Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 11. August 2016
11.08.2016 17:32

WEITERER GEWINNRÜCKGANG: Der Reingewinn des Zurich-Konzerns sank im zweiten Quartal um 12 Prozent auf rund 739 Millionen Dollar. Bereits für die Monate Januar bis März hatte die Versicherungsgruppe einen Gewinneinbruch um rund 30 Prozent auf 875 Millionen Dollar vermeldet. Somit reduzierte sich der Reingewinn für das erste Halbjahr um 22 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Dollar. Als Hauptursachen für diese Entwicklungen gibt die Gesellschaft niedrigere realisierte Kapitalgewinne, Restrukturierungskosten sowie einen höheren effektiven Steuersatz an. Die Gesamteinnahmen der Zurich-Gruppe stiegen allerdings im zweiten Quartal um 7 Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar, wobei sich allein die gebuchten Bruttobeiträge des unlängst akquirierten US-Agrarversicherers Rural Community Insurance Services (RCIS) im Quartal mit rund 1,1 Milliarden Dollar niederschlugen.

ÜBERRASCHEND VIEL GEWINN: Der Versicherer Swiss Life hat im ersten Halbjahr überraschend viel verdient. Der Reingewinn stieg um gut 1 Prozent auf 500 Mio. Franken. Erwartet worden war ein Gewinnrückgang. Das ist das beste Ergebnis seit der Finanzkrise von 2008. Damals hatte der Konzern wegen Verkäufen von Geschäften einen einmalig hohen Nettogewinn von 1,6 Mrd. Fr. erzielt. Im ersten Halbjahr 2016 legte der Betriebsgewinn um 5 Prozent auf 729 Mio. Fr. zu. Und dies, obwohl die Prämien um 8 Prozent auf 10,1 Mrd. Fr. schrumpften. Höchste Priorität hat die Profitabilität und Kapitaleffizienz. Gemäss dieser Strategie fährt die Swiss Life das Geschäft mit der traditionellen Lebensversicherung, das angesichts der tiefen Zinsen immer weniger Ertrag abwirft, zurück und setzt stärker auf die Vermögensverwaltung und das Dienstleistungsgeschäft. Hier hat die Swiss Life mehr verdient.

VERLUST: Die AFG Arbonia-Forster-Gruppe hat im ersten Halbjahr 2016 den Umsatz um 8 Prozent auf 459 Millionen Franken gesteigert. Währungs- und akquisitionsbereinigt ist das immer noch ein Plus 2,3 Prozent. Den Verlust konnte die Gruppe reduzieren. Der ausgewiesene Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA legte um 70 Prozent auf 27,3 Millionen Franken zu. Der EBIT verbesserte sich auf 5,7 Millionen nach einem Verlust von über 125 Millionen Franken im Vorjahr. Die um Sondereffekte bereinigten Werte liegen für den EBITDA bei 23,3 Millionen Franken und für den EBIT bei 4,2 Millionen Franken. Der Reinverlust schliesslich reduzierte sich auf 3,5 Millionen Franken von zuvor 132,6 Millionen Franken.

WEITER AUFWÄRTS II: Der Lagersystemhersteller Kardex hat im ersten Halbjahr beim Betriebsergebnis und beim Reingewinn zugelegt und damit an die bereits guten Vorjahresperioden angeknüpft. Der EBIT legte von von 15,7 Millionen Euro auf 18.0 Millionen Euro um starke 14,6 Prozent zu. Der Reingewinn liegt mit 13 Millionen Euro um 5,7 Prozent über der Vorjahresperiode. Und vor allem der starke Auftragseingang im ersten Halbjahr veranlassen die Gruppe zu einem positiven Ausblick auf das Gesamtjahr. Die Bestellungen legten um 13,5 Prozent auf 204,7 Millionen Euro zu und knackten damit erstmals in einem ersten Halbjahr die 200-Millionen Marke, wie das Unternehmen mitteilte.

