Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 21. September 2016
21.09.2016 17:23

KABELSPARTE VERKAUFT: Der Elektrotechnikkonzern ABB verkauft für 934 Millionen Dollar das Geschäft mit Hochspannungskabeln an das deutsche Unternehmen NKT Cables. ABB und NKT Cables unterzeichneten gleichzeitig eine Vereinbarung für eine langfristige strategische Partnerschaft. Damit sichert sich ABB den weiteren Zugang zu diesem Angebot. Die jetzt vor dem Verkauf stehende Sparte beschäftigt 900 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 524 Millionen Franken, was 1,5 Prozent des Gesamtumsatzes des Konzerns ausmacht. Das in Köln ansässige Unternehmen NKT Cables verfügt über Produktionsstätten in Europa und China und erwirtschaftete 2015 mit rund 3200 Angestellten einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

REICHE SCHWEIZER: Die Einwohner der Schweiz sind weltweit nach wie vor am reichsten. Im Schnitt besitzt hierzulande jede Person ein Netto-Geldvermögen von 171'000 Euro. Das zeigt der neuste Allianz Global Wealth Report. Von den 50 untersuchten Ländern ist die Schweiz damit Spitze. Am zweitreichsten sind die US-Amerikaner mit 161'000 Euro. Zu den drittplatzierten Briten, die auf 96'000 Euro kommen, besteht bereits ein beträchtlicher Abstand. Betrachtet man die Entwicklung der Vermögen, zeigt sich ein anderes Bild. Im Vergleich zur Vorjahresperiode hat das Bruttogeldvermögen hierzulande lediglich um 1,7 Prozent zugelegt. Das ist ein Wert, der deutlich unter dem weltweiten und auch dem europäischen Durchschnitt liegt.

GERINGERER ÜBERSCHUSS: Die Schweizer Volkswirtschaft hat auch im zweiten Quartal mehr eingenommen als ausgegeben. Wegen tieferer Erträge aus Kapitalanlagen im Ausland sank der Saldo der Leistungsbilanz zum Vorjahr aber um gut 3 Milliarden Franken. Dadurch gingen die Primäreinkommen insgesamt um 7 Milliarden auf 28 Milliarden Franken zurück, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) mitteilte. Im Waren- und Dienstleistungshandel erhöhte sich der Überschuss per Saldo um gut 2 Milliarden auf 19 Milliarden Franken. Ein starke Zunahme verzeichneten vor allem die Einnahmen aus dem Goldexport zu nicht-monetären Zwecken. Alles in allem betrugen die Einnahmen der Schweizer Volkswirtschaft im zweiten Quartal knapp 144 Milliarden Franken, gegenüber Ausgaben von 127 Milliarden Franken. Daraus resultierte ein Saldo der Leistungsbilanz von gut 17 Milliarden Franken.

PROGNOSE BESTÄTIGT: Die Ökonomen der Zürcher Kantonalbank (ZKB) halten an ihren BIP-Prognosen fest - trotz des markanten Wachstums der Schweizer Wirtschaft im zweiten Quartal. Sie gehen unverändert von einem Wachstum von 1,1 Prozent im laufenden und von 0,9 Prozent im kommenden Jahr aus. Im weiteren Jahresverlauf könne kaum an die überraschend guten BIP-Zahlen vom zweiten Quartal angeknüpft werden, heisst es in einer Studie des Instituts. Denn diese seien wesentlich von Sondereffekten beeinflusst worden, insbesondere dem volatilen Goldhandel und einem Lageraufbau. Auf eine Abschwächung der Wachstumsdynamik wiesen ausserdem schwächeren Vorlaufindikatoren hin. Diese Eintrübung liege im Rahmen dessen, was zu erwarten war, so die ZKB. Nach dem Brexit-Votum sei daher nicht nur die Vorhersage für Grossbritannien relativiert worden, sondern auch für die Eurozone und damit auch für die Schweiz.

