Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 27. September 2016
27.09.2016 17:37

SCHLECHTE ZEITEN: Katerstimmung in der Schweizer Uhrenindustrie: Nach 14 Monaten mit Exportrückgängen betrachten immer mehr Manager die Aussichten der Branche als düster. Im Vergleich zu 2015 beurteilen doppelt so viele Manager von Uhrenkonzernen den Ausblick für die Schweizer Uhrenindustrie pessimistisch. Mit 82 Prozent der Führungskräfte hat der Wert laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte gar einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt sanken die Exporte von Schweizer Uhren von 10,2 Milliarden Franken im ersten Halbjahr 2015 auf 9,5 Milliarden Franken im ersten Semester 2016. Grund ist vor allem der Einbruch der Exporte in Hongkong. Der Negativtrend dürfte im nächsten Jahr anhalten: 57 Prozent der befragten Führungskräfte rechnen damit, dass die Nachfrage nach Schweizer Uhren in Hongkong weiter sinken wird.

PREISBLASEN AUF IMMOMARKT: In sechs von achtzehn ausgewählten Grossstädten weltweit ist der Immobilienmarkt überhitzt. Am grössten ist die Gefahr eines starken Einbruchs der Hauspreise im kanadischen Vancouver. Aber auch in London, Stockholm, Sydney, München und Hongkong drohen gemäss dem neuesten UBS Global Real Estate Index Immobilienblasen zu platzen. Für die Schweizer Städte Zürich und Genf sieht die UBS dagegen trotz einer deutlichen Überbewertung zurzeit keine Blasengefahr. Das gleiche gilt auch für San Francisco, Amsterdam, Paris, Tokio und Frankfurt. Als normal beurteilt die UBS die Immobilienpreise nur in Singapur, Boston, New York, und in Mailand. In Chicago seien die Hauspreise sogar zu tief.

ENGERE KOOPERATION: Chinesische Firmen sollen künftig direkt Kapital an der Schweizer Börse aufnehmen können. Die Schweizer Niederlassung der China Construction Bank (CCB) strebt eine Teilnehmerschaft bei SIX Swiss Exchange an. Dies geht aus einer Mitteilung der Finanzinfrastrukturanbieterin SIX Securities Services hervor. SIX Securities Services unterstütze die CCB bei der Bereitstellung von Finanzprodukten für die Schweizer Finanzindustrie. Den Angaben zu Folge wird die Schweizer Niederlassung der CCB demnächst auch sogenannte Repo-Geschäfte auf der neuen Plattform der SIX tätigen. Damit kann sich die CCB künftig mit Liquidität der Schweizerischen Nationalbank (SNB) versorgen. Bereits heute wickelt die CCB ihre Zahlungen in Franken und Euro über die Infrastruktur der SIX ab.

KAUF RÜCKT NÄHER: Die Gesundheitsgruppe Aevis Victoria kommt beim geplanten Kauf der Privatklinik Générale Beaulieu (GBH) voran. Aevis sei im Rahmen der Übernahmeofferte bereits mehr als 45 Prozent der GBH-Aktien angedient worden, teilte das Unternehmen mit. Aevis hat allerdings unlängst Konkurrenz von dem privaten Genfer Gesundheitsunternehmen Clinique des Grangettes erhalten. Dieses will den GBH-Aktionären bis am 5. Oktober ein Gegenangebot bestehend aus einem Aktientausch und der Schaffung eines gemeinsamen Unternehmens vorlegen. Das Angebot von Les Grangettes betrifft früheren Angaben zu Folge alle Aktien von Générale-Beaulieu, die noch nicht von Aevis gekauft wurden.

STELLENABBAU IN FREIBURG: Der Freiburger Fenster- und Storenfabrikant Favorol Papaux hält an seinen Restrukturierungsplänen fest. Die Standorte in Crissier (VD), des Acacias (GE) und Sitten (VS) werden geschlossen. 26 Stellen gehen verloren. Das Unternehmen bestätigte die Abbaupläne nach Ende der Konsultationsfrist, wie Armand Jaquier, Regionalsekretär der Gewerkschaft Unia, eine Meldung der Zeitung "La Liberté" bestätigte. Einen Sozialplan gebe es nicht. Favorol Papaux kündigte den Stellenabbau Anfang Monat an und begründete ihn mit einem Rückgang der Bestellungen in einem hart umkämpften Markt. Von 27 Millionen Franken im Jahr 2015 dürfte der Umsatz im laufenden Jahr auf 24 bis 25 Mio. Franken sinken.

