Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 24. August 2016
24.08.2016 17:28

ERNEUT GROSSER VERLUST I: Der kriselnde Modehändler Charles Vögele hat erneut rote Zahlen geschrieben. Der Betriebsverlust (EBIT) erreichte im ersten Halbjahr auf 26 Millionen Franken. Zwölf Monate zuvor hatte sich der Fehlbetrag noch auf 28,5 Millionen Franken belaufen. Unter dem Strich klaffte ein Defizit von 32 Millionen Franken nach einem Verlust von 36 Millionen Franken im Vorjahr. Der Umsatz sank um knapp 4 Prozent auf 378 Millionen Franken. Auch in der Schweiz - dem einzigen Land in dem der Konzern Gewinne schreibt - wurde Charles Vögele hart getroffen. Nun werden hierzulande Filialen geschlossen und Personal abgebaut. Wie viele, ist noch nicht bekannt. Zudem will sich der Konzern vom Verlustgeschäft in Belgien trennen.

ERNEUT HOHER VERLUST II: Der Rohwarenhändler und Bergbaukonzern Glencore ist im ersten Halbjahr in der Verlustzone steckengeblieben. Allerdings reduzierte sich das Minus für die gesamte Gruppe auf rund 615 Millionen Dollar nach 817 Millionen Dollar in der Vorjahresperiode. Der Umsatz ging um 6 Prozent auf 69,4 Milliarden Dollar zurück. Das operative Ergebnis (EBIT) brach von Januar bis Juni um 38 Prozent auf 875 Millionen Dollar ein. Der Konzern lobt dennoch die Entwicklungen seiner Geschäfte, da sich die Situation seit Jahresbeginn, als zahlreiche Rohstoffe auf Tiefstwerte notierten, deutlich entspannt habe. Die Ausgaben für Investitionen sanken im ersten Halbjahr um 51 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Dollar. Der hochverschuldete Rohstoffgigant konnte so seine Schulden leicht reduzieren.

GEWINN GESTEIGERT I: Der Versicherer Allianz Suisse hat im ersten Halbjahr 2016 den Gewinn um 12,2 Prozent auf 141,9 Millionen Franken gesteigert. Zurückzuführen ist das auf Immobilienverkäufe und geringere Abschreiber auf Obligationenfonds. Im Sachgeschäft stieg das Prämienvolumen um 1,9 Prozent auf 1,37 Milliarden Franken, wie die Schweizer Tochter von Europas grösstem Versicherer mitteilte. Im Lebengeschäft sanken die Prämieneinnahmen hingegen um 13,2 Prozent auf 1,27 Milliarden Franken. Grund dafür ist eine weiterhin zurückhaltende Zeichnungspolitik. Die Zahl der Versicherten legte zwischen Januar und Juni um 16'000 zu.

NEUE CYBER-WÄHRUNG: Die Grossbank UBS hat gemeinsam mit der Softwarefirma Clearmatics eine neue Cyber-Währung ins Leben gerufen. Die auf der Verschlüsselungstechnologie Blockchain basierende Währung soll Transaktionen zwischen Finanzhäusern vereinfachen und günstiger machen. Das Konzept der Währung "Utility Settlement Coin" (USC) soll nun den Zentralbanken und Regulatoren vorgestellt werden. Für den Dialog sind zwei Jahre eingeplant: Geben die Aufseher ihren Segen, könnte die Währung ab 2018 auf den Markt kommen. Zuerst solle sie dann im kleinen Umfeld getestet werden, sagte eine UBS-Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Sie bestätigte eine Meldung der "Financial Times".

GEWINN GESTEIGERT II: Die Flughafen Zürich AG hat im ersten Halbjahr 2016 ihren Gewinn um bereinigte 15,3 Prozent gesteigert. Unter dem Strich blieben 103,8 Millionen Franken, 63,5 Millionen mehr als im Vorjahressemester. Grund für den Gewinnsprung sind Sondereffekte. Der Umsatz stieg um 2,6 Prozent auf 480,7 Millionen Franken, wie die Flughafenbetreiberin mitteilte. Dabei erhöhten sich die Umsätze im Fluggeschäft wegen des starken Passagierwachstums um 4,7 Prozent auf 292,2 Millionen Franken. Demgegenüber sanken die Erträge aus dem Nichtfluggeschäft leicht auf 188,5 Millionen Franken. Von Januar bis Juni verzeichnete der Flughafen 12,6 Millionen Passagiere, ein Plus von 3,4 Prozent.

GEWINN GESTEIGERT III: Die Werbevermarkterin Goldbach Group konnte sich trotz rückläufigem Werbemarkt im ersten Halbjahr steigern. So erhöhte sich der Umsatz um 3,2 Prozent auf 234 Millionen Franken. Der Reingewinn stieg von 2,4 Millionen auf 3,7 Millionen Franken. Die Steigerung hat Goldbach vor allem dank der TV-Werbung in der Schweiz erreicht. So nahmen die Erlöse in diesem Kerngeschäft um 6,5 Prozent auf 210,8 Millionen Franken zu, der Betriebsgewinn stieg um 2,6 Prozent auf 18,1 Millionen Franken. Im Deutschland-Geschäft und im Service-Geschäft schrieb Goldbach dagegen erneut Verluste. Das Service-Geschäft wird darum restrukturiert. Das Werbevermarktungsgeschäft in Deutschland dagegen ist erst im Aufbau. Es soll jedoch bereits 2017 operativ schwarze Zahlen schreiben.