KEIN SPARER-NEGATIVZINS: Normale Sparer müssen in der Schweiz vorläufig nichts dafür bezahlen, ihr Geld bei einer Bank zu deponieren. Für die Banken wird es zu Zeiten von Negativzinsen bei den Zinsmargen allerdings immer enger, wie eine Studie des Beratungshauses EY ausweist. Die Zinsmargen der untersuchten 348 Banken sanken im vergangenen Jahr auf 1,17 Prozent. Die Abnahme entsprach dabei etwa dem jährlichen Durchschnittsrückgang seit 2007. Das setzt sich im laufenden Jahr fort. Die EY-Auwertung der Halbjahreszahlen zeigt einen erneuten Rückgang um 0,03 Prozentpunkte.

DEUTLICH ZUGELEGT: Zwei Tage nach dem Übernahmeangebot an Charles Vögele hat das italienische Modeunternehmen OVS seine Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2016 publiziert. Der Umsatz von OVS stieg im Semester um 4,7 Prozent auf 640 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben 31 Millionen Euro. Das waren 27 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode, wie einem Communiqué von OVS vom Mittwoch zu entnehmen ist. Das Umsatzwachstum war demnach besonders auf zusätzlich eröffnete Läden zurückzuführen. Flächenbereinigt ging der Umsatz dagegen wegen des schlechten Wetters im Mai etwas zurück.

NEUER BESITZER: Die Kunststoff Schwanden AG im glarnerischen Schwanden hat einen neuen Mehrheitsaktionär. Die Münchner Investmentfirma Bregal kauft Eigentümer Albert Kiener die Mehrheit der Anteile am grössten privaten Arbeitgeber im Glarnerland ab. Der bisherige Eigentümer Albert Kiener bleibt im Rahmen der Nachfolgeregelung massgeblich am Unternehmen beteiligt. André Bermann (CEO) und Martin Züger (CFO) kaufen ebenfalls Anteile an der Kunststoff Schwanden und verbleiben in ihren jeweiligen Managementfunktionen. Die auf die Spritzgiesstechnik spezialisierte Glarner Firma beschäftigt 500 Angestellte.

PROGNOSE GESENKT: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognosen für die Welt gesenkt. Demnach dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 2,9 Prozent und im kommenden Jahr um 3,2 Prozent wachsen. Das sind je 0,1 Prozentpunkte weniger als noch im Juni angenommen. Besonders deutlich, nämlich von 1,8 auf 1,4 Prozent, wurden die Erwartungen für das laufende Jahr in den USA und im kommenden Jahr für Grossbritannien (von 2 auf 1 Prozent) gesenkt. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) des Euroraums soll im laufenden Jahr nur um 1,5 Prozent zulegen. Im Juni war die OECD von 1,6 Prozent ausgegangen. Für 2017 wurde die Prognose für den Euroraum um 0,3 Prozentpunkte auf 1,4 Prozent gesenkt.

ROAMING-GEBÜHREN 1: Nach dem Willen der EU-Kommission sollen künftig Mobilfunkkunden ihre Telefone im Ausland benutzen können, ohne Roamingzuschläge zu bezahlen. Dies sagte der für den digitalen Markt zuständige EU-Kommissar Andrus Ansi. Das gebührenfreie Roaming solle wie geplant Mitte Juni 2017 starten. "Wir wollen, dass Roaming auf Dienst- und Urlaubsreisen ohne zeitliche Begrenzung ohne Zuschläge möglich ist", erklärte der EU-Digitalkommissar Günther Oettinger in Brüssel. Allerdings sieht die EU-Kommission Massnahmen vor, um einen Missbrauch dieser Regelung zu vermeiden. Die Nutzung einer SIM-Karte und der Roamingfreiheit soll an den Wohnsitz gebunden sein. Es dürfe nicht dazu kommen, so Oettinger, dass sich zum Beispiel jemand eine SIM-Karte in Lettland kaufe und die Karte nur in Irland benutze, wo die Preise sechseinhalb Mal höher seien als in Lettland.

