Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Montag, 10. Oktober 2016
10.10.2016 17:53

NOBELPREIS: Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaft geht an einen Finnen und einen Briten. Bengt Holmström und Oliver Hart erhielten die höchste Auszeichnung in der Ökonomie für ihre Beiträge zur Vertragstheorie. Die Arbeiten der zwei in den USA lehrenden Forscher lieferten die intellektuelle Grundlage für viele Bereiche, "vom Konkursrecht bis zur politischen Verfassung", begründete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften ihre Entscheidung. Die von den beiden Preisträgern entwickelten Theorien helfen etwa Firmen dabei, die Gehälter von Topmanagern festzulegen, oder zu entscheiden, wann eine Privatisierung von staatlichem Eigentum sinnvoll ist.

UNVERÄNDERT: Im September hat sich die Arbeitslosenquote nicht verändert. Sie verharrte bei 3,2 Prozent, verglichen mit dem August. Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich um 183 Personen. Insgesamt waren 142'675 Personen als arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Arbeitslosigkeit jedoch leicht gestiegen um 4449 Personen. Die Quote lag im September 2015 bei 3,1 Prozent. Gute Nachrichten vermeldet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Montag zur Jugendarbeitslosigkeit: Unter den 15- bis 24-Jährigen verringerte sich im Vergleich zum August die Arbeitslosigkeit um 613 Personen auf insgesamt 20'027. Das sind im Vergleich zum Vorjahresmonat 591 Personen weniger.

WACHSTUM: Der weltgrösste Aroma- und Riechstoffhersteller Givaudan ist in den ersten neun Monaten nochmals gewachsen. Der Umsatz hat um 6,7 Prozent auf 3,518 Milliarden Franken zugelegt. Von Juli bis September stieg der Umsatz um 6,4 Prozent auf 1,184 Milliarden Franken. Damit hat sich das Wachstum im dritten Quartal leicht verlangsamt, wobei vor allem das Geschäft mit den Riechstoffen in den letzten drei Monaten weniger stark zugelegt hat als im Halbjahr zuvor. Zudem kommt es zu einem Wechsel an der Spitze: Jürg Witmer will sein Amt als Verwaltungsratspräsident abgeben. Er plant den Rückzug auf kommenden März. Witmer soll durch den Vizepräsidenten Calvin Grieder ersetzt werden.

ANKLAGE: Die Polizei in Singapur hat zwei ehemalige Mitarbeiter der Tessiner Privatbank BSI angeklagt. Vorgeworfen wird ihnen den Angaben von Montag zufolge Fälschung und unterlassene Mitteilung von verdächtigen Transaktionen. Wegen der Verwicklung in den milliardenschweren Geldwäsche-Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB hatten die Behörden die Zweigstelle von BSI in Singapur im Mai geschlossen. Einer der nun Angeklagten war bei dem Geldhaus für die Beziehung zu 1MDB verantwortlich. Die BSI, die von der Konkurrentin EFG International übernommen wird, war Ende Mai wegen der Geschäfte mit der 1MDB von den Aufsichtsbehörden in der Schweiz und Singapur sanktioniert worden.

MINISTERTREFFEN: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann trifft sich im Rahmen des Wirtschaftsminister-Treffens diese Woche in Wien zu Gesprächen mit dem österreichischen Bundeskanzler Kern. Im Zentrum stehen neben den bilateralen Beziehungen auch Fragen zur Europapolitik und Migration. Im Anschluss wird sich der Bundespräsident in seiner Rolle als Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) mit den deutschsprachigen Wirtschaftsministern zu wichtigen Wirtschaftsfragen unterhalten. Unter anderem sind dies die allgemeine Weltwirtschaftslage, die Europapolitik, die Digitalisierung sowie Energiethemen.

FIRMENGRÜNDUNGEN: 2014 sind in der Schweiz 42'478 neue Unternehmen entstanden. Insgesamt wurden so 56'996 neue Stellen geschaffen. Wie im Vorjahr sind 2014 in allen Wirtschaftszweigen die Zahl der Unternehmen und Beschäftigten gestiegen, wie aus den provisorischen Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervorgeht. Dabei waren die Kantone Zürich, Bern und Waadt mit 20 Prozent der neu gegründeten Firmen die Spitzenreiter. Der tertiäre Sektor verzeichnete dabei mit rund 88 Prozent die höchste Zahl an neu registrierten Firmengründungen. Die meisten davon sind im Unterrichtswesen entstanden (23,7 Prozent). Bei den neu geschaffenen Stellen belegte das Gastgewerbe und die Beherbergung den ersten Platz. Am schwächsten war der Anstieg der Unternehmensgründungen und Beschäftigten in der Baubranche. Das BFS hat in diesem Jahr die Statistik komplett überarbeitet, weshalb ein Vergleich mit Vorjahreszahlen wenig sinnvoll ist.

