Tagesüberblick Wirtschaft

Zürich (awp/sda) - Freitag, 19. August 2016
19.08.2016 17:38

STELLENABBAU BEI ZURICH SCHWEIZ: Die Reorganisation der Zurich Schweiz hat sich aufs Personal des Versicherers ausgewirkt. Im Rahmen der Zusammenlegung von Leben- und Schadenversicherungsgeschäft in der Schweiz auf Anfang Mai wurden 77 Stellen gestrichen. Dabei kam es zu 25 Kündigungen. Durch die Reorganisation wurden Doppelspurigkeiten in den Strukturen eliminiert. Ein weiterer Personalabbau ist nicht geplant. Insgesamt hat Zurich Schweiz knapp 2500 Angestellte. Im ersten Halbjahr hat Zurich Schweiz bei weniger Prämien operativ mehr verdient. In der Schadenversicherung sanken die Prämien und Policengebühren um 2,6 Prozent auf 1,6 Mrd. Franken. Dagegen stieg der so genannte Business Operating Profit (BOP), den die Zurich als massgebliche Betriebskennzahl ansieht, um knapp 13 Prozent auf 191 Mio. Franken. Grund sind unter anderem weniger Unwetterschäden. In der Lebensversicherung machte Zurich Schweiz operativ ebenfalls mehr Gewinn.

HÜGLI GEBREMST: Der Ostschweizer Nahrungsmittelhersteller Hügli hat im ersten Halbjahr unter wirtschaftlichen Unsicherheiten, verschärftem Wettbewerb und den Änderungen seiner eigenen Vertriebsstrukturen gelitten. Nur dank höherer Fremdwährungskurse hat der Ostschweizer Nahrungsmittelhersteller den Umsatz gesteigert, um 1,7 Prozent auf 190,1 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT blieb mit einem kleinen Plus von 0,9 Prozent konstant bei 16,4 Millionen Franken. Der Konzerngewinn kletterte gerade mal um 1 Prozent auf 12 Millionen Franken. Für das Gesamtjahr zeigt sich Hügli vorsichtig.

MOBILEZONE OHNE SALT: Der Handyanbieter Mobilezone bietet künftig keine Produkte mehr von Salt an. Im Retail- und Geschäftskundengeschäft setzt Mobilezone nun allein auf Swisscom, Sunrise, UPC und Talk Talk. Es habe sich in den letzten Monaten gezeigt, dass die Geschäftsstrategien von Mobilezone und Salt zu unterschiedlich seien, teilt Mobilezone mit. Der Handyanbieter hat im ersten Halbjahr 2016 den Umsatz um 71 Prozent auf 523 Millionen Franken gesteigert. Der Betriebsgewinn auf Stufe EBIT erhöhte sich um 27,7 Prozent auf 18,3 Millionen Franken. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 12,3 Millionen Franken, was einer Steigerung von 17,2 Prozent entspricht.

SAWIRIS GIBT SCHUB: Im geplanten Skigebiet Andermatt-Sedrun des ägyptischen Investors Samih Sawiris dürfen drei weitere Bahnen gebaut werden. Das Bundesamt für Verkehr hat die Bewilligung für die Gondelbahn Andermatt-Nätschen-Gütsch sowie für zwei Sessellifte erteilt. Der Zusammenschluss und die Sanierung der Skigebiete Andermatt UR und Sedrun GR verläuft damit nach Plan, wie Andermatt-Sedrun Sport mitteilte. Für die geplanten zehn neuen Transportanlagen in der ersten Ausbauetappe sind nur noch zwei Bewilligungen ausstehend. Erste Bauarbeiten für die neue Achter-Gondelbahn vom Bahnhof Andermatt über Nätschen bis zur Bergstation auf dem Gütsch sollen noch in diesem Jahr beginnen. Zum Projekt zählen auch eine neue Personenunterführung beim Bahnhof, ein Pumpenhaus beim Oberalpsee sowie Pisten und Beschneiungsanlagen.

