Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 29. September 2016
29.09.2016 17:28

MEYER BURGER SPART: Der Solarzulieferer Meyer Burger spart weiter. Das Unternehmen baut bis Ende Jahr 250 Stellen ab, ein Drittel davon in der Schweiz, hauptsächlich am Standort in Thun BE. Gespart werden sollen nochmals 50 Millionen Franken pro Jahr. Das ist nicht das erste Sparprogramm bei der Firma. Der Stellenabbau findet im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms statt, mit dem das Unternehmen seine Profitabilität nachhaltig erhöhen will. Dazu will sich Meyer Burger auf seine Kerntechnologien konzentrieren. Ziel sei, das Unternehmen in seinen strategischen Technologiebereichen zu stärken. Zudem solle es flexibler auf kurzfristige Marktveränderungen reagieren können.

AEVIS VICTORIA KAUFT ZU: Die zu Aevis Victoria gehörende Spitälergruppe Swiss Medical Network kauft die Genfer Privatklinik Générale-Beaulieu. Aktionäre, die insgesamt mehr als 50 Prozent der Aktien halten, haben das Angebot angenommen und ihre Aktien an Swiss Medical Network verkauft. Das teilten Swiss Medical Network und die Clinique Générale-Beaulieu mit. Vor rund zwei Wochen hatte Aevis Victoria über die Tochter Swiss Medical Network eine Bar-Offerte über 25'000 Franken je Aktie auf den Tisch gelegt. Der offerierte Preis entspricht einer Bewertung der Générale-Beaulieu-Gruppe mit 187,5 Millionen Franken. Ende vergangener Woche hatte sich ein Übernahmekampf abgezeichnet- diesen hat Aevis Victoria nun für sich entschieden.

BUSSE FÜR NIKON: Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Beschwerde der Nikon AG (Schweiz) gegen eine Sanktion der Wettbewerbskommission (WEKO) wegen Behinderung von Parallelimporten in der Hauptsache abgewiesen. Der japanische Kamerahersteller muss eine Busse von 12 Millionen Franken zahlen. Das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen kommt in seinem Urteil zum Schluss, dass die Konzernniederlassung in der Schweiz in den Jahren 2008 und 2009 die Einfuhr von Fotoapparaten, Wechselobjektiven und Blitzgeräten ihrer Marke in die Schweiz behindert habe. Dadurch sei der Wettbewerb in der Schweiz erheblich beeinträchtigt worden.

MEHR TRANSPARENZ: Dank der Minder-Initiative hat sich die Transparenz und die Struktur der Managerlöhne in den börsenkotierten Unternehmen markant verbessert. Die Saläre auf der Führungsebene bleiben jedoch gemäss der Anlagestiftung Ethos im internationalen Vergleich hoch. So ist von 2014 auf 2015 der Gesamtbetrag der Managerlöhne aller 204 Unternehmen, die im Swiss Performance Index SPI enthalten sind, um 2 Prozent gestiegen. Bei der Zusammensetzung der Verwaltungsräte stellt Ethos eine kontinuierliche Verbesserung fest. Nachholbedarf bestehe jedoch bei der Quote der unabhängigen Verwaltungsräte und beim Frauenanteil. So lägen Schweizer Unternehmen mit einem Frauenanteil von lediglich 14 Prozent deutlich hinter den Nachbarländern Frankreich und Deutschland zurück.

HIGHLIGHT WEHRT SICH: Der Verwaltungsrat der in Pratteln domizilierten Medienkonzern Highlight Communications wehrt sich gegen die vom Mutterkonzern Constantin Medien verordnete Neuausrichtung. Dabei seien Kompetenzen überschritten worden. Zudem sei die von der Mehrheitsaktionärin anvisierte Veräusserung des Filmgeschäfts nicht im Interesse der Gesellschaft sowie der Minderheitsaktionäre, heisst es in einer Mitteilung. Auslöser für die Reaktion von Highlight ist ein Beschluss der Konzernleitung und des Verwaltungsrats der deutschen Muttergesellschaft, Constantin Medien, die Tochter neu auszurichten.

METALLBAUFIRMA KONKURS: Die Metallbaufirma Hans Erne in Leuggern AG hat Konkurs angemeldet. Das Unternehmen beschäftigt zwischen 60 und 70 Mitarbeitende. Rund 25 der Mitarbeiter sollen bei einer Auffanggesellschaft weiter beschäftigt werden. Dahinter steht die Fäh Maschinen- und Anlagenbau AG in Glarus, die wie die Erne AG im Besitz der Gebrüder Melchior und Andreas Lütschg steht. Die jetzigen Besitzer hatten die Erne AG 2014 erstmals finanziell mit einem Darlehen unterstützt. Am 1. April übernahmen sie dann von Hans Erne den Grossteil des Aktienkapitals. Zu den Kunden der Erne AG gehörten unter anderem ABB, Axpo, Alstom, Alpiq, BKW, Repower, Holcim, General Electric und andere.