WEITER AUFWÄRTS I: Nachdem das Westschweizer Industrieunternehmen LEM bereits für sein letzten Geschäftsjahr den zweithöchsten Reingewinn seiner Geschichte vermeldet hatte, geht es nun im ersten Quartal (April bis Juni) des laufenden Geschäftsjahres weiter aufwärts. LEM steigerte seinen Reingewinn im ersten Quartal um 21,3 Prozent auf 10,8 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) legte um 27,5 Prozent auf 13,4 Millionen Franken zu. Der Umsatz stieg um 8,7 Prozent auf 66,9 Millionen Franken, jeweils im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen mitteilte. Auch der Auftragseingang erhöhte sich um 7,2 Prozent auf 65,2 Millionen Franken.

LICHTBLICKE: Nach einem Abwärtstrend über mehrere Quartale scheint es beim Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach wieder aufwärts zu gehen: Das zweite Quartal präsentiert sich erstmals wieder besser als das erste des laufenden Geschäftsjahrs. Doch im Vergleich zum Vorjahr läuft es immer noch schlechter, wie der Stahlkonzern mitteilte. Das zeigte sich beim Umsatz und beim Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA. Das Konzernergebnis reduzierte sich im zweiten Quartal 2016 verglichen mit der Vorjahresperiode um 50 Prozent, von 4,8 Millionen Euro auf 2,4 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr zeigt sich Schmolz+Bickenbach verhalten optimistisch.

DURCHWACHSEN: Die Industrie- und Handelsgruppe Orell Füssli hat ihren Halbjahresgewinn zwar gesteigert. Auf Gruppenebene resultierte unter dem Strich ein Halbjahresergebnis von 4,8 Millionen Franken, im Vergleich zu 4,5 Millionen Franken in der Vorjahresperiode. Aber dazu beigetragen hat vor allem ein besseres Finanzergebnis. Der Umsatz ging auf Gruppenebene leicht zurück. Sorgen bereitet dem Unternehmen nach wie vor der Buchhandel. Und für das Geschäft mit neuen Banknoten bräuchte es weitere Notenbanken als neue Kunden. Für das Gesamtjahr geht Orell Füssli von einem leicht besseren Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr aus.

VERKAUFSVERBOT DROHT: Dem Pharmakonzern Novartis droht in Südkorea offenbar ein Verkaufsverbot für bestimmte Medikamente. Wie die "Financial Times" (FT) berichtet, würde dieses Verbot einige der gängigsten Mittel betreffen. Auslöser seien Bestechungsvorwürfe gegen einige Manager. Laut FT hat die südkoreanische Staatsanwaltschaft die Regierung ersucht, die Geschäfte des Pharmakonzerns im Land zu unterbrechen. Dies, nachdem sechs hochrangige Manager der südkoreanischen Tochter angeklagt wurden, illegale Rabatte in Höhe von bis zu 2,6 Milliarden Won, umgerechnet 2,3 Millionen Franken, angeboten zu haben. Insgesamt seien in der Angelegenheit 34 Personen angeklagt, heisst es in dem Bericht weiter. Bereits im Februar hatte es bei Novartis wegen des Verdachtes unzulässiger Preisnachlässe und Korruption in Südkorea in der Firmenzentrale der Tochtergesellschaft in Seoul eine Hausdurchsuchung gegeben.

BEDENKEN GEGEN FUSION: Die Wettbewerbshüter der EU haben konkrete Bedenken gegen den geplanten Zusammenschluss der US-Chemiekonzerne Dow Chemical und Dupont angemeldet. Nach einer ersten Untersuchung könnte sich die Fusion auf dem Markt für Pflanzenschutz-Mittel negativ auf Preise, Qualität, Auswahl und Innovationen auswirken, teilte die Brüsseler Behörde mit. Zudem würden auch in der Saatgut-Branche und im Bereich der Herstellung von sogenannten thermoplastischen Kunststoffen Einschränkungen des Wettbewerbs nicht ausgeschlossen. Wie die EU-Kommission schrieb, soll nun bis zum 20. Dezember eine eingehende Prüfung der Bedenken erfolgen. Wenn sie fortbestehen, könnte sie den Unternehmen Auflagen machen oder den Zusammenschluss untersagen. Die US-Chemiegiganten Dow Chemical und Dupont hatten ihre Fusionspläne Mitte Dezember öffentlich gemacht.

