Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Donnerstag, 6. Oktober 2016
06.10.2016 17:24

ERHÖHUNG I: Die Schweizer Wirtschaft kommt aufgrund der moderaten Erholung an den Weltmärkten langsam wieder in die Gänge. Die Konjunkturforscher der KOF erhöhen ihre Wachstumsprognose für die Schweizer Wirtschaft für das laufende Jahr von 1,0 auf 1,6 Prozent. Die Rahmenbedingungen nach Aufhebung des Mindestkurses hätten sich zusehends verbessert, schreibt die KOF in ihrer Medienmitteilung. Allerdings habe die Schweizer Industrie wesentlich stärker an den Nachwehen der Frankenstärke gelitten als bisher erwartet. Damit stünden die Schweizer Unternehmen weiterhin unter Druck, ihre Profitabilität zu steigern. Am Arbeitsmarkt erwartet das KOF zwar eine leichte Besserung im zweiten Halbjahr, sieht aber die schleppende Entwicklung des Aussenhandels, die gedämpfte Konsumentenstimmung und strukturelle Probleme in gewissen Sektoren nach wie vor als belastend.

ERHÖHUNG II: Das Ende des Sommerausverkaufs sowie höhere Preise für Heizöl und Benzin haben im September zu einem insgesamt höheren Preisniveau geführt. Die Konsumgüter wurden im September gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent teurer. Der Landesindex der Konsumentenpreise steht damit auf 100,2 Punkten (Dezember 2015=100 Punkte). Im August haben sich die Preise noch um 0,1 Prozent verbilligt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt das Preisniveau gemäss Bundesamt für Statistik um 0,2 Prozent tiefer.

RÜCKGANG: Der August ist für die Schweizer Hotellerie durchzogen verlaufen. Insgesamt ging die Übernachtungszahl gegenüber dem Vorjahr um 1 Prozent auf 4,1 Millionen zurück. Mehr als die Hälfte der Übernachtungen, 2,4 Millionen, geht auf das Konto der ausländischen Gäste. Das entspricht einem Rückgang von 2,8 Prozent. Besonders auffällig ist der Rückgang bei den asiatischen Gästen. Doch auch bei Touristen aus den Golfstaaten ist der Rückgang deutlich. Die inländischen Gäste generierten 1,7 Millionen Übernachtungen, was einer Zunahme von 1,5 Prozent entspricht.

STELLENABBAU: Das Maschinenbauunternehmen Ammann schliesst in Langenthal BE die Entwicklung, Fertigung und Montage von Asphaltfertigermaschinen. Dem Abbau fallen bis zu 38 Stellen zum Opfer. Die Massnahme werde bis Frühjahr 2017 umgesetzt, teilten die Gewerkschaften Angestellte Schweiz und Syna mit. Das Konsultationsverfahren wurde demnach gleichentags gestartet. Der grössere Teil der Kündigungen soll noch dieses Jahr stattfinden. Noch vor zwei Jahren hatte Ammann angekündigt, in Langenthal ein Kompetenzzentrum für Asphaltmischanlagen und Asphaltfertiger aufzubauen. Investitionen von 50 Millionen Franken waren über einen Zeitraum von fünf Jahren vorgesehen. Zwei Jahre später vollzieht das Unternehmen nun eine Kehrtwende.

EINIGUNG: Der Energiekonzern BKW hat sich mit Westschweizer Kantonen, die sich in der Investitionsgesellschaft Sireso zusammengeschlossen haben, endgültig über den Kauf der Swissgrid-Aktien von Alpiq geeinigt. Die BKW übernimmt 30,3 Prozent der Aktien der Swissgrid und überträgt ungefähr 4,4 Prozent an Sireso. Dank dieser Transaktion hält die BKW neu eine Beteiligung von knapp 37 Prozent an der Swissgrid. Die BKW und Sireso hatten sich bereits im März grundsätzlich über den Verkauf der Swissgrid-Aktien von Alpiq geeinigt. Doch andere Swissgrid-Aktionäre blockierten den Deal.

EINBRUCH: Das langjährige Gewinnwachstum von Easyjet findet ein jähes Ende. Terrorängste und das schwache Pfund im Zug des Brexit-Votums haben der Billigairline und Nummer zwei im Schweizer Flugmarkt das Jahresergebnis gründlich verhagelt. Nach vorläufigen Zahlen sackte das Vorsteuerergebnis im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr um mehr als einen Viertel auf umgerechnet 608 bis 614 Millionen Franken ab. Allein der Wertverlust der britischen Währung lässt den Angaben des Unternehmens zufolge das Jahresergebnis um umgerechnet 112 Millionen Franken sinken.

