Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 9. August 2016
09.08.2016 17:33

ARBEITSMARKT: Bei 3,1 Prozent verharrte die Arbeitslosigkeit in der Schweiz im Juli im Vergleich zum Vormonat. Bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) waren Ende Juli 139'310 Arbeitslose gemeldet, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mitteilte. Das sind 183 Personen mehr als im Vormonat. Die im Jahresverlauf tiefste Arbeitslosigkeit im Sommer ist im Wesentlichen der Beschäftigung auf dem Bau und im Gastgewerbe und damit saisonalen Effekten zu verdanken. Im weiteren Verlauf bis Dezember wird die Arbeitslosigkeit nun wieder zunehmen. Bis Ende des Jahres rechnet das Seco mit rund 160'000 Arbeitslosen, also etwa 20'000 mehr als im Juli. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einer Arbeitslosenquote von 3,4 Prozent.

KEINE KAPITALERHÖHUNG: Die Credit Suisse benötigt nach Einschätzung von Bankchef Tidjane Thiam keine weitere Kapitalerhöhung. "Ich bin ein vorsichtiger Mann, daher würde ich nie etwas sagen wie: 'Wir müssen unser Kapital nicht erhöhen'", erklärte Thiam in einem Interview mit der Agentur Bloomberg. "Unter diesem Vorbehalt würde ich sagen, in den meisten vorhersehbaren Szenarien müssen wir unser Kapital nicht erhöhen." Thiam hatte den Chefsessel bei der zweitgrössten Schweizer Bank im Juli 2015 übernommen und im darauffolgenden Oktober einen Umbau eingeleitet - das kapitalintensive Investmentbanking wird verkleinert, das Vermögensverwaltungsgeschäft ausgebaut.

PHARMA: Die Berner Gesundheitsgruppe Galenica glänzt vor ihrer Grossübernahme in den USA und der geplanten Aufteilung in zwei eigenständige Unternehmen im ersten Halbjahr einmal mehr mit ausgezeichneten Zahlen. Im ersten Semester konnte der Gewinn um fast ein Viertel auf 194,6 Millionen Franken gesteigert werden. Auch der Umsatz legte deutlich zu. Er stieg um 12 Prozent auf 2,01 Milliarden Franken, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Operativ wuchs Galenica ebenfalls deutlich. Das Betriebsergebnis (EBIT) konnte um über ein Fünftel auf 241,3 Millionen Franken gesteigert werden. Besonders stark gewachsen ist Galenica in der Pharmasparte Vifor, aber auch das deutlich grössere Apotheken- und Logistik-Geschäft von Galenica Santé legte zu.

MEHR FLUGGÄSTE: Die Fluggesellschaft Swiss hat im Juli 2,9 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr befördert. Die angebotene Kapazität, gemessen in Sitzkilometern, stieg laut einer Mitteilung der Firma um 9,0 Prozent, während die verkauften Sitzkilometer im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent zulegten. Die Auslastung verringerte sich gegenüber Juli 2015 infolge des Kapazitätsausbaus um 1,8 Prozentpunkte auf durchschnittlich 87,9 Prozent. Bei der gesamten Lufthansa-Gruppe, zu der neben der Swiss etwa auch die Austrian Airlines gehört, stieg die Zahl der Passagiere im Juli um 1,8 Prozent auf rund 11,2 Millionen Fluggäste. Besonders augenfällig an den Verkehrszahlen der Lufthansa-Gruppe ist der Expansionskurs der Konzerntochter Eurowings, die mit einem Billigairline-Konzept am Markt auftritt. Die Zahl der Fluggäste im Juli legte um 12 Prozent auf 1,9 Millionen Passagiere zu.

ÜBERNAHME: Der Versicherer Mobiliar verstärkt sein digitales Geschäft weiter. Er übernimmt die Versicherungsgesellschaft SwissCaution mit Sitz im waadtländischen Bussigny. SwissCaution ist spezialisiert auf Mietkautionen ohne Bankdepot. Ein Kaufpreis wurde nicht mitgeteilt. Laut Mobiliar handelt es sich um eine weitere strategische Akquisition. Im März hatte Mobiliar nämlich bereits eine Beteiligung am Onlinemarktnetzwerk Scout24 gekauft. "Wir beabsichtigen, vom Know-how der beiden Unternehmen bei der Weiterentwicklung unseres eigenen Geschäftsmodells zu profitieren, insbesondere auf dem Gebiet vernetzter Ökosysteme", wird Markus Hongler, Konzernchef der Mobiliar, in der aktuellen Mitteilung zitiert. SwissCaution beschäftigt 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bietet seine Dienstleistungen ausschliesslich online an. Mit einem Prämienvolumen von mehr als 40 Millionen Franken und 180'000 Kunden ist SwissCaution laut Mitteilung Marktführer für Mietkautionen in der Schweiz. Die Transaktion soll im dritten Quartal vollzogen werden und muss noch von den Behörden genehmigt werden.

