Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Freitag, 23. September 2016
23.09.2016 17:26

VON-ROLL-CHEF GEHT: Konzernchef Achim Klotz verlässt das kriselnde Industrieunternehmen Von Roll. An seine Stelle tritt ab dem 1. Oktober Verwaltungsrat Christian Hennerkes. Dieser wird gleichzeitig auch Delegierter des Verwaltungsrats. Klotz verlasse die Firma auf eigenen Wunsch, teilte Von Roll mit. Er stelle sich neuen Herausforderungen. Von Roll würdigt den abtretenden Chef. Klotz habe dem Konzern in energiewirtschaftlich schwierigen Zeiten neue Strukturen gegeben, das Unternehmen konsolidiert und die Kosten merklich gesenkt. Sein Nachfolger Hennerkes ist seit April Verwaltungsrat.

GEMEINSAME SACHE: Die zur SIX Group gehörende SIX Securities Services will im Rahmen einer Partnerschaft künftig gemeinsam mit Clearstream Dienstleistungen für die Märkte in der Schweiz und Europa anbieten. SIX Securities Services als Zentralverwahrerin begründet die angestrebte Partnerschaft mit steigenden Kosten und Regulierungsdruck. Die Regulierungs- und Compliance-Kosten seien bei den Betreibern von europäischen Finanzmarktinfrastrukturen in den letzten Jahren deutlich gestiegen und hätten in der Branche Konsolidierungs- und Rationalisierungsprozesse ausgelöst, teilte die SIX mit.

WACHSTUM: Hilti kehrt auf den Wachstumskurs zurück. Nach einem Taucher im Vorjahr aufgrund des Frankenaufwertung legte der Liechtensteiner Baugerätekonzern sowohl beim Umsatz wie beim Gewinn wieder zu. So stieg von Anfang Januar bis Ende August der Umsatz gegenüber der Vorjahresperiode um 7,3 Prozent auf 3,05 Milliarden Franken. Der Reingewinn erhöhte sich um 20,8 Prozent auf 289 Millionen Franken. Das Unternehmen steigerte dabei in fast allen Geschäftsregionen die Verkäufe. Einzig in Lateinamerika führte die regionale Wirtschafts- und Politikkrise zu sinkenden Umsätzen. Für das Gesamtjahr erwartet das Management ein ebenso starkes Wachstum bei gleicher Profitabilität.

SONDERGEWINN: Der Heizungs- und Lüftungshersteller Zehnder hat in China eine Fabrikliegenschaft verkauft. Dadurch ergibt sich für den EBIT im Gesamtjahr 2016 ein positiver Effekt von knapp 40 Millionen Euro und auf Stufe Reingewinn vor Minderheiten von 25 bis 30 Millionen Euro. Der Übergang von Nutzen und Risiken auf den Käufer soll spätestens Ende 2016 stattfinden. Ende 2013 nahm Zehnder die neue Entwicklungs- und Produktionsstätte in Dachang in der Provinz Hebei in Betrieb . Für die alte Fabrikliegenschaft in Peking und das dazugehörende Landnutzungsrecht schloss das Unternehmen Ende 2014 einen Verkaufsvertrag ab. Bis Januar 2015 seien Anzahlungen von total rund 14 Millionen Euro geleistet worden, danach seien die restlichen Zahlungen jedoch ausgeblieben, heisst es im Communiqué.

NIEDERLAGE: Das Projekt für ein neues Casino im Palais Schwarzenberg in Wien hat der Stadtcasino Baden AG kein Glück gebracht. Der Verwaltungsgerichtshof in Wien hob die erteilte Lizenz wegen Verfahrensfehlern endgültig auf. Mit dem letztinstanzlichen Entscheid müsse das Projekt beendet werden, teilte die Stadtcasino Baden AG mit. Es würden Schadenersatzforderungen gegen die Republik Österreich geprüft. Das Unternehmen wollte zusammen mit dem deutschen Automatenkonzern Gauselmann mehr als 50 Millionen Euro investieren und im historischen Palais Schwarzenberg neben der Schweizer Botschaft in Wien ein Casino betreiben.

ZENTRALE STANDORTE: Der Detailhändler Aldi Suisse setzt vermehrt auf Standorte in den städtischen Zentren. Das allgemeine Ladensterben ist für den Discounter dabei eine Chance. Mit dem Strukturwandel im Detailhandel gäben zahlreiche Firmen im Non-Food-Bereich ihre Geschäfte an attraktiven und teuren Lagen auf, sagte Timo Schuster, Chef von Aldi Suisse, in einem Interview in der "Neuen Luzerner Zeitung. Vor allem im Kleider-, Schuh- und Elektronikhandel verlagere sich das Geschäft zusehends ins Internet. Die dadurch freiwerdenden Flächen in den Innenstädten gelte es für Aldi zu besetzen.

