Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Mittwoch, 5. Oktober 2016
05.10.2016 17:26

SCHLIESSUNG: Der Pharmakonzern Novartis schliesst im Rahmen seiner neuen Forschungsstrategie den Standort in Schlieren ZH. Bei der ESBATech in Schlieren, die vor allem in der Augenheilkunde forscht, gehen voraussichtlich 73 Stellen verloren. Novartis will seine biotherapeutische Forschung künftig an zwei Standorten in Basel und Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts konzentrieren. Ein Sprecher bestätigte eine Meldung von Blick.ch, nachdem die Mitarbeitenden über die Pläne informiert wurden. Nun läuft das Konsultationsverfahren an.

LOHNVERHANDLUNGEN: Die Löhne für Mitarbeitende mit einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) sind für das Jahr 2016 um 0,4 Prozent gewachsen. Im Vorjahr betrug der Lohnanstieg 0,8 Prozent. Die Mindestlöhne wurden gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) wie im letzten Jahr um 0,7 Prozent angehoben. Unter Berücksichtigung des tieferen Preisniveaus sind demnach real die Löhne für Mitarbeitende mit einem Gesamtarbeitsvertrag für 2016 um durchschnittlich 0,8 Prozent angestiegen. Davon betroffen waren rund 524'000 Personen. Am stärksten sind die Löhne für Mitarbeitende in den Branchen Verkehr (+1.4%), Post-, Kurier- und Expressdienste (+1.1%) und Finanz und Versicherungsdienstleistungen (+1.1%) gewachsen, während sie in den Branchen Maschinen-, Fahrzeugbau (-0.5%) und Herstellung (-1.7%) von Metallerzeugnissen gesunken sind.

FORDERUNG: Die wirtschaftsliberale Denkfabrik Avenir Suisse fordert, dass die Schweiz mehr auf "Handel statt Heimatschutz" setzt. Die Wirtschaftsbeziehungen zur EU müssten verstärkt werden und es brauche neue Freihandelspartner, etwa Grossbritannien. Die Offenheit der Schweiz sei die wichtigste Grundlage für ihren Wohlstand, hält Avenir Suisse in ihrer Publikation "Handel statt Heimatschutz" fest. Deshalb müssten die Wirtschaftsbeziehungen verstärkt werden, europäisch und global. Für die Beziehungen zur EU schlägt die Denkfabrik ein Vertragspaket "Bilaterale Plus" vor, mit dem Rechtsungleichheiten beseitigt und der Marktzugang zu weiteren Sektoren wie Energie und Finanzdienstleistungen gesichert werden sollen.

NEUE VERTRIEBSZENTRALE: Der amerikanische Biopharma-Konzern Tesaro eröffnet seine internationale Vertriebszentrale in Zug. Damit soll die im 2017 geplante Lancierung der beiden neuen Arzneimittel für Krebskranke, Rolapitant und Niraparib, in Europa unterstützt werden. In einem ersten Schritt werden die verschiedenen Teams im Bereich Vertrieb, Marketing, Medizin, Zulassung und Kundenbetreuung aufgebaut. In Form von Ländergesellschaften in den wichtigsten Vertriebsregionen wie etwa Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien will das Unternehmen die Produkteinführungen weiter vorantreiben.

MEDIEN: Die Schweizer Medien- und Unterhaltungsbranche wächst entgegen der allgemeinen Wahrnehmung weiterhin. Im Jahr 2015 stiegen die Gesamteinnahmen laut einer Studie des Beratungsunternehmens PwC um 5,6 Prozent auf 14,2 Milliarden Franken. Bis 2020 dürften sich diese sogar auf 16 Milliarden Franken belaufen. Haupttreiber sind digitale Werbeformate.

MILLIONEN-AUFTRAG: Stadler Rail hat sich in Grossbritannien einen Grossauftrag gesichert: Der Thurgauer Schienenfahrzeugbauer liefert 58 Züge des Typs Flirt für 610 Millionen Pfund - umgerechnet 760 Millionen Franken - an den britischen Bahnbetreiber Abellio East Anglia. Es handle sich dabei um den bisher grössten Auftrag in Grossbritannien und den ersten für den britischen Fernverkehrsmarkt, schreibt Stadler Rail in einer Mitteilung. Stadler wird auch für die Wartung und Instandhaltung der neuen Züge im Depot Crown Point in Norwich im Osten Englands verantwortlich sein. Die Züge verkehren auf den Intercity-Linien zwischen London und Norwich, Flughafenlinien vom Bahnhof Liverpool nach Stansted und wichtigen Regionalstrecken in East Anglia.

