Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 17. August 2016
17.08.2016 17:32

WEITER IN VERLUSTZONE: Der Solarzulieferer Meyer Burger hat im ersten Semester einen Reinverlust von 25,6 Millionen Franken erwirtschaftet - nach einem Fehlbetrag von rund 93 Millionen Franken in der Vorjahresperiode. Das Eigenkapital der Gruppe sank gegenüber dem Vorjahresende um 14 Prozent auf rund 150 Millionen Franken. Die Eigenkapitalquote reduzierte sich um 5 Prozentpunkte auf 25,6 Prozent. Zudem müssen derzeit Schulden refinanziert werden. Bereits Anfang Juli hatte das Unternehmen einige Eckwerte für die Resultate in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres publiziert. Für das Gesamtjahr zeigt sich die Firma angesichts eines guten Auftragseingangs sowie der deutlichen Verbesserungen beim Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda zuversichtlich, seine Jahresziele zu erreichen beziehungsweise zu übertreffen.

ROTE ZAHLEN: Die kriselnde Handynetz-Testsparte hat das Halbjahresergebnis von Ascom verhagelt. Die Sparte fuhr einen deutlichen Verlust ein, der das ganze Technologieunternehmen in die roten Zahlen riss. Das Minus fiel schlimmer aus als befürchtet. Der Umsatz tauchte in den ersten sechs Monaten um 10 Prozent auf 181,3 Mio. Franken. Lediglich vor Abschreibungen und Amortisationen konnte Ascom einen Betriebsgewinn (EBITDA) ausweisen. Dieser betrug allerdings mit 5,2 Mio. Fr. nur noch ein Viertel des Vorjahresergebnisses. Unter dem Strich musste das Unternehmen einen Reinverlust von 5,6 Mio. Fr. hinnehmen nach einem Reingewinn von 11,4 Mio. Fr. im Vorjahressemester. Die roten Zahlen sind keine Überraschung, da Ascom im Mai vor einem Verlust gewarnt hatte. Allerdings ist die Grösse des Verlusts überraschend. Die Aktien brachen an der Schweizer Börse ein.

DEAL UNTER US-LUPE: Nachdem die Europäische Union angekündigt hat, die historische Fusion der beiden Saatgut- und Chemie-Riesen Dow Chemical und DuPont zu untersuchen, wird in den USA auch die geplante Übernahme des Basler Agrochemikonzerns Syngenta durch ChemChina wieder zum Thema. Der Senator des Teilstaates Iowa, Chuck Grassley, forderte am Dienstag, dass Fusionen von grossen landwirtschaftlichen Saatgut- und Chemieunternehmen der Überprüfung durch mehrere US-Bundesbehörden koordiniert unterliegen sollte. In einem Brief an alle beteiligten US-Behörden empfiehlt Grassley eine Zusammenarbeit, die sicherstellt, dass der Wettbewerb unter den globalen Akteure in der Saatgut- und Chemieindustrie nicht verringert wird. US-Landwirte könnten dadurch geschädigt werden. US-Wirtschaftsexperten warnen zudem vor den zunehmenden Übernahmen westlicher Konzerne durch China.

KÖPFEROLLEN BEI CICOR: Das Elektronikunternehmen Cicor zieht die Reissleine und wechselt die Unternehmensspitze aus. Nachdem bereits im Geschäftsjahr 2015 ein Verlust von über 4 Millionen Franken eingefahren wurde, schreibt Cicor im ersten Halbjahr erneut einen Verlust. Der Betriebsgewinn (Stufe EBIT) sank von 3,4 Millionen auf 1,2 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von 0,6 Millionen Franken. Vor einem Jahr lag der Gewinn noch in dieser Grössenordnung. Mit einer neuen Führungsmannschaft will Cicor nun Gegensteuer geben. Der bisherige CEO Jürg Dübendorfer sowie die beiden Leiter der Divisionen, Jürgen Steinbichler und Erich Trinkler, verlassen das Unternehmen. Neuer Konzernchef wird ab Anfang September Alexander Hagemann, der bis vor kurzem als CEO bei dem Elektronikkomponenten-Hersteller Schaffner tätig war.

SEITWÄRTSBEWEGUNG: Die grosse Mehrheit der Finanzexperten schätzt die konjunkturellen Entwicklung in der Schweiz neutral ein. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Pessimisten leicht erhöht. Das zeigt der Credit Suisse ZEW Indikator, der die Erwartungen für die kommenden sechs Monate misst. Er fiel im August zum Vormonat um 8,7 Punkte und liegt neu bei -2,8 Zählern. An der Umfrage beteiligten sich 37 Analysten. Zugenommen hat sowohl der Anteil derjenigen, die eine Seitwärtsbewegung der Schweizer Konjunktur erwarten, wie auch derjenigen, die mit einer konjunkturellen Eintrübung rechnen. In der Summe sind die Pessimisten gegenüber den Optimisten erstmals seit Februar wieder leicht in der Überzahl. Mehr als zwei Drittel der Befragten sind indes neutral gestimmt.