MEHR GEWINN FÜR PSP: Das Immobilienunternehmen PSP Swiss Property hat im ersten Halbjahr 2016 den Liegenschaftsertrag gegenüber dem Vorjahr leicht gesteigert. Unter dem Strich schaut aufgrund von Verkäufen von Eigentumswohnungen allerdings deutlich mehr heraus. Für das Gesamtjahr erhöht PSP die Prognose. Der Liegenschaftsertrag stieg um 1,0 Prozent auf 138,4 Millionen Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Der Reingewinn legte um 13 Prozent auf 89,0 Millionen Franken zu. Die Gewinnsteigerung führt PSP auf den Erfolg in Höhe von 10,5 Millionen Franken aus dem Verkauf von 56 Eigentumswohnungen beim Projekt "Salmenpark" in Rheinfelden zurück. Im Vorjahreszeitraum wurde kein solcher Erfolg verbucht.

SONDERERTRAG: Die im Kreditkarten-, Leasing- und Kleinkreditgeschäft tätige Aduno Gruppe hat im ersten Halbjahr ihren Gewinn nahezu verdoppelt. Zurückzuführen ist dieser Sprung jedoch vor allem auf eine Zuwendung von 71,7 Millionen Franken aus dem Verkauf der Visa Europa an Visa Inc. Im Wesentlichen dieser Geldsegen führte dazu, dass der Umsatz im ersten Halbjahr 2016 um 28,5 Prozent auf 315,1 Millionen Franken anstieg. Das operative Ergebnis fiel mit 89,6 Millionen Franken mehr als doppelt so hoch aus wie im ersten Halbjahr 2015. Der Reingewinn betrug 74,9 Millionen Franken, im Vergleich zu 38,2 Millionen im Vorjahr.

RUF WEITER VERBESSERN: Liechtenstein soll eine Mitgliedschaft bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD prüfen und sein Netz an Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) ausbauen. Das fordert der Liechtensteinische Bankenverband (LBV) in seinem neuesten Strategiepapier, der Roadmap 2020. Ebenfalls geprüft werden soll die Mitgliedschaft des Fürstentums bei der internationalen Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Geldwäscherei FATF. Ziel der Mitgliedschaften wäre das Unterstreichen der "Glaubwürdigkeit und Standortkonformität des Finanzplatzes", teilte der Bankenverband mit. Zudem gelte es, künftige Diskriminierungen von vorne herein auszuschliessen. Weiter solle der Kleinstaat Liechtenstein sein AAA-Länderrating "mit allen Mitteln aufrechterhalten". Das Triple-A-Rating ist in den Augen des Branchenverbandes ein Kern-Asset, was die Stabilität des Finanzplatzes anbelangt.

ABBAU IN ZÜRICH: Die Arab Bank Switzerland will ihre Aktivitäten künftig in Genf konzentrieren und baut daher in Zürich Arbeitsplätze ab. Rund 30 Stellen sind betroffen. Zwölf Mitarbeitern droht die Entlassung. Generaldirektor Nasri Malhamé kündigte in einem Interview mit der Westschweizer Wirtschaftszeitung "L'Agefi" die Reorganisation an. 2012 hatte die Bank bereits ihren Sitz von Zurich nach Genf verlegt, nun wird dort die Zentralisierung vorangetrieben. Von der Restrukturierung sind in der Verwaltung und Informatik rund 30 Stellen betroffen.

VW BEKÄMPFT LIEFERSTOPP: Die Machtprobe zwischen Europas grösstem Autobauer Volkswagen und zwei kleinen Zulieferern geht weiter. Der Streit droht grosse Teile der Produktion lahm zu legen. Das Landgericht Braunschweig betonte am Freitag, dass VW bereits alle nötigen Voraussetzungen für die Herausgabe fehlender Teile erwirkt habe. Volkswagen kündigte an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um ein Ende des Lieferstopps bei seinen externen Partnern durchzudrücken. Fehlende Sitzbezüge und Getriebeteile zwingen VW zu einem teilweisen Fertigungsstopp und Kurzarbeit. Die Zulieferer wiesen die Verantwortung an der Misere zurück. VW trage die Schuld an der Eskalation.

VERSTIMMUNG IN PEKING: Die australische Regierung will ein wichtiges Stromnetz nicht nach China verkaufen und riskiert damit schlechtere Beziehungen zur Volksrepublik. Die geplante Übernahme von Ausgrid durch ein chinesisches Konsortium würde den Interessen Australiens entgegenstehen, erklärte Finanzminister Scott Morrison. Das chinesische Handelsministerium kritisierte seine Entscheidung. Sie werde sich auf die Handelsbeziehungen negativ auswirken. Demnach dürften chinesische Unternehmen bei Investitionen in Australien künftig zurückhaltender sein. Ausgrid versorgt unter anderem die Metropole Sydney mit Strom und gehört dem Bundesstaat New South Wales. Das Unternehmen sollte eigentlich für zehn Milliarden australische Dollar (7,3 Milliarden Franken) an den chinesischen Staatskonzern State Grid und Cheung Kong Infrastructure aus Hongkong verkauft werden.

