Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 30. August 2016
30.08.2016 17:33

ARBEITSMARKT: Das Beschäftigungswachstum in der Schweiz hält an. Die Zahl der Stellen ist im zweiten Quartal gestiegen. Allerdings sind darunter viele Teilzeitstellen. Umgerechnet in Vollzeitstellen (Vollzeitäquivalenz) ist die Entwicklung rückläufig. Dies zeigt das Beschäftigungsbarometer des Bundesamts für Statistik (BFS) für das zweite Quartal. Die Anzahl Stellen (Gesamtbeschäftigung) stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,6 Prozent Prozent. Umgerechnet in Vollzeitstellen ergibt sich aber ein Rückgang von 0,1 Prozent. Das heisst, dass mehr Beschäftigte insgesamt eigentlich weniger gearbeitet haben.

GEWINNRÜCKGANG: Altlasten in Deutschland haben der Baloise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dort sah sich der Versicherer veranlasst, die Reserven im Nichtlebengeschäft aufzustocken, was den Halbjahresgewinn nach unten zog. Bei einem stabilen Geschäftsvolumen von 5,62 Mrd. Fr. erzielte die Baloise unter dem Strich noch einen Reingewinn von 223,6 Mio. Franken. Das sind 10,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Ohne die Nachreservierung in Deutschland hätte die Baloise den Reingewinn um knapp 5 Prozent gesteigert. Dort erlitt der Versicherer einen happigen Betriebsverlust (EBIT). Dies führte auf Konzernebene im gesamten Nichtlebengeschäft (Schaden- und Personenversicherungen) zu einem Taucher des Betriebsgewinns (EBIT) um ein Fünftel. Zudem setzte das Lebensversicherungsgeschäft die Talfahrt fort. Dagegen konnte sich die Baloise Bank SoBa steigern.

HUBER+SUHNER IM AUFWIND: Der Kabelhersteller Huber+Suhner hat im ersten Halbjahr 2016 einen Gewinnsprung gemacht. Schrieb das Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch einen Halbjahresgewinn von 6,1 Millionen Franken, sind es in diesem Jahr 29,9 Millionen Franken. Auch der Umsatz stieg deutlich um 7 Prozent auf 381,2 Millionen Franken. Dafür verantwortlich ist vor allem eine hohe Nachfrage der Telekomunternehmen, die ihre Mobilfunkstationen aufrüsten. Der Absatz im Bahnmarkt dagegen stagnierte. Für das Gesamtjahr rechnet Huber+Suhner mit weiterhin positiven Entwicklungen - dies trotz saisonalen Einflüssen, die im zweiten Halbjahr das Wachstum etwas bremsen werden.

IMMOBILIENFINANZIERUNG: Die Finanzierung von Wohneigentum kann je nach Anbieter sehr günstig oder sehr teuer ausfallen: Mit steigenden Unsicherheiten, nicht zuletzt in Folge des Brexit-Entscheids, hat sich die Zinsschere bei den Schweizer Hypothekaranbietern weiter geöffnet. Laut einer Studie des Hypothekenvermittlers Moneypark sind die Unterschiede zwischen den durchschnittlich günstigsten und teuersten Angeboten gestiegen. Als mögliche Gründe für die grossen Unterschiede gibt Moneypark unterschiedliche Kosten- und Bilanzstrukturen, Strategien sowie Risikobewertungen an. Bisher gebe es kaum Erfahrungswerte zu einer solchen Marktsituation, was die Risikoeinschätzung für die Institute erschwere. Für die Kunden ergäben sich durch die Zinsunterschiede Chance, eine historisch günstige Finanzierung oder Refinanzierung zu realisieren, schreibt Moneypark.