AUSVERKAUF BEI LOOSER: Die Industriegruppe Looser mit Sitz in Arbon sucht einen Käufer für ihre Beschichtungsgruppe. Künftig will sich das Unternehmen nämlich auf die zwei Geschäftsbereiche Industriedienstleistungen und Türen konzentrieren. Der Verkaufsprozess soll, wenn möglich bis Ende Jahr abgeschlossen werden. Damit will Looser seine Kräfte bündeln. Beide Bereiche seien strategisch gut positioniert, hätten eine ausgezeichnete Wettbewerbsposition und eine hohe Ertragskraft. Die Mittel aus dem Verkauf sollen laut Mitteilung für die Weiterentwicklung der beiden Segmente eingesetzt werden. Weitere Details zum geplanten Verkauf kündigt Looser für Mitte August an, wenn die Halbjahresergebnisse publiziert werden.

GEGEN WERBEBLOCKER: Facebook will künftig Werbeblocker technisch aushebeln. Zugleich kündigte das weltgrösste soziale Netzwerk neue Werkzeuge an, mit denen Nutzer selbst festlegen können, welche Anzeigen sie sehen wollen und welche nicht. Facebook-Manager Andrew Bosworth räumte in einem Blog-Beitrag ein, dass es derzeit viele schlechte Onlinewerbung gebe. Facebook wolle hier Abhilfe schaffen. Anwender bekämen erweiterte Werbeanzeigeneinstellungen zur Verfügung gestellt. Wenn Nutzer sich beispielsweise nicht für Katzen interessieren, sollten sie künftig auch keine Werbung für Katzenfutter mehr erhalten. Wie das Aushebeln der Werbesperren technisch funktionieren wird, teilte Facebook nicht mit. Werbeeinnahmen sind für Facebook die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Sie brachten dem Unternehmen im zweiten Quartal 6,2 Milliarden Dollar ein, 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

BESSER ALS ERWARTET: Die Münchener Rück hat im zweiten Quartal deutlich besser abgeschnitten als erwartet. Der Konzerngewinn lag zwar mit 974 Millionen Euro um neun Prozent unter Vorjahr, war aber doppelt so hoch wie von Analysten erwartet. "Mit unserem Halbjahresergebnis von 1,4 Milliarden Euro sind wir auf gutem Weg, unser Jahresziel von 2,3 Milliarden Euro zu erreichen", sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard und bezog sich damit auf den operativen Gewinn. Im zweiten Quartal profitierte der weltgrösste Rückversicherer zum einen von 340 Millionen Euro an Wechselkursgewinnen, zum anderen vom Verkauf von Kapitalanlagen, der 900 Millionen Euro Gewinn brachte. Damit liessen sich steigende Grossschäden wettmachen.

ÜBERNAHME: Der niederländische Personalvermittlungs-Konzern Randstad schluckt das US-Stellenportal Monster. Randstad werde für die Übernahme rund 429 Millionen Dollar oder 3,40 Dollar pro Aktie in bar bezahlen. Monster, das auch eine Online-Plattform in der Schweiz betreibt, werde unter der eigenen Marke weiterhin unabhängig am Markt aktiv sein, hiess es. Mit der Monster-Übernahme und anderen kleineren Zukäufen werde sich der Jahresumsatz von Randstad um rund zwei Milliarden Euro erhöhen.

STAATSFINANZEN: Spanien und Portugal müssen trotz erheblicher Verstösse gegen die europäischen Schuldenregeln keine Geldbussen zahlen. Für ein Veto gegen den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Straferlass sei nicht die notwendige Mehrheit zustande gekommen, teilte die Vertretung der EU-Staaten mit. Theoretisch hätten die anderen EU-Länder gegen Spanien und Portugal Geldbussen in Höhe von insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro verhängen können. Die EU-Kommission plädierte schon vor eineinhalb Wochen für einen Straferlass - unter anderem, um die EU-kritische Stimmung in den betroffenen Ländern nicht noch weiter anzuheizen.

(AWP)