NZZ STEIGERT GEWINN: Die NZZ-Mediengruppe hat im ersten Halbjahr 2016 rund 3 Prozent weniger Umsatz gemacht. Die Einnahmen sanken auf 218,6 Millionen Franken. Der Rückgang konnte jedoch durch Einsparungen mehr als kompensiert werden. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg von 8,5 auf 14,5 Millionen Franken. Das Gruppenergebnis verbesserte sich im ersten Semester um 7,7 Millionen auf 12 Millionen Franken. Der Umsatz der Gruppe verschiebt sich kontinuierlich weg von Werbung und Druck, hin zum Lesermarkt und Erträgen aus neuen Geschäftsfeldern.

TIEFERE PREISE: Der Luzerner Nahrungsmittelkonzern Hochdorf hat im ersten Halbjahr die gesunkenen Milchpreise zu spüren bekommen. Der Umsatz lag mit 278,3 Millionen Franken leicht unter dem Vorjahresniveau. Dank höherer Effizienz und einem positiven Währungseffekt stieg der Gewinn dennoch kräftig. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um satte 22,7 Prozent auf 13,1 Millionen Franken. Unter dem Strich blieben 11 Millionen Franken, gegenüber 4,1 Millionen im Vorjahr. Damals hatte das Unternehmen stark unter der Aufgabe des Euromindestkurses gelitten.

SOLIDES ERGEBNIS: Die St. Galler Kantonalbank muss einen Gewinnrückgang hinnehmen. Gleichzeitig konnte die Bank das Betriebsergebnis steigern. Dieses lag bei rund 90 Millionen Franken und stieg damit um 7,1 Prozent. Zum Wachstum beigetragen haben höhere Zinseinnahmen, geringere Kreditrückstellungen und ein tieferer Geschäftsaufwand. Jedoch seien das Kommissionsgeschäft und das Handelsgeschäft enttäuschend ausgefallen, hält die Bank in einem Communiqué fest. Das rückläufige Konzernergebnis - der Gewinn lag mit 74 Millionen Franken um 12,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres - erklärt sich durch den Wegfall eines einmaligen Effekts: 2015 hatte die St. Galler Kantonalbank durch den Verkauf ihrer Swisscanto-Beteiligungen 18 Millionen Franken eingenommen.

WIEDER SCHWARZE ZAHLEN: Die Online-Apotheke und Ärztegrossistin Zur Rose schreibt im ersten Halbjahr 2016 wieder schwarze Zahlen. Nach einem Verlust von 0,2 Millionen Franken vor einem Jahr konnte nun ein Gewinn von 2,0 Millionen Franken erzielt werden. Beim Umsatz legte das Unternehmen um 5,5 Prozent auf 434,3 Millionen Franken zu. Der Betriebsgewinn (EBIT) stieg um 45 Prozent auf 3,3 Millionen Franken. In der ersten Jahreshälfte 2016 habe man die die positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung des zweiten Halbjahres 2015 fortsetzen können. Dabei sei es im Ärztegeschäft gelungen, die Marktanteile im Heimmarkt Schweiz weiter auszubauen und auch das Versandgeschäft an Privatkunden habe sich erfreulich entwickelt, teilte das Unternehmen mit.

GEGENWIND FÜR CARLSBERG: Mehr teure Spezialbiere, weniger Brauereien: Der dänische Getränkeriese Carlsberg sieht sich mit seiner neuen Strategie auf dem Weg aus der Krise. Schwierige Marktbedingungen in Osteuropa und Asien machen dem Brauereikonzern aber weiter zu schaffen. Der Umsatz lag im ersten Halbjahr mit 31,2 Milliarden Kronen (knapp 4,6 Milliarden Franken) leicht unter dem des Vorjahreszeitraums 2015 (32,4 Mrd), wie aus dem Halbjahresbericht des Mutterkonzerns von Feldschlösschen hervorgeht. Unter dem Strich stand nach dem ersten Halbjahr 2016 dagegen ein Gewinn von knapp 1,9 Milliarden dänischen Kronen - 400 Millionen Kronen mehr als vor einem Jahr. Im vergangenen Jahr hatte der weltweit viertgrösste Brauer einen Milliardenverlust verbucht.

GRÜNES LICHT: Der Weg zur Übernahme des deutschen Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern ist frei. Das deutsche Wirtschaftsministerium sieht keine Probleme, die eine weitergehende Prüfung nötig machen würden, wie eine Sprecherin mitteilte. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass die Übernahme "die öffentliche Ordnung oder Sicherheit" in Deutschland gefährde. Der Hausgerätehersteller Midea hatte sich binnen weniger Wochen fast alle Kuka-Anteile gesichert. Das Übernahmeinteresse von Midea hatte in Berlin ebenso wie in Brüssel Bedenken geweckt, dass wichtige Zukunftstechnologien von Europa nach Asien abwandern und sensible Kundendaten in fremde Hände geraten könnten. Beide Firmen bemühten sich, die Bedenken zu zerstreuen. Der chinesische Konzern sicherte Kuka eine Standort- und Arbeitsplatzgarantie bis 2023 zu.