UMSATZPLUS: Der Genfer Aroma- und Riechstoffhersteller Firmenich hat 3,2 Milliarden Franken im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2015/16 umgesetzt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von 6,3 Prozent, in Lokalwährungen gerechnet gar ein Plus von 8,2 Prozent. Die Gründe für das deutliche Wachstum sieht Firmenich-Chef Gilbert Ghostine laut einer Mitteilung im "Vertrauen unserer Kunden, unserer starken Forschung und der Leidenschaft unserer Angestellten". Laut dem Jahresbericht lief es in allen Sparten und Regionen besser. Detaillierte Zahlen publiziert der nach Givaudan weltweit zweitgrösste Aromen- und Riechstoffhersteller aber nicht.

ROHBAU: Der amerikanische Biotech-Konzern Biogen hat in Luterbach SO die Aufrichte des Hauptgebäudes seiner neuen Produktionsstätte gefeiert. Trotz eines verregneten Frühlings laufen die Arbeiten für das eine Milliarde Franken teure Bauvorhaben nach Plan. Das nun im Rohbau fertige Produktionsgebäude beherbergt künftig die Fertigungsanlage, das Kernstück der biopharmazeutischen Anlage. Das Gebäude soll bis Ende Jahr fertiggestellt sein, damit Anfang 2017 die Innenarbeiten beginnen können. Für den Betrieb der Anlage entstehen in den Bereichen Produktion, Technik, Qualitätssicherung und Supportfunktionen 400 neue Jobs für hochqualifizierte Arbeitskräfte. Der Rekrutierungsprozess hat bereits begonnen. Derzeit hat Biogen in Luterbach rund 20 offene Stellen, weitere werden folgen.

GEWINNEINBRUCH: Ein Preisverfall bei Glyphosat-Unkrautvernichtern setzt dem US-Saatgutriesen Monsanto vor der Übernahme durch den deutschen Chemiekonzern Bayer schwer zu. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 brach der Nettogewinn um rund 43 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar ein, wie das Unternehmen mitteilte. Der Umsatz sank binnen Jahresfrist um zehn Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Monsanto bekam vor allem niedrigere Preise bei seinen Unkrautbekämpfungsmitteln auf Basis des umstrittenen Mittels Glyphosat zu spüren. Dies trug wesentlich zu einem Umsatzrückgang von 1,2 Milliarden Dollar im Pflanzenschutzgeschäft bei. Bayer will das US-Unternehmen für 66 Milliarden Dollar kaufen und hatte sich Mitte September nach monatelangem Ringen mit Monsanto geeinigt.

NEUER AIRLINEVERBUND: Im Zug des Air-Berlin-Umbaus entsteht ein neuer Fluganbieter. Die Gespräche dazu haben der deutsche Touristikkonzern Tui und die arabische Fluggesellschaft Etihad bestätigt. Tui und Etihad wollen aus Tuifly und Teilen der Air Berlin einen neuen Airline-Verbund formen. Sie kündigten an, der Verbund werde sich auf Punkt-zu-Punkt-Verkehr zu wichtigen Ferienzielen fokussieren und sein Streckennetz von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus bedienen. Der neue Airline-Verbund soll insgesamt rund 60 Flugzeuge stark werden, 20 von der Air-Berlin-Tochter Niki und 40 von Tuifly. Das Vorhaben ist Teil der Sanierungsbemühungen für die hoch defizitäre Fluggesellschaft Air Berlin, an der Etihad gut 29 Prozent hält.