REAKTION: Nach neuen Berichten von Konsumenten über brennende Austauschgeräte des Smartphones Galaxy Note 7 ändert der Hersteller Samsung nach eigenen Angaben seine Produktionsplanung. Zweck der vorläufigen Anpassung sei es, "weitere Schritte zu unternehmen, um Qualität und Sicherheit zu gewährleisten". Zuvor hatte es Medienberichte gegeben, der Smartphone-Marktführer aus Südkorea habe die Produktion des Note 7 vorübergehend ausgesetzt. Mit der vagen Formulierung "wir passen die Produktionsplanung des Galaxy Note 7 vorübergehend an" wurden sie von Samsung weder bestätigt, noch dementiert.

HOFFNUNG FÜR ATHEN: Griechenland kann nach Einschätzung der EU-Kommission bald auf die Auszahlung weiterer Hilfsgelder durch die Euro-Partner hoffen. Alle geforderten Reformen seien nun abgeschlossen, sagte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici vor dem Treffen der Euro-Finanzminister. Noch am Freitag hatten EU-Diplomaten gesagt, dass nur die Hälfte der 15 sogenannten Meilensteine umgesetzt waren. Athen und die Euro-Länder hatten sich im Juli vergangenen Jahres auf ein drittes Hilfspaket in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro verständigt, um Griechenland erneut vor dem Staatsbankrott zu retten. Zuletzt wurde im Juni eine Hilfstranche von 7,5 Milliarden Euro ausgezahlt. Die weiteren 2,8 Milliarden Euro sollten eigentlich schon im September folgen, verzögerte sich aber wegen der fehlenden Reformen.

TIEFER FALL: Aktionäre des Kurznachrichtendienstes Twitter ergreifen die Flucht: Nach einem Medienbericht, wonach sich sämtliche Kaufinteressenten zurückgezogen haben sollen, brachen die Titel an der Wall Street um bis zu 15 Prozent ein. Zeitweise notierte die Aktie bei unter 17 Dollar. Am Wochenende schrieb der Finanzdienst Bloomberg, dass auch die Software-Firma Salesforce als letzter grosser Anwärter nicht mehr interessiert sei. Laut Bloomberg erwägt Twitter nun andere Optionen, sein schwächelndes Geschäft wieder auf Vordermann zu bringen. Möglich seien Verkäufe von Sparten, die nicht zum Kerngeschäft gehörten, schrieb die Agentur unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

AUF WUNSCH PUTINS: Russlands grösster staatlich geführter Ölkonzern Rosneft übernimmt auf Wunsch der Regierung den Konkurrenten Baschneft. Die Rohstoffmacht Russland will mit der Privatisierung von Staatsunternehmen ihr Haushaltsloch stopfen. Für den Anteil von 50,8 Prozent, welcher der russische Staat an Baschneft hält, bezahlt Rosneft 330 Milliarden Rubel, umgerechnet gut 5 Milliarden Franken. Das geht aus einer von Regierungschef Dmitri Medwedew unterzeichneten Anordnung hervor, wie russische Agenturen meldeten. Die Summe soll laut Anordnung bis zum 14. Oktober an den Staat überwiesen werden. Regierungschef Medwedew ordnete ferner an, noch in diesem Jahr 19,5 Prozent der Staatsanteile an Rosneft zu verkaufen. Der Staat rechnet mit einem Erlös von bis zu 700 Milliarden Rubel.

UNTER DACH UND FACH: Die Einigung zwischen Österreichs Krisenbank Hypo Alpe Adria und deutschen Finanzinstituten ist perfekt. Fast 99 Prozent der Gläubiger haben das Rückkaufangebot angenommen, wie der Kärntner Ausgleichszahlungsfond am Montag mitteilte. Bereits am Dienstag vergangener Woche hatte Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling verkündet, dass eine ausreichende Zahl an Gläubigern das Rückkaufangebot angenommen habe. Die Annahmefrist für die Gläubiger endete am Freitag. Der neue Deal, der offiziell vonseiten des Bundeslandes Kärnten vorgelegt wurde, sieht eine Rückzahlung von 90 Prozent der investierten Gelder vor. Ein erstes Angebot des Landes in Höhe von 75 Prozent der ausstehenden Gelder hatten die Gläubiger im März noch abgelehnt.

(AWP)