Tagesüberblick Wirtschaft

Zürich (awp/sda) - Montag, 19. September 2016
19.09.2016 17:56

ÜBERNAHMEANGEBOT VON OVS: Das seit Jahren defizitäre Modeunternehmen Charles Vögele soll nach Italien verkauft werden. Eine Investorengruppe um den italienischen Modekonzern OVS legt ein Übernahmeangebot vor. Der Verwaltungsrat von Charles Vögele empfiehlt den Aktionären das Angebot anzunehmen. Die Investorengruppe Sempione Retail AG offeriert einen Betrag von 6,38 Franken pro Aktie. Das entspricht einem Kaufpreis von rund 56 Millionen Franken. Kommt das Angebot zu Stande, planen die Investoren das Deutschlandgeschäft und die Liegenschaften von Charles Vögele zu verkaufen. In der Schweiz, in Österreich, in Ungarn und in Slowenien soll das Geschäft weitergeführt werden jedoch neu unter dem Namen OVS. Der Name Charles Vögele dagegen soll verschwinden. Die Angebotsfrist wird voraussichtlich von Ende Oktober bis Ende November laufen.

ABSCHREIBER BEI AXPO: Wegen der erneut markant gesunkenen Grosshandelspreise für Strom nimmt der Energiekonzern Axpo hohe Wertberichtigungen vor. Allein beim gerade erst fertig gestellten Pumpspeicherwerk (PSW) Limmern schreibt Axpo 540 Millionen Franken ab. Weil die Marge zwischen eingekauften und verkauftem Strom zu klein ist, wird das Pumpspeicherwerk in den nächsten Jahren nicht rentabel betrieben werden können. Insgesamt werden die Anpassungen das Betriebsergebnis (EBIT) des Konzerns im Geschäftsjahr 2015/16 um 1,4 Milliarden Franken belasten. Das dürfte das dritte Jahr in Folge zu einem deutlichen Verlust führen. Auch die Axpo-Tochter CKW meldet Wertberichtigungen von 190 Millionen Franken und in der Folge einen drohenden Jahresverlust.

BESSERE PROGNOSE: Die Schweizer Wirtschaft dürfte 2016 zwar schneller wachsen als erwartet, doch die Wachstumsraten vor dem Frankenschock bleiben unerreicht: Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen der Credit Suisse. Der Grund dafür ist auch, dass die Löhne 2017 nur gering ansteigen dürften. Die CS erhöht ihre Wachstumsprognose für 2016 von bisher 1,0 auf neu 1,5 Prozent. Die Schweizer Wirtschaft werde auch 2017 nicht richtig auf Touren kommen, schreibt die CS. Für das kommende Jahr erwartet sie weiterhin, dass das Bruttoinlandprodukt (BIP) um 1,5 Prozent zulegen wird. Insbesondere der private Konsum dürfte sich verhalten entwickeln. Denn die Konsumentinnen und Konsumenten werden gemäss den CS-Ökonomen unter dem Strich nicht mehr Geld im Portemonnaie haben. Die Löhne würden nämlich 2017 um 0,5 Prozent steigen und gleichzeitig werde die Teuerung mit 0,5 Prozent erstmals seit fünf Jahren wieder positiv sein.

BVZ AUF KURS: Das Bahn- und Touristikunternehmen BVZ Holding ist trotz der grossen Verunsicherung in der Tourismusbranche nach den jüngsten Terroranschlägen auf Kurs. Das Walliser Unternehmen hat im ersten Halbjahr 2016 Ertrag und Gewinn gesteigert. Der Gewinn stieg um knapp 18 Prozent auf 3,0 Millionen Franken und der Betriebsgewinn (Stufe EBITDA) um 6,5 Prozent auf 15,4 Millionen Franken. Auch der Gesamtertrag legte um 2,6 Prozent auf 68,8 Millionen Franken zu. Im Geschäftsfeld Mobilität lag der Ertrag vor allem dank dem Plus beim Autotransport mit 27,8 Millionen Franken um 3,2 Prozent über Vorjahr. Mit dem Glacier Express erwirtschaftete der Konzern einen Ertrag von 4,6 Millionen Franken (+4,7 Prozent) und mit der Gornergrat Bahn einen von 11,2 Millionen Franken (+1,0 Prozent).

