Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 3. Oktober 2016
03.10.2016 17:36

WENIG MANAGERINNEN: Frauen sind auf Teppichetagen von Schweizer Unternehmen ein ziemlich rares Phänomen. Bei den Konzernchefs liegt ihr Anteil zwar im internationalen Mittel, geht es um Finanzchefs und andere Managerposten sieht es allerdings anders aus. Auf der höheren Führungsebene sind die Frauen in der Schweiz mit 6,7 Prozent vertreten. Der internationale Durchschnitt beträgt 13,8 Prozent, wobei Europa einen Anteil von 12,6 und die USA einen von 16,3 Prozent ausweisen.

NUR EINE ASCOM-SPARTE: Der Technologiekonzern Ascom hat nur noch eine Sparte. Der Verkauf der Abteilung Network Testing an Infovista wurde Ende September abgeschlossen. Damit fokussiert Ascom auf die Sparte Wireless Solutions und dabei vor allem auf Kommunikationssysteme für das Gesundheitswesen. Dieses Modell mit nur einer Sparte soll zu merklich tieferen Kosten führen. Der französische Netzwerkausrüster Infovista kaufte die Ascom-Abteilung. Die Sparte wurde bei dem Kauf mit 45 Millionen Franken bewertet. Ascom erhielt bei Vollzug 30 Millionen Franken. Der Restbetrag besteht aus einem nachrangigen Verkäuferdarlehen.

NEBLIGES HOCH: Die Schweizer Industrie liegt unter einem nebligen Spätsommerhoch. Darauf deutet der Einkaufsmanagerindex (PMI) hin. Er stieg im September auf den höchsten Stand seit Mai und schloss auf 53,2 Punkten. Das sind 2,2 Punkte mehr als im August. Dabei ist der Index vor allem wegen der besseren Auftragslage und wieder längeren Lieferfristen gestiegen. Zudem legten die Einkaufslager auf einen rekordhohen Bestand zu. Andererseits blieb die Produktion gedrosselt und der Stellenabbau hielt ab. So ist von Optimismus wenig zu spüren.

UMSÄTZE SINKEN WEITER: Die Schweizer Detailhändler haben auch im August weniger verkauft als im Vorjahresmonat. Der Abwärtstrend hält nun schon seit Januar 2015 an. Die Umsätze liegen im August 2,9 Prozent tiefer als im Vorjahresmonat. Real, also bereinigt um Preisveränderungen sowie um Verkaufs- und Feiertage, sind die Umsätze um 3 Prozent gefallen. Gegenüber dem Vormonat beträgt der Rückgang nominal 0,3 Prozent respektive real 0,6 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte.

NEUERUNG: Die Marché-Autobahnraststätten könnten bald zum Abholschalter für Online-Einkäufe werden. Der Detailhändler Coop probt in Würenlos AG eine neue Dienstleistung. Auto-Pendler können an der Raststätte ihre Einkäufe, welche sie zuvor auf Coop@home gemacht haben, abholen. Bestellt werden muss morgens bis 9.00 Uhr. Abholbereit sind die Einkäufe dann ab 13.00 Uhr. Im Jargon nennt sich das "Same-Day-Delivery". Denkbar ist, dass auch bald weitere Raststätten zu Pick-up-Stationen werden. Dies sagt Coop-Chef Joos Sutter im Interview mit dem Onlineportal der Pendlerzeitung "20-Minuten".

JAPAN-GESCHÄFT VERKAUFT: Der Luzerner Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler hat den angekündigten Verkauf seines Japan-Geschäfts an den US-Konkurrenten Otis vollzogen. Das teilte das Unternehmen mit. Schindler hatte seinen Rückzug aus Japan im April bekanntgegeben. Otis übernehme die lokale Belegschaft, heisst es weiter in der Schindler-Mitteilung. Dabei handelt es sich nach früheren Angaben um rund 600 Mitarbeiter, die hauptsächlich in der Wartung tätig sind. Zu weiteren Vertragsinhalten vereinbarten die Parteien laut Schindler Stillschweigen. Der Kaufpreis bleibt somit unbekannt.

1,5 PROZENT MEHR LOHN: Bankmitarbeiter sollen im kommenden Jahr 1,5 Prozent mehr Lohn erhalten. Das fordert der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV). Die Forderung wird mit der anziehenden Inflation und den steigenden Krankenkassenprämien begründet. Als weiteres Argument werden die guten Ergebnisse im Bankensektor 2015 aufgeführt. Zudem fordert der SBPV im laufenden Jahr zwei zusätzliche freie Tage. Auf diese Weise sollen die Feiertage an Weihnachten und Neujahr kompensiert werden, welche dieses Jahr auf Sonntage fallen.