SICHERHEITSLÜCKE ENTDECKT: Ein weit verbreiteter Autoschlüssel von Volkswagen kann nach einer Untersuchung von Sicherheitsexperten geknackt werden. Wie Forscher der Universität von Birmingham berichteten, kann das Funksignal zum Öffnen oder Verschliessen eines Autos kopiert werden, während der Besitzer den Knopf auf dem Schlüssel drückt. Betroffen seien die meisten Modelle der VW-Marken Volkswagen, Audi, Skoda und Seat ab dem Baujahr 1995. Das wäre ein Grossteil von schätzungsweise 100 Millionen Fahrzeugen, die seither auf die Strasse rollen. Ein VW-Sprecher erklärte, die zuständige Fachabteilung des Konzerns sei mit den Wissenschaftlern in Kontakt. Deren Ergebnisse zeigten, dass die Sicherheitssysteme der bis zu 15 Jahre alten Fahrzeuge nicht das gleiche Sicherheitsniveau aufwiesen wie die aktuellen Fahrzeuge. Diese seien von dem geschilderten Problem nicht betroffen. Zur Zahl der Fahrzeuge mit dem entsprechenden Schlüssel machte der Konzern keine Angaben.

TRÜBE AUSSICHTEN: Der Ifo-Index für das Weltwirtschaftsklima ist auf den niedrigsten Wert seit über drei Jahren gefallen. Allgemein seien die Erwartungen an die weltwirtschaftliche Entwicklung deutlich negativer als im Vorquartal, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest in München. Der Index für das dritte Quartal sank um 4,5 auf 86,0 Punkte. Er liegt damit zehn Punkte unter dem langfristigen Durchschnitt. Vor allem in Europa - vor dem Hintergrund des Brexit-Votums - habe sich das Klima eingetrübt. Aber auch in Asien fiel der Index auf den niedrigsten Wert seit sieben Jahren. In Nordamerika liegt der Index nur noch knapp über dem langfristigen Mittelwert. In Lateinamerika und in Osteuropa hat sich das Wirtschaftsklima dagegen auf niedrigen Niveau aufgehellt. Die Experten rechnen mit einem Anstieg der langfristigen Zinsen und einem stärkeren Dollar im Laufe des zweiten Halbjahres.

ZAGHAFTE ERHOLUNG;: Russlands Wirtschaft ist von April bis Juni weiter geschrumpft - allerdings nicht mehr so stark wie zu Jahresbeginn. Das Bruttoinlandprodukt ging im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent zurück, wie das Statistikamt mitteilte. Im ersten Quartal hatte der Rückgang noch 1,2 Prozent betragen. Die russische Zentralbank hatte Anfang der Woche bereits nach anderthalb Jahren das Ende der Rezession ausgerufen - im Vergleich zum Vorquartal wuchs die Wirtschaft demnach von April bis Juni um bis zu 0,3 Prozent. Grund für die schwache russische Konjunktur sind die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten westlichen Sanktionen und der Preisverfall beim Öl. Präsident Wladimir Putin räumte jüngst ein, dass die russische Wirtschaft auch "systemische Probleme" habe.