ÜBERRASCHEND WENIGER ANTRÄGE: Nach dem Brexit-Votum ist in Grossbritannien die Zahl der Anträge auf Arbeitslosengeld im Juli überraschend zurückgegangen. Sie fiel um 8600, wie die nationale Statistikbehörde mitteilte. Beobachter hatten stattdessen eine Erhöhung um etwa 9000 erwartet. Allerdings zeigten sich Analysten überzeugt, dass das Brexit-Votum sich noch spürbar auf den Arbeitsmarkt auswirken werde. Bei der Arbeitslosigkeit gab es laut der Statistikbehörde zuletzt keine Bewegung. Im Zeitraum April bis Juni lag die Quote demnach bei 4,9 Prozent, genau wie im Zeitraum März bis Mai. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank die Zahl der Arbeitslosen um 207'000 auf 1,64 Millionen.

TENCENT LEGT ZU: Durch steigende Nutzerzahlen seines Messengerdienstes WeChat hat der chinesische Internetriese Tencent seinen Gewinn kräftig gesteigert. Das Unternehmen erwirtschaftete im zweiten Quartal 10,74 Milliarden Yuan (1,56 Milliarden Franken) und damit 47 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg mit einer Gewinnsteigerung auf 9,52 Milliarden Yuan gerechnet. Der Umsatz stieg um 52 Prozent auf 35,69 Milliarden Yuan. Während WeChat vor einem Jahr noch 600 Millionen aktive Nutzer zählte, waren es im Juni nun 806 Millionen. Der Dienst ist in China unter dem Namen Weixin bekannt. WeChat funktioniert ähnlich wie WhatsApp und ist auch in der Schweiz verfügbar.

NEUE DATENBRILLE: Nun präsentiert auch der Chipkonzern Intel eine Virtual-Reality-Brille. Es ist der Versuch sich unabhängiger vom seit Jahren schrumpfenden PC-Markt zu machen. Die Datenbrille "Project Alloy" erzeugt zum einen eine digitale Welt vor dem Auge des Betrachters. Zugleich aber werden ins Bild Gegenstände oder Personen aus der realen Umgebung eingeblendet. So sieht der Träger der Brille digitale Ebenbilder seiner Hände und kann sie auch als Werkzeug oder als Spielekontroller benutzen. Bei der Vorführung auf der Intel-Entwicklerkonferenz IDF in San Francisco liessen sich so zum Beispiel mit realen Händen virtuelle Türen öffnen. Konzernchef Brian Krzanich sprach von "merged reality", etwa: "verschmolzene Realität".

SCHLAG GEGEN SCHATTENBANKEN: Der chinesischen Polizei ist erneut ein Schlag gegen dunkle Machenschaften im Schattenbankensektor gelungen. Dabei stiessen die Ermittler auf verbotene Finanztransfers im Volumen von umgerechnet rund 29 Milliarden Franken, wie das Ministerium für öffentliche Sicherheit am Mittwoch auf seiner Internetseite mitteilte. Der Polizei zufolge wurden 450 Verdächtige festgenommen. In der Grauzone jenseits des regulierten Bankensektors tummeln sich in China Versicherer, Leasingfirmen und andere Kreditgeber - darunter auch illegale Unternehmen. Die Führung in Peking geht seit längerem verschärft gegen verbotene Bankgeschäfte vor und hat dabei insbesondere Geldwäsche und gesetzeswidrige Kapitaltransfers ins Ausland ins Visier genommen.

MILLIARDENBETRUG IN CHINA: Wegen eines mutmasslichen Milliardenbetrugs mit Hilfe eines Schneeballsystems müssen sich in China 26 Menschen vor Gericht verantworten. Die Polizei habe den Fall rund um die angebliche Investmentfirma Ezubao, die Investoren um umgerechnet sieben Milliarden Euro gebracht haben soll, an die Staatsanwaltschaft übergeben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ezubao hatte nach Angaben der Polizei Anleger mit erfundenen Projekten und Traumrenditen angelockt. Die Investitionen neuer Kunden wurden demnach dafür genutzt, Fälligkeiten gegenüber älteren Anlegern zu begleichen. Betrug mit Finanzprodukten ist in China weit verbreitet.

UBER GEGEN SPRACHTESTS: Der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber wehrt sich gegen neue Regulierungsvorschriften in London, die seine Fahrer zu einem umfassenden Sprachtest zwingen könnten. Uber werde gegen die für Oktober geplante Reform der Verkehrsbehörde Transport for London juristisch vorgehen, erklärte der Chef des Unternehmens in der britischen Hauptstadt, Tom Elvidge. Ursprünglich hatte Uber die neuen Regeln unterstützt - doch nachdem weitere Details bekannt wurden, änderte das Unternehmen seine Meinung. Unter anderem geht es um die Vorschrift, dass alle Fahrer aus mehrheitlich nicht englischsprachigen Ländern ihre Englischkenntnisse nachweisen müssen. Uber ist der Meinung, dass ein Sprech- und Hörverstehenstest angebracht ist, nicht aber Prüfungen der Lese- und Schreibfähigkeiten.

(AWP)