Tagesüberblick Wirtschaft

Zürich (awp/sda) - Montag, 29. August 2016
29.08.2016 17:34

WENIGER UMSATZ BEI SALT: Der Schweizer Telekomanbieter Salt hat im zweiten Quartal 2016 trotz rückläufigem Umsatz die Profitabilität gesteigert. Konkret nahm der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 272 Millionen Franken ab, wie es in verschiedenen Analystenkommentaren heisst. Bereits im ersten Jahresviertel hatte der Umsatz um 13 Prozent abgenommen. Der adjustierte EBITDA stieg dagegen um mehr als 8 Prozent auf 107 Mio Fr. an. Das Unternehmen, das im Besitz des französischen Telekomunternehmers Xavier Niel ist, informiert von sich aus nur Obligationenbesitzer über den Geschäftsgang auf Quartalsbasis. Offizielle Angaben dazu gibt es nicht. Gemäss der Privatbank Berenberg hat Salt im ersten Halbjahr insgesamt 119'000 Kunden verloren, wobei dieses Minus auf den Abgang von Prepaid-Kunden zurückzuführen sei. Bei den Abo-Kunden resultierte in dieser Periode dagegen ein Plus von 18'000 Kunden.

EMS HOCHPROFITABEL: Bei der Ems-Chemie hat sich das gute Geschäftsergebnis im ersten Halbjahr auch im Gewinn niedergeschlagen. Der in Graubünden ansässige Weltkonzern verdiente unter dem Strich 215 Millionen Franken - 16,1 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr hatte die Ems-Gruppe schon Mitte Juli präsentiert und dabei bei einer Umsatzsteigerung von 3,7 Prozent ein um 17 Prozent besseres Betriebsergebnis auf Stufe EBIT ausgewiesen.

GUTE POSITIONIERUNG: Die Schweiz ist gut positioniert, um in der Fintech-Branche eine führende Rolle zu übernehmen. Dieser Meinung ist Swissquote-Chef Marc Bürki. Dennoch sieht er bei der Digitalisierung des Finanzsektors Hindernisse, wie er in der Westschweizer Zeitung "Le Temps" sagt. Zum einen sei die fehlende EU-Zugehörigkeit ein Handicap. Zum anderen seien die Hürden für den Markteintritt von jungen Unternehmen hoch. Dies habe zwar berechtigte Gründe, dennoch seien die Reglemente im Finanzsektor zu sehr auf die "alten Institute" ausgerichtet und entsprechend ausgestaltet.

GEWINNRÜCKGANG BEI LGT: Die Liechtensteiner LGT Group hat im ersten Halbjahr 2016 mit 124 Millionen Franken einen um 5 Prozent tieferen Gewinn als in der Vorjahresperiode erwirtschaftet. Der Ertrag der Bank der Fürstenfamilie hingegen stieg um 5 Prozent auf 576 Millionen Franken. Wie die grösste Bank in Liechtenstein bekanntgab, geht das Ertragswachstum auf das Zinsgeschäft zurück, das fast verdoppelt wurde. Mit 91 Millionen Franken ist der Erfolg um 91 Prozent grösser als in der ersten Jahreshälfte 2015. Stabil blieb das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit einem Erfolg von 382 Millionen Franken. Das Handelsgeschäft schrumpfte um 13 Prozent auf 104 Millionen Franken.

KWO-KRAFTWERKE FERTIG: Im Grimselgebiet haben die Kraftwerke Oberhasli (KWO) ein Grossprojekt fertiggestellt: Für 305 Millionen Franken wurden die Kraftwerke Handeck 2 und Innertkirchen 1 erweitert und ein neuer Produktionsstrang vom Räterichsbodensee bis Innertkirchen geschaffen. Die Bauzeit betrug gut vier Jahre, wie die KWO AG mitteilte. Die beiden über 60 Jahre alten Kraftwerke wurden modernisiert und durch zwei weitere Turbinen verbessert. Ein neues Beruhigungsbecken gleicht die Abflussschwankungen der Aare zwischen Innertkirchen und dem Brienzersee aus.

