Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 25. August 2016
25.08.2016 17:49

WENIGER UMSATZ: Wie die Swisscom bekommt auch Sunrise den Druck im Schweizer Telekommarkt zu spüren. Der zweitgrösste Anbieter des Landes musste im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang um 6 Prozent auf 917 Millionen Franken hinnehmen. Dank Kostensenkungen blieb der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) bei 287 Millionen Franken beinahe stabil. Unter dem Strich stand ein Reingewinn von 17 Millionen Franken nach einem Verlust von 152 Millionen Franken als Folge der Kosten für den Börsengang vor einem Jahr. Der Umsatz sank, weil mehr Kunden bei TV, Internet und Handyabos den Rückgang im Prepaid-Geschäft und in der Festnetztelefonie nicht ausgleichen konnten. Zudem schlugen die gesunkenen Preise für die Benutzung des Handys im Ausland (Roaming), Sonderangebote und der geringere Absatz von Handys auf den Umsatz.

WECHSEL AN DER SPITZE: Die Kioskbetreiberin Valora erhält einen neuen Verwaltungsratspräsidenten. Der amtierende Präsident Rolando Benedick stellt sich 2017 nicht mehr zur Wiederwahl und soll durch Franz Julen abgelöst werden. Julen ist bereits Mitglied des Verwaltungsrats von Valora. Bekannt ist er vor allem als Konzernchef des Sporthändlers Intersport. Dieses Amt gibt Julen per Ende Jahr ab. Valora hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 28,8 Millionen Franken verbucht. Grund dafür waren Abschreibungen auf der Division Trade, die Valora per Ende 2015 verkauft hatte.

ZUGELEGT: Der Technologie- und Rüstungskonzern Ruag ist im ersten Halbjahr 2016 kräftig gewachsen. Das bundeseigene Unternehmen steigerte Umsatz und Betriebsgewinn deutlich. Der Umsatz legte um 8,7 Prozent auf 896 Millionen Franken zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg gegenüber der Vorjahresperiode um knapp 41 Prozent auf 66 Millionen Franken. Beim Auftragseingang knackte Ruag die Milliardengrenze: mit 1,006 Milliarden Franken lag dieser 5,2 Prozent über dem Vorjahr. Noch deutlicher nahm der Auftragsbestand zu. Mit 1,57 Milliarden Franken stieg dieser im Vergleich zur Vorjahresperiode um 9,3 Prozent.

AUF WACHSTUMSKURS: Der Börsenneuling Vat hat im ersten Semester bei fast allen Kennzahlen stark zugelegt. Der Umsatz des Herstellers von Vakuumventilen stieg um 16,1 Prozent auf 236 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn auf Stufe Ebit erhöhte sich um 16,6 Prozent auf 52,7 Millionen Franken. Die Ebit-Marge stieg um 0,1 Prozentpunkt auf 22,4 Prozent. Unter dem Strich erwirtschaftete die Industriefirma von Januar bis Juni einen Reingewinn von 24,2 Millionen Franken nach lediglich 1,1 Millionen Franken in der Vorjahresperiode. Auch die Aussichten bleiben optimistisch.

GEWINN KRÄFTIG GESTEIGERT: Der Spezialkunststoffhersteller Gurit hat für das erste Halbjahr einen Gewinn vermeldet. Der Betriebsgewinn stieg um deutliche 22 Prozent auf 19,1 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte gar ein Plus von 47 Prozent mit 14,1 Millionen Franken. Das St. Galler Unternehmen begründet das gute Resultat mit einem vorteilhaften Produktmix bei den Verbundwerkstoffen, den laufenden operativen Verbesserungen sowie den tiefen Rohstoffpreisen. Nachdem der Umsatz im ersten Quartal mit einem Minus von 1,7 Prozent noch rückläufig war, holte Gurit bis zum Ende des ersten Halbjahres auf. Insgesamt resultierte in den ersten sechs Monaten ein Wachstum von 2,5 Prozent auf 182 Millionen Franken.

HÖHERER REINGEWINN: Die Immobiliengesellschaft Intershop hat im ersten Semester 2016 sowohl den Ertrag als auch den Reingewinn gesteigert. Das Unternehmen erwirtschafte einen um 0,9 Prozent höheren Nettoliegenschaftsertrag von 42 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBIT sank indes um 23 Prozent auf 34,1 Millionen Franken. Unter dem Strich stieg der Reingewinn um 7,7 Prozent auf 31,4 Millionen Franken. Massgeblichen Einfluss auf das Ergebnis hatte neben der Auflösung von Steuerverpflichtungen der Verkauf der Beteiligung an der Corestate Capital Holding.

