Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 15. August 2016
15.08.2016 17:31

TOURISMUSFLAUTE: Die im Tourismus sowie als Immobilienentwickler tätige Orascom Development Holding ist auch im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres in der Verlustzone steckengeblieben. Nach einem Fehlbetrag von rund 32 Millionen Franken im ersten Quartal betrug der Verlust von April bis Juni rund 18,4 Millionen Franken. Für das erste Halbjahr wies das vom ägyptischen Oligarchen Samih Sawiris kontrollierte Unternehmen somit nach einem Gewinn von 2,9 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum nunmehr einen Fehlbetrag von rund 50,3 Millionen Franken aus. Die Einnahmen der Gruppe reduzierten sich im ersten Halbjahr 2016 um 34 Prozent auf 109,4 Millionen Franken. Hauptursachen dafür waren ein Umsatzrückgang in den Hotels um 17 Prozent auf 48,6 Millionen Franken sowie geringere Landverkäufe im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum von rund 40 Millionen Franken.

CLIENTIS-BANKEN LEGEN ZU: Die in der Clientis-Gruppe zusammengeschlossenen 15 Regionalbanken haben im ersten Halbjahr 2016 deutlich mehr Gewinn erzielt als noch vor Jahresfrist. Der Betriebserfolg erhöhte sich um 4,8 Prozent auf 104,0 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte gar ein um 31 Prozent verbesserter Halbjahresgewinn von 30,5 Millionen Franken. Eine Steigerung des Erfolgs gelang den Clientis-Banken trotz Negativzinsumfeld im Zinsengeschäft. Der Nettoerfolg daraus nahm im Halbjahr um 6,6 Prozent auf 82,4 Millionen Franken zu.

LONZA KAUFT ZU: Der Feinchemikalienhersteller und Pharmazulieferer Lonza kauft die US-Firma Interhealth für 300 Millionen Dollar. Das kalifornische Unternehmen stellt gesundheitsfördernde Nahrungsmittelbestandteile insbesondere für Nahrungsergänzungsmittel her. Mit dieser Akquisition unternehme Lonza einen weiteren Schritt auf ihrem strategischen Weg, hochwertige Produkte für den gesamten Bereich der Gesundheitsversorgung anzubieten", wird Lonza-Chef Richard Ridinger im Communiqué zitiert. Lonza erwartet bedeutende Synergien aus dem Zusammenschluss. Der Pharmazulieferer will die Übernahme im September abschliessen.

GESUNKEN: Die Grosshandelspreise sind in der Schweiz im Juli vergleichen mit dem Vormonat um 0,1 Prozent gesunken und erreichte damit einen Stand von 99,8 Punkten (Basis Dezember 2015 = 100) - dies, nachdem sie von März bis Juni stetig gestiegen waren. Der leichte Rückgang im Juli sei auf tiefere Preise für Mineralölprodukte und Uhren zurückzuführen, teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) mit. Dieser Gesamtindex setzt sich zusammen aus dem Produzentenpreisindex (-0,1 Prozent) und dem Importpreisindex (-0,1 Prozent). Gegenüber Juli 2015 ging der Gesamtindex für Produzenten- und Importpreise um 0,8 Prozent zurück. Der Gesamtindex spiegelt die Veränderung von Angebot und Nachfrage im Zeitverlauf.

VERLUST VERRINGERT: Das Pharmaunternehmen Basilea hat im im ersten Halbjahr 2016 den Umsatz auf 29,7 Millionen Franken gesteigert von 25,0 Millionen Franken im Vergleich zur Vorjahresperiode. Der Betriebsaufwand wurde im Vergleich zur Vorjahresperiode leicht gesenkt. Unter dem Strich resultiert ein Verlust von 27,9 Millionen Franken im Vergleich zu einem Minus von 30,1 Millionen Franken vor einem Jahr. Die liquiden Mittel und kurzfristigen Finanzanlagen werden per Ende Juni 2016 mit 310,9 Millionen Franken ausgewiesen gegenüber 364,7 Millionen Franken per Ende 2015. Beim Ausblick bekräftigt das Unternehmen seine früheren Erwartungen, im laufenden Jahr einen betrieblichen Durchschnittsverlust von 4 bis 5 Millionen Franken pro Monat einzufahren.