VOLLSTÄNDIGE ÜBERNAHME: Der IT-Logistiker Also übernimmt die restlichen 70 Prozent an der Innerschweizer Bachmann Mobile Kommunikation AG, nachdem 2014 bereits ein Anteil von 30 Prozent erworben worden war. Die Zusammenarbeit habe sich in den beiden letzten Jahren bewährt, wird der Schritt begründet. Finanzielle Angaben werden keine gemacht. Bachmann erzielt einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Franken. Die Übernahme sei ein weiterer Schritt zur Stärkung des Servicegeschäfts, das mittelfristig von aktuell 3 Prozent auf 6 Prozent des Umsatzes gesteigert werden soll, heisst es in der Mitteilung. Bachmann ist laut den Angaben ein führender Anbieter von Repair- und Logistikdienstleistungen im Bereich Unterhaltungselektronik und Mobilfunkindustrie.

KEIN BUNDESAUFTRAG: Das österreichische Software-Unternehmen Fabasoft ist beim Auftrag für die elektronische Geschäftsverwaltung (GEVER) in der Bundesverwaltung leer ausgegangen. Das Bundesverwaltungsgericht lehnte eine Beschwerde gegen die Auftragsvergabe ab. Der Auftrag hat ein Volumen von 67 Millionen Franken und wurde von der Bundeskanzlei nach einer WTO-Ausschreibung vergeben. Zum Zug kommen die Firmen Atos und ELCA Informatique mit dem Produkt Acta Nova. Das Parlament hiess den Kredit gut. Nach Unternehmensangaben ist ein Weiterzug ans Bundesgericht nach einer ersten Durchsicht des Urteils nicht geplant.

GEWINN GESTEIGERT IV: Der Bündner Stromkonzern Repower hat in der ersten Jahreshälfte 2016 dank Sonderfaktoren einen Gewinn von 18 Millionen Franken erzielt, nach einem Rekordverlust von 108 Millionen Franken im Vorjahr. Dazu beigetragen haben Wertsteigerungen zweier Kraftwerke. Positiv entwickelte sich das Handelsgeschäft in Italien. Nach einer schwarzen Null im Vorjahr resultierte nun ein operatives Ergebnis von 19 Millionen Franken. In der Schweiz sackte das operative Ergebnis hingegen von 14 auf 3 Millionen Franken ab, unter dem Strich resultierte ein Defizit. Insgesamt stieg das EBIT im Halbjahr 2016 auf 45 Millionen Franken, nach einem Verlust von 34 Millionen Franken im ersten Halbjahr 2015. Im Vorjahr hatten die tiefen Energiepreise und der schwache Euro das Ergebnis belastet.

PRIVATBANKENSTUDIE: Das Private Banking, das Verwalten von Vermögen von Privatkunden, war lange ein krisensicheres Geschäft. Seit der Finanzkrise sind jedoch die Margen in diesem Geschäft unter Druck. Gemäss einer Studie leiden darunter mittelgrosse Privatbanken am meisten. So ist der Gewinn bei diesen im Gegensatz zu allen anderen Bankgruppen nicht gestiegen sondern eingebrochen. Das Betriebsergebnis dieser mittelgrossen Banken hat sich in diesem Zeitraum im Durchschnitt um über 50 Prozent reduziert. Das ist das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger, das für die Studie 55 Privatbanken und Private-Banking-Geschäftseinheiten in der Schweiz und Liechtenstein untersucht hat.

KUNDENZUGANG WICHTIG: Die Schaffung von Zugängen zu Kunden wird im Onlinehandel immer wichtiger. Das ist sowohl wegen des Drucks aus dem Ausland auf die Schweizer Händler als auch wegen neuer Vertriebsformen nötig. Auch wenn der Onlinehandel 2015 um weitere 10 Prozent zulegte, war es für manche Anbieter ein schwieriges Jahr, wie der E-Commerce-Report der Fachhochschule Nordwestschweiz ausweist. Etwa ein Drittel der erfassten Unternehmen hatten sogar einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Einer der Gründe ist der starke Wettbewerb, besonders aus dem Ausland.

RÜCKKEHR ZUR NORMALITÄT: Nach dem beigelegten Streit mit zwei Zulieferern über fehlende Bauteile steuert der Autobauer Volkswagen wieder zurück in die Normalität. Die Produktion dürfte schon am kommenden Montag wieder regulär laufen, hiess es aus dem Unternehmen. Fehlende Getriebe-Gussteile und Sitzbezüge hatten den Takt in den Fabriken durcheinandergewirbelt bis hin zu Produktionsstopps und Kurzarbeit. In Emden, Wolfsburg, Zwickau, Kassel, Salzgitter und Braunschweig konnten 27'700 Menschen nicht so arbeiten wie geplant. Nach dem Durchbruch bei den Verhandlungen am Dienstagmorgen zeichnet sich nun allmählich die Wende ab.