UMWELTSCHUTZAUSGABEN: Belastungen vermeiden, statt teuer beseitigen: Schweizer Firmen haben in den letzten Jahren vermehrt auf diese Karte gesetzt und - so offenbar Geld gespart. Innert zehn Jahren sanken ihre Umweltschutzausgaben um 10 Prozent. Gaben die Unternehmen für Vermeidung, Reduktion oder Beseitigung von Umweltverschmutzungen 2003 gut 2,5 Milliarden Franken aus, so waren es 2013 noch 2,3 Milliarden, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Aufgrund des Wirtschaftswachstums verringerten sich die Ausgaben von 0,53 auf 0,36 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Der Anteil der Investitionen in die Behandlung von Verschmutzungen an den gesamten Investitionen für den Umweltschutz sank in diesem Zeitraum von 45 auf 23 Prozent. Der Anteil für die Vermeidung hingegen stieg von 55 auf 77 Prozent. Gemäss BFS deutet diese Entwicklung auf ein wachsendes Interesse an saubereren Technologien und Produktionsprozessen hin.

WENIGER GEWINN: Die liechtensteinische VP Bank hat im ersten Halbjahr 2016 wie bereits Mitte Juni angekündigt einen deutlich kleineren Gewinn erzielt als im Vorjahreszeitraum. Der Konzerngewinn sank von 40,9 Millionen Franken in der Vorjahresperiode auf 24,4 Millionen Franken. Allerdings hatte damals die Fusion mit der Centrum Bank einen positiven Einmaleffekt von 25 Millionen Franken gehabt. Unter Ausschluss dieses Sondereffektes liege der Halbjahresgewinn 53 Prozent über dem Vorjahreswert, teilte die VP Bank mit. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft stieg um 17 Prozent auf 49,5 Millionen Franken. Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sank hingegen um 8 Prozent auf 60,7 Millionen und der Handelserfolg ging um 7 Prozent auf 17,7 Millionen Franken zurück.

MEHR VERLUST: Die Finanzgruppe Valartis Group ist in der ersten Jahreshälfte 2016 tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust belief sich auf 46,5 Millionen Franken nach 21,4 Millionen Franken in der Vorjahresperiode. Grund dafür war hauptsächlich der Verlust aus einem Verkauf. Nachdem Valartis die wesentlichen Vermögenswerte ihrer österreichischen Privatbank im April verkauft hatte, musste sie die in den letzten Jahren angefallenen Währungsverluste auf der in Euro gehaltenen Beteiligung in die Erfolgsrechnung überführen. Diese betrugen 39,8 Millionen Franken, wie die Valartis Group mitteilte. Bisher wurden diese Verluste im Eigenkapital verbucht. In den weitergeführten Geschäftsbereichen verringerte sich der Verlust im ersten Halbjahr auf 7,5 Millionen Franken, nach 11,1 Millionen Franken im Vorjahreshalbjahr. Belastet wurde das Ergebnis aber von den Kosten der Nachlassstundung und einem Verlust aus dem Zinsgeschäft.

MEHR UMSATZ: Die Industrie- und Finanzbeteiligungsgruppe Artemis des Aargauer Industriellen Michael Pieper ist in der ersten Jahreshälfte gewachsen. Der Umsatz stieg um 10,9 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken. Die Töchter Feintool und Franke wuchsen zweistellig. Die Erträge der Immobiliengruppe Artemis Real Estate Group hingegen gingen leicht zurück. Positiv entwickelt hätten sich die Beteiligungen der Artemis Asset Management Group. Der insgesamt höhere Umsatz sowie tiefere Kosten nach Restrukturierungen liessen den Betriebsgewinn hochschnellen. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) verdoppelte sich auf 90,5 Millionen Franken, wie Artemis mitteilte. Im Vorjahr hatte noch die Aufwertung des Frankens den Gewinn belastet. Der Gewinn nach Steuern habe sich trotz des Wegfalls von substantiellen Veräusserungsgewinnen im Vorjahr erhöht, hiess es ohne Nennung einer konkreten Zahl.

MEHR UMSATZ: Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte hat in der Schweiz im Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende Mai) erneut kräftig zugelegt. Der Umsatz wuchs um 24 Prozent auf 660 Mio. Franken und damit zum sechsten Mal in Folge im zweistelligen Bereich, wie das Unternehmen mitteilte. In drei von vier Geschäftsbereichen wies Deloitte ein Umsatzplus aus. Am stärksten legte der Consulting-Umsatz mit 62 Prozent auf 294 Mio. Franken zu. Das Audit wuchs um 15 Prozent auf 181 Mio. Franken und die Steuerberatung um 5,8 Prozent auf 91 Mio. Franken. Einzig in der Finanzberatung schrumpfte der Umsatz um 12 Prozent auf 94 Mio. Franken.

