Tagesüberblick Wirtschaft

Bern (awp/sda) - Dienstag, 11. Oktober 2016
11.10.2016 18:02

SANKTIONEN: Mit der Züricher Privatbank Falcon ist nach der Tessiner BSI eine zweite Schweizer Bank in den Korruptionsskandal rund um den malaysischen Staatsfonds verwickelt. Die Bank hat gemäss einer Mitteilung der Finma schwer gegen die Geldwäschereibestimmungen verstossen. Rund 3,8 Milliarden US-Dollar sollen auf Konten bei Falcon überwiesen worden sein, welche mit dem malaysischen Staatsfonds in Verbindung stehen. Trotz der ungewöhnlichen Transaktionen und Geschäftsbeziehungen, insbesondere zu politisch exponierten Personen (PEP), habe die Bank die nötigen Abklärungen über die Hintergründe und Risiken nicht durchgeführt. Auch interne Bedenken wurden von den Entscheidungsträgern schlicht ignoriert. Die Finma zieht der Bank nun den ungerechtfertigt erzielten Gewinn in der Höhe von 2,5 Millionen Franken ein und verbietet ihr, neue Geschäftsbeziehungen mit ausländischen PEP einzugehen. Für den Wiederholungsfall wird ihr der Bewilligungsentzug angedroht. Gegen zwei ehemalige Funktionsträger wird zudem ein Verfahren eingeleitet.

NOTBREMSE: Samsung stellt die Produktion seines feuergefährlichen Galaxy Note 7 endgültig ein. Zuvor hatten neue Berichte über brennende Austauschgeräte die Krise verschärft. In der Schweiz hat die Swisscom die Auslieferung der ausgetauschten Galaxy Note 7 Geräte gestoppt, respektive gar nicht gestartet, wie der Konzern auf Anfrage mitteilte. Sunrise hat ebenfalls den Verkauf des Smartphones gestoppt und ist daran, seine Kunden zu informieren. Wie viele Geräte Sunrise bereits verkauft hat, gibt das Unternehmen nicht bekannt. Salt, der dritte Schweizer Mobilfunkanbieter mit eigenen Netz, hate bisher keine Note 7 Geräte an die Kunden geliefert.

STELLEN WEG: Weniger Filialen und Mitarbeiter: Bei der Gruppe Musik Hug droht ein Abbau von 85 Stellen - die meisten wohl durch Kündigung. Das Unternehmen hat die strategische Neuausrichtung beschleunigt, um die wirtschaftliche Zukunft zu sichern. Über die definitiven Massnahmen entscheidet Musik Hug Ende Oktober. Die Gruppe Musik Hug plane konkret, den Standort in St. Gallen zu schliessen und das Verkaufslokal in Basel aufzugeben, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Gemäss Musik Hug machen die Massnahmen voraussichtlich einen Abbau von 85 Stellen notwendig, die meisten davon wohl durch Kündigungen. Das Traditionsunternehmen, das 1807 gegründet wurde, macht das schwierige Marktumfeld für die Massnahmen verantwortlich. Die Musikbranche habe den fast vollständigen Wegfall des stationären CD-Geschäfts, den massiven Nachfragerückgang bei physischen Noten sowie einigen Instrumentengruppen zu verkraften.

INDUSTRIE: Das Verbindungstechnik- und Logistikunternehmen Bossard hat besonders dank guten Geschäften in den USA das dritte Quartal 2016 erfolgreich abgeschlossen. Der Umsatz fiel mit 169,7 Millionen Franken im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,8 Prozent höher aus. In Lokalwährungen betrug das Umsatzwachstum von Juli bis September 3,9 Prozent. Dabei sticht das Amerikageschäft heraus: Auf dem US-Markt steigerte das Unternehmen den Umsatz im betreffenden Quartal um 13,3 Prozent auf 44,4 Millionen Franken. Diese Dynamik sei wesentlich auf die Kooperation mit dem US-Elektrofahrzeughersteller Tesla zurückzuführen, dessen Produktionsvolumen markant nach oben zeigten, heisst es in der Mitteilung.