ROAMING-GEBÜHREN 2: Weil die Schweiz nicht zur EU gehört, profitieren Schweizer Telekomanbieter auch nicht von den regulierten Einkaufskonditionen. Aus diesem Grunde müssen die Schweizer weiterhin Gebühren für die Nutzung des Handys oder Tablets über Mobilfunknetze im Ausland zahlen. Zuletzt sagte der Bundesrat den hohen Roaminggebühren im Rahmen der Teilrevision des Fernmeldegesetzes den Kampf angesagt. Dabei sei auch die Festlegung von Preisobergrenzen im Rahmen internationaler Abkommen möglich. Alle grossen Parteien lehnten indes die Vorschläge des Bundesrates ab. Die Swisscom sieht keinen Bedarf einer zusätzlichen Regulierung. Swisscom, Sunrise und Salt hatten wiederholt die Roamingtarife gesenkt.

GELDSPRITZE: Die angeschlagene Deutsche Bahn bekommt eine Milliarden-Geldspritze aus dem Staatshaushalt. In den kommenden vier Jahren sollen dem Staatsunternehmen 2,4 Milliarden Euro zusätzlich zufliessen, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Dies sei mit Finanzminister Wolfgang Schäuble abgestimmt. Demnach soll ab 2017 die Bahn nur noch 600 Millionen Euro Dividende anstelle der eigentlich vereinbarten 950 Millionen Euro an den Bund zahlen. Die Dividende fliesst seit einigen Jahren nach einer Vereinbarung für Investitionen ins Schienennetz an den Staatskonzern zurück. Die über vier Jahre dann fehlenden insgesamt 1,4 Milliarden Euro schiesst aber jetzt der Bund zu. Zudem soll in diesem oder dem nächsten Jahr die Bahn eine weitere Milliarde Euro aus Steuergeld bekommen, um ihr Eigenkapital zu stärken. Der Schuldenberg beträgt inzwischen fast 20 Milliarden Euro.

ABGAS-SKANDAL: In Zusammenhang mit dem Abgasskandal verklagen weit mehr als tausend Aktionäre Volkswagen auf insgesamt rund 8,2 Milliarden Euro. Diese neue Bilanz der eingegangenen Klagen veröffentlichte das Landgericht Braunschweig. Allein am Montag seien rund 750 weitere Schadenersatzforderungen eingetroffen. In den Klagen fordern Aktionäre Schadenersatz, weil sie sich von Volkswagen getäuscht sehen. Ihrer Meinung nach hätte der Konzern früher über die Manipulationen an Diesel-Motoren und die möglichen Konsequenzen informieren müssen.

INDITEX BESSER ALS H&M: Der Fokus auf grosse Vorzeigefilialen in Innenstadtlage sowie auf Verkäufe im Internet macht sich für die weltgrösste Modekette Inditex bezahlt. Wie der Zara-Mutterkonzern mitteilte, legte der Gewinn im ersten Halbjahr bis Ende Juli um acht Prozent auf 1,26 Milliarden Euo zu. Der Umsatz zog in dieser Zeit um elf Prozent an. Auch die ersten Wochen des laufenden Quartals seien gut gelaufen. So habe die Marke Zara mit Blumenkleidern, Tops und Jumpsuits bis Mitte September beim Umsatz ohne Wechselkurseffekte um 13 Prozent zugelegt. Damit setzt sich der Branchenprimus weiter von den Rivalen H&M sowie Next ab. Sowohl die schwedische Modekette als auch das britische Label hatten vergangene Woche ungewöhnliche Wetterverhältnisse für enttäuschende Zahlen verantwortlich gemacht.

GELDPOLITIK ANGEPASST: Die japanische Notenbank setzt bei ihrer ultralockeren Geldpolitik neue Akzente und signalisiert zugleich eine weitere Öffnung der Geldschleusen. Auf eine Verschärfung der Strafzinsen verzichtet sie aber vorerst. Stattdessen passte die Notenbank im Kampf gegen die hartnäckige Konjunkturflaute ihre Massnahmen an. So setzte sie sich für ihr massives Anleihenkaufprogramm ein langfristiges Zinsziel. Zudem kehrte sie dazu zurück, die Inflationsrate möglichst schnell wieder auf zwei Prozent zu bringen. Es gebe noch Spielraum die Zinsen tiefer in den Minusbereich zu drücken, teilte die Zentralbank mit. Kern des neuen Rahmenplans sei es, die Realzinsen durch die Kontrolle der kurz- und langfristigen Zinsen zu drücken.