ZUSAMMENARBEIT MIT HUAWEI: Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler arbeitet in Zukunft mit dem chinesischen Telekomausrüster Huawei zusammen. Die beiden Unternehmen wollen bei der Entwicklung von intelligenten Komponenten zur Anbindung von Liften und Rolltreppen über das "Internet der Dinge" kooperieren. Finanzielle Angaben wurden keine gemacht. Die neue Lösung zur Anbindung über das Internet-of-Things sei ein wichtiger Bestandteil von Schindlers digitaler Plattform. Diese solle das Monitoring, die Analyse und die Verarbeitung von Datenströmen verbessern.

AUSTAUSCHAKTION NOTE 7: Samsung hat den Austausch seines wegen Brandgefahr zurückgerufenen Smartphones Galaxy Note 7 in der Schweiz, in Deutschland und Österreich gestartet. Ab Montag können Kunden neue Geräte bei dem Händler, bei dem das Gerät erworben wurde, beantragen, teilte Samsung mit. Samsung appellierte in der Mitteilung erneut an die Kunden, ihre Note-7-Geräte auszuschalten und überhaupt nicht mehr zu nutzen. Die breite Auslieferung des Galaxy Note 7 hätte in der Schweiz vor zehn Tagen beginnen sollen. Ein Woche zuvor hatte allerdings Samsung wegen Brandgefahr einen Rückruf des Smartphones angekündigt.

LUKRATIVE VERTRÄGE: Gategroup verlängert die Verträge mit Easyjet um weitere drei Jahre bis 2022 und mit Airberlin um weitere vier Jahre bis Ende 2020. Zudem übernimmt der Airline-Caterer die Verpflegung auf Langstreckenflügen von Airberlin von Deutschland in die USA. Gategroup erwartet mit der Verlängerung der Verträge einen Umsatz von 250 Millionen Franken pro Jahr, wie das Unternehmen mitteilte. Gategroup ist vor kurzem von der chinesischen HNA-Gruppe übernommen worden, HNA hält laut letzten Meldungen einen Anteil von 96,1 Prozent. Der Vollzug der Übernahme soll bis Anfang Oktober abgeschlossen sein.

BURCKHARDT KAUFT ZU: Der Kolbenkompressorenhersteller Burckhardt Compression übernimmt die IKS Industrie- und Kompressorenservice GmbH mit Sitz in Bremen. Das deutsche Unternehmen erzielte im letzten Jahr mit 17 Mitarbeitenden einen Umsatz von rund 4 Millionen Franken. Zum Kaufpreis machte Burckhardt Compression in der Mitteilung vom Montag keine Angaben. IKS sei ein führender Anbieter von Servicedienstleistungen im deutschsprachigen Raum. Burckhardt Compression Deutschland sei damit in Zukunft besser in der Lage, Servicedienstleistungen nicht nur für die eigenen Produkte anzubieten, sondern auch für die Kolbenkompressorsysteme anderer Hersteller, hiess es.

GROSSAUFTRAG für GF: Der Industriekonzern Georg Fischer (GF) hat von einem französischen Fahrzeughersteller einen Grossauftrag für das Batteriegehäuse eines neuen Hybridfahrzeugs erhalten. Das Auftragsvolumen für den neuen Kunden beläuft sich auf 77 Millionen Euro. Die Batteriegehäuse aus Aluminium mit integriertem Kühlsystem würden von GF Automotive ab 2019 in Deutschland gefertigt, heisst es in einer Medienmitteilung. Der neuerliche Grossauftrag unterstreiche die Entwicklungs- und Fertigungskompetenz von GF Automotive im wachsenden Markt der Elektromobilität, schreibt GF. Im Juli hatte GF bereits einen Auftrag für Leichtbau-Fahrzeugkomponenten über 84 Millionen Euro erhalten.