WENIGER VERDIENT: Die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site (SPS) hat im ersten Halbjahr den Betriebsertrag der Vorjahresperiode bei 497,4 Millionen Franken praktisch gehalten, wie das Unternehmen mitteilte. Auch im Kerngeschäft Immobilien blieb der Mietertrag mit 225,5 Millionen Franken stabil. Das Ergebnis auf Stufe EBIT schrumpfte um 13 Prozent auf 174,2 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein um 9,8 Prozent tieferer Reingewinn von 120,3 Millionen Franken. Begründet wird das Minus insbesondere mit den höheren Gewinnen aus Neubewertungen und Verkäufen im ersten Halbjahr 2015.

MINI-GEWINN: Die Immobiliengesellschaft PAX-Anlage hat in der ersten Jahreshälfte unter dem Strich einen Gewinn von 0,6 Millionen Franken erzielt, nach 12,7 Millionen Franken im Vorjahr. PAX-Anlage bezeichnete das Ergebnis in einer Mitteilung als "im Rahmen der Erwartungen." Das Vorjahresergebnis sei stark von Einmaleffekten geprägt gewesen. Im Segment Bestandesliegenschaften, das die Vermietung von Immobilien umfasst, reduzierte sich das Ergebnis um einen Drittel auf 2,1 Millionen Franken. Als Grund wird in der Mitteilung der Verkauf von Liegenschaften im Vorjahr und ein höherer direkter Aufwand aus Vermietung genannt.

MEHR GEWINN: Die Liechtensteinische Landesbank Gruppe (LLB) hat ihrem Gewinn im ersten Halbjahr um 5,5 Prozent auf 43 Millionen Franken gesteigert. Der Geschäftsertrag wuchs um 5,6 Prozent auf 155 Millionen Franken. Auch der Geschäftsaufwand wuchs, wie die Bank mitteilte. Er nahm um 7,3 Prozent zu auf 109 Millionen Franken. Das Kostenwachstum geht auf einen Personalausbau von 816 auf 842 Stellen zurück. LLB spricht von einem guten Ergebnis in einem anspruchsvollen Umfeld. Positiv entwickelten sich das Zinsengeschäft und der Erfolg aus Finanzanlagen. Rückläufig waren die Erfolge aus dem Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft, dem Handelsgeschäft und dem Kundenhandel.

SINKENDE PRODUKTION: Die Schweizer Industrie und das Baugewerbe haben im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich weniger umgesetzt und produziert. In der Industrie ging die Produktion gemäss provisorischen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) um 1,2 Prozent zurück, der Umsatz um 2,3 Prozent. Das Baugewerbe produzierte und verkaufte 4,1 Prozent weniger. Das Umsatzminus war vor allem beim Tiefbau mit 4,5 Prozent deutlich, im Hochbau sanken die Umsätze um 0,6 Prozent. Die Produktion im gesamten sekundären Sektor nahm um 1,6 Prozent ab, der Umsatz um 2,6 Prozent. Im ersten Quartal war die Produktion noch zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren angestiegen, wobei damals die Vergleichsperiode aufgrund des Frankenschocks sehr schwach ausgefallen war.

MARKTANTEILE VERLOREN: 2015 war für die Schweizer Privatbanken ein düsteres Jahr. Die Ergebnisse der meisten Institute haben sich gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens KPMG und der Universität St. Gallen weiter verschlechtert. So ist die Rendite bei zwei Drittel aller untersuchten Privatbanken im letzten Jahr gesunken. Der Anteil der Banken, die Verluste schreiben, hat sich von 26,8 Prozent im Vorjahr auf 27,6 Prozent erhöht. Jede zehnte Bank wurde vom Markt verdrängt. Die Privatbanken haben zudem global gesehen Marktanteile verloren. Sie konnten im vergangene Jahr zwar 4,3 Milliarden Franken neue Gelder anziehen. Das entspricht jedoch lediglich einem Wachstum um 0,3 Prozent bei einer globalen Zunahme der Vermögen von jährlich 5 und 10 Prozent.

ESKALIERT: Die US-Regierung verstärkt den Druck auf die EU-Kommission wegen der Steuerermittlungen gegen Mitgliedsländer, bei denen es unter anderem um eine Milliarden-Nachzahlung für Apple gehen kann. Kurz vor der erwarteten Entscheidung zum Apple-Standort Irland kritisierte das Finanzministerium in Washington das Vorgehen der Brüsseler Behörde in scharfen Worten und drohte mit nicht näher beschriebenen Gegenmassnahmen. Die Kommission wies den Vorwurf der Amerikaner, speziell US-Firmen im Visier zu haben, zurück. Die EU-Kommission prüft in mehreren bereits seit Jahren laufenden Verfahren, ob Mitgliedstaaten Unternehmen mit Steuervergünstigungen ins Land lockten. Solche Deals werden als Wettbewerbsverzerrung verfolgt. Die Firmen können dann aufgefordert werden, Steuern nachzuzahlen.

