wegen Klagen in den USA habe das Ergebnis gedrückt, teilte das Unternehmen mit. Der Konzern hielt zwar an seiner Gewinnprognose für das Geschäftsjahr bis Ende März 2017 fest. Dabei sind aber Auswirkungen des Grossteils der Rückrufe wegen des Airbag-Defekts nicht einkalkuliert.

(AWP)