GEFÄLSCHTE PRODUKTE: Die EU hat 2015 schätzungsweise fünf Millionen mehr gefälschte Produkte beschlagnahmt als im Jahr davor. Wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte, stieg deren Zahl gegenüber 2014 um 14 Prozent. Die Zollbehörden beschlagnahmten mehr als 40 Millionen Waren im Wert von fast 650 Millionen Euro, die einen Verstoss gegen geistige Eigentumsrechte darstellten. Hauptursprungsland ist China. In der Schweiz zählte der Zoll im vergangenen Jahr 3521 versuchte Einfuhren von gefälschten Markenartikeln per Post. In acht von zehn Fällen handelte es sich um Warensendungen aus Hongkong oder China. Im Reiseverkehr nahmen die Einfuhrversuche ab.

EIGENKAPITAL: Deutschland und Frankreich wollen Wettbewerbsnachteile für europäische Banken durch zusätzliche Eigenkapitalanforderungen verhindern. Es müsse alles daran gesetzt werden, dass es durch die Kapitalregeln "Basel III" keine spezifischen Benachteiligungen für europäische Banken gebe, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag in Berlin nach Gesprächen des deutsch-französischen Finanz- und Wirtschaftsrates. Sein französischer Amtskollegen Michel Sapin sagte, zusätzliche Sicherheiten seien zwar nötig. Aber Banken müssten auch die Realwirtschaft unterstützen können. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte, es dürfe keinen zusätzlichen signifikanten Anstieg der Eigenkapitalanforderungen geben.

GRENZEN BEI NIEDRIGZINS: EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau sieht bei der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank nur begrenzten Spielraum. Die Negativzinsen seien zwar ein nützliches Werkzeug, doch gebe es dafür Schranken, sagte der Franzose auf der Jahreskonferenz des Europäischen Systemrisikorats (ESRB). Die deutsche Direktorin Sabine Lautenschläger hatte sich jüngst gegen weitere Zinssenkungen ausgesprochen. Geldhäuser müssen bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken. Diese hatte den Satz im März auf minus 0,4 von zuvor minus 0,3 Prozent gesetzt. Damit sollen die Banken vom Horten des Geldes abgehalten werden, das stattdessen nach dem Willen der Währungshüter in die Kreditvergabe fliessen sollte.

WENIGER VERDIENT: Die Verwaltungsräte von Volkswagen haben infolge des Dieselskandals im 2015 mehr gearbeitet und weniger verdient. Das ist eines der Ergebnisse der Verwaltungsratsstudie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Generell seien die Anforderungen an die Kontrollgremien der deutschen Unternehmen wegen neuer Gesetzgebungen gestiegen und damit auch die Zahl der Sitzungen, heisst es in der Studie. Das galt wegen der Krise für VW im Besonderen: die Zahl der Sitzungen verdoppelte sich 2015 mit 35 im Vergleich zum Vorjahr nahezu. Dabei rentierte sich der Mehraufwand für die Gremiumsmitglieder finanziell nicht. Sie verdienten mit insgesamt 700'000 Euro rund 94 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor.

SCHADENERSATZ: Ein französisches Gericht hat die Schadenersatzforderung gegen den Ex-Börsenhändler Jérôme Kerviel drastisch abgesenkt. Anstelle der in zwei Gerichtsurteilen festgesetzten 4,9 Milliarden Euro solle Kerviel der Grossbank Société Générale lediglich eine Million Euro zahlen, erklärte das Berufungsgericht von Versailles. Der 39-Jährige sei für den Schaden, den sein damaliger Arbeitgeber erlitten hatte, nur "teilweise" verantwortlich. Das Gericht gab der Société Générale eine Mitschuld an den Verlusten, weil Kontrollmechanismen der Bank versagt hätten.

FRANKREICHS WIRTSCHAFT SCHRUMPFT: Die Wirtschaft Frankreichs ist im zweiten Quartal überraschend etwas geschrumpft. Die Wirtschaftsleistung ging laut offiziellen Zahlen in den Monaten April bis Juni zum Vorquartal um 0,1 Prozent zurück. Zuvor hatten die Statistiker noch eine Stagnation gemeldet und Experten waren von einer Bestätigung der vorangegangenen Schätzung ausgegangen. Im Auftaktquartal hatte Frankreich noch mit 0,7 Prozent das stärkste Wachstum seit Mitte 2013 verzeichnet. Als eine Ursache für das Abflauen der Konjunktur in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone gelten Streiks und Proteste, die zuletzt die Arbeitsmarktreform der Regierung begleitet hatten.

NEUE ABGASTESTS: Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal hat nach Auffälligkeiten bei Abgastests weitere Untersuchungen angekündigt. Die nach dem VW-Abgasskandal eingesetzte Expertenkommission werde sieben Fahrzeuge weiteren Tests unterziehen, teilte das Ministerium mit. Dabei solle den zuvor festgestellten Überschreitungen von Abgasnormen nachgegangen und die Software der Fahrzeuge näher unter die Lupe genommen werden. Paris hatte nach dem Bekanntwerden des VW-Abgasskandals Nachmessungen an 86 Modellen angeordnet. Diese stellten Werte fest, die vor allem ausserhalb des Labors teils deutlich über den Abgasnormen lagen.

