Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 12. August 2016
12.08.2016 17:31

HOHE GEWINNSTEIGERUNG: Operative Verbesserungen, eine gute Kapazitätsauslastung sowie Mehrverkäufe von profitableren Produkten haben im ersten Semester zu einer markanten Gewinnsteigerung beim Urner Industriekonzern Dätwyler geführt. Zudem gaben günstigere Rohmaterialpreise und Währungsgewinne etwas Rückenwind bei der Profitabilität. So stieg der Reingewinn im ersten Halbjahr um rund 34 Prozent auf 56,6 Millionen Franken. Das operative Ergebnis auf Stufe Ebit legte um rund 21 Prozent auf 81,7 Millionen Franken zu. Dätwyler steigerte damit in den ersten sechs Monaten seine Betriebsgewinnmarge um 1,6 Prozentpunkte auf 13,2 Prozent. Der Konzernumsatz erhöhte sich um 7,3 Prozent auf 621 Millionen Franken. Auch für das Gesamtjahr sowie 2017 zeigte sich das Management um Konzernchef Paul Hälg sehr zuversichtlich. Die Dätwyler-Papiere legten am Freitag an der Börse deutlich zu.

DICKER FISCH: Schindler hat einen weiteren Grossauftrag an Land gezogen. Der Luzerner Lift- und Rolltreppenhersteller hat abermals einen Zuschlag für die Infrastrukturerneuerung des Nahverkehrssystems in der US-Grossstadt Atlanta im Bundesstaat Georgia erhalten Der Vertrag, der über zehn Jahre läuft, umfasst die Modernisierung und den Unterhalt von 109 Aufzügen und 116 Fahrtreppen in 38 Bahnstationen der "Metropolitan Atlanta Rapid Transit Authority (MARTA)", wie Schindler mitteilte. Atlanta ist für Schindler kein Neukunde. Der Schweizer Industriebetrieb arbeitet bereits seit drei Jahrzehnten mit MARTA zusammen. Die letzte Modernisierung wurde 2011 fertiggestellt, wie eine Schindler-Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Finanzielle Angaben zum neuerlichen Deal werden nicht gemacht.

ZUSAMMENLEGUNG: Der Energiekonzern BKW legt den Betrieb seiner Tochtergesellschaften AEK und Onyx zusammen. Dies sei keine Kostensparübung, versicherte BKW-Chefin Suzanne Thoma. Der Fokus liege auf der Weiterentwicklung der beiden Unternehmen und nicht auf einem Personalabbau und Einsparungen. Die beiden Energiedienstleister und -versorger sind ähnlich gross und geografisch nahe beieinander, AEK in Solothurn, Onyx in Langenthal BE. Die Unternehmen gründen nun eine Betriebsgesellschaft, mit der ab November der Markt künftig gemeinsam bearbeitet werden soll. Die Mitarbeiter werden im neuen Unternehmen zusammengeführt. AEK hat 245 Mitarbeiter, während Onyx 100 Personen beschäftigt. Doppelspurigkeiten gibt es höheren Management und im Stabsbereich. Um wie viele Stellen es da geht, ist noch zu früh zu sagen. Beim Gros der Mitarbeiter sind keine Entlassungen geplant.

WENIG EUPHORIE: Beim Mischkonzern Conzzeta, zu dem auch die Outdoor-Marke Mammut gehört, lag im ersten Halbjahr der Umsatz von 524,6 Millionen Franken um 3,5 Prozent tiefer als in der Vorjahresperiode. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT von 26,2 Millionen Franken reichte bei Weitem nicht an das Vorjahresresultat, auch, weil die Immobiliensparte zwischenzeitlich verkauft wurde. Der Reingewinn ist mit 20,9 Millionen Franken auf Vorjahresniveau, jedoch weniger wegen der operativen Leistungen, sondern weil Conzzeta im Vergleich zur Vorjahresperiode ein besseres Finanzergebnis erzielt hat und weniger Steuern zahlte. Die einzelnen Segmente entwickelten sich unterschiedlich.