SPITZENKONZERNE: Im Rennen um Umsatz- und Gewinnzahlen sind Europas Spitzenkonzerne im ersten Halbjahr von ihren US-Rivalen abgehängt worden. Die jeweils 300 Top-Konzerne waren zwar beidseits des Atlantiks auf Schrumpfkurs, in Europa fiel der Rückgang aber deutlich stärker aus. Die Umsätze der grössten europäischen Unternehmen sanken im ersten Halbjahr 2016 um 4,6 Prozent. In den USA fiel der Rückgang mit 0,4 Prozent markant schwächer aus. Noch besser entwickelten sich im Vergleich dazu gemäss einer Studie von EY die grössten Unternehmen der Schweiz mit einer Zunahme des Umsatzes von 9,5 Prozent.

WERTVOLLE MARKEN: Die US-Firmen Apple, Google, Coca-Cola und Microsoft sind weiterhin weltweit die wertvollsten Marken. Nur drei nicht-amerikanische Unternehmen schaffen es in die Top-Ten der Rangliste 2016 der Beratungsfirma Interbrand: Toyota, Samsung und Mercedes-Benz. Unangefochten an der Spitze liegt der Technologieriese Apple mit einem Markenwert von 178,12 Milliarden Dollar. Allerdings verlangsamte sich das Wachstum des Markenwerts auf fünf Prozent. Der Internetgigant Google mit einer Steigerung des Markenwerts von elf Prozent folgt auf Platz zwei vor dem Getränkekonzern Coca Cola auf Rang drei. Die wertvollste Schweizer Marke ist auch 2016 Nescafé.

PEITSCHEN-PEER: Der ehemalige deutsche Finanzminister, SPD-Kanzlerkandidat und Kritiker des Schweizer Bankgeheimnisses Peer Steinbrück wechselt in die Bankenbranche. "Ich werde ein Angebot der ING-Diba annehmen, als Berater des Vorstandes", sagt Steinbrück der "Zeit" laut Vorabmeldung. Seine Zeit als Minister sei sieben Jahre her, er könne keine Interessenkollision erkennen, sagt Steinbrück. Der Sozialdemokrat sieht in der Annahme des Berater-Jobs seinen eigenen Worten zufolge keinen Widerspruch zu seiner früheren Kritik an Banken, da Europas grösste Direktbank ING-Diba "sehr konservativ und risikoscheu" sei. Steinbrück stammt aus einer Bankiersfamilie, einer seiner Vorfahren hat die Deutsche Bank mitgegründet. In der Schweiz hatte Steinbrück, ein scharfer Kritiker des Bankgeheimnisses, als Finanzminister immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

NEUAUSRICHTUNG: Grossbritanniens grösste Supermarktkette Tesco will sich mit milliardenschweren Investitionen in seine Läden von den Rivalen Aldi und Lidl absetzen. Die Neuausrichtung machte sich bereits im ersten Geschäftshalbjahr bezahlt. Der Umsatz zog um 3,3 Prozent an, das operative Ergebnis vor Sonderposten stieg um 60 Prozent auf 596 Millionen Pfund (rund 745 Millionen Franken). In den kommenden drei Jahren soll das Geschäft durch den Umbau nun deutlich rentabler werden. Die Kosten sollen dafür um 1,5 Milliarden Pfund gedrückt und zugleich die Investitionen auf im Schnitt 1,4 Milliarden Pfund pro Jahr erhöht werden. Anleger honorierten die Pläne: Die Tesco-Aktien sprangen um mehr als zehn Prozent nach oben.

MILLIARDENÜBERNAHMEN: In der Versicherungsbranche rollt eine neue Fusionswelle an. Konzerne aus den Niederlanden und Japan gaben am Mittwoch Übernahmeofferten über insgesamt acht Milliarden Euro bekannt. 2,4 Milliarden Euro will die NN Group für den kleineren Rivalen Delta Lloyd zahlen. In Japan stemmt mit Sompo Holdings ein weiterer Konzern der Branche einen Grosszukauf in den USA. 6,3 Milliarden Dollar lässt Sompo sich den Unfallversicherer Endurance Specialty kosten. Die Versicherer reagieren damit auf das schwierige Marktumfeld: Die anhaltend niedrigen Zinsen drücken auf die Erträge vieler Assekuranzen. Ausserdem müssen die Unternehmen mit neuen Kapitalvorschriften und wackligen Kapitalmärkten zurechtkommen. Von den Zusammenschlüssen erhoffen sie sich nennenswerte Kostensenkungen.

(AWP)