Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 31. August 2016
31.08.2016 17:32

TALSOHLE DURCHSCHRITTEN: Die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie hat die Trendwende geschafft. Im zweiten Quartal 2016 drehten die Umsätze dieser Branche erstmals nach sieben Quartalen wieder ins Plus. Sie stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,8 Prozent. Bestätigt wird diese Trendwende auch durch die Exporte. Nachdem im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode die Ausfuhren noch um 1,9 Prozent sanken, nahmen sie in den folgenden drei Monaten um 1,8 Prozent zu. Auch die Zahl der Stellen ist wieder leicht angestiegen. Sie hat im zweiten Quartal von 319'400 auf 321'000 zugenommen. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sind damit in der Branche aber dennoch 9200 Stellen verloren gegangen.

BAU AUF HOCHTOUREN: Die Umsätze in der Baubranche dürften weiter steigen. Das zeigt der Bauindex der Credit Suisse und des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV). Nachdem der Bauboom 2015 abgeflacht war, treibt nun die Negativzinspolitik den Wohnungsbau weiter an. Der Bauindex, der den Umsatz im Baugewerbe für das laufende Jahr prognostiziert, ist für das dritte Quartal auf ein Rekordhoch von 144 Punkten gestiegen, wie die Credit Suisse mitteilte. Saisonbereinigt sollen die Umsätze gegenüber dem Vorquartal um 6,7 Prozent steigen. Vor allem der Wohnungsbau, aber auch der Wirtschaftsbau, legen zu.

KRÄFTIGES WACHSTUM: Im Gegensatz zur Branche ist der Kabelnetzverbund Quickline im ersten Halbjahr kräftig gewachsen. Der Umsatz des vor allem im Mittelland tätigen TV-, Internet- und Telefonieanbieters legte um 8,6 Prozent auf 115 Mio. Fr. zu. Das kräftigste Wachstum gelang in der Telefonie, wo die Zahl der Kunden um knapp 12 Prozent auf 102'800 stieg. Zwei Drittel des Wachstums stammten vom Mobilfunk. Aber auch in der Festnetztelefonie hat Quickline auf Kosten der Swisscom und Sunrise weiter zugelegt. Beim Internetangebot nahm die Zahl der Kunden um knapp 7 Prozent auf 151'600 Abonnenten zu. Dagegen musste der Quickline-Verbund im Kerngeschäft Fernsehen wie die gesamte Kabelnetzbranche Federn lassen. Hier ging die Zahl der Kunden um 3,3 Prozent auf 356'000 zurück. Damit ist Quickline der drittgrösste TV-Anbieter der Schweiz, hinter der Swisscom und UPC.

MILLIONEN-ZUKAUF: Der Laborausrüster Tecan kauft die US-Firma SPEware Corporation. Dafür bezahlt Tecan 50 Millionen Dollar. Die Bewertung der Gesellschaft entspricht laut dem Laborausrüster ungefähr dem dreifachen erwarteten Umsatz für das Geschäftsjahr 2016. Wenn erfolgsbezogene Ziele über die nächsten zwei Jahre erreicht werden, wird ein zusätzlicher Beitrag von 10 Millionen Dollar fällig. SPEware ist ein Anbieter im Bereich der Probenvorbereitung für die Massenspektrometrie. Die EBITDA-Marge von SPEware liege über derjenigen von Tecan und es werde mit einem sofortigen positiven Beitrag zum Gewinn pro Aktie vor transaktionsbezogenen Kosten gerechnet.

AKTIENRÜCKKAUF: Der Dentalimplantate-Hersteller Straumann hat für 200 Millionen Franken 530'000 eigene Aktien vom Singapurer Staatsfonds GIC (Government of Singapore Investment Corporation) zurückgekauft. Dies entspreche einem zusätzlichen Preisabschlag von 1 Prozent gegenüber den am Markt platzierten Aktien, teilte Straumann mit. Finanziert werde der Aktienrückkauf durch den überwiegenden Teil der aktuell überschüssigen Liquidität. Mit dem Erwerb der Aktien erhöhe Straumann die strategische Flexibilität, darunter die Möglichkeit, einen weiteren Ankeraktionär für die Gruppe zu finden oder eine mögliche Kapitalreduktion, heisst es in der Mitteilung.

MTC WÄCHST: Die Industriegruppe Montana Tech Components (MTC) bleibt auch im ersten Halbjahr 2016 auf Wachstumskurs: Umsatz und EBITDA konnten erneut gesteigert werden. Auch für das Gesamtjahr rechnet die Gruppe mit und einer Ergebnisverbesserung gegenüber dem Vorjahr. In den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2016 erwirtschafteten die vier Divisionen 372,5 Millionen Euro Umsatz, was einem Zuwachs von 7,2 Prozent entspricht. Das operative Ergebnis auf Stufe EBITDA erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent auf 48,6 Millionen Euro, während der EBIT wegen der hohen Investitionstätigkeit der letzten Jahre und der daraus resultierenden Abschreibungen um 3,6 Prozent auf 26,0 Millionen Euro sank.