UNBEGRÜNDETE VORWÜRFE: Novartis kann einen Fall von Bestechungsvorwürfen in der Türkei abhaken. Nach Angaben des Basler Pharmakonzerns gibt es keine entsprechenden Ermittlungen der türkischen Justiz. Alle kürzlich öffentlich und anonym publizierten Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Novartis-Tochter in der Türkei seien unbegründet, sagte eine Unternehmenssprecherin der Nachrichtenagentur sda. Dies hätten gründliche interne und externe Untersuchungen ergeben. Anfang April gab es Berichte türkischer Medien, wonach der leitende Staatsanwalt Ermittlungen gegen die türkische Tochter des Medikamentenherstellers eingeleitet habe. Die Auslöser dafür waren Vorwürfe, Novartis habe sich durch Schmiergeldzahlungen Geschäftsvorteile verschafft.

TEMPO HALBIERT: Die Wirtschaft in der Euro-Zone hat ihr Wachstumstempo im Frühjahr halbiert. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) legte in den 19 Ländern des Währungsraums im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Damit wurde eine erste Schätzung von Ende Juli bestätigt. Noch zu Jahresanfang lag das Plus bei 0,6 Prozent. Die deutsche Wirtschaft wuchs mit 0,4 Prozent stärker als der Euro-Raum. Italiens BIP stagnierte hingegen ebenso wie die Wirtschaftsleistung Frankreichs. In Spanien legte die Wirtschaft um 0,7 Prozent zu, in den Niederlanden immerhin um 0,6 Prozent.

FRISCHES GELD: Mehr als vier Monate nach der Einigung auf die Übernahme des japanischen Elektronikkonzerns Sharp durch den taiwanischen Apple-Zulieferer Foxconn haben die chinesischen Kartellbehörden grünes Licht gegeben. Damit hat Sharp nun Zugriff auf das Geld von Foxconn. Der Mutterkonzern von Foxconn, Hon Hai, zahlt 388 Milliarden Yen (3,7 Milliarden Franken) für einen 66-Prozent-Anteil an Sharp. Zudem habe Sharp die Zusicherung neuer Kredite in Höhe von 300 Milliarden Yen erhalten, teilte das Unternehmen mit. Mit der Mehrheits-Übernahme wird erstmals ein grosser japanischer Elektronikkonzern Teil eines ausländischen Unternehmens. Konzernchef Kozo Takahashi trat zurück, zu seinem Nachfolger soll am Samstag Tai Jeng-wu gewählt werden, ein Vertrauter von Hon-Hai-Chef Terry Gou.

SCHWARZE ZAHLEN: Der japanische Elektronikkonzern Toshiba hat dank massiver Sanierungsmassnahmen erstmals seit sechs Quartalen wieder schwarze Zahlen geschrieben. Im Zeitraum April bis Juni erzielte das von einem milliardenschweren Bilanzskandal gebeutelte Unternehmen einen operativen Gewinn von umgerechnet etwa 192 Millionen Franken (20,1 Milliarden Yen) nach einem Verlust von 62 Millionen Franken vor einem Jahr. Für das bis März 2017 laufende Geschäftsjahr strebt Toshiba weiterhin einen Gewinn von etwa 1,1 Milliarden Franken an. Vergangenes Jahr hatte das Firmenkonglomerat noch ein Minus von 6,5 Milliarden Franken verbucht.