AUF DER ZIELGERADEN: Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) gehen bei ihrem anvisierten Zusammenschluss in die entscheidende Phase. Nach der Verständigung der Unternehmen und der Zustimmung der Aktionäre bemühen sich die Konzerne nun um die nötigen Zustimmungen der Aufsichtsbehörden. Die beiden Börsenbetreiber meldeten die gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion bei der EU-Kommission an, wie sie mitteilten. "Wir sind überzeugt, dass der Zusammenschluss einen grossen Mehrwert für unsere Kunden und Aktionäre schaffen wird", erklärten sie in einer gemeinsamen Mitteilung. Die EU-Wettbewerbshüter wollen die Fusion nun in einer ersten Phase bis 28. September prüfen.

ZWEISTELLIGES PLUS: Die Optikerkette Fielmann hat ihren Gewinn im zweiten Quartal kräftig gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahr kletterte der Überschuss um 17 Prozent auf 44,6 Millionen Euro, wie Fielmann mitteilte. Grund dafür waren unter anderem niedrigere Kosten für Werbung. Der Brillenabsatz verbesserte sich um gut 6 Prozent auf 2,05 Millionen verkaufte Exemplare. Der Umsatz legte um gut 5 Prozent auf 344 Millionen Euro zu. In den Sommermonaten verkauft Fielmann besonders viele Sonnenbrillen, die aber nicht unbedingt alle Korrekturgläser besitzen. Fielmann ist in Deutschland unangefochtener Marktführer und baut sein Filialnetz auch in den europäischen Nachbarländern weiter aus, wie zuletzt in Italien. Ende Juni betrieb der Konzern insgesamt 700 Niederlassungen, davon 30 in der Schweiz.

WENIGER GEWINN: Olympische Spiele in Brasilien und Fussball-Europameisterschaft in Frankreich - für die Bertelsmann-Tochter RTL Group haben die TV-Übertragungen der Sportgrossereignisse bei der Konkurrenz ein schwächeres zweites Quartal bedeutet. Der Umsatz sank im Vorjahresvergleich um 2,3 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro. Der Gewinn fiel auf 203 Millionen Euro (Vorjahr: 245 Millionen Euro), wie das Unternehmen mitteilte. Ins Jahr gestartet war die europäische Sendergruppe mit Sitz in Luxemburg dagegen noch mit einem deutlichen Plus. Für das Gesamtjahr hält RTL an der Prognose eines Umsatzwachstums von 2,5 bis 5 Prozent fest.

UMSTRITTENER DATENAUSTAUSCH: Nahezu zwei Jahre nach der über 20 Milliarden Dollar teuren Übernahme von WhatsApp will Facebook die Dienste enger miteinander verzahnen. Künftig sollen die Telefonnummer des WhatsApp-Nutzers sowie Informationen dazu, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst genutzt wird, an Facebook weitergegeben werden. Bestehende WhatsApp-Mitglieder könnten zumindest der Verwendung ihrer Daten für die Personalisierung von Facebook-Werbung und Freunde-Vorschläge widersprechen, erklärte das Unternehmen . An Facebook weitergegeben werde die Telefonnummer künftig aber in jedem Fall, wenn man die App weiternutzen wolle. Zugleich betonte WhatsApp, dass Facebook auf keinen Fall Zugang zum Inhalt von Kurzmitteilungen bekommen werde.

WENIGER UMSATZ: Dem Computerkonzern HP macht die schwächelnde Druckernachfrage zu schaffen. Das Unternehmen rechnet für das laufende Quartal mit einem geringeren Gewinn als im Sommer. Bereits in den drei Monaten bis Ende Juli fiel der Umsatz um 3,8 Prozent auf 11,89 Milliarden Dollar. Bis Ende des Geschäftsjahres im Oktober sollen insgesamt 3000 Stellen wegfallen. Davon wurden seit Jahresbeginn bereits 2300 Arbeitsplätze gestrichen. Früchte der Kosteneinsparungen kann HP schon jetzt ernten: Der Nettogewinn aus dem fortlaufenden Geschäft kletterte um ein Fünftel auf 843 Millionen Dollar. Hewlett-Packard hatte sich Ende vergangenen Jahres aufgespalten.

DOLLARSTÄRKE BELASTET: Der Luxusjuwelier Tiffany bekommt das siebte Quartal in Folge den starken Dollar zu spüren. Der Umsatz ging in den drei Monaten bis Ende Juli um 5,9 Prozent auf 931,6 Millionen Dollar zurück. Wegen der starken US-Währung machten Touristen einen Bogen um die kostspieligen Juwelen. Vor allem aus China fänden weniger Schmuckliebhaber den Weg in die Filialen, allen voran in die Vorzeigefiliale an der Fifth Avenue in Manhattan, die unter anderem durch den Film "Frühstück bei Tiffany" mit Audrey Hepburn weltberühmt wurde. Der Gewinn des Edel-Juweliers legte leicht auf 105,7 Millionen Dollar zu.

(AWP)