HILFSPAKET: Der Internationale Währungsfonds (IWF) will Ägypten mit einem zwölf Milliarden Dollar schweren Kreditpaket unter die Arme greifen. Das Programm mit drei Jahren Laufzeit solle der Regierung unter anderem helfen, das Haushaltsdefizit und die Staatsschulden zu verringern, das Wachstum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen, sagte IWF-Delegationsleiter Chris Jarvis in Kairo. Ziel der Vereinbarung zwischen beiden Seiten sei es, die vom Parlament beschlossenen Wirtschaftsreformen voranzutreiben. "Ägypten ist ein starkes Land mit einem grossen Potenzial, aber es hat einige Probleme, die dringend behoben werden müssen", sagte Jarvis. Der Einigung auf Arbeitsebene muss noch die IWF-Führung zustimmen.

WACHSTUM: Die Deutsche Telekom verdient weiter am Erfolgskurs der amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile US. Das Betriebsergebnis ist im zweiten Quartal um neun Prozent auf knapp 5,5 Milliarden Euro gestiegen. Der Umsatz zog um gut zwei Prozent auf 17,8 Milliarden Euro an. T-Mobile US befindet sich dank Milliarden-Anschubfinanzierung aus Deutschland seit Jahren auf der Erfolgsspur. Im jüngsten Quartal lockte die Firma 1,9 Millionen neue Nutzer und zählte damit insgesamt 69 Millionen Kunden.

GEWINNPLUS: Dank Einsparungen und neuer Kunden hat Europas grösster Modehändler Zalando im zweiten Quartal einen Gewinnsprung hingelegt. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) stieg von April bis Juni auf fast 81 Millionen Euro nach 30 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse kletterten um rund ein Viertel auf etwa 916 Millionen Euro. Seit dem zweiten Quartal 2015 gewann Zalando 2,4 Millionen Kunden hinzu auf nunmehr 18,8 Millionen.

EINIGUNG MIT PRODUZENTEN: Der Irak hat die Weichen für eine erhebliche Erhöhung seiner Ölproduktion gestellt. Die Konzerne BP, Shell und Lukoil sagten nach Angaben von Regierungsvertretern zu, nach monatelangem Stillstand wieder in die Entwicklung von grossen Ölfeldern zu investieren. Damit dürfte der zweitgrösste Produzent in der Opec nach Saudi-Arabien 2017 zwischen 250'000 und 350'000 Barrel pro Tag zusätzlich fördern. Derzeit sind es etwa 4,6 Millionen Fässer täglich. Damit könnte sich die Ölschwemme noch ausweiten. Die Internationale Energieagentur IEA geht jedoch davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2016 keine Überversorgung geben wird. Für 2017 erwartet sie, dass weltweit die Nachfrage etwas langsamer wächst als dieses Jahr.

ANGST: Nach der Anschlagsserie und dem Militärputsch im wichtigen Urlaubsland Türkei schraubt TUI seine Umsatzprognose nach unten. Die Erlöse werden im Geschäftsjahr nun nur noch um bis zu drei Prozent statt bislang mehr als fünf Prozent wachsen. Das TUI-Geschäftsjahr läuft bis Ende September. Insgesamt lasteten einige Unruheherde - neben der Türkei etwa auch Nordafrika - auf den Geschäften im dritten Quartal, weshalb der Umsatz um sechs Prozent auf 4,6 Milliarden Euro schrumpfte.

FILIALEN WEG: Die US-Kaufhauskette Macy's macht nach einem erneuten deutlichen Umsatzrückgang 100 weitere Filialen zu. Im zweiten Geschäftsquartal schrumpften der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreswert um vier Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen mitteilte. Der Gewinn brach von 217 auf 11 Millionen Dollar ein. Macy's leidet wie die gesamte Branche der klassischen Detailhändler immer stärker unter der verschärften Online-Konkurrenz durch Rivalen wie Amazon. Der Konzern, zu dem auch die Luxuskette Bloomingdale's gehört, hält schon länger mit Stellenabbau und Filialschliessungen dagegen. Nun kündigte Macy's an, weitere etwa 100 seiner 728 Geschäfte dicht zu machen. Man wolle versuchen, den betroffenen Mitarbeitern Stellen in nahe gelegenen Filialen anzubieten.

(AWP)