TUI SCHLIESST DREI BÜROS: Tui Schweiz schliesst drei Reisebüros in Bern, Genf und Lausanne. Für die dort Beschäftigten wurden Lösungen gefunden, wie der Reiseanbieter mitteilte. Tui Schweiz setze indessen weiter auf Reisebüros und wolle das Filialnetz ausbauen. Zu diesem Zweck hält der Konzern Ausschau nach Reisebüros, die sich ihm anschliessen wollen. Die drei geschlossenen Filialen würden ersetzt. Die drei Filialschliessungen erfolgen aufgrund "interner Kriterien". Betroffen ist in Bern das Reisebüro an der Marktgasse, in Lausanne die Filiale Grand-Chêne und in Genf die Filiale Chantepoulet. 2017 wird Tui Schweiz über 66 Filialen verfügen, elf davon in der Westschweiz.

GAV FÜR SICHERHEITSFIRMEN: Ab 2017 haben auch kleinere Sicherheitsfirmen mit weniger als zehn Angestellten einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Bisher existierte ein GAV nur für Betriebe mit über zehn Beschäftigten. Der neue GAV bringt einen Mindestlohn und schützt die Firmen vor Dumping. Der Mindestlohn beläuft sich auf 23,40 Franken pro Stunde, wie die Gewerkschaft Syna mitteilte. Der revidierte und erweiterte Vertrag gilt ab 2017 für mindestens drei Jahre. Syna bezeichnete die Verhandlungen mit dem Schweizer Verband der Sicherheitsberufsverbände als konstruktiv und ist zufrieden mit dem Resultat.

NIEDRIGE HANDELSVOLUMEN: Die Grossbank UBS hat im dritten Quartal das schwierige Umfeld zu spüren bekommen. Die normale Saisonalität, die unsichere Konjunktur und die erhöhten geopolitischen Spannungen hätten zu einer Risikoscheu der Kunden und niedrigen Transaktionsvolumen geführt", erklärte Konzernchef Sergio Ermotti. "In gewissen Bereichen und Regionen, in denen unser Investmentbanking arbeitet, bleiben die Bedingungen im Verlauf des Quartals herausfordernd", sagte der UBS-Chef auf einer Finanzkonferenz der Bank of America in London.

OPEC EINIGT SICH: Benzin und Heizöl sollen bald teurer werden, geht es nach der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Deren Mitglieder haben sich nach langem Ringen auf eine Obergrenze bei der Förderung geeinigt. Doch Rohstoffexperten bezweifeln eine nachhaltige Wirkung der Abmachung. Die zerstrittene Opec hatte am späten Mittwochabend überraschend eine Beschränkung des täglichen Produktionsvolumens auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel (je 159 Liter) beschlossen. Die Entscheidung bedeutet eine Absenkung der Produktion um fast 750'000 Barrel täglich gegenüber dem August dieses Jahres. Die genaue Reduktion der einzelnen Mitgliedslandes soll beim Opec-Gipfel am 30. November festgelegt werden.

RADIKALKUR: Die seit langem tief in der Verlustzone fliegende Air Berlin sucht ihr Heil in einer Radikalkur: Die Flotte wird halbiert, Mitarbeiter werden entlassen, Ziele zusammengestrichen und Basen geschlossen. 2018 soll die zweitgrösste Fluglinie Deutschlands wieder operative Gewinne erzielen. Dazu werden bis zu 1200 der 8600 Stellen gestrichen. Ein Teil der Flugzeuge wird an die Lufthansa vermietet, die sie für ihre Billigtochter Eurowings einsetzen will. Das Touristikgeschäft mit 35 Flugzeugen wandert in einen eigenständigen Bereich und könnte Brancheninsidern zufolge später mit der Ferienflug-Linie Tuifly fusioniert werden. Air Berlin wird sich vor allem auf Europa- und Langstreckenflüge von den beiden Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf aus konzentrieren. In Deutschland wird sich das Unternehmen von fünf Flughäfen verabschieden. Zu den Auswirkungen auf die Schweiz hielt sich Air Berlin bedeckt.