HÖHERER GEWINN: Die Banque CIC (Schweiz) ist mit dem Geschäftsgang im ersten Halbjahr zufrieden: Der Geschäftsertrag stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 6,8 Prozent auf 53,3 Millionen Franken. Beim Reingewinn wurde eine Zunahme um 4,2 Millionen Franken auf 11,9 Millionen Franken verzeichnet, wie die Bank mit Hauptsitz in Basel mitteilte. Die Banque CIC gehört zur französischen Bankengruppe Crédit-Mutuel-CIC und ist in der Schweiz ausser in Basel an sieben weiteren Standorten vertreten. Ein überdurchschnittliches Ertragswachstum verzeichnete das Institut trotz des negativen Zinsumfelds im Zinsgeschäft, heisst es in der Mitteilung. Damit habe der schwächere Handelsertrag mehr als kompensiert werden können. Ein Plus verbuchte die Bank auch beim Kommissionsertrag.

NACHZAHLUNG: Die jahrelangen Ermittlungen der EU-Kommission zu Steuerdeals von Apple in Irland enden mit einem Knall: Der iPhone-Konzern soll bis zu 13 Milliarden Euro zurückzahlen. Der iPhone-Konzern habe in Irland unerlaubte Steuervergünstigungen in dieser Höhe erhalten, entschied die EU-Kommission. Irland müsse die rechtswidrige Beihilfe für die Jahre 2003 bis 2014 nun plus Zinsen zurückfordern. Apple und Irland wollen sich gegen die Entscheidung wehren.

VERHANDLUNGEN: Nach dem deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel erachtet auch Paris die TTIP-Verhandlungen als gescheitert. Frankreich wird die EU-Kommission im September zum Stopp der Verhandlungen mit den USA über das Freihandelsabkommen TTIP auffordern. In Frankreich wachsen seit Monaten die Zweifel daran, dass der Vertrag zustande kommt; Präsident François Hollande hatte im Mai mit der Ablehnung des Abkommens gedroht. Die EU-Kommission sowie die USA halten hingegen an den Verhandlungen fest. Auch die deutsche Kanzlerin hält nichts davon, das Abkommen jetzt schon für tot zu erklären.

KONJUNKTUR TRÜBT SICH EIN: Die Stimmung in der Wirtschaft der Eurozone hat sich im August stärker als erwartet eingetrübt. Das Barometer fiel um 1,0 auf 103,5 Punkte, wie die EU-Kommission mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit März. Ökonomen waren nur von einem Rückgang auf 104,1 Zähler ausgegangen. Besonders in der Industrie zeigten sich die Manager pessimistischer, sanken doch die Aufträge so kräftig wie seit Februar 2009 nicht mehr. Dies gilt als Hinweis darauf, dass das Brexit-Votum der Briten nun doch grössere Spuren in der Wirtschaft hinterlässt. Das ebenfalls ermittelte Barometer für das Geschäftsklima fiel von 0,38 auf 0,02 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren.

SPRIT-SKANDAL: Der Skandal um manipulierte Spritverbrauchstests bei Mitsubishi betrifft nach Angaben des japanischen Verkehrsministeriums acht weitere Modelle. Eine Untersuchung habe ergeben, dass der Autobauer auch bei Geländewagen wie Outlander oder Pajero geschummelt habe, teilte das Ministerium mit. Mitsubishi darf die Modelle auf dem heimischen Markt nun bis zur Richtigstellung der Werte nicht mehr verkaufen. Dies werde voraussichtlich wenige Wochen dauern. Dennoch bedeutet dies einen weiteren Rückschlag für Japans sechstgrössten Autobauer. In der Spitze habe die Abweichung 8,8 Prozent zum ausgewiesenen Wert betragen, teilte das Ministerium mit.

(AWP)