REKORDHOHER ÜBERSCHUSS: Der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr mit einem Milliardenüberschuss von der robusten Konjunktur und den niedrigen Zinsen profitiert. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen nahmen unter dem Strich nach vorläufigen Berechnungen 18,5 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Einen so hohen Überschuss zur Jahresmitte gab es nach der Wiedervereinigung noch nie, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dabei profitierte der deutsche Fiskus von der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Mitte Juni war erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sogar in den negativen Bereich gerutscht. Der Staat konnte damit langfristig Schulden aufnehmen und dafür Geld kassieren, statt Zinsen zu zahlen.

GEGEN "ABBRUCHJÄGER": "Abbruchjäger" auf Ebay schlagen aus den Regelverstössen unbedarfter Verkäufer kaltschnäuzig Profit. Erstmals stuft der deutsche Bundesgerichtshof das als Rechtsmissbrauch ein. Zugleich weisen die Richter Preistreiber in die Schranken, die bei ihren eigenen Auktionen mitbieten. Ebay-Verkäufer, die um die eigene Ware mitbieten und den Preis in die Höhe treiben, kann das teuer zu stehen kommen. Einem unterlegenen Mitbieter in einer derart manipulierten Auktion sprach der Bundesgerichtshof (BGH) 16'500 Euro Schadenersatz zu. Dass dieser Mann schon massenhaft Ebay-Verkäufer verklagt hatte, spielte keine Rolle.

WENIGER HYPOTHEKEN: Wie die Vereinigung der britischen Banken mitteilte, wurden im abgelaufenen Monat im Vergleich zum Vorjahr 19 Prozent weniger Hypotheken vergeben. Über ihre Kreditkarten buchten Bankkunden im Juli aber 20 Prozent mehr ab als im Vorjahreszeitraum. Zuletzt waren schon die Einzelhandelsumsätze überraschend stark um fast sechs Prozent angezogen. Einen starken und unmittelbaren Brexit-Effekt auf die Wirtschaft können die meisten Ökonomen daher nicht ausmachen.

NEUE AIRLINE: In Belgien entsteht eine neue Fluggesellschaft: Air Belgium will ab Mitte 2017 Flüge nach Asien anbieten, wie belgische Medien meldeten. Eine solche Neugründung gilt im derzeit stark umkämpften europäischen Luftverkehrsmarkt als Wagnis. Derzeit hat die Neugründung in Louvain-la-Neuve der Zeitung "Le Soir" zufolge nur etwa ein Dutzend Mitarbeiter. Auch ein Heimatflughafen sei noch nicht bestimmt - zur Wahl stünden Brüssel, Charleroi oder Lüttich. Von Juni 2017 an sollen zunächst drei bis vier Direktflüge pro Woche nach China angeboten werden. Dafür würden vier Flugzeuge beschafft, hiess es. Hinter der Fluglinie stünden asiatische und europäische Anteilseigner, letztere hätten die Mehrheit. Firmenchef Niky Terzakis war früher Manager der Frachtgesellschaft TNT Airlines in Lüttich.

NEUE BATTERIE: Tesla baut jetzt nach eigenen Angaben die Serienautos mit der schnellsten Beschleunigung. Dazu rüstet der Elektroautohersteller seine Luxusmodelle mit einer leistungsfähigeren Batterie aus. Mit dem Schritt soll ein Zeichen für die Elektromobilität gesetzt werden. Die Fahrzeuge der Limousine Model S mit grösseren Batterien schafften es von null auf 60 Meilen pro Stunde (96,5 km/h) in 2,5 Sekunden, sagte Firmenchef Elon Musk. Nur zwei Strassensportwagen weltweit - LaFerrari und Porsche 918 Spyder - könnten schneller beschleunigen. Sie seien aber im Gegensatz zu den Teslas keine in Serie produzierten Wagen, erklärte Musk. Mit den 100-kWh-Batterien soll auch die Reichweite beim Model S auf 613 Kilometer und auf 542 Kilometer beim SUV Model X steigen. Der Preis soll bei 135'000 Dollar aufwärts liegen.

VERSCHÄRFTE AUFSICHT: Die chinesische Bankenaufsicht nimmt nach mehreren Skandalen Kreditvergabe-Plattformen verstärkt unter die Lupe. Fast die Hälfte der insgesamt mehr als 4000 Plattformen seien "problematisch", teilte die Bankenaufsicht mit. Einige der Firmen betrieben Schneeballsysteme und sammelten illegal Geld ein. Um den Missbrauch zu bremsen, wurden nun Obergrenzen für Kredite eingeführt. Zudem dürfen die Firmen keine Anlageprodukte mehr verkaufen und müssen Banken als Treuhänder der Kundeneinlagen mit ins Boot nehmen. "Wir bringen den Investoren bei: Kreditvergabe ist riskant, Investitionen müssen mit Vorsicht getätigt werden", sagte Li Junfeng, bei der Aufsicht zuständig für den Bereich.

(AWP)