KAHLSCHLAG: Nach dem Milliardengewinn im Vorjahr ist die Commerzbank auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet und setzt die Axt beim Personal an. Mit dem Abbau Tausender Jobs versucht die zweitgrösste deutsche Bank den Befreiungsschlag. Zudem soll das Geschäft mit mittelgrossen Firmen radikal neu aufgestellt werden. Unter dem Strich will die Commerzbank in den nächsten vier Jahren rund 7300 Stellen streichen. Nach den Plänen sollen einerseits 9600 Vollzeitstellen abgebaut werden, andererseits aber auch rund 2300 neue Stellen in Wachstumsfeldern entstehen. So dass unter dem Strich rund 38'000 von derzeit rund 45'000 Vollzeitjobs bleiben. Damit wandelt der seit Mai amtierende Konzernchef Martin Zielke auf den Spuren seines Vorgängers Martin Blessing: Dieser hatte seit 2013 etwa 5000 Stellen abgebaut. Blessing ist mittlerweile Schweiz-Chef der UBS.

TÜRKEI-REISEN BRECHEN EIN: Die unruhige Lage in der Türkei schreckt weiter Touristen ab. Im August seien mit 3,2 Millionen Besuchern etwa 38 Prozent weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum gekommen, erklärte das zuständige Ministerium. Dies sei der vierte Monat in Folge mit einem Rückgang von mehr als 30 Prozent. Zentralbankchef Murat Cetinkaya hatte am Mittwoch den Einbruch bei den Touristenzahlen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums verantwortlich gemacht. Er geht jedoch davon aus, dass sie nur vorübergehend sein werde.

MEHR LOHN: In Kambodscha steigt der Mindestlohn für Textilarbeiterinnen von 140 auf 153 Dollar im Monat. Der neue Tarif gelte ab kommendem Jahr, kündigte das Arbeitsministerium an. Der Sektor beschäftigt nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mehr als 700'000 Angestellte, die überwiegende Mehrheit Frauen. In Kambodscha lassen Firmen wie Adidas, Puma, Armani, H&M sowie Gap nähen. Die meisten Fabriken gehören Firmen aus Taiwan, Südkorea und Singapur. Für das arme Land in Südostasien machen Textilien laut ILO rund 80 Prozent der Exporte aus, der Umsatz damit beträgt etwa fünf Milliarden Dollar.

NEUES PROBLEM FÜR SAMSUNG: Nach dem Rückruf von 2,5 Millionen Handys wegen Brandgefahr kämpft der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung nun auch noch mit Berichten über "explodierende" Waschmaschinen. Nach Unternehmensangaben laufen Diskussionen mit US-Behörden. Es fänden "aktive Diskussionen" mit der US-Behörde für Produktsicherheit über Sicherheitsfragen bei seinen Waschmaschinen statt, teilte Samsung mit. Die Stellungnahme des Unternehmens erfolgte nach Bekanntwerden einer Sammelklage. Eine US-Anwaltsfirma hat diese in New Jersey eingereicht und dabei angegeben, dass "einige Samsung-Toplader in den Häusern der Eigentümer explodierten".

DEUTSCHER AUFSCHWUNG: Der boomende Konsum sorgt den führenden Instituten zufolge für einen anhaltenden Aufschwung in Deutschland. Sie erhöhten ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandprodukts 2016 von 1,6 auf 1,9 Prozent, geht aus dem Herbstgutachten für die Bundesregierung hervor. Das wäre das grösste Plus seit fünf Jahren. Für das kommende Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,4 Prozent zurückgenommen, während es 2018 dann 1,6 Prozent sein sollen. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem moderaten Aufschwung", betonten die Forscher. Garant dafür sind kauffreudige Konsumenten.

MEHR WINDSTROM: Die Offshore-Windparks in der Nordsee haben im ersten Halbjahr 2016 mehr als doppelt so viel Strom geliefert wie im Vorjahreszeitraum. Sie speisten 5,18 Terawattstunden Strom ins Netz ein, wie der Netzbetreiber Tennet am Rande der Windenergie-Messe WindEnergy in Hamburg mitteilte. Im ersten Halbjahr 2015 waren es noch 2,26 Terawattstunden gewesen. Insgesamt lieferten Windkraftwerke an Land und auf See in Deutschland 41,1 Terawattstunden Strom. Der Anteil des Nordsee-Stroms habe sich dabei deutlich erhöht. Ursache für den Anstieg ist die steigende Zahl von Windparks, die ans Netz gehen.

OPTIMISMUS IN EURO-ZONE: Die Stimmung in der Wirtschaft der Euro-Zone hat sich im September stärker als erwartet aufgehellt. Das entsprechende Barometer stieg laut EU-Kommission um 1,4 auf 104,9 Punkte. Ökonomen hatten mit einer Stagnation gerechnet. In den grössten Staaten der Währungsunion - Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien - besserte sich die Stimmung am meisten. Besonders in der Industrie zeigten sich die Manager optimistischer. Das ebenfalls ermittelte Konjunktur-Barometer für das Geschäftsklima stieg auf 0,45 Zähler nach 0,03 Zählern in August. Das ist das höchste Niveau seit Oktober 2015.

(AWP)