LUFTVERKEHR: Die Fluggesellschaft Swiss hat in den ersten neun Monaten mit rund 12,5 Millionen Fluggästen leicht mehr Passagiere transportiert als noch in der Vorjahresperiode (+0,2 Prozent). Allerdings waren die Flüge insgesamt weniger ausgelastet. Die Swiss hat von Januar bis September ihr Angebot, gemessen in Sitzkilometern, um 6,2 Prozent ausgeweitet und führte 1 Prozent mehr Flüge durch. Die verkauften Sitzkilometer sind dabei um 3 Prozent gestiegen. Damit ist die Auslastung ihrer Flüge insgesamt auf 81,3 Prozent gesunken. Im September zeigt sich das gleiche Bild. Die Swiss beförderte mit rund 1,5 Millionen Passagieren 3,5 Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahresmonat. Aufgrund der Angebotsausweitung waren die Flugzeuge mit 83,4 Prozent wiederum weniger besetzt. Bei der gesamten Lufthansa-Gruppe, zu welcher die Swiss gehört, stieg die Zahl der Passagiere von Januar bis September im Vergleich zur Vorjahresperiode etwas deutlicher auf rund 84 Millionen (+1,1 Prozent) und im September auf knapp 11 Millionen Personen (+5,2 Prozent). Trotz mehr Fluggäste ist aber auch konzernweit ein Rückgang der Auslastung zu beobachten.

WEF: Das World Economic Forum (WEF) eröffnet ein neues Zentrum in San Francisco. Es trägt den Titel "Zentrum für die vierte industrielle Revolution" und beschäftigt 50 bis 60 Personen, die sich Fragen zu Politik und Regulierung im Bereich neuer Technologien widmen. Bis Ende Jahr sollen rund zehn Projekte in Angriff genommen werden, wie Zentrumsleiter Murat Sönmez sagte. Dabei soll es etwa um künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos oder verteilte Datenbanken gehen.

ENTTÄUSCHENDER AUFTAKT: Der Preisverfall bei Aluminium macht dem US-Industriekonzern Alcoa zu schaffen. Der Umsatz schrumpfte im dritten Quartal um sechs Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Damit verfehlte der Aluminiumriese die Markterwartungen. Die Alcoa-Aktien fielen an den Wall Street um mehr als zehn Prozent. Der Gewinn kletterte im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreswert zwar von 44 auf 166 Millionen Dollar. Grund für den Anstieg waren aber vor allem Kostensenkungen. Zudem war das Vorjahresergebnis stark durch Sonderkosten verzerrt. Der Konzern macht traditionell den Auftakt für die Saison der Quartalsberichte und gilt auch als ein Indikator für die Konjunkturentwicklung, weil Aluminium in vielen Branchen eingesetzt wird.

FINANZTRANSAKTIONSSTEUERN: In der langwierigen Diskussion um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer meldet die EU-Kommission Fortschritte. Minister von zehn Ländern haben eine Verständigung über vier wichtige Punkte erzielt. Es müssten aber noch einige Analysen unternommen werden. Die EU-Kommission werde nun eine Gesetzesvorlage vorbereiten, die dann in den nächsten Wochen den Ministern überreicht werden solle. Mit der seit Jahren diskutierten Steuer wollen die Teilnehmer-Länder unter anderem Börsenspekulation eindämmen und ihre Staatskassen füllen.

ENERGIE: Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) halten die Auswirkungen der geplanten Öl-Fördergrenze des Opec-Kartells für schwer abschätzbar. Kritische Details wie die Aufteilung der Kürzungen unter den Ländern müssten bei einem Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) Ende November festgeklopft werden, heisst es im monatlichen Öl-Marktbericht der IEA. Bis dahin werde die Fördermenge wohl im Bereich jüngster Rekordwerte bleiben. Die zerstrittene Opec hatte Ende September überraschend eine Beschränkung des täglichen Produktionsvolumens auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel (je 159 Liter) beschlossen. Damit sollen die Ölpreise stabilisiert werden. Im September pumpten die Opec-Staaten 33,6 Millionen Barrel pro Tag.

(AWP)