STÄDTETOURISMUS LEGT ZU: Der Städtetourismus in der Schweiz hat im vergangenen Jahr trotz Frankenstärke um 2,2 Prozent zugelegt. Der Zuwachs ist aber weniger stark als noch im Vorjahr und im internationalen Vergleich gingen Marktanteile verloren. Durch die Frankenaufwertung im Gefolge der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im vergangenen Jahr wurden Ferien in der Schweiz für ausländische Gäste spürbar teurer. Der Städtetourismus reagierte allerdings deutlich weniger stark als der Tourismus in den Bergregionen. Sowohl die Übernachtungszahlen von Schweizer Gästen (+3,2 Prozent) als auch jene von ausländischen Gästen (+1,9 Prozent) stiegen in den fünf grössten Schweizer Städten laut einem Ranking des Konjunkturforschungsinstituts Bakbasel.

WEITERE VERFAHREN: Nach dem aufsehenerregenden Milliarden-Steuerbescheid für Apple stellt EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager weitere Verfahren in Aussicht. "Amazon und McDonald's und andere sehr bekannte Unternehmen sind schon auf unserer Liste", sagte Vestager dem "Handelsblatt" in einem Interview. "Natürlich kann es weitere Fälle geben", antwortete sie auf die Frage, ob neue Verfahren zu erwarten seien. Weitere Unternehmensnamen nannte sie allerdings nicht. Bei Amazon und McDonald's geht es bisher um deutlich kleinere Beträge als die 13 Milliarden Euro, die Apple an Irland zurückzahlen soll. Die Kommission hatte befunden, dass die Steuervereinbarungen von Apple in Irland eine jahrelange verkappte staatliche Beihilfe gewesen seien. Irland und Apple haben das zurückgewiesen und wollen vor Gericht gehen.

VERLANGSAMTES WACHSTUM: Der Aufschwung in Deutschland erhält der Bundesbank zufolge im zu Ende gehenden Sommerquartal einen Dämpfer. "Nach der recht kräftigen Expansion im Frühjahr dürfte die Wirtschaftsleistung im dritten Vierteljahr 2016 etwas langsamer zunehmen", schreibt sie in ihrem Monatsbericht. "Dies zeigt sich unter anderem an der merklichen Eintrübung der Stimmung bei den Unternehmen." Der Ifo-Index - für den 7000 Manager befragt werden - gab im August den zweiten Monat in Folge nach, und das gleich so stark wie seit der Eskalation der europäischen Staatschuldenkrise vor rund vier Jahren nicht mehr. Als Grund dafür gilt die Verunsicherung durch das Brexit-Votum der Briten. Das Bruttoinlandprodukt war zu Jahresbeginn um 0,7 Prozent gewachsen, im zweiten Quartal um 0,4 Prozent. Für das im September endende dritte Quartal erwarten Ökonomen derzeit ein Plus von 0,2 bis 0,3 Prozent.

HAFEN VON MELBOURNE VERKAUFT: Die Privatisierung des Hafens von Melbourne spült Australien überraschend viel Geld in die Kassen. Eine Investorengruppe unter Beteiligung eines chinesischen Staatsfonds zahlt 9,7 Milliarden australische Dollar (7,1 Milliarden Franken) für die Anlage. Das teilte die Regierung des Bundesstaates Victoria mit, deren Erwartungen damit deutlich übertroffen wurden. Sie hatte nur mit einem Erlös von 5,8 Milliarden australischen Dollar gerechnet. Zu den Käufern gehört der chinesische Staatsfonds China Investment Corp, dem künftig ein Fünftel das Melbourner Hafens gehören. Auch der australische Staatsfonds The Future Fund und der kanadische Pensionsfonds Ontario Municipal Employees' Retirement System bekommen Anteile in gleicher Höhe. Zu den neuen Eigentümern gehören zudem noch mehrere US-Fonds und eine südkoreanische Pensionskasse. Alle ausländischen Käufer haben bereits von den Aufsichtsbehörden grünes Licht erhalten.

(AWP)