WENIGER WACHSTUM: Die türkische Regierung rückt von ihrem Wachstumsziel ab. Das bislang erwartete Plus von 4,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr könne nicht erreicht werden, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Simsek dem staatlichen Fernsehsender TRT Haber. Die Risiken hätten zugenommen. Die Regierung wolle die Konjunktur mit neuen Anreizen aber stützen. Nach dem gescheiterten Militärputsch im Juli und den anschliessenden politischen Turbulenzen hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Türkei als Hochrisikoland eingestuft. Weniger Touristen nach mehreren Anschlägen, zunehmende Firmenpleiten und viele faule Kredite bei den Banken setzten dem lange boomenden Schwellenland ohnehin schon zu.

KURZARBEIT WEGEN BREXIT: Das Votum Grossbritanniens für den Austritt aus der EU verhagelt dem deutschen Autohersteller Opel das Geschäft. An den Standorten Rüsselsheim und Eisenach werde im weiteren Jahresverlauf Kurzarbeit eingeführt, sagte ein Sprecher der General-Motors-Tochter. Das Ausmass der Kurzarbeit werde in hohem Masse von den Verkaufsvolumina der Modelle Insignia und Corsa in Grossbritannien abhängen. Für beide Fahrzeuge ist das Land der grösste Markt. Das Brexit-Votum werde zudem einen Einfluss auf die finanziellen Ergebnisse von Opel in Europa haben, sollte das britische Pfund für den Rest des Jahres auf dem aktuellen Niveau verharren, sagte der Opel-Sprecher.

RÜCKSCHLAG FÜR UBER: Der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber hat eine Niederlage vor einem US-Gericht einstecken müssen. Ein Richter verweigerte einer gütlichen Einigung, mit der Uber zwei Sammelklagen in Kalifornien und Massachusetts beilegen wollte, seine Zustimmung. Uber hätte bei dem Deal bis zu 100 Millionen Dollar in einen Entschädigungsfonds für Fahrer gezahlt. Zudem sagte Uber zu, sich gegenüber den Fahrern besser zu verhalten und umstrittene Praktiken abzustellen. Im Gegenzug hätten die Fahrer nicht mehr gefordert, als Angestellte anerkannt zu werden. Der kalifornische Bezirksrichter Edward Chen segnete diese Einigung allerdings nicht ab. Die Einigung sei weder "fair", noch "ausreichend" oder "angemessen", erklärte Chen.

GEWINNEINBRUCH BEI JOHN DEERE: Der US-Traktorenbauer John Deere blickt trotz der weltweiten Landwirtschaftskrise optimistischer in die Zukunft. Der weltgrösste Landmaschinenhersteller musste zwar im dritten Geschäftsquartal einen Rückgang seines Reingewinns von 4,5 Prozent auf knapp 489 Millionen Dollar hinnehmen, schlug sich aber besser als von Analysten erwartet. Im Gesamtjahr werde nun ein Gewinn von 1,35 Milliarden Dollar angepeilt, teilte das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Illinois am Freitag mit. Bisher hatte John Deere nur 1,2 Milliarden in Aussicht gestellt. Der harte Sparkurs zeige Wirkung, sagte ein Konzernsprecher.

BVB MACHT REKORDUMSATZ: Deutschlands einziger börsenkotierter Fussballclub Borussia Dortmund (BVB) hat einen Rekordumsatz von 376,3 Millionen Euro und einen höheren Gewinn verbucht. Grund sind vor allem die Transfererlöse für Mats Hummels und Ilkay Gündogan. Gemäss Geschäftsführer Hans Joachim Watzke ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. "Wir wollen in absehbarer Zeit einen Umsatz von 400 Millionen Euro erreichen", sagt er an der Bilanzmedienkonferenz. Mehreinnahmen erwarte er unter anderem durch die neu ausgehandelten TV-Rechte und nationale und internationale Sponsoren. Mit Platz acht im UEFA-Ranking seien die Geldgeber wohl zu locken. Der Reingewinn stieg von 5,5 Millionen Euro im Vorjahr auf 29,4 Millionen Euro.

(AWP)