VOR DEM VERKAUF: Der unter Druck geratene Kurznachrichtendienst Twitter bewege sich auf eine Übernahme zu, berichtete der US-amerikanische Sender CNBC und berief sich auf Insider-Informationen. Ein Verkauf stehe zwar nicht unmittelbar bevor. Es gebe aber Interessenten, zu denen unter anderem der Cloud-Spezialist Salesforce und Google gehörten. Die Twitter-Aktie schoss nach Bekanntwerden des Berichts in New York in die Höhe. Der Konzern verliert immer mehr den Anschluss an die Internet-Platzhirsche Google und Facebook. Werbekunden machen einen Bogen um das Unternehmen. Zudem kehrten ihm zuletzt reihenweise Top-Manager den Rücken.

WELTGRÖSSTE HOTELKETTE: Die US-Hotelkette Marriott hat die Übernahme des Konkurrenten Starwood abgeschlossen, wie Marriott mitteilte. Fortan ist sie die grösste Hotelgruppe der Welt, mit mehr als 5700 Hotels mit mehr als 1,1 Millionen Zimmern in mehr als 110 Ländern. Damit liegen Marriott und Starwood zusammen weit vor den Konkurrenten Hilton Worldwide und Intercontinental Hotel Group. Marriott gibt sich "überzeugt", durch die Fusion 250 Millionen Dollar Kosten jährlich einsparen zu können. Zu Marriott gehören unter anderem die JW-Marriott- und Ritz-Carlton-Hotels. Zu Starwood gehören die Westin-, Sheraton- und Le-Méridien-Hotels.

BANGEN UM ÜBERNAHME: Nach Bekanntwerden eines erfolgreichen Hackerangriffs auf den Internet-Pionier Yahoo auf mindestens 500 Millionen Nutzerkonten am Donnerstag, muss jetzt die angeschlagene Firmenchefin Marissa Mayer um die vereinbarte Milliardenübernahme durch den US-Telekomriesen Verizon kämpfen. Analysten gehen davon aus, dass Verizon nun einen spürbaren Preisnachlass durchsetzen will. Die Verizon-Führung hält sich bedeckt: "Wir werden im Fortgang der Ermittlungen eine Bewertung vornehmen, die sich nach den Gesamtinteressen von Verizon orientiert", hiess es in einer Mitteilung lediglich. An der Börse wuchsen die Sorgen um Yahoo.

UNGEMACH: Nach den Problemen mit seinem neuen Top-Modell Galaxy Note 7 droht Samsung nun auch Ungemach mit einer älteren Smartphone-Serie. Nach Angaben der indischen Luftfahrtbehörde DGAC fing ein Smartphone vom Modell Samsung Galaxy Note 2 während eines Flugs der Airline IndiGo von Chennai nach Singapur an zu qualmen. Die indische Luftfahrtbehörde will nun Fluggesellschaften dazu anhalten, ihre Passagiere aufzufordern, Smartphones der Samsung-Note-Serie nicht mit an Bord zu nehmen oder zumindest während des Fluges ausgeschaltet zu lassen. Ein Sprecher von Samsung sagte, das Unternehmen werde den Vorgang prüfen.

BALDIGE LÖSUNG: Die Krise um weltweit ungelöschte Ladungen auf Schiffen der insolventen Reederei Hanjin kann nach Ansicht des südkoreanischen Finanzministers Yoo Il Hoo bis zum nächsten Monat entschärft werden. Fast 90 Prozent der von Hanjin betriebenen Containerschiffe könnten bis Ende Oktober entladen werden. "Die Logistik-Störungen werden dann beendet sein", sagte Yoo laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap bei einem Besuch des Terminals der grössten südkoreanischen Reederei in Busan. Dafür wolle sich die Regierung einsetzen. Bisher seien 35 von 97 betroffenen Schiffen entladen worden. Die Pleite von Hanjin hatte weltweit bei Schiffseignern, Häfen und Händlern grosse Unsicherheit ausgelöst. Gecharterte Schiffe oder Schiffe in Eigenbesitz von Hanjin warten nach wie vor auf offener See, weil ihnen teilweise die Zufahrt zu Häfen verweigert wird. Es besteht die Sorge, dass Gebühren nicht bezahlt werden.

KOOPERATION: Die chinesische Wanda-Gruppe und das Hollywood-Studio Sony Pictures wollen künftig eng kooperieren. Die Unterhaltungsriesen vereinbarten eine "strategische Allianz", die eine gemeinsame Finanzierung von Produktionen einschliesst, wie Wanda mitteilte. Nach dem Kauf des Hollywood-Studios Legendary ("Jurassic Park", "Godzilla", "Batman") für 3,5 Milliarden Dollar im Januar ist die Partnerschaft mit Sony ein weiterer Schritt des Wanda-Konzerns, seine Position im weltweiten Filmgeschäft auszubauen. Die Gruppe um den Milliardär und reichsten Chinesen Wang Jianlin ist bereits der grösste Kinobetreiber der Welt und ein führender Filmproduzent in China.

(AWP)