FÜHRENDE STELLUNG: Die Schweiz bleibt nach Ansicht der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) das beste Land der Welt in Bezug auf Innovation. Sie steht damit vor Schweden und Grossbritannien. Auf Platz vier liegen die USA vor Finnland und Singapur. Die Exportgrossmacht Deutschland belegt Platz 10, wie aus dem Index hervorgeht, den die Wipo in Genf veröffentlichte. Der Index misst über 80 Indikatoren in 128 Ländern. China ist als erstes Schwellenland unter die besten 25 Länder vorgestossen. Die aufstrebenden Ländern werden immer aktiver bei der Innovation. Trotz dieser Fortschritte bleibe allerdings ein grosser Abstand zu den Industrieländern, hiess es.

ÜBERRASCHEND SCHLECHT: Die Geschäfte der Industrie in der US-Schlüsselregion New York sind im August überraschend schlecht gelaufen. Das Barometer für das Geschäftsklima der Unternehmen fiel auf minus 4,21 Punkte von plus 0,55 Zählern im Vormonat, wie der regionale Ableger der US-Notenbank Fed mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen einen Anstieg auf 2,50 Punkte vorausgesagt. Hoffnungen, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr wieder mehr Dynamik entfalten könne, würden mit den neusten Zahlen nicht gestärkt, hiess es von Analystenseite.

MINIMALES WACHSTUM: Das Wachstum von Japans Wirtschaft ist im zweiten Quartal fast zum Stillstand gekommen. Das Bruttoinlandprodukt legte von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet nur noch um 0,2 Prozent zu, wie aus den am Montag veröffentlichten Daten hervorgeht. Zu Jahresbeginn war die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt noch um revidiert 2,0 Prozent gewachsen. Vor allem sinkende Investitionen verhinderten stärkeres Wachstum. Der private Konsum zog zwar um 0,2 Prozent an, blieb damit aber auch hinter den Erwartungen zurück. Analysten hatten mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet. Die Daten werfen weitere Zweifel an der Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe auf. Erst Anfang des Monats legte die Regierung ein riesiges Konjunkturpaket auf, um den Rückfall in eine Rezession zu verhindern.

AUF KURS: Die Deutsche Bundesbank bescheinigt der deutschen Wirtschaft robuste Wachstumsaussichten. Die Politik sollte die Situation nutzen, um Konsumenten und Unternehmen zu entlasten, mahnen die Experten. Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesbank trotz der Delle im Frühjahr intakt. "Die deutsche Wirtschaft dürfte auch im Sommer im Einklang mit der recht kräftigen konjunkturellen Grundtendenz expandieren", erklärte die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. Die Stimmung in der Industrie habe sich insgesamt spürbar verbessert, das Brexit-Votum in Grossbritannien habe sie nur geringfügig eingetrübt. Getragen werden dürfte das Wachstum im dritten Quartal vom Privatkonsum. Zudem wird der Export nach Einschätzung der Experten solide wachsen, die Industrieproduktion sollte anziehen.

AUF REKORDTIEF: Der russische Energieriese Gazprom erwartet im laufenden Jahr ein Rekordtief bei der Gasproduktion. Es würden voraussichtlich 417,2 Milliarden Kubikmeter gefördert, nach 418,5 Milliarden im Vorjahr, teilte Gazprom mit. Bereits der Wert von 2015 war der niedrigste seit Entstehen des Unternehmens Anfang der 1990er Jahre. Die Lage seiner einheimischen Konkurrenten schätzt Gazprom ähnlich ein wie die eigene. Die gesamte Gasproduktion in Russland wird der Prognose zufolge dieses Jahr bei 632 Milliarden Kubikmetern liegen, nach 635,5 Milliarden im vergangenen Jahr. Für seine Exporte nach Europa und in die Türkei sieht Gazprom allerdings eine Aufwärtsbewegung voraus. Kürzlich veröffentlichten Angaben zufolge rechnet der Konzern damit, 165 Milliarden Kubikmeter an diese Abnehmer zu liefern. 2015 waren es 158 Milliarden Kubikmeter.

GEWINNEINBRUCH: Sinkende Weltmarktpreise haben beim grössten russischen Ölkonzern Rosneft für einen Gewinneinbruch gesorgt. Im zweiten Quartal ging der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr um 33,6 Prozent auf 89 Milliarden Rubel (1,34 Milliarden Franken) zurück. Analysten hatten mit einem noch grösseren Rückgang gerechnet. Vor allem wegen des weltweiten Überangebots fiel in den Monaten April bis Juni der Preis für russisches Ural-Öl auf Jahressicht um 30 Prozent, wie das Unternehmen, an dem die britische BP mit fast 20 Prozent beteiligt ist, mitteilte. Der Rosneft-Umsatz ging in dem Quartal um sechs Prozent auf 1,232 Billionen Rubel zurück.

(AWP)