WEITERE HACKERANGRIFFE: Nach dem spektakulären Cyberangriff auf die Zentralbank von Bangladesch hat es weitere Attacken auf Geldinstitute gegeben. Dabei hätten Banken erneut Geld verloren, teilte der internationale Zahlungsdienstleister Swift in einem Brief an seine Mitglieder mit. Die Bedrohung sei dauerhaft, und die Täter passten sich an neue Gegebenheiten an, warnte die in Brüssel ansässige Genossenschaft. Wie viel Geld bei den Hackerangriffen erbeutet wurde, gab Swift nicht bekannt. Der Dienstleister forderte die Geldinstitute auf, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen.

MASSENKLAGE: Mit einer Menschenkette haben Anhänger mehrerer Nichtregierungsorganisationen eine Massenklage gegen das Handelsabkommen Ceta beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. Hinter der Verfassungsbeschwerde stehen die Organisationen Campact, Foodwatch und Mehr Demokratie. Nach Angaben von Campact gaben zwischen 200 und 300 Menschen kistenweise die Vollmachten zu der Bürgerklage im Karlsruher Schlosspark bis zum Eingang des Gerichts weiter. Viele Teilnehmer hätten nach der Übergabe der Unterlagen geklatscht, sagte ein Aktivist. Laut den Organisatoren haben mehr als 125'000 Vollmachten für eine Beteiligung an der Beschwerde "Nein zu Ceta" eingesammelt. Nach Auffassung der Kläger verstösst das geplante Abkommen zwischen der EU und Kanada in vier Punkten gegen das Grundgesetz. So sollten u.a. europäisch-kanadische Ausschüsse durch Ceta so weitreichende Befugnisse erhalten, dass sie den Vertrag unter Umgehung der Parlamente auslegen und verändern können.

MEHR JOBS: US-Unternehmen haben im August etwas mehr Jobs geschaffen als erwartet. Es entstanden 177'000 neue Stellen, wie der Arbeitsvermittler ADP unter Berufung auf seine Umfrage unter privaten Unternehmen mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 175'000 gerechnet. Im Vormonat waren es nach revidierten Angaben 194'000 und damit 15'000 mehr als zunächst ermittelt. Experten blicken nun mit Spannung auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung, der am Freitag veröffentlicht wird. Er umfasst nicht nur Stellen in Firmen, sondern auch des Staates. Fachleute rechnen dabei mit einem Plus von insgesamt 180'000 Arbeitsplätzen.

REKORDTIEF: Ungeachtet der Verunsicherung vieler Unternehmen durch das Brexit-Votum der Briten bleibt die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem Rekordtief. Im August waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) 2,684 Millionen Erwerbslose registriert - weniger gab es in dem Sommermonat seit der Wiedervereinigung noch nie. Im August waren damit 111'000 weniger Erwerbslose gemeldet als vor einem Jahr. "Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter gut", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Verglichen mit dem Vormonat gab es dagegen eine Zunahme um 23'000. "Bei diesem Anstieg spielt die geringe wirtschaftliche Aktivität während der Ferienzeit eine Rolle", sagte Weise. So halten sich Unternehmen in der Ferienzeit traditionell mit Neueinstellungen zurück, während sich zugleich viele Jugendliche nach Abschluss ihrer schulischen oder betrieblichen Ausbildung kurzfristig arbeitslos melden.

MEHR PROFIT DANK RTL: Der deutsche Medienkonzern Bertelsmann profitiert weiter von seinem RTL-Fernsehgeschäft und seiner Dienstleistungstochter Arvato. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete er bei einem stagnierendem Umsatz von acht Milliarden Euro ein Fünftel mehr Gewinn. Das Konzernergebnis kletterte auf 482 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Dabei schnitt vor allem die RTL-Sendergruppe dank guter Werbemärkte quer durch Europa besser ab als erwartet. Auch der Dienstleister Arvato steigerte seine Rendite stark und selbst das althergebrachte Druckgeschäft lief einträglicher. Rückläufig entwickelte sich das klassische Verlagsgeschäft.