KAHLSCHLAG BEI ING: Die niederländische Grossbank ING will im Zuge einer Umstrukturierung Tausende Stellen streichen. Insgesamt dürften von dem Umbau 7000 Arbeitsplätze betroffen sein, teilte die Bank mit. Dabei seien sowohl Verlagerungen als auch Streichungen denkbar. Bis zum Jahr 2021 dürften demnach in Belgien etwa 3500 und in den Niederlanden 2300 Stellen abgebaut werden. Bei externen Anbietern könnten zudem 950 Stellen betroffen sein. Die Schweizer Niederlassung mit fast 200 Mitarbeitern ist nicht betroffen. Insgesamt erfasst der Stellenabbau fast 13,5 Prozent des Personalbestands. Es ist der grösste Abbau seit der staatlichen Rettung vor sieben Jahren.

MEHR TESLAS AUSGELIEFERT: Der Elektroauto-Hersteller Tesla hat im Sommer nach einem Ausbau der Produktion deutlich mehr Fahrzeuge ausgeliefert. Insgesamt verliessen 24'500 Autos die Werke. Das ist nach Unternehmensangaben ein Anstieg um 70 Prozent. Damit kommt der Autohersteller seinem Ziel von 50'000 Fahrzeugen in der zweiten Jahreshälfte näher. Zuletzt hatte Tesla mit Problemen bei der Produktion zu kämpfen, in den ersten beiden Quartalen wurden jeweils weniger Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert als geplant. Tesla-Chef Elon Musk hat seinem Unternehmen einen ambitionierten Plan vorgegeben. Binnen drei Jahren soll die Produktion von Elektroautos verzehnfacht werden.

KRITIK AN DEUTSCHER BANK: Die Deutsche Bank sieht sich als Opfer von Spekulanten und ringt um Vertrauen. Der deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel zeigt wenig Mitleid und wirft dem Geldhaus selbst "Spekulantentum" vor. Seine Sorge gilt den Mitarbeitern. "Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt", sagte der Wirtschaftsminister während seiner Reise in den Iran. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte Spekulanten für den Absturz des Börsenkurses verantwortlich gemacht. Sie wollten das Vertrauen in das Institut schwächen. Besorgte Topmanager aus Deutschland betonten indes die Bedeutung des Geldhauses für die deutsche Wirtschaft.

MEHR WIRTSCHAFTSWACHSTUM: Die griechische Regierung erwartet 2017 ein stärkeres Wachstum der Wirtschaft und einen Rückgang sowohl der Arbeitslosigkeit als auch der Gesamtverschuldung des Landes. Der am Montag in Athen vorgestellte Entwurf für den Haushalt 2017 sieht ein Wachstum von 2,7 Prozent vor. Für 2016 war noch ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,3 Prozent erwartet worden. Die Schuldenquote soll im kommenden Jahr laut dem Entwurf auf 174,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken. Für die Arbeitslosigkeit wird ein Rückgang auf 22,4 Prozent prognostiziert. In Athen kam es unterdessen bei Demonstrationen von Rentnern am Montag zum Einsatz von Tränengas durch die Polizei.

MARKTPLATZ AUF FACEBOOK: Das Online-Netzwerk Facebook hat eine Rubrik zum Verkauf und Kauf unter seinen Nutzern eingeführt. Facebook will mit dem Feature "Marketplace" Anbietern wie eBay oder CraigsList verstärkt Konkurrenz machen. Die Rubrik wird zunächst nur den Nutzern in den USA, Australien und Neuseeland zur Verfügung gestellt, andere Länder sollen in den kommenden Monaten folgen. Facebook-Produktmanagerin Mary Ku sagte in einem Statement, diese Art von Aktivitäten habe in Facebook-Gruppen begonnen und "substanziell zugenommen". "Marketplace" soll den Usern nun den Handel erleichtern. So werden die dort platzierten Fotos von zum Verkauf stehenden Objekten entsprechend der geographischen Nähe des Verkäufers zum Nutzer arrangiert.

BOSCH IM VISIER: Während der deutsche Autokonzern Volkswagen bei der Bewältigung des Abgas-Skandals in den USA vorankommt, gerät der Zulieferer Bosch weiter unter Druck. Nach zahlreichen Autobesitzern haben nun auch die VW-Vertragshändler ihre Entschädigungsforderungen mit neuen Vorwürfen untermauert. Nachdem die US-Vertragshändler im Abgas-Skandal einen Milliardenvergleich mit VW erzielt haben, dringen sie nun auf Entschädigung von Bosch. In der Nacht zum Samstag ging beim zuständigen Gericht in San Francisco eine erweiterte Klageschrift mit neuen Vorwürfen gegen den Zulieferer ein. Wie bereits zahlreiche US-Zivilklagen von geschädigten Dieselbesitzern, geht nun auch die Sammelklage der Autohändler davon aus, dass Bosch beim Abgas-Betrug zweifelsohne die Rolle eines aktiven Mittäters innehatte.

(AWP)