PARTNERSCHAFT: Der Sportfachhändler Intersport Schweiz bietet seine Produkte ab Frühling 2017 auch online an. Dazu geht Intersport eine strategische Partnerschaft mit dem Online-Fachhändler Brack.ch ein. Dieser übernimmt die Umsetzung des Sportartikel-Onlineshops. Laut einer Mitteilung streben die beiden Unternehmen an, dass Kunden nahtlos einkaufen können. Beispielsweise können sie Artikel online kaufen und im Laden abholen und anprobieren. Die rund 200-Intersport-Fachhändler sollen demnach weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Da die Händler ab März direkten Zugriff auf das Onlinelager hätten, könnten sie den Kunden eine grössere Auswahl bieten, heisst es in der Mitteilung.

ANLAGEBETRUG: Der Prozess gegen frühere Verantwortliche der ASE Investment in Frick AG wegen Anlagebetrug im Umfang von 170 Millionen Franken findet zwischen dem 21. und dem 26. November statt. Zuständig ist das Bezirksgericht Laufenburg. Angeklagt sind drei Personen. Der weitgehend geständige Geschäftsführer wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung und wegen mehrfacher Urkundenfälschung angeklagt. Der Mann befindet sich seit seiner Verhaftung ohne Unterbruch in Haft. Er trat im Februar 2015 den vorzeitigen Strafvollzug an.

STREICHUNG: Krankmeldungen des Kabinenpersonals bringen beim Ferienflieger Tuifly den Flugplan massiv durcheinander. Wegen der kurzfristig ausgefallenen Piloten und Flugbegleiter mussten am Donnerstag 47 von 110 geplanten Flügen annulliert werden. Die zum TUI -Konzern gehörende Airline leidet bereits seit dem Wochenende darunter, dass sich Kabinencrews vom Dienst abmelden. Die Angestellten reagieren damit nach Aussagen von Gewerkschaftern auf die Pläne der Konzernführung, aus Tuifly und Teilen von Air Berlin ein neues Ferienflugunternehmen zu schmieden. Der neue Airline-Verbund soll insgesamt gut 60 Flugzeuge stark werden, 20 von der Air-Berlin-Tochter Niki und 40 von Tuifly.

STEIGERUNG: Die deutschen Versicherer haben im vergangenen Jahr wieder mehr Geld für Schäden durch Sturm, Hagel oder Starkregen zahlen müssen. Die Schadenbilanz stieg von knapp zwei Milliarden Euro im Jahr 2014 auf fast 2,6 Milliarden Euro. Besonders Sturm- und Hagelschäden nahmen zu, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilte. Der Gesamtschaden fiel allerdings noch deutlich niedriger aus als im Jahr 2013 mit 7,2 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr schlägt allein die Unwetterserie im Frühsommer bereits mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche. Laut Verband ist zudem erkennbar, dass sich der Wechsel von Jahren mit hohen und niedrigen Schäden verkürzt.

VERKAUF: Der US-Pharmariese Pfizer verkauft sein Geschäft mit Infusionspumpen für eine Milliarde Dollar an das kalifornische Medizintechnikunternehmen ICU Medical. Pfizer werde davon 600 Millionen Dollar in Bar und rund 400 Millionen Dollar in neuen ICU-Medical-Aktien erhalten. Damit wird der Arzneimittelhersteller etwa 16,6 Prozent an ICU halten. Der Abschluss des Deals wird im ersten Quartal 2017 erwartet. Insidern zufolge war auch der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius an dem Geschäft interessiert.

RÜCKGANG: Der weltgrösste Detailhändler Wal-Mart will stark in den Ausbau seiner Online-Sparten investieren und rechnet deshalb zunächst mit weniger stark sprudelnden Gewinnen. Im kommenden Geschäftsjahr bis Ende Januar 2018 werde es entgegen der bisherigen Vorhersage wohl keinen Ergebniszuwachs geben. Für das Geschäftsjahr 2019 wurde die Prognose für das Gewinnplus je Aktie von bislang 5 bis 10 Prozent auf 5 Prozent eingeschränkt. Bisher erwirtschaftet Wal-Mart drei Prozent seines Umsatzes im Online-Handel. Ingesamt erlöste der Konzern 2015 rund 486 Milliarden Dollar.

(AWP)