RECHTSSTREIT ABGEHAKT: Die Bank Julius Bär kann einen Rechtsstreit zu den Akten legen. Ein Gericht in dem asiatischen Stadtstaat hat eine Schadenersatzklage abgewiesen. Der Fall sei in Übereinstimmung verworfen und für die Privatbank abgeschlossen worden, teilte das Geldhaus mit. Zwei ehemalige Kunden hatten die Niederlassung des Vermögensverwalters in Singapur in Zusammenhang mit Verlusten auf Wertpapier-Transaktionen in den Jahren 2007 und 2008 auf umgerechnet insgesamt 90 Millionen Franken eingeklagt. Julius Bär hatte die Vorwürfe bereits vor drei Jahren bestritten. Die Verfahrenskosten trägt das Gericht.

FINANZPLÄTZE UNTER DRUCK: Die Schweizer Finanzplätze haben international an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst. Genf büsst in einem Ranking acht Plätze ein und rangiert noch an 23. Stelle. Der Fall von Genf vom 15. auf den 23. Rang begründet der Rankingersteller Z/Yen mit den Schwierigkeiten der Vermögensverwaltung, die unter neuen Regulierungen insbesondere in Steuerfragen leiden. Zürich rutscht um zwei Ränge nach hinten auf den neunten Platz, bleibt aber europaweit die Nummer Zwei. London hält sich auch dieses Jahr zuvorderst an der Spitze. Danach folgen New York, Singapur, Hongkong und Tokio.

PWC SCHWEIZ SETZT MEHR UM: Neue Vorschriften und Ansprüche an die Transparenz bescheren den Unternehmens- und Steuerberater viel Arbeit: Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC Schweiz hat im Geschäftsjahr 2015/16 den Nettoumsatz um 10 Prozent auf 704 Millionen Franken gesteigert. Der Bruttodienstleistungsertrag wuchs um 4 Prozent auf 852 Millionen Franken, wie das Unternehmen mitteilte. Grösster Umsatzträger für PwC ist die klassische Wirtschaftsprüfung, also das Geschäft mit Revisionen. Der Nettoumsatz stieg um 4 Prozent auf 362 Millionen Franken. Mit Steuer- und Rechtsberatung hat PwC 201 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftet, was ebenfalls einem Plus von 4 Prozent entspricht. Die Wirtschaftsberatung wuchs dank Zukäufen und neuen Angeboten um 41 Prozent auf 141 Millionen Franken.

WTO SENKT PROGNOSE: Der Welthandel wächst 2016 nach Einschätzung von Experten noch langsamer als zu Jahresbeginn befürchtet. Statt eines im April prognostizierten Wachstums auf dem Vorjahresniveau von 2,8 Prozent geht die WTO jetzt von nur noch 1,7 Prozent aus. 2016 werde das Jahr mit dem langsamsten Wachstum des Welthandels seit der Finanzkrise 2009, erklärte die Welthandelsorganisation (WTO) in Genf. Auch für das kommende Jahr korrigierte die WTO Erwartungen nach unten. Statt der ursprünglich für 2017 prognostizierten Zunahme des Waren- und Dienstleistungsverkehrs um 3,6 Prozent geht die Organisation nun von 1,8 bis höchstens 3,1 Prozent aus. "Die dramatische Verlangsamung im Handel sollte als Weckruf dienen", sagte WTO-Generaldirektor Roberto Azevèdo. 2016 ist bereits das fünfte Jahr hintereinander mit einem Plus von weniger als drei Prozent.