SCHWACHER AUSSENHANDEL: Die Ausfuhren Japans sind im August deutlich stärker zurückgegangen als erwartet. Den vom Finanzministerium vorgelegten Daten zufolge betrug das Minus 9,6 Prozent. Ökonomen hatten lediglich mit 4,8 Prozent gerechnet. Vor allem die erstarkte Landeswährung Yen und die schwache Nachfrage in Übersee lastete auf den Ausfuhren. Für Japan war es der elfte Monat mit Rückgängen in Folge. Angesichts der jüngsten Zahlen steht in Frage, ob Japan im laufenden Quartal beim Wirtschaftswachstum an Tempo zulegen kann. Die Ausfuhren nach China, den grössten Handelspartner Japans, sanken im August um 8,9 Prozent. Die Exporte in die USA sanken um 14,5 Prozent, die in die Europäische Union um 0,7 Prozent. Die Einfuhren nach Japan gingen im abgelaufenen Monat um 17,3 Prozent zurück und damit nicht ganz so stark wie von Experten erwartet.

ZUGELEGT: Der US-Paketdienst FedEx hat im ersten Quartal mehr verdient und umgesetzt als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Gewinn sei auf 715 Millionen Dollar von 692 Millionen Dollar gestiegen. Der Umsatz erhöhte sich auf 14,7 Milliarden Dollar von 12,3 Milliarden Dollar. Der In Memphis ansässige Konzern erklärte den Anstieg mit höheren Einnahmen im Express- und Frachtgeschäft. FedEx hatte im Mai den 4,9 Milliarden Dollar schweren Kauf des niederländischen Rivalen TNT Express abgeschlossen. Die Geschäftsentwicklung bei Fedex gilt als Indikator für die Gesamtkonjunktur, da der Paketdienstleister Waren von Herstellern aus so unterschiedlichen Branchen wie Elektronik, Pharma, Medizintechnik und Automobilbau befördert.

REKORDUMSATZ: Der US-Softwarekonzern Adobe hat unter anderem dank der starken Nachfrage nach seinen Clouddiensten einen Rekordumsatz erwirtschaftet. Der Umsatz stieg im dritten Geschäftsquartal auf 1,46 Milliarden Dollar von 1,22 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Das war der zehnte Anstieg in Folge. Von Reuters befragte Experten hatten mit 1,45 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn erhöhte sich auf 270,8 Millionen Dollar von 174,5 Millionen. Die Aktie des Photoshop- und Acrobat-Reader-Konzerns stieg nachbörslich um 3,6 Prozent.

KLAGE: Nach einem tödlichen Unfall mit einem Tesla in China verklagt der Vater des Unfallopfers den US-Autobauer. Die Hinterbliebenen seien überzeugt, dass bei der tödlichen Fahrt im Januar der Autopilot des Tesla Model S eingeschaltet gewesen sei. Das Unternehmen habe die Fähigkeiten des Systems übertrieben dargestellt, sagte die Anwältin. Der Vater des Opfers fordert laut der Anwältin, dass Tesla seine Werbung für das Autopilotsystem ändert. Der Begriff "automatisches Fahren" solle nicht mehr verwendet werden. Ausserdem will der Vater demnach eine öffentliche Entschuldigung des Unternehmens wegen irreführender Werbung erreichen und knapp 1500 Franken Schmerzensgeld erhalten. Der 23-jährige Unfallfahrer war im Januar ums Leben gekommen, nachdem sein Tesla Model S auf einer Autobahn in der Provinz Hebei in ein Fahrzeug der Strassenreinigung gekracht war.

(AWP)