Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 2. September 2016
02.09.2016 17:41

VERKAUF TREIBT GEWINN AN: Die Börsenbetreiberin und Finanzdienstleisterin SIX hat den Gewinn im ersten Halbjahr spürbar gesteigert. Während der Betriebsertrag der Gruppe um 3 Prozent auf 913,3 Mio. Fr. stieg, legte der Betriebsgewinn (EBIT) um knapp 10 Prozent auf 172,9 Mio. Fr. zu. Der Reingewinn verbesserte sich noch um beinahe 6 Prozent auf 134,9 Mio. Franken. Grund dafür ist ein Immobilienverkauf, der 26 Mio. Fr. in die Kasse spülte. Ohne diesen einmaligen Geldsegen wäre der Gewinn nur ganz leicht gestiegen, wenn man einen Firmenverkauf herausrechnet. Federn lassen musste die Schweizer Börse, die im letzten Jahr nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses zeitweise Rekordvolumen im Börsenhandel bewältigen musste. Auch die Wertschriftenabwicklung und -verwahrung hätte ohne den Immobilienverkauf weniger verdient. Den Gewinn steigern konnten indes die grösste Sparte Zahlungsverkehr und die Finanzinformations-Sparte.

NICHT VERMIETETE BÜROS: Leerstehende Büroflächen machen der Immobiliengesellschaft Plazza zu schaffen. Sinkende Mieteinnahmen und eine tiefere Bewertungssteigerung von Immobilien haben im ersten Halbjahr 2016 zu einem schlechteren Resultat geführt. Das Betriebsergebnis (EBIT) beläuft sich auf 10 Millionen Franken und liegt damit deutlich unter der Vorjahresperiode mit 26 Millionen Franken. Der Reingewinn vor Steuern sank von 19,6 Millionen Franken auf 7,9 Millionen Franken. Dieser Rückgang sei hauptsächlich auf die tiefere Bewertungssteigerung der Liegenschaften von 15,4 Millionen Franken zurückzuführen. Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 3,6 Millionen Franken nach 3,9 Millionen Franken im Vorjahreszeitraum. Der Liegenschaftsertrag reduzierte sich vor allem wegen unvermieteter Geschäftsflächen in Zürich von 9,4 Millionen Franken auf 7,2 Millionen Franken.

ANFECHTUNG: Die irische Regierung will die Entscheidung der EU-Kommission anfechten, die Steuerabsprachen mit dem iPhone-Hersteller Apple zu kippen. Das Kabinett habe sich zu diesem Schritt entschlossen. Kommende Woche solle das Parlament um Unterstützung für diesen Schritt ersucht werden. Die EU-Kommission hatte am Dienstag eine Steuervereinbarung zwischen und dem US-Technologiekonzern gekippt. Sie fordert, dass Apple bis zu 13 Milliarden Euro Steuern nachzahlen muss. Sie warf den Kaliforniern unter anderem vor, 2014 auf die in Europa erzielten und in Irland gebündelten Gewinne nur 0,005 Prozent Steuern gezahlt zu haben.

POTENTIAL IN FLÜCHTLINGEN: Die weltgrösste Personalagentur Adecco verspricht sich von der Vermittlung von Flüchtlingen in Deutschland neue Geschäftschancen. Die mit gut 82 Millionen Einwohnern grösste europäische Volkswirtschaft stehe vor demografischen Herausforderungen. "Bis zum Jahr 2030 werden zehn Millionen Menschen aus dem Arbeitsprozess ausscheiden", sagte Adecco-Chef Alain Dehaze in einem Reuters-Interview. Deutschland müsse dem drohenden Mangel an Arbeitskräften angesichts der alternden Bevölkerung und des schrumpfenden Personalangebots entgegenwirken. "Flüchtlinge können eine Schlüsselrolle dabei spielen", sagte Dehaze, der seit einem Jahr auf der Kommandobrücke des Weltmarktführers steht. Dabei sieht er auch für Adecco Chancen. "Unsere Industrie kann eine Rolle spielen", sagte er.

MASSENKLAGE: Mit einer Menschenkette haben Anhänger mehrerer Nichtregierungsorganisationen eine Massenklage gegen das Handelsabkommen Ceta beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht. Hinter der Verfassungsbeschwerde stehen die Organisationen Campact, Foodwatch und Mehr Demokratie. Nach Angaben von Campact gaben zwischen 200 und 300 Menschen kistenweise die Vollmachten zu der Bürgerklage im Karlsruher Schlosspark bis zum Eingang des Gerichts weiter. Viele Teilnehmer hätten nach der Übergabe der Unterlagen geklatscht, sagte ein Aktivist. Laut den Organisatoren haben mehr als 125'000 Vollmachten für eine Beteiligung an der Beschwerde "Nein zu Ceta" eingesammelt. Nach Auffassung der Kläger verstösst das geplante Abkommen zwischen der EU und Kanada in vier Punkten gegen das Grundgesetz. So sollten u.a. europäisch-kanadische Ausschüsse durch Ceta so weitreichende Befugnisse erhalten, dass sie den Vertrag unter Umgehung der Parlamente auslegen und verändern können.

ARBEITSMARKT: In der US-Wirtschaft sind im August weniger neue Jobs entstanden als erwartet. Private Firmen und die öffentliche Hand schufen insgesamt 151'000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft. Ökonomen hatten mit 180'000 gerechnet. Die getrennt erhobene Arbeitslosenquote verharrte bei 4,9 Prozent. Damit setzte sich die Erholung am Jobmarkt insgesamt fort, allerdings etwas verlangsamt. Im Juli hatte es nach revidierten Zahlen 275'000 neue Stellen gegeben und damit 20'000 mehr als zunächst gemeldet.

(AWP)