RIESEN-GRÜNDUNG: China hat einen milliardenschweren Triebwerkhersteller mit fast 100'000 Mitarbeitern gegründet. Die Aero Engine Corporation of China (AECC) hat einen Kapitalstock von 50 Milliarden Yuan (7,3 Milliarden Franken) und soll Berichten zufolge mehrere Tochterfirmen von Staatsunternehmen vereinen. Staatspräsident Xi Jinping bezeichnete die Firmengründung als "strategischen Schritt", um China zu einer Macht in der Luftverkehrsbranche zu machen und das Militär zu modernisieren, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

ÖSTERREICHS HOTELS VOLL: Während Schweizer Hotels sich wegen des schlechten Wetters und des starken Frankens um Erträge sorgen, zieht Österreichs Tourismus eine gute Zwischenbilanz zum Sommer. In der ersten Hälfte der bis Ende Oktober laufenden Sommersaison gab es mit 34,31 Millionen um 3,7 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum. Das war das beste Ergebnis seit 1993, wie aus den Zahlen von Statistik Austria vom Montag hervorgeht. Die Gästezahl stieg von Mai bis Juli auf einen Höchstwert von 11,17 Millionen Menschen (+4,2 Prozent).

LEICHTES WACHSTUM: Die griechische Wirtschaft hat ein Abrutschen in die Rezession vermieden. Das Bruttoinlandprodukt wuchs von April bis Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Das Plus fiel damit etwas schwächer aus als von Experten geschätzt, Diese hatten zunächst ein Wachstum von 0,3 Prozent erwartet. In den ersten drei Monaten des Jahres war die Wirtschaftsleistung noch um 0,2 Prozent zurückgegangen. Für das Wachstum sorgten vor allem steigende Investitionen, während die Konsumenten etwas weniger ausgaben und die Exporte zurückgingen. Fachleute sprechen von einer Rezession, wenn sie zwei Quartale in Folge sinkt.

PRODUKTION LÄUFT WIEDER: Die Produktion an den VW-Standorten läuft nach dem Ende des Zuliefererstreits wieder normal. In allen betroffenen Werken sei die Arbeit am Montag mit der Frühschicht planmässig angelaufen, sagte ein VW-Sprecher in Wolfsburg. Wegen der Auseinandersetzung hatten dem Autobauer Getriebe-Gussteile und Sitzbezüge der zur Prevent-Gruppe gehörenden sächsischen Zulieferer ES Automobilguss und Car Trim gefehlt. Dies störte den Arbeitstakt in den VW-Fabriken. In Emden, Wolfsburg, Zwickau, Kassel, Salzgitter und Braunschweig konnten 27'700 Menschen nicht so arbeiten wie geplant. Von Anfang August an hatten die beiden Teilehersteller nicht mehr geliefert.

TEMPO EINGEBÜSST: Die Löhne der rund 18 Millionen Beschäftigten in Deutschland mit einem Tarifvertrag sind im zweiten Quartal so langsam gestiegen wie seit mindestens fünf Jahren nicht mehr. Die tariflichen Monatsverdienste einschliesslich Sonderzahlungen legten von April bis Juni um durchschnittlich 0,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu. Dies sei der geringste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe im Januar 2011, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im ersten Quartal hatte das Plus noch bei 2,1 Prozent gelegen, Ende 2015 bei 2,0 Prozent. Dennoch reicht es zu einer Stärkung der Kaufkraft aus, da die Konsumentenpreise in diesem Zeitraum nur um 0,1 Prozent kletterten.

KRITIK AN AUDI-BERICHT: Sklavenarbeiter gab es im Nazi-Deutschland auch bei Auto Union. Audi liess das Zwangsarbeits-Kapitel seines Vorgängers untersuchen und passte eigene Darstellungen an. Nun taucht Kritik aus berufenem Munde auf: Die Studie erinnere streckenweise an ein Gefälligkeitsgutachten. Volkswagens Chefhistoriker Manfred Grieger sieht schwere Mängel bei einer wissenschaftlichen Studie, die die VW-Tochter Audi über ihre eigene NS-Vergangenheit in Auftrag gab. Grieger attestiert dem Werk handwerkliche Fehler, eine verengte Sichtweise, einen lückenhaften Umgang mit Quellen und sprachliche Unschärfe.

FABRIKSCHLIESSUNGEN: Vor dem Gipfel der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in China haben die Behörden aus Umweltgründen mehrere Fabriken geschlossen und Pflichtuferien für Beschäftigte angeordnet. Im Innenstadtbereich von Hangzhou, wo das Treffen am Sonntag und Montag stattfindet, ruhe das Wirtschaftsleben vom 1. bis 7. September, hiess es am Montag von offizieller Seite in einem sozialen Netzwerk. Auch die Einwohner wurden aufgefordert, ihre Freizeit ausserhalb der Stadt zu verbringen, um Staus zu verringern. Zudem mussten bestimmte Fabriken in einem Umkreis von 300 Kilometern um Hangzhou für zwölf Tage schliessen.

(AWP)