STRABAG REDUZIERT VERLUST: Der österreichische Baukonzern Strabag hat zur Jahresmitte dank eines Verkaufserlöses und des Baubooms in Deutschland seinen Verlust deutlich reduziert. Strabag-Chef Thomas Birtel zeigte sich am Mittwoch zuversichtlich, im Gesamtjahr wie geplant eine operative Umsatzrendite von drei Prozent zu erreichen. Der Auftragsbestand legte im ersten Halbjahr dank des Baubooms in Deutschland um vier Prozent auf 15,4 Milliarden Euro zu. Die Bauleistung schrumpfte derweil wie der Umsatz um acht Prozent auf 5,7 Milliarden beziehungsweise 5,3 Milliarden Euro. Der saisonübliche operative Verlust (Ebit) ging um 70 Prozent auf knapp 21 Millionen Euro zurück. Ohne den Sonderertrag aus dem Verkauf einer Beteiligung hätte der Fehlbetrag bei 48,6 (Vorjahr: minus 68,4) Millionen Euro gelegen.

ARBEITSLOSIGKEIT STABIL: Die Arbeitslosigkeit im Euroraum ist im Juli mit 10,1 Prozent hoch und auf dem gleichen Stand wie im Juni geblieben. Damit liegt die Quote aber weiter auf dem niedrigsten Niveau seit Juli 2011, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mitteilte. Im Vergleich zum Juli 2015 sank die Quote von damals 10,8 Prozent deutlich. Etwas besser als in den 19 Ländern der Währungsunion sieht es in der gesamten EU mit 28 Mitgliedstaaten aus: Eurostat ermittelte für den Juli eine Arbeitslosenquote von 8,6 Prozent, im Vergleich zu 9,4 Prozent ein Jahr zuvor.

NACH APPLE-ENTSCHEID: Nach der EU-Entscheidung im Steuerstreit mit Irland könnte sich die offizielle Reaktion der Regierung in Dublin verzögern. Vielleicht benötige das Kabinett mehr Zeit, um eine Abstimmung innerhalb der Koalition zu ermöglichen, sagte Haushaltsminister Paschal Donohoe im Sender RTE. Die EU hatte am Dienstag einen Steuerdeal der irischen Behörden mit Apple gekippt und gefordert, dass der US-Konzern 13 Mrd. Euro Steuern nachzahlt. Finanzminister Michael Noonan hat bereits angekündigt, dagegen Rechtsmittel einzulegen. Die Zustimmung dafür wollte er sich von seinen Kabinettskollegen bei einer Sitzung am Mittwochmittag holen. Donohoe sagte allerdings, wenn mehr Zeit für die Prüfung der Angelegenheit nötig sei, werde sie auch eingeräumt.

BANKENREGULIERUNG: Die nach der Finanzkrise auf den Weg gebrachten schärferen Bankenvorschriften haben sich nach Einschätzung der globalen Finanzaufseher bewährt. Das zeigten unter anderem die Reaktion der Branche auf das überraschende Brexit-Votum und deren Umgang mit den unsicheren Wachstumsaussichten, erklärte der Finanzstabilitätsrat (FSB) der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20). "Die Ereignisse in diesem Jahr haben gezeigt, dass sich die Arbeiten an der Beseitigung der Schwachstellen, die zur Finanzkrise geführt haben, gelohnt haben", erklärte der britische Notenbank-Gouverneur Marc Carney, der dem FSB vorsitzt, in einem Brief an die G20-Staatslenker. Erfolge dürften laut Carney nicht zu Nachlässigkeit verleiten.

BANKCHEF FÜR FUSIONEN: Deutsche-Bank-Chef John Cryan spricht sich erstmals offen für Fusionen unter Europas Banken aus. "Wir brauchen weitere Zusammenschlüsse - auf nationaler Ebene, aber eben auch über die Landesgrenzen hinweg", sagte der Brite auf der Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt. "Nur dann können wir auf Dauer wirtschaftlich arbeiten. Und nur dann können wir international mithalten", sagte Cryan. In der Schweiz haben sich Vertreter der Grossbanken jüngst für engere Kooperationen ausgesprochen. Viele Geldhäuser würden künftig wohl zentrale Dienste auslagern, sagte CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Zuvor hatte bereits UBS-Chef Sergio Ermotti eine engere Kooperation der Geldhäuser angemahnt.

DROHENDE PLEITE: Die weltweite Schifffahrtskrise führt zu einer Grosspleite in der Branche. Südkoreas führende Container-Reederei Hanjin Shipping beantragte die Insolvenzverwaltung und die Sperrung von Vermögenswerten, wie das zuständige Gericht mitteilte. Das Zentrale Bezirksgericht in Seoul müsse nun entscheiden, ob die weltweit siebtgrösste Container-Reederei erhalten bleibt oder liquidiert wird, sagte ein Richter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der Branchenzweite im Land, die Reederei Hyundai Merchant Marine, prüfe bereits die Übernahme von gewinnbringenden Frachtern und von Mitarbeitern, teilte Südkoreas Finanzkommission mit. Die Gläubigerbanken von Hanjin Shipping hatten am Vortag ihre Unterstützung gekappt. Der Bankrott von Südkoreas Branchenprimus wäre der Beratungsfirma Alphaliner zufolge weltweit der bislang grösste in der Branche.

(AWP)