START-UP-KAUF: Anderen Leute beim Spielen von Videospielen zuzuschauen, ist ein Riesentrend - davon will auch Microsoft profitieren. Der Technologiekonzern kauft das Start-up Beam, das sich auf dieses Hobby spezialisiert hat. Wie viel Geld für die Übernahme fliesst, teilte Microsoft nicht mit. Beam ging mit seinem Angebot erst im Januar an den Start und hat bereits mehr als 100'000 Nutzer. Sie können anderen beim Spielen zuschauen, aber auch selbst eingreifen. Zum Beispiel können sie den Spielern Missionen aufgeben und Feinde gegenüberstellen sowie Ausrüstungsgegenstände bereitstellen. Der Markt des Live-Streamings von Videospielaktivitäten wächst derzeit rasant. Bekannte Plattformen sind Twitch und YouTube Gaming. Twitch war im Jahr 2014 vom Onlinehändler Amazon gekauft wurden - für fast eine Milliarde Dollar. YouTube Gaming gehört zur Google-Mutter Alphabet.

STAGNIERENDER DETAILHANDEL: Die Umsätze der US-Detailhändler haben im Juli überraschend stagniert. Die Einnahmen verharrten auf dem Vormonatsniveau, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Amerikanerinnen und Amerikaner hielten sich im Juli insbesondere beim Kauf von Kleidung und Nahrungsmitteln zurück. Autos und Möbel wurden hingegen stärker nachgefragt. Auch im klassischen Detailhandel - also bereinigt um den Verkauf von Fahrzeugen, Benzin, Baumaterialien und Lebensmitteln - stagnierten die Erlöse.

ERMAHNUNG: Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigt China wirtschaftliche Fortschritte, mahnt aber in deutlicher Form tiefgehende Reformen an. Sorgen bereitet dem IWF vor allem das sich weiter abschwächende Wachstum in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. In seinen in Washington vorgelegten Empfehlungen zum Abschluss der Artikel-IV-Konsultationen empfiehlt der IWF Peking nachdrücklich Massnahmen zu einem ausgeglichenerem, nachhaltigerem Wachstum. Der IWF lobt China aber auch ausdrücklich für "eindrucksvolle Fortschritte im Bereich vieler Strukturreformen", namentlich bei einer Liberalisierung der Zinssätze und der Urbanisierung des Landes.

ENTTÄUSCHUNG: Neue Konjunkturdaten aus China deuten darauf hin, dass die ins Stocken geratene Wirtschaft des Landes die Talsohle noch nicht erreicht hat. Wie neueste Daten des Statistikamtes am Freitag zeigten, fiel das Wachstum bei den Anlageinvestitionen auf den niedrigsten Stand seit mehr als 16 Jahren. Zudem legte das Produktionswachstum der Industriebetriebe im Juli nur noch um 6 Prozent zu. Es fiel damit geringer aus, als Experten erwartet hatten. Hinter den Erwartungen von Analysten blieben auch die Umsätze des Detailhandels zurück, die um 10,2 Prozent zulegten. Die chinesische Regierung peilt für 2016 einen Anstieg des Bruttoinlandprodukts zwischen 6,5 und 7,0 Prozent an.

ANHALTENDE FLAUTE: Der weltgrössten Containerreederei A.P. Moller-Maersk setzt die Branchenkrise weiterhin stark zu. Im zweiten Quartal ist der Gewinn zum Vorjahr um 90 Prozent auf 101 Millionen Dollar eingebrochen. Die Containerschifffahrt steckt seit acht Jahren in einer tiefen Krise. Sie leidet unter Überkapazitäten und sinkenden Frachtpreisen. Maersk kämpft um seinen Spitzenplatz in der Branche, denn immer mehr Reedereien schliessen sich zusammen oder bilden Allianzen, um die Kosten zu drücken. Bei Maersk trugen laut Konzernchef Skou gesenkte Kosten und "betriebliche Optimierungen" erheblich dazu bei, die "negativen Marktbedingungen" abzufedern. Der operative Gewinn fiel im zweiten Quartal höher aus als erwartet. Doch die Reederei-Sparte, die der grösste Geschäftsbereich des auch im Ölgeschäft tätigen Konzerns ist, machte einen Verlust von 151 Millionen Dollar.

(AWP)