DATENABGLEICH-VERBOT: In Deutschland hat ein Datenschutzbeauftragter Facebook mit sofortiger Wirkung untersagt, Daten von WhatsApp-Nutzern zu erheben und zu speichern. Zudem müsse Facebook bereits von WhatsApp übermittelte Daten löschen. Die rund 35 Millionen WhatsApp-Anwender in Deutschland müssten selbst entscheiden können, ob sie eine Verbindung ihres Kontos mit Facebook wünschen, erklärte der Datenschutzbeauftragte von Hamburg am Dienstag. "Dazu muss Facebook sie vorab um Erlaubnis fragen. Dies ist nicht geschehen." Facebook kündigte Widerspruch gegen die Anordnung an. Auch in der Schweiz ist die Datenweitergabe ein Thema. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) will sich dafür einsetzen, dass allfällige Anpassungen der Datenbearbeitung bei diesem Dienst auch für Nutzer in der Schweiz gelten werden.

AUFSCHWUNG IN CHINA: Die Gewinne der chinesischen Industrie sind im August um fast ein Fünftel in die Höhe geschnellt und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Damit mehren sich die Anzeichen, dass die zweitgrösste Volkswirtschaft hinter den USA wieder an Fahrt aufnimmt. Wie das Nationale Statistikamt mitteilte, kletterten die Gewinne der Industriefirmen im August um 19,5 Prozent auf umgerechnet 77 Milliarden Franken. Das ist der grösste Zuwachs seit August 2013. Zulegen konnten vor allem Stahl- und Autokonzerne sowie Ölraffinerien. Erfasst wurden Firmen ab einem Jahresumsatz von 2,8 Millionen Franken. Die Statistiker führen das Plus auch auf das milliardenschwere Konjunkturprogramm der Regierung zurück.

WESTBALKANSTAATEN WACHSEN: Sechs Westbalkanstaaten - Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien - werden das laufende Jahr mit einer BIP-Zunahme zwischen 2 und 3,6 Prozent abschliessen. Dies berichtete der TV-Sender "N1" unter Berufung auf den jüngsten Halbjahresbericht der Weltbank. Mit der grössten Zunahme des Bruttoinlandprodukts (BIP) - 3,6 Prozent - kann demnach der jüngste Staat Europas, Kosovo, rechnen. Das niedrigste Wachstum - 2 Prozent - dürfte in Mazedonien verbucht werden. Die Weltbank hat zugleich die Wachstumserwartungen für Serbien von früher 1,5 auf 2,5 Prozent des BIP hinauf geschraubt. Die Arbeitslosigkeit habe im zweiten Quartal mit 15,2 Prozent den niedrigsten Stand seit 2009 erreicht, so die Weltbank.

ARBEITEN ÜBER 65: Im EU-Durchschnitt arbeiteten im vergangenen Jahr fast zwölf Prozent der über 65-Jährigen. Binnen zehn Jahren erhöhte sich der Anteil um rund drei Prozentpunkte, wie das Deutsche Statistische Bundesamt mitteilte. In Deutschland hat sich der Anteil der 65- bis 69-Jährigen an den Erwerbstätigen von 2005 bis 2015 auf 14,5 Prozent mehr als verdoppelt. In anderen EU-Staaten werde noch deutlich häufiger nach Erreichen des 65. Lebensjahres gearbeitet. In Estland etwa beträgt der Prozentsatz fast 30 Prozent, in Schweden fast 22 Prozent, in Grossbritannien rund 21 Prozent. In mehreren EU-Ländern gab es aber auch ein deutlicher Rückgang: In Portugal etwa ging der Anteil der Erwerbstätigen über 65 Jahre um zehn Prozentpunkte auf 18,2 Prozent zurück.

MILLIARDENÜBERNAHME: In der US-Energiebranche bahnt sich eine neue Milliardenübernahme an. Der Öl- und Gaskonzern Rice Energy will nach eigenen Angaben den Konkurrenten Vantage Energy für rund 2,7 Milliarden Dollar erwerben. Rice Energy wolle das Geschäft in bar, in Aktien und durch Übernahme von Schulden abwickeln. Der Zukauf solle im vierten Quartal vollzogen werden. Die Aktien von Rice Energy gaben nachbörslich mehr als vier Prozent nach. Viele Energiefirmen stehen wegen des Ölpreisverfalls unter Druck. Zuletzt kam es in der Branche vermehrt zu Übernahmen.

(AWP)